chlilchternerMmg
« R
ilit „Amtlicheul Kreisblatt
Wochcnbcilagc: Illustriertes Sonntagsblatt
Telefon 65.
Postscheckkonto Frankfurt a. M. 11402 ::
Telefon 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,50 Mk. — Anzeigen kotzen die kleine Zeile oder deren Kaum 12 Pfg.
5 «-
3 Ä a
T? S
5 8
Krieg-teistungen und Kriegsausgabm der Landwirtschaft.
Bon Dr. Graf v. Schwerin-Löwiy.
F Leider bin ich durch Unpäßlichkeit verhindert worden, | der erhebenden Kundgebung, welche am vergangenen bunabend im Reichstag staUfand, teilzunehmen, und,
So ^ei der an mich ergangenen Aufforderung zu entsprechen, So, I kurzes Wort über die Kriegsleistungen und KriegS- f" Dauben der Landwirtschaft zu sagen. — Obgleich — e E Wr dankenswerter Weise — der Präsident der Land ^-A xlschaflskamnier für die Provinz Brandenburg Herr ; 3- M v. Schulenburg Grünthal im letzten Augenblick
I mich eingetreten ist, möchte ich meine Meinaug in L fer' wichtigen Frage doch kurz noch schriftlich wieder- 5^ m:
'S 5 Dabei soll mir nichts ferner liegen, als jede Ruhm-
GM
,0
«
gkit für die Landwirtschaft — und auch nichts er als jege irgendwie geartete politische unb wirt- tliche Tendenz.
Nur auf das eine fo.nmt es mir an: daß unser k wahrheitsgetreu sieht, was es in diesem Daseins- )f an seiner Landwirtschaft gehabt hat — und was iernach auch weiter von ihr erwarten darf.
Noch bis zum Kriegsausbruch war in den weitesten sen unseres Volkes die Meinung vorherschend, es überhaupt ausgeschlossen, daß unsere Landwirtschaft ils imstande sein werde, unser Volk von fast 70 tonen Menschen selbständig ohne alle ausländische chr zu ernähren.
Man tröstete sich für den Kriegsfall immer nur mit |Hoffnung, daß es unseren Feinden niemals möglich I werde, unsere Zufuhren aus dem Auslande voll- Vig abzuschneiden.
Wie haben sich die Dinge aber entwickelt?
M uß dabei einen ganz kurzen Ueberblick auf die vicklung unserer Landwirtschaft vor dem Kriege tn.
»5
2 s
! 6 P
1?
;3 8
ö
3»
S"
o
rt
2 3 y
5
s
3 »
3
3
9
3n dem kurz vor dem Kriege erschienenen Jubiläums- für unseren Kaiser befindet sich ein Aufsatz von iber die Entwicklung unserer Landwirtschaft während ersten 25. Jahre seiner RegierungSzeit. Darin ich den genauen zahlenmäßigen Nachweis erbracht, ich bitte daß nachzuprüfen — daß in diesen 25 en von 1888 bis 1913 unsere durchschnittliche Verträge in ffünfjährigen Perioden berechnet — auf gleichen Fläche bei Weizen, Gerste, Hafer um rnehr ein Drittel, bei Kartoffeln um 31 v. H und bei er Hauptfrucht, dem Roggen, um mehr als die 6 gestiegen sind. Das bedeutet, da auch die An- ächen sich erheblich vergrößert hatten, in ^ Jahren »jährliche Gesamtsteigerung unseres Ernteertrages fPiehr als 48 v. H. und bei dem Brotgetreide allein M um 53 v H. — gleich einem Plus von jährlich »5 Millionen Tonnen Brotgetreide.
Ms waren wir heute ohne dieses Plus?
