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„Amtlichem Kreisblatt". — Wochcllbeilagt: Illustriertes Sountüflsblatt.
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Mittwoch, den 12. September 1917.
68. Jahrgang.
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Im Mittwoch, den 19. September 1917,
1 | vormittags 10 Uhr
H in Schlüchtern an der Stadthalle eine I Ziegendockkörung
M Zu dieser sind nur die Böcke vorzuführen, deren Milg erstmalig gewünscht wird.
Wie Herren Bürgermeister ersuche ich, aus vorstehende Milmachung wiederholt in ortsüblicher Weise We 2C.) tu ihrer Gemeinde aufmerksam zu machen. Wlüchtern, den 6. September 1917.
Der Laudrat.
Betr. Petroleum - Abgabe.
|r. 7476 K. G. Durch die Bekanntmachung des i Reichskanzlers vom 11 August ist die Petroleum an Verbraucher vom 16. September ds. Js. ab ir gestattet. Die Abgabe wird, wie im Vorjahr, Mund von Petroleumkarten erfolgen, ich mache ischon heute darauf aufmerksam, daß die Aussichten sie Versorgung der deutschen Zivilbevölkerung mit
^ »öl in den kommenden Wintermonaten sehr viel Dusliger sind, als sie in den beiden Vorjahre,! waren, Mrd nur etwa die Hälfte der Mengen zur Verfügung die im Vorjahr zugeteilt werden konnte. Sparsamste Einrichtung mit den zur Verteilung Wenden Mengen ist daher dringend geboten, worauf man heute Hinweise. ,
»Dichtern, den 6. September 1917.
Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.
von Trott zu Solz.
Mr. Revision der milchtoirtschaftttchen Betriebe.
^em Herrn Kreisdeputierten, Hof- und Mühlen« ier Erich Bachmann in Ebergötzen, Kreis Göttingen, die Stellung eines Bezirks-Revisors der Be- sfettftelle übertragen worden. In dieser Eigen- t ist Herr Bachmann berechtigt, die milchwirtschast- n Betriebe und Milchverarbeitungsstätten nach näherer Weisung der Bezirksfettstelle einer Prüfung zu unterziehen, äch gebe hiervon Kenntnis mit dem Ersuchen, Herrn Mann bei seinen Revisionen bereitwilligst über alle Milchwirtschaft betreffenden Fragen Auskunft zu geben. Schlächtern, den 6. September 1917
Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.
von Trott zu Solz.
A. Nr. 1414. G. T pp. 1.
Auf Grund des § 17 des Hilfsdienstgesetzes ist von dem Königlichen Kriegsministerium, Kriegsamt, die Vornahme einer gewerblichen Betriebszählung angeordnet worden. Die Zahlung soll den Stand des deutschen Gewerbes um die Zeit des 15. August 1917, .in einigen Punkten verglichen mit dem Stande vor Kriegsausbruch erfassen.
Die Wichtigkeit dieser Zahlung macht eine besondere Nachprüfung durch gewissenhafte Persönlichkeiten erforderlich, wofür eine Anweisung des Kriegsamtes den Vorstehern der Kommunalverbände zugehen wird. Unter den jetzigen Verhältnissen sind geeignete Zähler und Prüfer schwer zu finden, es hat sich aber nach früheren Erfahrungen die Lehrerschaft für diese Aufgabe in be- sonderem Maße geeignet erwiesen, und es ist deshalb die umfassende Beteiligung der Lehrkräfte aller mir unterstellten uNerrichtsanstalteu bei der Wichtigkeit der Erhebungen dringend erwünscht. Ich vertraue, daß Oberlehrer und Oberlehrerinnen, Lehrer und Lehrerinnen, soweit ihre Mitwirkung nid)* durchaus unmöglich ist, das Ehrenamt gern freiwillig übernehmen und sich den Gemeinden für die Nachprüfung der „Fragebogen zur gewerblichen Betriebszählung" auf einige Tage vom 1. September an zur Verfügung stellen werden.
Soweit hierbei einige Unterrichtsstunden ausfallen müssen, ist dafür Sorge zu tragen, daß den einstweilig gegen stundenweise Vergütung beschäftigten Lehrkräften ein Einnahmeausfall nicht erwächst.
Berlin W. 8, den 30. August 1917.
Der Minister der geistlichen und Unterrichts- Angelegenheiten.
In Vertretung gez. von Chappuis.
J.-Nr. 9554. Der vorstehende Erlaß wird den Herren
Bürgermeistern mit dem Ersuchen mitgeteilt, den Herren ,
Lehrern pp. alsbald Kenntnis davon zu geben.
Schlächtern, den 11. September 1917.
Der Königliche Landrat:. I. V. Schulthets.
Anssühru«gsanweisu«ft
zur Verordnung über den Handel mit Gänsen vom
3. Juli 1917. (ReichS-Gesetzblait S. 581.)
Zu 8 3.
