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chlüchternerAitung

ß Umtlichern Kreisblatt"

WochtubnlW: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Postscheckkouko Frankfurt a. M 11402

Telefon 65.

ttinr Mittwoch und Samstay. preis mitAr-isblati^ vierteljährlich 1,50 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

Mittwoch, den 5. September 1917.

68 Jahrgang

91 ez

hin N.W. 7, den 29. August 1917. Verbindlichem Danke bestätige ich den ; von 5 532,00 Mark als Ertrag der Sammlung für die U^Boot-Spende.

erfreuliche Ergebnis liefert den

; Beweis für die hohe vaterländische der Bewohner des Kreises Schlüch-

für die rege Tätigkeit der Sammler

Mmnlerinnen.

m litt allen Beteiligten unsern wärm-

nk ausz-tsprechen.

srzüglicher Hochachtung

Wer Geschüstsführeude Ausschuß

Dr. K a e m p f

!» Herrn Landrat

i Schlüchtern.

Politische Uebersicht

lr litiow und die russische Mvbtlmcrchttttg.

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Minister mitgete-lt habe.Er bot mir", so heißt es in dem Bericht des deutschen Militärattaches,schrift­liche Bestätigung an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß nirgends eine Mobilmachung, b. h. Einziehung eines einzelnen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmittags,, erfolgt sei. Er konnte sich dafür für die Zukunft nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklichst bestätigen, daß in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seine- Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde."

Das war richtig, aber man weiß jetzt, daß Janusch- kewitsch, als er das sagte, den Mobilmachungsbefehl in der Tasche hatte. Echt russisch und den Engländern gewiß verständlich. Es kommt aber noch besser. Der Zar stand bekannt! mit dem deutschen Kaiser in Verkehr, da er dessen Vermittelung angerufen und zugesagt er- halten hatte. Auf eine Depesche von Kaiser Wilhelm besam Nikolaus Giwissensbisse. Abends gegen 11 Uhr setzte er, den Fernsprecher in Bewegung und forderte sowohl den Stabschef als auch den Kriegsminister auf, die allgemeine Mobilmachung zu unterlassen und sich auf die Teilmobilisierung zu beschränken, da Kaiser Wilhelm in diesem Falle sich für die Erhaltung des Friedens verbürge. So hätte vielleicht noch die furcht­bare Katastrophe der Menschheit erspart bleiben können, aber die beiden Vorkämpfer der Kriegspartei ließen sich durch den Gegenbefehl des Zaren nicht verhindern, Snchomlinow log ihm vor, daß nur im Südwesten Rußland mobilisiert würde, und die durch diese Lüge gewonnene Frist benutzte die Hetzklique am Zarenhofe, um den schwankend gewordenen Kriegswillen Nikolais, in dessen schwache Hände ein grausames Verhängnis das Weltenschicksal gelegt hatte, wieder zu stärken.

Die Enthüllungen des Suchomlinow-Prozesses be­leuchten grell das frevelhafte Spiel, das die russische Kriegspartei und deren englische Hintermänner mit dem armen WK-taus getri^n haben. Man iut$ nicht, worüber man mehr erstaunen soll: über die Schamlosig­keit, mit der diese Leute ihren Lug und Trug, mit Einschluß desschriftlichen Ehrenworts" eingefaben, oder über die Rat- und Hilflosigkeit des sog. Selbst­herrschers aller ReußLn! Der Sieg dieser abgefeimten Gauner über den Schwachkopf hat die Menschheit in das furchtbare Unglück des Weltkrieges gestürzt.