Auch bei den übrigen landwirtschaftlichen Erzeug W waren die Steigerungen annährend die gleichen: Mei der Milcherzeugung betrugen sie über 5a v. H. gei der Gesanufleischerzeugung sogar über 100 v. H. Mir anderes Land der Welt hat — auch bei wesent- Wnstigeren klimatischen oder Bodenverhältnissen — »nur annährend gleiche Erträge von der gleichen M auszuweifin. Die deutsche Landwirtschaft mar- wie die Dresdener Bank in ihrer wirtschaftlichen Mbt, schrieb heute in technisch.r Hinfichc w.ilaus M Spitze aller Länder der Erde.
An der letzten Sitzung des deutschen Landwirtschafts- I vor dem Kriege, welcher unser Kaiser beiwohnte, arte Seine Majestät am Schlüsse einer längeren Mhrung:
M^ steht außer jedem Zweifel, daß die deutsche Wtttschgsi technisch imstande ist, nicht nur d.e jetzige Mkerung des Reiches, sondern auch die künftige ver- Volksmenge mit den wichtigsten Nahrungsmitteln, «lonb.re mit Brot, Fleisch und Kartoffeln in ge- Wer Weise zu besorgen. Meine Herren, das können das müssen wir."
Diesem Kaiserwort habe ich damals hinzugefügt: »deutschen Landwirte werden diese Mahnung ihres Kaisers zu folgen wissen. Denn vor ihrer Wag wird die wirtschaftliche Wehrhastigkeit und » bie Zukunft deS Reiches bedingt fein."
war die Lage vor dem Kriege und die Borde der Landwirtschaft auf seine siegreiche Durch- wobei allerdings die genügende Ansammlung
Samstag, den 11. August 1917.
von Vorräten für den KriegSzustand völlig versäumt worden ist.
Und heute?
Die Hoffnung derer, die meinten, eS werde unseren Feinden nicht gelingen uns die Zufuhren auS dem Auslande abzuschneiden, ist bald bitter enttäuscht worden. — Weit mehr aber noch b« Hoffnung unserer Feinde, uns dadurch auShungern und aus die Knie zwingen zu können.
Trotz besonders ungünstiger Witterung in zwei Kriegs- jahren — einer ungewöhnlichen Dürre im Jahre l9kö, welche unsere Getreide- und Futterernte schwer schädigte—, und einer ganz ungewöhnlichen Nässe im Jahre 1916, welche uns um mehr als die Hälfte unserer durchschnittlichen Kartoffelernte brächte—, ist es dennoch der deutschen' Landwirtschaft — war nicht gelungen, unser Volk vor schweren und von demselben heldenmütig getragenen Entbehrungen zu bewahren —, wohl aber es für feinen eingeschränkten Verbrauch ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen und ihm erst dadurch — das ist doch die Hauptsache — seine siegreiche Behauptung zu ermöglichen.
Ja! mehr als das! — Deutschland erfreut sich heute trotz seiner Absperrung von jeder Zufuhr unter allen Ländern der Welt der billigsten Nahrungsmittel- preise. Unsere Höchstpreise für Brotgetreide stehen heute etwa auf der halben Höhe deS Weltmarktpreises. Die Differenz zwischen unseren Brotgetreidepreisen und dem Weltmarktpreise betrügt mehr als das Fünffache unserer Getreidezölle vor dem Kriege. Am Weltmarktpreise gemessen erspart also unser Volk durch seine Selbsternährung in einem Kriegsjahr soviel, als es in 5 Friedensjahren durch die Getreidezölle mehr für Brotgetreide ausgeben mußte.
Auch daraus ziehe ich feinerlei Schluß auf unsere Wirtschaftspolitik, nur wissen soll unser Volk, was es im Kriege seiner Selbstversorgung durch unse.e Landwirtschaft verdankt.
