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Volksschule und Oilfsdieuft.

Nicht nur von den Heeres- und Zivildienstpflichtigen werden in der gegenwärtigen schweren Zeit hohe Opfer gefordert, auch die noch schulpflichtige Jugend muß sich durch Uebernahme mannigfacher Kleinarbeit in den Dienst des Vaterlandes stellen. In Haus und Hof, in Gärten und Wäldern, aus Wiesen und Feldern greifen emsige Kinderhände freudig zu, den hartbedrängten Kriegerfrauen die schweren Tageslasten zu erleichtern. Außerdem helfen sie mit, wenn es gilt, die der Schule zugewiesenen besonderen Kriegsaufgaben zu erfüllen.

Welch großartige Erfolge sind doch in den beiden letzten Jahren durch das von Schulkindern besorgte Sammeln von sonst wertlosen alten Gebrauchsgegen­ständen, von früher kaum beachteten Nahru"gs- und Genußmitteln erzielt worden!

Solange der schreckliche Krieg noch dauert, solange nach Beendigung desselben die Beschaffung wichtiger Rohmaterialien, wie Messig, Kupfer, Blei etc.; die Einfuhr eingebürgerter Genußmittel, wie Tee, Kaffee und Tabak; die Gewinnung von unentbehrlichen Oelen und Fetten und dergleichen mehr nicht in genügendem Maße erfolgen kann, solange muß die begonnene Sammel­tätigkeit in Stadt und Land eifrigst fortgesetzt werden.

Darum treten unsere Behörden erneut mit ihren Anregungen an die Gemeinden und Schulen heran, auffordernd zur Einbringung von Metallen, Altpapier, Pilzen, Gespinstpflanzen usw.

Am erfolgreichsten werden diese Sammlungen durch­geführt werden können, wenn die Sammler ihr Augen­merk in erster Linie auf jene Dinge richten, die in ihrer Gegend am leichtesten und erfolgreichsten zu fassen sind.

Zur Auswahl seien deshalb den mit der Leitung des Sammlers betrauten Damen und Herren, insbeson­dere Lehrer und Lehrerinnen folgende Gegenstände empfohlen.:

1. Metalle. Goldene Ketten, Broschen, Armbänder, Ringe, Uhrgehäuse etc. werden zum reinen Goldwerte an den Ankaufsstellen entgegengenommen. Die seitherige Sammlung durch die Schulen betrug über 15 000 000 Mk.

(Amtl. Schulblatt 1916 Nr. 6) Messing, Bronze ä kg 1,00 Mk., Blei, Zink 0,40 Mk., Alumininm 2,50 Mk. Kupfer 1,70 Mk., Reinnickel 4,50 Mk

Mann vergesse nicht, zu sammeln alte Bleirohre, Bleikugeln, Solvatenknöpfe, Patronenhülsen! (A. Sch. 1916 Nr. 6)

2. Gummi. Alte Schläuche, Gummischuhe, Schnul­ler und dgl. (A Sch. 1916 Nr 10.)

3. Altpapier für Strohsäcke in den Kasernen und zur Herstellung neuen Papiers. In diesem Jahre be­sonders wichtig, weil Stroh rar und teuer ist. Man sammle alte Zeitungen, Einwickel- und Packpapier, alte Hefte und zurückgesetzte Bücher.

4. Obstkerue, gut gewaschen und völlig getrocknet. Nach Sorten getrennt: Steinobst (Kirsch-, Pflaumen-, Zwetschen-, Mirabellen-, Reineclauden- und Äprkkosen- kerne.) ä kg 10 Pfg.; Kürbiskerne 15 Pfg.; Zitronen- und Äpfelsiuenkerne 35 Pfg. (Pfirsichkerne sind wert­los !) 100 kg Obstkerne 10 Pfd. Speiseöl! 191. Sch. 1916 Nr 7.)

5. Kaffeesatz a Ztr. 1,00 Mk (A. Sch. 1916 Nr. 11a) 6. Gespinstpflanzen. 8/t m hohe Brennesseln, dicht an der 'Erde abschneiden, auf Sand oder Wiese vor­trocknen, in kleinen Garben aufstellen, bis die Blätter leicht abfallen. Stengel auf dem Boden gut nachtrocknen und abliefern. 1 kg 14 Pfg. Blätter zu Tee gegen * Verschleimung, zur Blutreinigung, als Gurgelwasser verwenden. Geben auch gutes Viehfutter (A. Sch 1916 Nr. 9 u 10).

7. Teekräuter. Die auch im Herbst noch sammel- baren Blätter des Brombeer- und Preißelbeerstockes, der Birke und des Walnußbaumes fommen als Teeer­satzmittel in Betracht.

