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§ 2. Eine Anrechnung der Ferkel auf die Fleisch­karte findet nicht statt.

§ 3. Der Höchstpreis für Ferkel wird auf 1,20 Mark für das Pfund Lebendgewicht festgesetzt.

§ 4. In entsprechender Abänderung des § 4 unserer Verordnung über die Ausführung von Zucht- und Nutz­vieh vom 20. August ds. Js. wird die Ausfuhr von Ferkeln zuni Schlachten aus einem Kreis in den anderen innerhalb des Reg.-Bez. gestattet; die AussuSr von Schlachtferkeln aus dem Reg.- Bez. bleibt dagegen verboten.

§ 5. Zuwiderhandlungen gegen den festgesetzten Höchstpreis werden auf Grund der Verordnung der Höchstpreise bestraft. Die Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft.

Caffel, den 28. August 1917.

Die Bezirksfleischstelle für den Regierungsbezirk Cassel. Der Vorsitzende.

Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 31. August 1917.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.

Die Eier - Ausgabe für den Rest der Stadt Schlüchtern findet Montag, den 3. September, nachmittags von 23 Uhr statt.

Ausgabe 2 Stück pro Kopf. Preis 29 Pfennig.

Einkaufsstelle Schlüchtern.

In Bezug auf die zur Zeit auftretenden Darm und Magenerkrankungen weise ich darauf hin, daß fast allen Orten des Kreises monatlich ein gewisses Quantum Haferflocken und Grieß für Kranke überwiesen wird. Die Abgabe erfolgt auf Anordnung des Arztes oder der Gemeindeschwester oder des Bürger­meisters. Sofern zur Zeit das überwiesene Quantum nicht ausreicht, sind Anträge auf besondere Lieferung an die Einkaufsstelle hier zu richten.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschuffes.

Ei« toller Spuck.

Dieser Krieg hat in seinem nun dreijährigen Ver­laufe den Phrasenschwall der Schlagworte unserer Feinde in seiner ganzen Hohlheit offenbart. Frankreich, das den Krieg 44 Jahre lang mit seinem Revanche-Geschrei gepredigt und vorbereitet hat, das seit den Tagen des Frankfurter Friedens nur auf diesen Krieg hinarbeitete, begann den Krieg vor der Welt mit den hochtrabendsten Schlagworten, unter denen das Wort von der Befreiung vom deutschen Absolutismus nicht die geringste Rolle spielte. Das hinderte es natürlich durchaus nicht, in feinem Innern, in feinen Maßnahmen, Verordnungen und Regierungshandlungen den angeblichen deutschen Absolutismus weit in den Schatten zu stellen. Ein vielsagendes Beispiel ist ja das vor kurzer Zeit enthüllte Geheimabkommen zwischen Frankreich und Rußland, das Frankreich unter anderem Elsaß-Lothringen, das Saar­becken und das ganze linke Rheinufer zusicherte. Und dieses Geheimabkommen wurde einfach vom Präsidenten derRepublik" Frankreich ohne vorheriges Wissen und ohne vorherige Zustimmung seiner Minister mit dem Zaren von Rußland geschlossen. Absolutistischer hätte nicht einmal der Selbstherrscher aller Reußen vorgehen können. Aber das macht alles nichts! Das Schlag­wort von dem Kampf gegen den deutschen Absolutismus war einmal ein wirksames Mittel, das eigene Volk für diesen Krieg zu begeistern, und dann sonnte man da­mit auch bei den sogenannten Neutralen krebsen gehen. Daran änderte auch die Tatsache nichts, daß sich Frank­reich für diesen Kampf mit dem absolutistischsten Regime der Welt, mit Rußland, verbunden hatte.

In Rußland kam nach 2'/., Jahren opferreichstem, aber vergeblichem Kriege die Revulution. Rußland wurde einedemokratische" Republik. Kerenski, ehemals als Advokat ein glühender Verteitiger aller politisch Gekne­belten und Verfolgten, übernahm die Leitung der Ge­schicke des Volkes, das sich selbst vom Zarismus, vom Absolutismus befreit hatte. Aber, siehe da! Aus Kerenski, dem ehemaligen begeisterten Verteidiger der Freiheit, wurde nach und nach der Totengräber der eben erst _ geborenen russischen Freiheit. Mit drakonischen Maßnahmen schlimmster Art, mit blutigen Bestrafungen mit Massenhinrichtungen, wie sie selbst das zaristische Rußland nicht gekannt hat, regiert dieser Diktator das Land, das von dem Regen des Zarismus in die Traufe der blutigsten Diktatur geraten ist. Und wie stellt sich nun Frankreich dazu, das Land der Freiheit, das den Krieg angeblich für die Befreiung vom deutschen Abso­lutismus führt? Kerenski wird als Held gefeiert. Er, der das Volk in Massen nutzlos hingeopfert und Htnge- schlachtet hat, wie es selbst die Zeiten der grausamsten Zaren nicht gekannt haben, er wird als Retter gepriesen. Die französischen Blätter begrüßendie eiserne Hand" Kerenskis als das Heil und die Rettung Rußlands.