Aber auch die Landwirtschaft darf keinen Augenblick .vergessen, wie viel — gerade unter diesen Umständen — von der Anspannung ihrer ganzen Schaffenskraft — von ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur für den AuSgang des Krieges, sondern weit darüber hinaus für unsere wirl- schaftliche Wiedergesundung und damit für unsere Zukunft abhängt. — Werden wir doch bei der heutigen Weltmarktläge und bei dem ungeheuren Rückgang, welchen nicht nur die Getreidevorräte sondern auch der Getreidebau unter den Kriegse.schwcrn ffen in.allen Exportländer l der Welt erfahren hat, noch auf viele Jahre hinaus — ganz einerlei, ob Krieg oder Frieden — nahezu ausschließlich auf unsere Sclbstvelsorgung angewiesen sein, eS sei denn, daß wir bereit und in der Lage wären, so ungcheue.liche Preise zu zahlen, wie sie heute bei unseren Feinden und auch in den neutralen Staaten gezahlt werden.
Also in bezug auf unsere Ernährung dürfen wir auch vom Friedensschluß zunächst gar nich:S — sondern alles nur von der Leistungsfähigkeit ihrer ganzen Kraft zur Erfüllung ihrer großen vaterländischen Ausgabe erwarten.
Ungeheuer — weit größer als man vielfach in nichtlandwirtschaftlichen Kreisen ahnt, sind die mit der Kriegswirtschaft für dw Landwirtschaft verbundenen Schwierigkeitcir. Aber sie müssen überwunben werden. Das werde ich nicht müde werden, meinen Beruf-genossen immer wieder zu sagen. Denn es geht dabei um die Zukunft unseres Landes. Sie ist heute von der Tapferkeit unserer Bauern und Bauernfrauen nicht minder bedingt, als von der Tapferkeit unserer Truppen.
Und die Schwierigkeiten werben auch überwunden werden. Wir werden den Krieg, wie wir ihn auf unsren Schlachtfeldern schon gewonnen haben, auch auf unseren Aeckerfeldern gewinnen.
Die jetzt für das kommende Jahr herangereiste Ernte verspricht gottlob, im Durchschnitt des llieichcä für unsere beiren Hauptsruchtarten — für Roggen und Kartoffeln erheblich besser als in benbäben ungünstigen Vorjahren zu werden, lind wenn man unS bei zwei schlechtere brüten nicht anshungern konnte, so wird man dies bei einer erheblich besseren gciviß nicht können. ,
Gerade umgekehrt liegen die Dinge bei unseren Feinden. , , . ..
Sowohl die Länder der Entente als besonders bie großen überseeischen Exportländer, hatten in den beiden ersten. Kriegsjahren eine sehr große - im dritten dagegen eine sehr mäßige Ernte und gehen — wenigstens
auf der nördlichen Halbkugel — nach den vorliegenden Berichten jetzt nahezu einer Mißernte entgegen.
Die Eigen rnte Englands dürfte kaum langer a'i für drei — höch tens vier Monate reichen. Und daru t muß — wenn unsere braven U Boote so weiter wie bisher ihre Schul igkeit tun, und unsere unvergl. schlick e l Truppen in Flandern ihnen weiter wie bisher ihre Stütz- punkte siegreich verteidigen - , muß England — au h b.i der größten Verbrauchseinschränkung ganz unentrinnbar erliegen, bevor bei uns von ein.r Aushungerung überhaupt die Rede hin kann.
Deutschland ist eben bei s iner jetzigen Verbrauchseinschränkung und solange wir diPEiPungSsähigkeit unserer Landwirtschaft nicht zurückgehen lassen — wie wir gesehen haben, selbst in ungünstigen Erntejahren nicinal) auszuhungern.
Und darum werden wir auch in dem uns so freventlich aufgezwungen Aushungerungskrieg, wenn wir nur die Nerven nicht vor der Zeit verlieren, ebenso sicher die Sicher bleiben, wie wir an allen unseren Fronten die Sieger geblieben sind. Dafür werden in der Offensive zur See unsere 11 Boote und in der Defensive zu Lande unsere Landwirte sorgen.
Mit dieser ruhigen und festen Zuversicht dürfen wie auch dem vierten Kriegsjihr getrost entgegensehen.
