chluchternerZeitung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,50 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
M60.
Samstag, den 28. Juli 1917.
68. Jahrgang.
Amtlicher
J.-Nr. 7672. Mit Bezugnahme auf meine Verfügung vom 19. d. Mts. Nr 7491 — Schlüchterner Zeitung Nr. 58 — ersuche ich die Herren Bürgermeister, mir umgehend auzuzeigen, wie viel Ehrenfeldhüter bestellt morden sind und in welcher Weife der Feldschutz für die Nachtzeit eingerichtet worden ist.
Schlüchtern, den 26. Juli 1917.
Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
I. Nr. 7433. In Abänderung meiner Verordnung vom 16. d. Mts. Kreisblatt Nr 58 bestimme ich, daß der Bierausschank in den Gast- und Schankwirtschaften an Wochentagen von 4 Uhr nachmittags ab, an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen von 11—1 Uhr mittags und von abends 6 Uhr ab stattfinden darf.
Zuwiderhandlungen unterliegen der in der Verordnungen angedrohten Bestrafung.
Schlüchtern, den 27. Juli 1917.
Der Landrat: von Trott zu Solz.
Der Kreisausschuß wird, um die Schädigungen der Kohlpflanzen durch den Kohlweißling zu vermindern, für die abgelieferten, getöteten Raupen 10 Pfennig für je 100 Stück und für getötete Schmetterlinge (Kohlweißlinge) 25 Pfennig für je 100 Stück zahlen.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, diese Beträge gegen Ablieferung der Raupen und Schmetterlinge vorschußweise zu zahlen.
Die Herren Lehrer bitte ich um ihre Mithilfe und Anregung an die Jugend.
Schlüchtern, den 27. Juli 1917.
Namens des Kreis - Ausschusses: Der Landrat.
Kriegsbeihilsen
für Lehrer und Lehrerinnen..
Die Anweisung der Königlichen Regierung zur Zahlung der vom 1. 4 17 ab erhöhten fortlaufenden Kriegsbeihilfen für die Lehrer und Lehrerinnen ist hier eingegangen und die Beträge können gegen vorschriftsmäßige Quittung vierteljährlich im Voraus hier abgehoben werden.
Die Nachmessung wird den Königlichen Kreisschul- inspektoren mit dem Ersuchen um gefl. Mitteilung der Sätze an die Empfangsberechtigten übersandt werden.
Schlüchtern, den 23. Juli 1917.
Königliche Kreiskasse.
Schade.
General-Nersamminng.
Mittwoch, den 8. August, nachmittags 4 Uhr findet im Kreishause — Kreistagssaal — eine General- versammlung statt. Die Mitglieder des Vereins werden hierzu freundlichst eingeladen.
Tagesordnung:
1. Bekanntgabe des Berichts des Verbands - Revisors.
2. Geschäfts- und Kassenbericht für das Jahr 1916.
3. Abhörung der Jahresrechnung 1916.
4. Festsetzung des Jahresbeitrages.
5. Besetzung der Zuchtstationen mit Originalbullen.
6. Verschiedenes.
Schlüchtern, den 27. Juli 1917.
Der Vorsitzende der Rinder-Zucht-Genossenschaft.
I. Nr. 7757. Die Herren Vorsteher der Schulver- bände mache ich auf den als Beilage zum Regierungs- Amtsblatt Nr, 27 veröffentlichten „Berteilungsplan des Bedarfs der Lehrer-Alterszulagekasse für 1917" aufmerksam.
Schlüchtern, den 25. Juli 1917.
Der Königliche Landrat. I. V.: Schultheis.
Eierausgabe für die Stadt Schlächter«.
Dienstag, den 31. Juli, nachmittags 2 bis 5 Uhr: Ausgabe 2 Stück pro Kopf — gegen Abgabe der Eierkarten. Preis 29 Pfg. das Stück.
Kriukaufssteüt Kreis Schlüchteru
Abt. III. (K. R. St.) Nr. 5956.
Eine Besprechung mit den Flachsaufkäufern der Kriegsflachsbaugesellschaft Berlin gibt Veranlassung, die Verwaltungsbehörden darauf aufmerksam zu machen, daß Bürgermeister und Gemeindevorsteher der Landgemeinden diese Aufkäufer nicht genügend unterstützen, in einzelnen Fällen sogar entgegenarbeiten und selbst Bürgermeister ihre Flachsbestände weder angemeldet noch den Aufkäufern überlassen haben.