Die Enthüllungen in diesem Prozeß sind auch nach den drei schicksalsschweren Jahren noch sehr zeitgemäß. Denn die feindlichen Drahtzieher suchen immer wieder die Schuldfrage in den Vordergrund zu schieben, um das Vertrauen ihrer Völker auf die deutsche Friedens­liebe weiter zu erschüttern durch die alte Lüge, Deutsch­land habe den Krieg angestiftet. Wer die abscheuliche Geschichte der russischen Mobilmachung mit etwas Ver­stand liest, muß doch klar erkennen, daß der Schwäch­ling auf dem Zarenthron von einer gewissenlosen Bande durch Hinterlist und offene Lügen dazu verleidet worden ist, die Fakel in das Pulverfaß zu werfen, während

unser Kaiser noch rastlos bemüht war, einen friedlichen Ausgleich zu vermitteln.

Schade, daß in dem Prozeß zu Petersburg nur Russen auftreten. Es wäre sehr heilsam, wenn auch die englischen Hintermänner dieser schändlichen Verführer des Zaren aus die Anklagebank oder wenigstens vor den Zeugentisch kommen müßten. Die Brandmarkung und Verurteilung vor der öffentlichen Meinung wird ihnen aber doch nicht erspart bleiben. Denn diese Ent­hüllung wird nicht die letzte sein.

Uns kann es recht sein, wenn die Schuldfrage recht gründlich erörtert und geprüft wirb. Jede weitere Klärung fördert die Friedensbewegung, da sie die Bös­willigkeit auf der gegnerischen Seite und die Lauterkeit unserer Politik in helleres Licht setzt.

Die Alandsinsel«.

Die Unruhe Schwedens über die Anstrengungen der Engländer, sich in der Ostsee festzusetzen, wächst.Nya Dagligt Allehanda" vom 7. August berichtet:Seit dein letzten Mal hat man viele englische Versuche wahr­genommen, Landgüter in Estland zu erwerben. Estländer die früher nachweislich über fein Kapital verfügt haben, treten 'als äußerst freigebige Käufer auf, und ebenso dänische Gesellschaften. Auch der Inspektor der estläw- dischen Landwirtschaft, ein geborener Täne und noch heute dänischer Untertan, der jetzt in Dänemark weilt, hat von dort aus verschiedene Versuche gemacht, Güter­käufe zu vermitteln. Der englische Gesandte in Peters­burg, Sir Buchanan, war letztes Frühjahr zweimal in Reval und wohnte bei dem englischen Vizekonsul Gerard. Dieser ist Teilhaber des großen Bankhauses Thomas Clayhills in Reval. In estländischen Kreisen ist man der Ansicht, daß England beabsichtigt, sich in den Ostsee­provinzen, vor allem in Estland, festzusetzen. Außerdem glaubt man, daß England sich für seine Flotte in Dagö und Oesel Stützpunkte verschaffen will." Ueber die Ge- mhr, bie au» solcheu Pläne» für Schrieben erwAchst, schreibt das Blatt:Nach dem Falle des Zarentums glaubten wir in unserem Lande, die russische Gefahr sei beseitigt, doch haben die warnenden Stinmen recht be­halten. Die Befestigungen auf Aland und die russischen Truppennrassen in Finnland sind nach wie vor vor­handen. Der Freiheitskamps Finnlands stößt auf die größten Schwierigkeiten, und aus dieser Machtstellung Rußlands an ber Ostsee können, auch wenn Rußland den guten Willen hat, mit uns im korrekten Verhält­nis, zu leben, schwere Gefahren für Schweden entstehen. Schweden ist in Gefahr, zwischen Hammer und Amboß zu geraten. Es hat sich jetzt gezeigt, daß England seinen Sunbesgenoffen Rußland in der Ostsee nicht unterstützen kann. Daher die englischen Pläne auf Aland und die Küste des Finnischen! Meerbusens. Eng­land will auf jeden Fall verhindern, daß Deutschland Rußland in der Ostsee überwältigt. Kommt aber Aland in englischen Besitz, dann haben wir Schweden den schlimmsten Wetterwinkel unmittelbar vor uns."

liigemeine Mobilmachung in Rußland schlug vor drei Jahren dem Friedensfaß den Boden ' diese verhängnisvolle Maßregel zustande kam, den gestern mitgeteilten Gerichtsverhandlungen früheren russischen Kriegsminister Suchonil'now verblüffenden Lebendigteit geschildert!