_8 . Arzneikräuter, im Herbst noch sammelbar: Augen­trost (Kraut mit Blüten), Be fuß (Zweigspitzen), Hau­hechel (Wurzel), Huflattich (stielfreie Blätter), Knöterich, Polyganum aviculara (ganze Pflanze mit Blutenstand), Mauerraute (ganze Pflanze), Schafgarbe (Kraut und Blätter). Lufttrocknung verdient den Vorzug. Preise per kg 0,501,00 Mk. und höher. (A. Sch. 1917

9-, Oelpflanzeusamen.ZSonnenblumen, ä kg 40 bis 45 Pfg. (A. Sch. 1916 Nr. 3 u. 8 mit ausführlicher Anweisung). Bucheckern, Ztr. 30 Mk. (A. Sch. 1916 Nr. 10 u. 11 a). Eicheln, lufttrocken ä Ztr. 19 Mk (21. Sch. 1916 Nr. 10 u. 11 a). Roßkastanie, lufttrocken 15 Mk. pro Ztr. (A. Sch. 1916 Nr. 10 u 11 a) Akazien. Letztere dieses Jahr sehr ertragreich. 3

^ 10. Weißdorufrüchte Kaffee-Ersatz ä kg getrocknet 20 Pfg.

1^- Hagebutten, auch zu wohlschmeckenden Tunken (Saucen) verwendbar.

^. Pilse, äußerst wichtig für die Volksernährung. Gute Pilztafeln und zuverlässige Pilzkunden sind in jeder Buchhandlung zu haben. (A. Sch I9l7 Nr. 7). Für dieZ Herbstmonate empfiehlt sich die Sammlung folgern beVßilje: Reizker, Champignon, Steinpilz, Eierschwamm, Pfifferling, Nothäubchen und Ziegenbart.

^^Um die Ergebnisse dieser sehr wichtigen Sammlungen zu steigern und ihre Ablieferung zu erleichtern, sollen in^ Kürze Vereinbarungen mit den Kriegswirtschafts­ausschüssen getroffen werden. Es ist geplant, für die

Kreise Fulda und Schlächtern an geeigneten Orten Annahme- oder Ankaufsstellen einzurichten, die gegen Barzahlung die durch die Schüler gesammelten Gegen­stände in Empfang nehmen. Sobald diese Sammel- stellen bestimmt sind, wird deren Veröffentlichung im Anzeigeteile dieses Blattes erfolgen. Bei dieser Gelegen­heit werden auch die festgesetzten Preise für die abzulie- fernden Dinge bekanntgegeben.

(Sammel-Leitern wird empfohlen, vorstehenden Artikel zur gelegentlichen Verwendung aufzuheben).

Lokales und Pravinrielles

Schlächter», den 11. September 1917.

* Dem Landsturmmann Kaspar Böhm von hier wurde für treue Dienstleistung auf dem westlichen Kriegs­schauplatz die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.

* Den nachgenannten Herren, Kantor Freund in Schwarzenfels, Landesrentmeister Barthelmes in Schläch­tern, Pfarrer Frischkorn in Wallroth und Kreisrent- meister Pfalzgraf in Schlächtern ist in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Werbetätigkeit für die 6. Kriegsanleihe das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen worden.

* Den Schwestern Klara Batzer in Ramholz, Oberin Ludmilla Hüber in Salmünster, Diakonissin Elise Bötttger in Steinau, Diakonissin Charlotte Brenker- Schlächtern jetzt in Cassel und der verw. Frau Fabrikant Marie Bratfisch geb. Tafsius in Salmünster ist die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse verliehen worden.

Wie am 1. Mai b. Jahres, so soll auch am 25. dieses Monats in der Aula des hiesigen Lehrerseminars ein Konzert dreier Künstlerinnen zum Besten des Roten Kreuzes (Vaterländischen Frauenvereines) stattfinden. An dem ersten Konzert im Frühjahr hatten manche Freunde teilgenommen, um dem Roten Kreuz einen Dienst zu erweisen, sie merkten aber im Laufe des Abends gar bald, daß sie sich selbst einen großen Dienst geleistet und einen äußerst genußreichen Abend verschafft hatten. Die jugendlichen Künstlerinnen, die in Gesang, auf dem Flügel und auf der Violine Wundervolles leisteten, entfesselten Beifallsstürme und empfingen zum Schlüsse eine begeisterte, freudig dargebrachte Huldigung. Es wurde gleich an diesem Abend der Wunsch geäußert, daß wir doch öfter einmal einen solchen Kunstgenuß hier in Schlüchtern haben möchten. Gute Musik ist für das sorgenbeschwerte, beoräckte Gemüt in dieser Kriegs­zeit eine Erquickung und Erfrischung, die man sich nicht entgehen lassen soll. Die damals in der Schlüchterner Zeitung erschienene, aus sachkundiger Feder geflossene Kritik war in die Worte zusammengefaßt:Die Künst lerinnen, die sich der guten Sache in uneigennützigster Weise zur Verfügung gestellt, hatten einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen. Welcher der drei Damen die Krone gebührt, ist schwer zu sagen. Herzensdank dem Künstler-Trio!" Diese Kritik war ein schöner Beweis dafür, auf welch dankbaren Boden das Geleistete ge­fallen war und welch reiche Anerkennung es gefunden hatte. 'So wird von bornherein das am 25. b. Mts. bevorstehende Konzert, das von gleichbewährten Kräften ausgefährt werden wird, auf freundlichste Aufnahme bei der Bevölkerung der Stadt nnb des Kreises rechnen dürfen.