In der Tat, nie hat sich das Schlagwort vomKrieg für die Befreiung vom deutschen Absolutismus".deutlicher in seiner ganzen Verlogenheit gezeigt, als in diesen Tagen, da Frankreich dem DiktatorKerenski, dem b lutigstenTyrannen Ruß ands, zujubelt. In diesen Tagen, da das Geheim­abkommen Poincares mit dem Zaren bekannt wurde, und auch in diesen Tagen, da die linksstehenden fran­

zösischen Blätter von den bittersten Kiagen über die rücksichtslose Beschränkung der Gewissenfreiheit, der Preß- freihe't und der Arbeiterfreiheit durch die jetzige franzö- sische Regierung und durch die französische Militärbe­hörde widerhallen. Französische und russischeFreiheit" gegen deutschen'Absolutismus"! Wer muß da nicht lachen!

Politische Uebersicht.

Wie steht es in Rufilund?

Zur Eröffnung der Moskauer Konferenz veröffentlicht Nowoje Wremjo eine überaus düstere Schilderung der Lage in Rußland. Nachdem, fo schreibt das Blatt, die südlichen Regimenter ihre Waffe niedergeworfen haben und geflohen sind, eroberten die Deutschen neue Stützpunkte an der Küste. Finnland ist in Aufruhr. Im Hinblick auf den trostlosen Zustand der Garnison und den klaren Wunsch der finnischen Separatisten, mit Rußland zu brechen, müssen wir uns anf die schlimmsten Dinge vorbereiten. Freunde der Deutschen gibt es nicht nur in der ukrainischen Rada, sondern auch im sinn- ländischen Landtag und im allrussischen Arbeiter- und Soldatenrat. Sie finden es nicht einmal für nötig, ihre Verräterei unter der Fahne des Internationalismus zu verbergen. Aus einer Versammlug, die zur Behebung von Wehrfragen einberufen worden war, erklärten diese Deutschfreude öffentlich, daß sie Anhänger eines un­mittelbaren, erniedrigenden Friedens mit ihrem so herz­lich geliebten Deutschland seien. Einem solchen Bilde schrecklichen Zerfalles gegenüber steht die Moskauer Konferenz. Diese Zeilen, die sich deutlich gegen die Bolschewik! richten, dürften ihre Erklärung darin finden daß man bei der Eröffnung der Konferenz Bolschewiki- Nnruhen befürchtet. Der Minister des Innern fertigte eine Proklamation aus, in der er erklärte, jeder Versuch, die Ordnung zu stören, werde mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unterdrückt werden, und der Bürger­meister von Petersburg erinnerte die Miliz ernstlich an ihre Pflichten. Außerdem forderte das Kommitee der Sozialrevolutionäre und Sozialdemokraten zur Selbst­beherrschung auf. Daß int übrigen die Russen uns Deutsche für alles verantwortlich machen, nimmt uns nicht weiter Wunder. Jeder, der eben nicht bereit ist, in Englands oder Kerenskis Solde zu verbluten, ist ein von den Deutschen gekaufter Verräter. Das ist zwar herzlich dumm, aber hat doch Methode,

Poincars, der Hochgeehrte.

Poincarö, dem Wackelnden, soll Heil widerfahren. Es heißt, daß der König von Italien demnächst nach Frankreich kommen und den Besuch Poincaräs erwidern wird. Ob, der Italiener dann vielleicht an einer der französischen Senatssitzungen teilnehmen wird, in denen über Poincars zu Gericht gesessen wird unter Vorsitz des Poincarö - Fressers Clemeneeau? Oder hat sich Poincarä den König eingeladen, auf daß dadurch sein Präsidentenstuhl ein wenig gefestigt werde? Es wird ihm nichts nutzen?- -Clemeneeau wird nicht locker lassen und die Deutschen erst recht nicht. Mag Poinearä noch so sehrgeehrt" werden, er ist fallbereit.