—*
lokales und ffrnmuMta
Schlüchtcru, den 10. August 1917.
Laudwiitschastlicher Haussraueuvecei» des
Kre ses Schlucht er». Unsere letzte Monatsversammlung am Freitag, den 3. August erfreute sich eines regen Besuches. Zunächst war Herr Seminar-Oberlehrer Keller so liebenswürdig die Teilnehmerinnen in klarer und sachlicher Weise in die Pilzkunde einzusührcn. An Hand von Wandtafeln und Modellen gab der Redner ein anschauliches Bild über die wichtigsten Kennzeichen, der in unsern Waldungen und Wiesen am häufigsten vorkommenden giftigen und eßbaren Pilze. Besonders be- meikenswerte Punkte des sehr lehrreichen Vortrags waren, ler Wert der Pilze als Nahrungsmittel. Ihre viel- feitige Verwendung und Zubereitung im Haushalt, wie euch deren Ausb wahrung durch Trocknen und Einkochen für den Winterbedarf. Der Vertrag lehrte, daß weit mehr Pilze gesammelt werden sollten, in Anbetracht der guten Gerichte, schmackhaften Suppen und kräftigen Würzen, als willkommener Ersatz für Fleischertrakt, die gute und gesandt P.lze dem Küchenzettel bieten. Herr Oberlehrer Keller crl ot sich wiederholt zu Spaziergänger: aufzufordern zum Einsammcln von Pilzen. Auch will er dem Verein im hiesigen Seminar während der Zeit der Pilz ritten die Einrichtung einer PüWSstelluäg bieten. Gleichzeitig werden daselbst durch bereitwillige Freundlichkeit von Frau Seminarökonom Freund Proben verschiedener Pilzgerichte gereicht. Nach Schluß des Vortrags dankte die Frau Vorsitzende Herrn Oberlehrer Keller mit warmen Worten und forderte auf, das Gehörte praktisch Zu verwerten. — Hierauf kamen VercinS- angelegenheiten zur Sprache, dem sich im Austausch über wirtschaftliche HauSfrauenfragen «„schloß. Auf Anfragen wurden auS guten Erfahrungen Rat und Anweisungen ei teilt. Auch auSgeprobte Kricgskochrezrpte brachten einigen Damen zu Gehör. Das bei der Ankaufsstelle eingelaufene Gemüse wurde verlesen und im Hinblick auf die große Nachfrage nach jeglichem Gemüse und Obst die wiederholte Bitte an Alle erlassen, doch recht viel von ihrem Überfluß aus den Gärten in die ÄnkaufsMe (bet Frau Hermann Stern abzugeben. In der jetzt teginnenden größten Erntezeit ist es gewiß vielen Mitgliedern möglich, manches entbehrlibe Obst und Gemüse dem V.rein abzulassen. Auch die kleinsten Mengen werden gern entgegeiigrnommen, für deren An- kiuf die festgesetzten Nichtpreise deS Kreises gelten. Die Zahlungen für geliefeiteS Gemüse erfolgen sogleich. Darauf kam die Einrichtung eines Schuhflickkurses in eingehende Erwähnung time tüchtige Lehrerin von der Kriegsfürsorge vom nationalen Feauendienst in Frank« futt wird hier gründlichen Unterricht erteilen im AuS- bessern schadhasler L.dcrschuhe mit altem Material, in Anfertigung von «Schuhen mit Holz und Led.rersatzsohlen. Sie wird sachgemäß unterweisen wie man sich auS alten Flicken und Stoffresten dauerhafte, warme Hausschuhe für den Winter ohne m J Mühe selbst herstellen kann. Diese Anregung wurde von unseren Haussrauen freudig begrüßt und löste ein: lebhafte Aussprache. Viel« der anwesenden Mi gliedern unterzeichneten sich sogleich für den Kursus. Weitere Anmeldungen für diesen Schuh-