* Verlängerung der ,.Sommerzeit" in Sicht? Die diesjährige Sommerzeit soll bekanntlich Mitte des Monats ablaufen, während sie im vorigen Jahre erst am 30. September ihr Ende erreichte. Es wird nun. in amtlichen Kreisen erwogen, ob nicht im Hinblick auf die Kohlenknappheit und die daraus entstehende Gasnot eine Verlängerung der diesjährigen Sommerzeit einge­führt werden soll, vielleicht noch über 30. September hinaus, etwa bis Mitte Oktober. Die Erwägungen daraus werden noch fortgefährt.

* Es gibt Aepfelwein! (Das Kelterverbot ist aufgehoben.) Das Keltern von Aepfelwein ist grund­sätzlich genehmigt worden und es stehen gewisse Mengen Aepfel zur Weiterung zur Verfügung. Die Verteilung dieser Menge auf den einzelnen Kelterbetrieb erfolgt durch die Kriegsgesellschaft für Weinobsteikauf und -Ver­teilung, Berlin W. Kochstraße 6. Wer also Aepfelwein zu keltern wünscht, hat sich zunächst dorthin zu wenden. Die Kriegsgesellschaft setzt die Menge fest, welche der Antragsteller keltern darf. Auf Grund dieser Festsetzung ist bei der Bezirksstelle für Gemüse und Obst für den Regierungsbezirk Wiesbaden, Frankfurt a. M., Gallus- anlage 2, die Erlaubnis zum Keltern zu beantragen, die dann anstandslos erteilt wird. Gleichzeitig wird von der Bezirksstelle für Gemüse und Obst auch die entsprechende Menge Aepfel zum Keltern auf Antrag freigestellt. Es liegt im Interesse jeden Kelterbetriebes, sich genau an den vorgeschriebenen Weg zu halten, da sonst nur Verzögerungen eintreten. Die Weiterung ohne Erlaubnis ist verboten und unter strenge Strafe ge­stellt. Es sei also dringend davor gewarnt, ohne die eingeholte Erlaubnis zu keltern. Die vorstehende Meldung wird in weiten Kreisen des Publikums mit Freude ausgenommen werden. Und zwar nicht bloß wegen der besseren Versorgung mit dem Stoffchen, das natürlich nicht wie in Friedenszeiten fließt, sondern auch wegen der bewiesenen Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Volkes, das in diesem Winter wenigstens Gelegenheit haben wird, ab und zu einen Schoppen Aepfelwein zu trinken. Die Kelterfreigabe wurde in erster Linie er­

möglicht durch die überreiche Obsternte dieses IM dann mag aber auch die Einsicht vorhanden J sein, daß man der mit Recht erbitterten StimnuM Volkes über die bisherigen Resultate der ObstbA schaftung und ganz besonders über d n Verderb M tiger Kelteräpfelbestände im vorigen Herbst tragen mußte angesichts einer Ernte, die eine Zumessung von Kelterobst gestattet.

* Das Kriegsernährungsamt hat durch VerorW vom 30. August bestimmt, daß in der Zeit voM September bis 5. Oktober 1917 für jeden lamI schaftlichen Betrieb unter Zuziehung der BetriebsjM oder deren Stellvertreter der Ernteertrag für treide, Gerste, Hafer und Getreidegemenge sorgfälD ermitteln und dabei gleichzeitig eine NachprüfwiM im Juni angegebenen Erntefläche vorzunehmen ist. I Ernteerhebung bildet die Grundlage für die schaftuug des Brotgetreides und für alle die Versorg» regelung betreffenden Maßnahmen. Von ihr häM Zuteilung der Mehl und Brotmenge an die BevölkM für die Zukunft ab, so daß ihre gewissenhafte W führung für unser wirtschaftliches Durchhalten allergrößten Bedeutung ist.