h haben der General JanuschkewitsG ber Stabschef des Höchstlommandierenden, und angeklagte Kriegsininistcr Suchomiinow im ierein den schwachen Zaren Nikolaus belogen gen, bis das Unheil vollendet war.

den Mitteilungen des deutschen Weißbuches sbeginn hatte der russische Kriegsminister schon uli 1914 dem deutschen Militärattache ehren- versichert, daß noch keine Mobilmachungsordre sei, daß lediglich VorbereitüngsmaMegeln gc- urden, daß aber sein Pferd ausgehoben, kein Ungezügelt würde. Inzwischen hatte Deutsch- Aermittlungsversuche bis zum äußersten fort» d in Wien geraten, Rußland jedes mit ber r Monachie zu vereinbarende Entgegenkommen . Am 29. Juli ist dann der deutsche Mili- in Petersburg nochmals beim russischen Gen- gewesen und erhielt von ihm die Mitteilung HeS so geblieben, wie es vor zwei Tagen der

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kkli^gsiumau von Charlotte Wildert. 17 '^ griff sie mit der Hand burd) die Oeffnung, ~ Hub das Fenster sprang auf. Wie ein Schat- "vand das Weib im Innern des Zimmers. 9>Ud)te sie angestrengt. Unheimliche beklem­me ringsum!

; "b, dessen bleiches magisches Licht voll in'® sinnet leuchtete, ersetzte der nächtlichen Besu- e Laterne. Mit einem Griff hatte sie das Gefach rwlisches aüfgeriffen, dort lag der Plan, in» M anderen Skizzen und Zeichnungen. Rasch, sie ihn an sich, barg ihn in ihren» Gewände 'lllt, und ohne auf weitere Pläne unb Schrift» achten, schwang sie sich wieber auf die Fen-

"Ö, um eilig den Rückzug auzutreteu. Da vuß unversehens an die ausgebrochene Fe»i- h die klirrend und zersplitternd zur Erde fiel.

"rtell fühlte ihrer» Herzschlag stocke»», das Blut 111 die Schläfen, es war ihr einen Augenblick M ihre ganze Kraft gelähmt. Die Hunde schlu- auitend heulten sie durch die stille, klare L»»ft. P1' Ruck riß Liane Startell fid) empor, mit ab P9ie raffte sie sich auf und kletterte langsam IA Schritt herunter. Nun noch ein kühner, ge» ^fi'iing aub sie staub anf festem Boden, »den Lauf hatte sie die Mauer erreicht. Mit 'l,llanf saß sie auf der Brüstung. Da huschte svches Lächeln über die Züge der Tänzerill. ES ihr in teuer ganz daS abenteuerliche Weib er» erstickte jede gute, edlere Regung in ihr. jhuphiertx über den gelungenen Streich. Wie der sie ihrem Heime zu, die Häitde fest auf die »?>'ßt, an der der gestohlene Festungsplai»

Ferne klang nod) das Henle»» der ansge- eu ^tiube durch die Nacht. Allurähtich berubig-

ten sie sich, es war niemand durch ihren treuen Wäch- terruf erivacht; alles blieb stumm und regungslos im Schlosse. Niemand hatte das nächtliche Treiben Liane Startells gesehen. Nur einer, doch der verriet es nicht, beim er war selbst Mitschuldiger an der bösen Tat, das war der Mond, der groß und leuchtend am Himmel stand, er hatte ihr mit seinem bleichen, falten Licht hilfeleistend geleuchtet! Und dann die kleinen, golbeiten Sternlein! Auch sie sahen es und wunderten sich, daß die Menschen da brauten auf der Erde sich gegenseitig belügen und betrügen, während sie hoch oben so fried­lich beisammenstehn, unb den Erdenkindern leuchten, als Boten des Glücks, des Friedens und der Liebe. Die goldenen Sternlein in der dunklen Nacht.--

