chlüchternerZeitung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Alittwoch und Samstag. - preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,50 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
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.N 72 Samstag, den 8. September 1917. 68. Jahrgang.
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Amtlicher.
Nachdem Seine ?0kajestät der Kaiser und König geruht haben, mir den erbetenen Abschied aus dem Staatsdienst zu bewilligen, lege ich heute das Amt als Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, der ich über zehn Jahre meine Dienste widmen durste, nieder.
Bei meinem Scheiden ist es mir ein tiefempfundenes Bedürfnis, den Militär- und Zivilbehörden sowie den Eingesessenen der Provinz für die mir in meinem Amt stets bereitwillig gewährte Unterstützung, für die freundliche Gesinnung und das Vertrauen, deren ich mich in so reichem Maße erfreuen durfte, meinen herzlichen Dank und zugleich die Bitte auszusprechen, mir ein freundliches Andenken bewahren zu wollen.
Möge die schöne Provinz Hessen-Nassau, die mir zur bleibenden Heimat geworden ist, nach den Stürmen und Opfern dieser Zeit unter den Segnungen eines hoffentlich nicht zu fernen Friedens reich erblühen und Gottes Segen auf ihr und ihren Angehörigen ruhen.
Cassel, den 31. August 1917.
gez. Hengstenberg.
Wirklicher Geheimer Rat.
Kohlenversorgung geweröticher Verbraucher.
Für die Brennstoffversorgung gewerblicher Verbraucher mit einem Monatsbedarf von 10 t (200 Ztr.) und mehr ist es von größter Wichtigkeit, daß sie durch die Bekanntmachung des.Reichskommissars für die Kohlenver- teilung vom 8. August 1917 (Reichsanzeiger Nr. 192) geforderten Meldungen in der Zeit vom 1. bis 5. September 1917 genau und rechtzeitig an die vorgeschriebenen Stellen erstatten. Wer die Meldekarte» nicht rechtzeitig abliefert, hat keine Aussicht, im Oktober beliefert zu werde», weil die Karten als Grundlage für Die Kohleuverteiiuug diene« wen»*«,
Zwischenlieferer (Händler) haben auf unverzügliche Weitergabe der Meldekarten (§ 6 der Bekanntmachung vom 17. 6. 17, Reichsanzeiger Nr. 145) an ihre Vor- lieferer besonders zu achten. Saumselige Weitergabe kann zur Folge haben, daß Zuweisung der betreffenden Mengen nicht möglich ist. Händler nehmen zweckmässig Abschriften der Karte zu ihren Akten mit einem genauen Vermerk, welcher Verbrauchergruppe der meldende Verbraucher angehört.
Annahme der Meldekarten darf von dem bisherigen Lieferer nicht verweigert werden. Wenn ein bisheriger Lieferer die Annahme der Meldekarten trotzdem verweigert, oder wenn ein neu eröffneter Betrieb keinen Lieferer zur Annahme seiner Meldekarten bereit findet, so ist neben der ohnehin für den Reichskommissar für die Kohlen- Verteilung in Berlin bestimmten Meldekarte die für den Lieferer bestimmte Meldekarte dem Reichskommissar für die Kohlenverteilung in Berlin mit einem besonderen Begleitschreiben einzusenden, in welchem anzugeben ist, aus welchem Grunde die Meldekarte nicht an einen Lieferer gegeben wurde und welcher Lieferer vorgeschlagen wird.
Meldungen derselben Bedarfsmengen bei mehreren Lieferern sind verboten und werden bestraft.
Falls ein Lieferer (Händler) die in einer Meldekarte aufgeführten Brennstoffe von mehreren Vorlieferern bezieht, so gibt er nicht die urschriftliche Meldekarte weiter, sondern verteilt deren Inhalt auf neue Meldekarten, die an die einzelnen Vorlieferer weiterzugeben sind. Die Mengen der neuen Meldekarten dürfen zusammen nicht mehr ergeben als die urschriftliche Karte. Jede neue Meldekarte hat
1. die auf diese Karte entfallende Menge sowie
2. in einer Gesamtsumme die auf andere Karten verteilte Restmenge der urschriftlichen Karte zu enthalten. Die neuen Meldekarten sind mit dem Vermerk „Aufgeteilt" und dem Namen derjenigen Firma zu versehen, die aufgeteilt hat. Die urschriftliche Karte ist sorgfältig aufzubewahren.
Zu Absatz 1. d) der auf den Meldekarten befindlichen „Anleitung für die Ausfüllung der Meldekarten" wird bemerkt, daß die dort verlangte Gesamtsumme nicht nur für die Bestellung (Spalte 8 und 9), sondern auch für Zufuhr, Bestand und Verbrauch (Spalte 5, 6, 7) angegeben werden muß.
Für ausländische Kohle sind gesonderte Meldekarten einzureichen. In diesem Falle sendet der Verbraucher sowohl die für den Reichskommissar für die Kohlenver- teilung als auch die für den Lieferer vorgesehene Melde- karte zusammen in einem mit der Aufschrift „Auslands- kohle" versehenen Umschlag an den Reichskommissar für die Kohlenverteilung in Berlin.