* Neue Getreide Aufnahme. Durch eine» schätzung der Getreideernte im Juni ist ein vorlM Ueberblick über die Ernte gewonnen worden. DertM liche Ernteertrag kann aber erst nach Beendigung» Ernte festgestellt werden. Zu dem Zwecke ist vom ernährungsamt bestimmt worden, daß in der geh« 20. September 5. Oktober 1917 für jeden W wirtsch. Betrieb unter Zuziehung der BetriebsinD oder deren Stellvertreter der Ernteertrag für treide, Gerste, Hafer und Getreidemenge sorgfältig ermitteln und gleichzeitig eine Nachprüfung der inM angegebenen Erntefläche- vorzunehmen ist. Die W erhebung bildet die Grundlage für alle die VersorM regelung betreffenden Maßnahmen.

* Eruteerhebung und Nachprüfung der M flächen für Getreide. Durch eine im Juli d. J. Vorschätzung der Getreideernte ist ein vorläufiger blick über die diesjährige Ernte gewonnen. wurde von Sachverständigen unbv VertrauensM durch Schätzung eines DurchschnittshektarertragM jede Gemeinde unter Berücksichtigung der im JuM mittelten Erntefläche der Ernteertrag gemeindcM ermittelt. Für die sachgemäße Bewirtschaftung bog treides ist jedoch eine möglichst genaue KenMiW tatsächlichen Ernteertrages erforderlich. Dieser kanM nach Beendigung der Ernte festgestellt werden. ZM Zweck ist vom Präsidenten des KriegsernährungM durch Verordnung vom 30. August 1917 Bestie morden, daß in der Zeit vom 20. September bis Oktober 1917 für jeden landwirtschaftlichen BeW unter Zuziehung der Betriebsinhaber oder deren Stelle treter der Ernteertrag für Brotgetreide, Gerste, Rasers Getreidegemenge sorgfältig zu ermitteln u. dabei gleite eine Nachprüfung der im Juni angegebenen ErnteM vorzunehmen ist. Die Ernteerhebung bildet die GrM läge für bL Bewirtschaftung des Brotgetreides unt» alle, die ^ersorgungsregelung betreffenden MaßnahM Von ihr hängt die Zuteilung der Mehl- und Brotm» an die Bevölkerung für die Zukunft ab, so daß» gewissenhafteste Durchführung für unser wirtschaft!» Durchhalten von der allergrößten Bedeutung ist. mit der Erhebung betrauten Sachverständigen e« wie die landwirtschaftlichen Betriebsinhaber haben« die Pflicht, dafür zn sorgen, daß die Erhebung eine verlässiges Ergebnis liefert.

* Riesenmengen Weißkraut nach den Grost« unterwegs. W e aus Nordfriesland geschrieben « werden von den Marschen und der Insel Nords« aus ungeheure Transporte Weißkraut nach nahen» entfernteren Großstädten zum Verkanf geführt. erste Sendung, etwa 60000 Pfund, ist nach Be» gegangen. Die Menge des auf der Insel Nords« gewachsenen Weißkrauts ist so gewaltig, daß der * handene Verkehrsdampfer nicht genügt und HambliW Schiffe gechartert werden müssen, um ihn möglichst M an die Küste zu bringen, von wo aus dann der versand erfolgt. Es fehlt in den Marschen an m«M Stellen an Pferden und Wagen, um die ungcM Menge Kohl nach den Bahnstationen zu bringen, M muß der Wasserweg benutzt werden. Insgesamt zunächst wenigstens 8 Millionen Pfund Weißkraut M von Nordstrand und aus den Marschen zum Bet» kommen, außerdem auch größere Mengen Blumen» und andere Gemüsearten.

* Elm. Dem Krieger Adam Kreß von hier B» die Tapferkeitsmedaille und seinem Bruder Johannes» Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.

* Fliede». An den Folgen einer PilzvergisM starben 2. Kinder des Tagelöhners Joseph Mulle» Flieden (Strut.) Da der Fliedener Arzt Herr StabM Dr. Fälle im Felde steht, so wurde ärztliche H>lM spät in Anspruch genommen,- sodaß der Tod » Kinder nicht mehr abzuwenden war. Hoffentlich es, die beiden anderen erkrankten Knaben des bedauM werten Mannes, der sich z. Zt. auf Urlaub hier best"» am Leben zu erhalten. Am 16. des Monats M der hochwürdigste Herr Bischof Schmitt in Fulda W her kommen, um den Firmlingen der Pfarreien FlW und Schlächtern das heilige Sakrament der FiriM zu spenden.

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