Um dieselbe Zeit führt uns ein andres Bild in daS verrnfendste, schmutzigste Viertel der Millionenstadt Ber­lin. Dort wohltt in dumpfen, düsteren Häusern, send?» ten, modrigen Kellern die Armut, die gewaltige Herr­scherin, und mit der Armut als stete Gesellschafte­rin das Laster. Bis tief in die Nacht hinein, bis zum frühesten Morgen klingt aus zahlreichen Spelun­ken dort lautes Johlen und wüstes Schreien. Der Spiel­teufel führt dort das Szepter. Dort hocken Männer mit verwilderten, rohen Gesichtszügen, die oft nicht das nötigste Brot zu essen haben, die zu Hause ein müdes, abgeschafftes Weib uud hungrige Kinder haben, am Tische, das volle, schäumende Glas vor sich, die Karte in den schmutzigen, schwieligen Händen. Einer betrügt beit anderen, fast immer summt es zum Streit und zum Schlüsse greifen die vom Alkohol erhitzten Gemü- ter zum Messer und wie oft fließt da das Blut!

Aber auch Weiber, ja selbst Kinder scheuen die enge, bnmpfe Luft solcher Kneipen nicht. Sie johlen und krei­schen mit den Männern um die Wette. Die Jugend wird verdorben, aller moralischer Sinn, der von Na­tur im Menschen steckt, wird frühzeitig erstickt. Hub da- pegen ist hie Polizei tast mm-büos, denn die Ueberzadi

dieser verrohten Menschen läßt kein Eüüchre»!«« der Polizei aufkommen, eS ist nutzlos. Großstadtelend !

Durch eine der engsten und schmutzigste»» Gassen schreitet hastig vorwärtsstrebend ein elegant gekleideter Herr. ES ist Henry Starte»! Jetzt, vor einem hohen, grauen Gebäude, einer Mietskaserne macht er Halt, und rasch noch einmal scharf ringsumherspähend, verschwin­det seine hohe Gestalt in der kleinen baufälligen Türe.

I« beut feuchten, modrigen Keller dieser MietSka- serne wohnt ein alter Greis. Ein zittriges, eiSgraneS Männchen. Mitleidige Hausgenosse»» geben ihm alle Tage ein paar Brocken, die von ihrem ohnehin schon spärlichen Mittagsmahl ab fallen. Der Alte ist nämlu$ arm, so arm, daß er förmlich von der Gutmütigkeit sei­ner Hausgenossen abhängt. Alle- scheint schon zur Rnhe zu sein, denn eS herrscht im ganzen Hause tiefe Stille. Nur in den kahlen Kellerräumen brennt noch eine traurige Oellampe, deren Qualm die Luft verpe­stet und deren spärliches, flackerndes Licht kaum die Um­risse des alten unb des wenigen Mobiliars ertemien läßt. Kann man eS überhaupt Mobiliar nennen? Ein wackeliger Tisch, ein dreibeiniger Holzscheinel, eine höl- derne Truhe und dort in der Ecke auf dem Boden, auf trockenen, Stroh und ein paar alten Lumpen, daS La­ger des Greises, das ist alles. Der Alte hat die «ei­nen, schrägen Kellerfenster mit alten Säcken zugehänat, fp daß von außen niemanb hiueürsehen kann. Er hockt, halb kniend, halb fi^enb auf der Erde vor der geöff­neten Truhe und wühlt mit gierigen Händen allerlei bunten Kram heraus. Anch ein Bündel Papiere sammt da zum Vorschein. Mit fimtelnben klugen blättert er darin herum und der alte, eingefallene Mund »nur« melt leise unverständliche Worte. Jetzt stößt der Alt« plötzlich ein schrilles, unheimliches Lachen aus, wäv« rend seine Augen unheimlich funkeln:Hahahaha! Er soll nur kommen, der seine Herr, ich werde es »hin zei­gen, was der alte Perkowitsch will l Lauge genug hat der-Schust mich betrogen, jetzt betrüge ich ihn." 235,13