Andere Vermerke und Mitteilungen auf den Karten als die verlangten sind zwecklos und zu vermeiden.
Abgesehen von rechtzeitiger Meldung der Verbrau- cher wird die glatte Durchführung der vom Reichskommissar für die Kohlenverteilung auf Grund der Meldungen geplanten Kohlenversorgung von der Gewandtheit und der Schnelligkeit der Arbeit des Handels abhängen. Es wird Sache des ^Handels sein zu beweisen, daß er den Anforderungen gewachsen ist.
Berlin, den 27. August 1917.
Der Reichskommissar für die Kohlenverteilung.
* *
*
Wird veröffentlicht. Die Großverbraucher werden ersucht diese Bestimmungen genau einzuhalten, um sich vor Schaden zu bewahren.
Schlüchtern, den 5. September 1917.
Kriegswirtschaftsstelle
Am Mittwoch, den 19. September 1917, vormittags 10 Wr findet in Schlüchtern an der Stadthalle eine
Diegenbockkörung
statt- Zu dieser sind nur die Böcke vorzuführen, deren Ankörung erstmalig gewünscht wird.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, auf vorstehende Bekanntmachung wiederholt in ortsüblicher Weise (Schelle 2c.) iu ihrer Gemeinde aufmerksam zu machen.
Schlüchtern, den 6. September 1917.
Der Landrat.
Politische Uebersicht.
Der U-Bootkrieg.
Im Stockholmer „Nya Dagligt Allehanda" behandelt ein Marinefachmannn auf Grund genauer Berechnungen die Wirkungen des deutschen U-Bootkrieges. Er kommt dabei zum Ergebnis, daß der der Entente zur Verfügung stehende Frachtraum, der zu Anfang des Krieges 38 Millionen Tonnen betrug, bei der jetzigen Wirksamkeit der deutschen U-Boote am 1. Januar auf 13 900 000 Tonnen herabgesunken sein werde. Qn diesem Zusammenhang schließt er seine Untersuchung mit den Worten: Schon jetzt über den wahrscheinlichen Ausgang des Krieges etwas vorauszusagen, ist natürlich verfrüht. Soviel aber kann man als sicher annehmen, daß, falls kein Ereignis eintritt, das die Wirkungen des U Bootkrieges neutralisiert, die Entente früher oder später auf die Knie gezwungen sein wird. Der Zeitpunkt ist vielleicht noch fern, aber wenn die Einsicht in die Gefahr in den Ententeländern weiter um sich gegriffen hat, wird sicherlich die bloße Drohung dazu geeignet sein, eine starke Friedensneigung hervorzurufen.
Kampf zwischen U-Boot und Luftschiff.
Unter den vielen Abwehrmitteln, welche die Engländer gegen die immer wachsende U-Bootgefahr im Sperrgebiet verwenden, werden neuerdings häufiger Luft schiffe beobachtet, die teils nach dem Parseval-, teils nach dem Zeppelin-Schiff gebaut sind, aber im allgemeinen nur eine geringe Geschwindigkeit entwickeln.
Ihre hauptsächliche Aufgabe besteht darin, U-Boote aufzuspüren und ihre Anwesenheit drahtlos weiterzu- melden. Kürzlich wagte sich ein englisches Luftschiff in ziemliche Nähe eines unserer im Englischen Kanal arbeitenden U-Boote, vielleicht mit der Absicht, einige Bomben herunterzuwerfen. Von diesem Plan stand es aber schleunigst ab, als das Geschütz des Unterseebotes ihm einige Schrappnellsalven auf den breiten Rücken brannte. Es machte schleunigst Kehrt und entfloh mit höchster Fahrt nach der englischen Küste zu. Mit unseren U-Booten ist eben nicht gut Kirschen essen.
Die begeisterte» Grieche»
Das tapfere Hellenenvolk, das sich so lange wacker gegen den Druck der Entente gewehrt hat, ist nun auch auf die Seite unserer Feinde gezwungen worden, und seine Seeleute müssen für die Engländer fahren, wenn anders sie nicht verhungern wollen. Da ist es verständlich, daß die armen Teufel die Versenkung ihres^Schiffe« manchmal mehr als eine gute Fügung des Schicksals betrachten, wie als eine böse Tat der Deutschen. Das fant vor einiger Zeit deutlich zum Ausdruck. Nachdem in der Straße von Gibraltar ein griechischer Dampfer versenkt worden war und das betreffende U-Boot sich
den Rettungsbooten näherte, um den Namen des Schis' fes festzustellen, nahmen die Griechen alle ihre Mützen ab und brachten unter lanten begeisterten Zurufen dem deutschen Unterseeboot eine Kundgebung dar. Eigentlich konnten einem die Burschen leid tun, aber zum Glück war die spanische Küste nicht weit entfernt. Sie werden bei den ritterlichen Spaniern vermutlich ein befferes LoS eingetauscht haben gegen die Unterdrückungen in ihrer durch Venizelos an die Entente verschacherten Heimat.