Soweit ein Handel mit lebenden Gänsen nach Gewicht üblich ist, haben die Regierungspräsidenten für diesen Handel Lebendgewichtshöchstpreise vorzuschreiben. Die Preise sind so zu bemessen, daß die Preise des 8 1 der Verordnung im Durchschnitt keinesfalls überschritten werden.
Zu § 4.
Die Festsetzung von Höchstpreisen für den Verkauf von Gänsefleisch in Teilen und von aus Gänsen herze-
stellten Erzeugnissen wird dem Vorstand des Kommunalverbandes übertragen. Die Regelung unterliegt der Genehmigung des Regierungspräsidenten, im Bereich der Staatlichen Verteilungsstelle für Groß-Berlin der Genehmigung dieser Stelle. Die Festsetzung muß erfolgen daß die Preiße für die Einzelteile und Erzeug« nisse zusammen den in § 2 festgelegten Preisen zuzüglich eines angemessenen Aufschlages für die Kosten der Zerlegung und Verarbeitung entsprechen. Soweit daher eine Festsetzung solcher Höchstpreise für Einzelteile erfolgen soll, müssen Höchstpreise für alle Teile, die sich bei der nach Maßgabe der Regelung des Kommunalverbandes zulässigen Zerlegung ergeben, festgesetzt werden.
Falls der Kommunalverband keine Höchstpreise für Einzelteile von Gänsen und für aus Gänsen hergestellte Erzeugnisse festgesetzt hat, ist der Verkauf von Gänsen oder Gänsefleisch in Teilen, sowie die gewerbsmäßige Herstellung und der gewerbsmäßige Verkauf von daraus hergestellten Erzeugnissen unzulässig. Soweit die Höchstpreise festgesetzt sind, dürfen Gänse nur in solchen Teilen, für die Höchstpreise vorgeschrieben find, gewerbsmäßig verkauft werden. Auch dürfen nur die in der Höchst- preisregelung vorgesehenen Erzeugnisse aus Gänsen gewerbsmäßig hergestellt und gewerbsmäßig verkauft werden. Auf die Junehaltuug dieser Vorschrift ist streng zu achten.
Zu 8 5.
Die Bestimmung will erreichen, daß eine Mästung von Gänsen nur solange und insoweit erfolgt, daß die Stoppeln ausgenützt werden können. Mit der ®e« Währung von Ausnahmen von der Vorschrift des § 5 (vergl. § 7) wird daher nicht gerechnet werden können. Die Gänsehalter sind hierauf besonders hinzuweisen.
Die weitere Durchführung der Verordnung wird dem Staatskommissar für Volksernährung übertragen. Er kann insbesondere allgemeine Grundsätze über die Festsetzung von Höchstpreisen für, Gänseteile und für aus Gänsen hergestellte Erzeugnisse aufstellen und den Verkehr mit Gänsen nach Maßgabe des § 8 regeln.
Wer als Kommunalverband und als Vorstand des Kommunalverbandes zu betrachten ist, bestimmen die Kreisordnungen.
Berlin, den 2. August 1917.
Der Minister für Handel und Gewerbe.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen u. Forste».
Der Minister des Innern.
Im Anschluß an vorstehende Ausführungsanweisung weise ich besonders darauf hin, daß auch Ausnahme von dem Verbot des § 5 der im Kreisblatt Nr. 56 vom 14. Juli 1917 veröffentlichen Bekanntmachung nicht wird gerechnet werden können.
Schlüchtern, den 10 September 1917.
Der Vorsitzende des Kreis • Ausschusses.
Kriegkroman von Charlotte Wildert.
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«Ich verkaufe die Pläne an die russische Regierung und hnbin ich reich, reich! Ich könnte es schon lange sein, ue dieser Sd)iide mich nicht so elend hintergangen, na, Met nur--" Er verstummte, denn leise tastende Dritte näherten sich. Blitzschnell packten die knochi« 11 Singer des Alten die Papiere und schoben sie ha« 9 unter das Stroh seines Lagers. Er klappte rasch 11 Deckel der Truhe herunter unb schon erscholl brau« " ?u der schiefen, kleinen Tür ein leise» Klopsen, ein— — dreimal! „Aha, daS ist er schon."
Langsam schritt der Alte zur Tür, ein teuflische» »isen auf den verfallenen Zügen. Er schob den al« hs verrosteten Riegel zurück und öffnete vorsichtig die ' R^"nde, quietschende Tür. Die breite, hohe Gestalt L LI mußte sich fast hindurchzwängen.
' »Verteufelt schivierig ist eS, in Ihre Bude |U tom» P^kvwitsch!"
Alte schloß bedächtig die Tür und bot dem Besucher den dreibeinigen Schemel an.
ließ sich müde daraus uieberfaUen. «r den Arm auf den Tisch und sah dem Alten un« «uivegt u.s Gesicht. Dieser stand gebückt und keuchend z Dssche und schraubte an der Tranlampe.
s «Ihren Brief habe ich gestern erhalten," kam e» nun M °us dem Munde Startell«, ,wa» soll da» hei«
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1*1 'rJP^loiuitfd) antwortete mit Breitem Grinsen, da» noch mehr reizte: „Ha, das soll heißen, feiner
w ich mich ander« besonnen habe!"