Die Kriegsamtstelle ersucht daher die Landrats- und Kreisämter, die Bürgermeister und Gemeindevorsteher ihres Bezirks darauf hinzuweisen, daß es vaterländische Pflicht ist, die Aufkäufer zu unterstützen, damit die gesamten Flachsbestände aus dem bisherigen und kommenden Ernten für den dringenden Bedarf der Heeresverwaltung dieser alsbald zugeführt werden, ferner, daß es Pflicht
der Bürgermeister und Gemeindevorsteher ist, darauf hinzuwirken, daß die gesamten Bestände an Flachs gemäß der erlassenen Bekanntmachungen über Beschlagnahme und Bestandserhebung seitens der Flachsaubauer gemeldet werden. Vergl. Bekanntmachung vom 31. 3. 16. Nr. W. M. 57/4:16: K. R. A., vom 1. 3. 17. Nr. W. M. 1111/12. 16. K. R. A. und vom 10. 11. 16. Nr. W. III 3000/9. 16. K. R. A.)
Wo die Unterstützung der Flachsaufkäufer durch die Bürgermeister und Gemeindevorsteher versagt, werden künftig besondere Revisoren der Kriegsamtstelle zur restlosen Erfassung der Flachsbestände beim Aufkauf Mitwirken.
Frankfurt a. M. den 7. Juli 1917.
Kriegsamtftelle.
Politische Uebersicht.
England und Frankreich.
Wir sind so sehr friedensbereit und geben uns immer wieder der Hoffnung hin, daß unsere so oft auSgs- sprochene Friedensliebe ein Echo bei unseren Feinden finden würde. Mögen auch die anderen Völker friedens- sehnsüchtig sein, die englische Regierung ist eS nicht, der Demokrat Llopd George will die Wonne imperialistischer Macht bis zur Neige auskoften. Auf messen Kosten das geschieht, ist ihm sehr einerlei, er bereitet alles auf lange, lange Kriegsdauer vor und scheut sich dabei nicht vor Eingriffen in die Rechte Neutraler, ja seiner Bundesgenossen. Calais ist längst mehr englisch als französisch, und wer weiß, wann es je wieder französisch wird. Schon glasieren die Neutralen die englischen Kriegs- dauerpläne und im Stockholmer „Nya Dagligt Alle- handa" ist zu leseo: „Aus sicherster Quelle erfahre ich. daß die Engländer sich kürzlich durch Vertrag das Ver- ; fügungSrecht über die Schiffswerften in den französischen Städten an der Westküste für drei weitere Jahre gesichert haben. Die französische Bevölkerung, die diese Tatsache als Beweis dafür ansieht, daß die Engländer den Krieg noch jahrelang hinauszuziehen wünschen, hat die Nachricht mit großer Verstimmung ausgenommen." — Das wird ihr nicht viel nützen, denn die herrschende Plutokratie in Gallien ist auf Gedeih und Verderb mit England verbunden, wird ihm immer willfährig sein, da sie - weiß, daß sie nur von Englands Gnade weiterherrscht. J So sieht man ein groteskes Spiel! Die Franzosen / bluten für die Wiedergewinnung Elsaß-Lothringens und ->. lassen sich indessen von den Engländern die wertvollsten i Brocken des eigenen Landes wegschnappen und sich von- jZ ihnen wirtschaftlich entrechten. Da liegt ein TodeskeimMH der „großen Republik."
In eiserner Zeit.
Kriegsroman von Charlotte Wilbert. 12
„Doch gut! Durch meine Hand soll Franz v. Brix- dorf nicht fallen, meinen einzigen besten Freund erschieße ich nicht. Ich weiß, wie ich mich morgen verhalten werde.