Italienische Dauerurlauber.

Die Italiener sind recht Kriegsmüde und vor allem steht alles wirtschaftliche Leben still, da die Front mehr Soldaten verlangt, als Italien zu entbehren vermag. Es sollen deshalb aus der Front 120 000 Mann für unbestimmte Dauer zu landwirtschaftlichen Arbeiten zu­rückgegeben werden, außerdem sollen 100000 Sonder- bewilligungen, und zwar in zwei Abteilungen, erteilt werden. Die Urlauber werden den Jahrgängen 1774/1881 entnommen werden. Zu landwirtschaftlichen Herbstar­beiten werden außerdem aus dem militärischen Hilfs­dienst Mannschaften der Klassen 1874/1877 verwendet werden.

Aus Saloniki

Zwar leugnen die Ententeleute, daß es in Saloniki schlecht stände, aber mancherlei Zeichen beweisen das Gegenteil. Ab und an schleicht sich auch ein direkter Beweis in französische Blätter. So ist nach einem Be­richt des Petit Parisien in Saloniki das Elend unbe­schreiblich. 15 000 Personen sind noch immer obdachlos 65 000 notdürftig bei Glaubensgenossen untergebracht. Zur Verhütung der Ausbreitung von Seuchen wurden die strengsten Maßnahmen getroffen. Wie es scheint wird bald die Saloniki-Armee das Schicksal der Dar- darnellen-Armee nachahmen und sich abbauen.

Males und provinzielles

Schlüchtern, den 31. August 1917.

* Kaninchen-Ausstellung. Wir wollen nicht ver­säumen an dieser Stelle nochmals auf die am Samstag und Sonntag stattfindende Kaninchen - Ausstellung des Kaninchenzuchtvereins des Kreises Schlüchtern imHess. Hof" zu Schlüchtern aufmerksam zu machen. Ausgestellt werden 120 Stück Ausstellungstiere. Zur Verlosung gelangen eine große Anzahl Zucht- und Schlachttiere und ist somit Gelegenheit geboten einen oder mehrere Schlachthasen zu gewinnen. Wie verlautet findet auch ein Hasenesien und Pilzgerichte mit verschiedenen Zu­bereitungen statt. Es ist deshalb Aussicht auf einen regen Zuspruch vorhanden. Herr Landrat von Trott zu Solz und Herr Bürgermeister Stückrath haben ihr Erscheinen bei der Eröffnung der Ausstellung zugesagt.

* Pilzausstellung. Am Dienstag, den 28. und

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Mittwoch, den 29. August war von Herrn Seminar- Oberlehrer Keller unter eifriger und freudiger Mithilfe von Schülern der III. Seminar- und . der I. Präpa- randen-Klasse eine Pilzausstellung im Seminar-Gebäude veranstaltet worden. Es konnten 85 Pilzarten in frischen Pilzen gezeigt werden. Darunter waren Pilze die durch ihre Größe und Färbung allgemeines Erstaunen erregten. Ein Schildchen mit dem Namen des Pilzes und der Bewertungeßbar",genießbar",wertlos" odergiftig" war an jedem Pilze angebracht, sodaß sich jeder Besucher leicht zurechtfinden konnte. Auf Tafeln und in sehr vielen Bildern waren andere Pilze bargen stellt. In Essig eingemachte Champignons, sterilisierte Pfifferlinge und Steinpilze und getrocknete Pilze waren ebenfalls zu sehen Frau Aeminarökonom Freund hatte die große Liebenswürdigkeit am Dienstag nach- mittig zwei Pilzgerichte herzustellen und davon Kost­proben den Besuchern der Ausstellung zu geben. Sie schmeckten vorzüglich und haben sicher^ dazu beigetragen neue Pilzfreunde zu gewinnen. Die Ausstellung wat sehr gut besucht, was das große Interesse beweist, ba§L für Pilze jetzt vorhanden ist. Am Mittwoch morgen« und nachmittag konnten die verschiedenen hiesigen« Schulen die Ausstellung besuchen, wobei in kurzen« Worten über das Leben uud die Arten der Pilze ge« sprachen wurde. Wir können nur Herrn Keller unseren« wärmsten Dank zollen für die zwar arbeitsreiche, baftiil aber mohlgelungene Veranstaltung.