. Aregt sprang Startell anf: „WaS? Warum» Habe , ^uen nicht eine Unmenge geboten? Und Die »va- zufrieden damit!"
ich war e», antwortete der Alte mit fa» Ruh«, ich war», aber mein» Ansichten haben
sich geändert! Mein Brief hat Sie, so denke ich, doch hinreichend verständigt, daß ich nicht die Pläne Ihnen
gebe!"
„Ach was — Unsinn!" schrie Startell außer sich vor Wut. „Alter Racker, die Papiere rückst Du raus! Ich muß sie haben; her damit!"
Perkowitsch wich einige Schritte jiniid. „Sachte, sachte, mein junger Freund, so lassen wir unS nicht behandeln. Die Papiere wanden« nach Petersburg. Ich verkaufe sie an die russische Regierung ich weiß es jetzt, wie gut diese sie mit bezahlt. Hätte ich eS früher mit all den Sachen, die Sie, Heirry Star teil, mir adschiviu« delten, so gemacht, wäre id) heute ein reicher Mann. Sie haben mich lange genug betrogen. Es ist zu Eilde jetzt." Die grauen, kleillen Äugen, die in den Höhlen säst versteckt waren, hafteten mit spöttischem Blick aus dem wutverzerrte,« Gesicht Stai tells.
„Ha, Du Elender, willst D«, mich so huiters L,cht führen? Du Hund! Heraus damit, gib mir die Pläne
;ge genug betrogen. Es ist zu Ende kleinen Augen, die in den Höhlen
raus I"
Der Alte schüttelte den kahlen, flachen Schädel.
„Hab' ich dem Herrn nicht schvti gesagt, daß all f«in Bemühen nutzlos ist?" '
Das wolle,« wir sehen, Alter. Ick welche nicht eher von dieser Stelle, bis die Papiere in meiner Hand sind. Also loS, her damit!"
Da trat der Alte dicht an Startell heran, seine Augen glühten in drohendem Feuer, der Atein rang sich stoßweise auS der eingefallenen Brust, die fahle, weite Haut seines Gesichtes straffte sich und heiser stieß er hervor; „Ich habe die Pläne bereits sur ^00000 Ru» bel an die russische Regierung verkanst. Laßt mid) jetzt in Frieden, sage ich Euch, entfernt Euch oder rch mache Lärin!"
Aschfahl waren die Züge Startell» gewordeu, d,e Auae«t stauten ihm vor den Höhlen, die Fauste bauten sich und heiser stieß er hervor:^ „Du hast tue Pläne nicht mehr»'
„Nein! Ich habe es Euch schon einmal gesagt!"
Nun entstand eine drückende Pause. I«« Startell» Hirn tobten eine Menge wilder Gedanke««.
„Der alte Racker belügt mich. Er hat die Pläne doch lioch. Eine Ausrede war «8, um mich los ju werben. Und — und wenn er ginge, und der Schurke dorr hätte die Papiere doch noch, so hätte er den Verlust der 100,000 Franks und der Alte verkaufte die Papiere an Rußland," dachte Startell; laut sagte er: „Du lügst,
Du hast sie doch noch!"
„Ich habe Euch jetzt schon ziveimal gesagt, daß die Papiere «licht «uehr besitze. Also lassen Sie «nich w- men, alten Mann in Ruhe, oder ich —"
Da packte eS Startell wie lodernder Wahnsinn. Bt sah sein Weib vor seinen Füßen ringen, er sah dt< 100000 Franks verlockend leuchten, sah dort — aus dem Boden — den alten, schweren, rostigen Hammer, ölt ein Blitz zuckte ein furchtbarer Gedmlke d«uch sein Hirn: „Ein Schlag unb der Schuft ist tot! Und dort — dort in der alten Trnh«, da findest Du sie sicher, die Plän«, die Papiere!" Er taumelte zurück. „Nein, kein Mord, nein!" Da saß ihm aber anch schon der Satan im G«» nick und er z«schelte: „Du Tor, Du fürchtest Dich, den alten, gebrechliche«« Wllcherer dort kalt zu machen f Du Tor! Denk an die 100000 Franks, beut an ein freies, sorgenloses Leben, denk an Dein Glück!" —
„Alter Racker, Elender! Die Pläne her!" Er schrt« e» heiser vor maßloser Wut dem Alten inS Gesicht Schon wollte dieser zur Tür schreiten, um seine Drohung wahr zu machen, da packte Startell mit eiserner Faust Den Hammer, schwang ihn hoch empor unb ließ ihn mit wuchtiger Kraft aus deS alten Perkvivitsch Schädel nie» derfallen.
Lautlos sank der Alte zu Boden. Enie klaffend« Wunde am Hinterkopf ließ die «ve»ße, von rötlichen Blut« fasern durchzogene Gehirnmasse hervortrete««. Die ge» drochenen Augen starrten entsetzlich in da» Leere. 286,18