Lokales und KrovinMes
Schlächter«, den 7. September 1917.
—* Wohltätigkeit-konzert in der Turnhalle. Auf das am Sonntag Nachmittag 4 Uhr von der Jugendwehrkapelle Hanau, Dirigent Herr Sergt. Hett, statt- findende Konzert, wollen wir nicht versäumen, unsere Leser nochmals auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen. Da die Kapelle, sowie die 3 Solisten für wohltätige Zwecke in Wetzlar, Friedberg, Gr.-Steinheim, Gelnhausen und am letzten Sonntag in Soden-Salmünster mit großem Erfolg gespielt haben, darf wohl erwartet werden, daß das zu Gunsten unserer Verwundeten und Kranken in den hiesigen Lazaretten stattfindende Konzert bei ausverkauftem Hause stattfindet. Aus dem abwechslungsreichen Programm seien folgende Musikstücke erwähnt: „Abschied der Gladiatoren" Marsch, Ouvertüre zur Op. „Banditenstreiche", Walzer aus der Operette „Fräulein Kadett", „Wien, du Stadt meiner Träume", Lied, Intermezzo: „Sephira", Einleitung zur Operette „Im Reiche des Jndra", Potpourri: „Musikal. Telegramme", „In Treue fest", Marsch. Herr Xylophonkünstler Fritz Hett-Mainz bringt die schöne Fantasie „Jugendübermut" und „Ungarische Weisen", beide« Konzertstücke, zum Vortrag. Herr Bauchredner Grimm-Hanau mit seinen beiden Sprechapparaten „August und Johann" und Herr Gesangshumorist King-Hanau tragen durch ihre Vorträge sehr zur Verschönerung des Programms bei.
— * Dem Musketier Wilhelm Lambert, Lotichiu«- straße hier, z. Zt. auf dem rumänischen Kriegsschauplatz, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klaffe verliehen'
Lernt schweigen! Der Feind läßt sich hinter dem Rücken unserer Feldgrauen allerorten durch seine Agenten und Zuträger alle Nachrichten zusammentragen, die ihn über die gesamte Lage unseres Vaterlandes unterrichten sollen. Leider wird der Kampf gegen den feindlichen Kundschafterdienst dadurch sehr erschwert, daß sich so viele unter uns von einem „Spion" gar so romantische Vorstellungen machen; und weil ihnen während der langen Kriegsdauer noch niemand begegnet ist, der ihrem Phantasieprodukte entspricht,, so zweifeln sie einfach die Möglichkeit an, daß sich Spione in Deutschla d auf- halten könnten. Deshalb muß es aber immer wieder gesagt werden, daß der feindliche Agent oder die fetnd liche Zuträgerin sich weder durch ihr Aeußeres noch burd ihr Auftreten von uns unterscheiden, daß sie mit di einer Meinung sind über die herrlichen Taten de> deutschen Heeres und der deutschen Marine, und daß fi dieselbe Siegeszuversicht zur Schau tragen wie wir aßt Wie soll man aber jemand bekämpfen, den man al Feind nicht erkennen kann? Die Antwort ist einfac genug: Bekämpfe den feindlichen Nachrichtensammler dc durch, daß du es ihm erschwerst, etwas zu erfahren, «a ihm und seinem Auftraggeber nützen sann. Wo du am sein magst, vermeide jede Aeußerung über unsere Kriege führung, über Truppenstellungen und -bewegungen, üb« unsere militärische und wirtschaftliche Lage. Hast d Angehörige im Heere oder bist du selbst Soldat, dan hast du die doppelte Pflicht zu schweigen und für di zu behalten, was du durch Zufall oder dienstlich erfahr« hast. Arbeitest du für die Rüstungen ünsereS Heer oder unserer Marine, so schweige über alles, was 1 tust und siehst. Erziehe aber auch andere zu dies nötigen Verschwiegenheit. Greife ein, wo es auch se mag, wenn Prahlerei, Eitelkeit und Schwatzhaftigk ihre Zungen nicht hüten können. Suche aufzuklär und zu belehren, wo du es für nötig erachtest. We in diesen Tagen in Leipzig Tausende zur Messe z sammenströmen aus Deutschland, aus den verbünde« und den neutralen Ländern, so seid gegen euch und and doppelt auf der Hut, daß der Fremde nicht im Lar umher oder über die Grenze tragen kann, was zu fahren dem Feinde nützen kann. Lernt schweigen! bringt den Frieden näher und schont das Blut unse Soldaten! .....
* Elm. Dem Bäckermeister Jost von hier, der dem ersten Tage des Krieges im Felde steht, wurde1 Eiserne Kreuz 2. Klaff» verliehen.
* Birstein. Unter Fackelschein fand am Frei« abend, 31. August, die feierliche Ueberführung der Le