* Ablieferung von Getreide Es besteht die fahr, daß infolge der Sorge um die rechtzeitige Ein-K bringung der Ernte oder auch in dem Bestreben, bi« Frühdruschprämie zu erlangen, Landwirte Getreide ad-K liefern, welches nicht voll ausgereift oder auf dem Feld-K oder in der Scheuer nicht gut durchgetrocknet ist. DiM Aufkäufer des Kreises sind angewiesen solches GetrelM abzunehmen, aber entsprechende Abzüge zu machen. T« solch feuchtes Getreide der Gefahr des Verderbens der Lagerung in hohem Maße ausgesetzt wird, so käm« nur im Allgemeininteresse davor gewarnt werden, -treibe auszudreschen, welches noch nicht ausreichend ai-« getrocknet ist.

* Nichterfüllug der Lieferungsverträge über G« müse und Obst strafbar. Die Sicherstellung der E« nährung der Bevölkerung in den Großstädten und IM dustriebezirken im kommenden Winter beruht zum e« heblichen Teil auf den von den KommunalverbändttL und Großverbrauchern mit Genehmigung der ReichssteM für Gemüse und Obst abgeschlossenen Lieferungsverträgen« Die Erfüllung dieser Verträge muß unbedingt sichergt« stellt werden. Da bei der großen Nachfrage nach War« die Gefahr besteht, daß unlautere Elemente die Anbaue« durch Versprechungen besonderer Vorteile zum Vertrags« bruch verleiten, ist, ähnlich wie dies bereits nach § 32® des Strafgesetzbuchs für Nichterfüllung von Heereslies« rangen gilt, vom Stellvertreter des Reichskanzlers ein« Verordnung erlassen worden, durch welche die Vorsatz D liche oder fahrlässige Nichterfüllung der bezeichnete« Lieferungsverträge über Gemüse und Obst unter StraM gestellt wird.

* Zu der vom Kriegsamt im Januar 1917 her« ausgegebenen Zusammenstellung von Gesetzen, Bekann« machungen und Verfügungen betreffend KriegsrohstoM nebst deren Nachträgen, Ausführungsbestimmungen nniE Erläuterungen ist das dritte Ergänzungsblatt nach de« Stande vom 1. Juli 1917 erschienen. Dieses Ergän« ungsblatt wird auf Anforderung kvstenlos durch Stellen abgegeben, durch welche die ZusammenstelluW Bst. 1000/1. 17. K R. A. bezogen worden ist.

* Kriegerhei vstätte». Krieger und Kriegshintki« bliebene, die sich mit Hilfe des Kapitalabfindungsgesetz« in der Provinz Hessen-Nassau eine ländliche oder städtis« Heimstätte erwerben wollen, erhalten Rat und AuskuM bei derVermittlungsstelle in SiedlungSangelegenheiteW in Frankfurt a. M., Jordanstr. 17/19, III. (SpreM stunden vormittags 91 Uhr, nachmittags 47 UM L-amstags nur 91 Uhr) und bei derHessisch« Siedlungsgesellschaft", G. m. b. H., in Cassel, Kurfürst« straße 12. Die Frankfurter Vermittlungsstelle ist 4 die Siedlungsangelegenheiten im Regierungsbezirk baden, die Hessische Siedlungsgesellschaft für Siedlung« im Regierungsbezirk Cassel zuständig. Beide Stelle gewähren ihren Rat und Beistand auf mündliche o!« schriftliche Anfragen hin kostenlos. Es empfiehlt sich « Siedlungsangelegenheiten auch den Rat der örtlich« Fürsorgestellen einzuholen und etwaige SiedlungSwünW durch deren Vermittlung an die oben genannten bethe Beratungsstellen gelangen zu lassen.

* Eine Million Zivilanzüge für aus dem Fe« heimkehrenden Soldaten sollen angefertigt werde« 506 000 Anzüge von diesen sollen durch die GroßkW fektion und die Maßschneiderei angefertigt werbe Die in den einzelnen Städten entstandenen Lieferung« genossenschaften der Schneider, die aus den Innung« hervorgegangen sind, bemühen sich bereits um llede« nähme der Arbeiten und werden mit Anteilen hebe werden.

* Neues Huudematerial für den KriegsdieW gesucht. Allgemein dürfte es bekannt sein, daß es « der Armee-Abteilung A eine Kriegshundeschule gibt, deren Spitze der Leutnant und Feldjäger Müller st» Die genannte Schule bereitet taugliche Hunde M Meldedienst in den Kampfstellungen unserer Truppen M Die Hunde übebrringen im Felde schneller und sicher«