Und sollte ich fallen, so will ich ihm den letzten Freundesdienst erweisen, damit er sieht, daß ich aus uneigennützigem Herzen liebte. Ich will ihm schreiben, alles, alles, auch die Geschichte mit Baron Scheidt, damit er dann noch erfährt, maß er an seinem Freunde verlor. Ich würde gerne sterben, wenn ich wüßte, ihm damit die Augen zu öffnen. Ja, gerne gäbe ich mein Leben hin, um ihn aus dem Netze dieses gefährlichen Weibes zu ziehen." Er klingelte dem Diener. Dieser, eine ehrliche, treue Haut, der schon bei ben Eltern des Grafen, die auf Schloß Breitstem in Breitstein wohnten, in Diensten gestanden, kam eilfertig ins Zimmer und wartete auf seines Herrn Befehl. Er mußte lange warten, denn Graf Gordis saß, die Hände vor das Gesicht geschlagen, am Schreibtisch.
Endlich wandte erden Kopf; als nun der Alte in das bleiche, erregte Gesicht seines jungen Herrn sah, kannte er sich nicht enthalten, voller Besorgnis leise i" fragen: „Aber Herr Graf I Was ist geschehen?"
„Ich habe Dich gerufen, um Dir eine sehr wichtige Angelegenheit mitzuteilen. Es taun fein, daß man t»ich morgen als Leiche nach Haus bringt. Da — —"
„Ach, Gott! Herr Jess'I" rief Heinrich in den Tü- ton höchster Bestürzung dazwischen.
„Ich werde nämlich morgen früh meinem einstigen meunde Graf Brixdorf im Duell gegenüber stehen. Wen die mörderische Kugel trifft, liegt in der Hand deS Schicksals. ES sann ja auch sein, daß die Sache nur mit leichten oder schwereren Berwundungen auSläuft!" - Mit schlotternden Knien hatte Heinrich tugehölß.
„Ach Herr Jess', Herr Jess'!" konnte der treue Mensch nur immer wieder herausbringen.
„Und nun höre, was ich Dir jetzt noch sage: Sollte ich fallen, so nimm sofort diesen versiegelten Brief und trage ihn persönlich zu dem Grafen Brixdorf ins Schloß. Hast Du es verstanden, Heinrich?"
Dieser nickte bejahend mit dein grauen Kopf, sprechen konnte er vor Aufregung nicht.
„Wie spät ist es jetzt?"
„Bald 10 Uhr,Herr Graf," brachteHeiurich stockend hervor.
„So, dann gehe ich jetzt zum Dienst, unb komme nachher direkt nach Hause. Ich erledige noch meine Korrespondenz und bespreche mit Dir noch allerlei, was Du, in meinem Todesfälle, zu tun hast!" Er stand auf, Heinrich reichte ihm Koppel und Mütze und bald darauf verließ Phili das Haus.
Mechanisch räumte der alte Diener daS Studier« -immer seines Herrn auf. Nun blieb erstehen, schlug sich mit der derben Hand vor die Stirn und brummte: „Unb der Graf Brixdorf war doch seit jeher der beste Freund von dem Herrn Phili! Wofiir wollen sie sich bann nun gegeneinander totschießen? Ach, ich kann mer'ß schönsten denken. Sicher i§ man wieder so'n verflixtes Weibsbild dran schuld. Dös hört mer ja öfters, daß se desseulwege eu Duell mache. Jess' Gott, sind daS dumme Meuschen. Bei miß derheim, wenn zivei do Krach hau, dv haut einer dem andern über's Ohr und dann iß die Sach' abgemacht. Aber totschieße, des iß man so en Verrücktheit von die feint Herren, was Offiziere und Aristokraten sind. Ich für meinen Teil bin froh, daß ich keen Graf «ich bin, fünften ivar ich am End och schon lange im Duell gebliebe. Jess', meint se blos meinen Graf Phili net treffen, iß sich so'n gemütlicher, guter Mensch! Tja, tja, baß Leben, das Leben. S'iS zu dumm!" Mit energischem Ruck stellte er den Sessel an seinen Platz, sah sich noch einmal prii- send im Zimmer um und begab sich dann in die an» WP KÖM Ulf, M Wch dort fehl» «MuMschMlden
Hände herrsch en zu lassen. Er war das Muster eines treuen, redlichen Dieners, gewissenhaft erfüllte er feine Pflicht und Graf Gordis brächte ihm volles Vertrauen entgegen, d aß der Alte wohl zu würdigen verstand. —
Nach Beendigung des militärischen Dienstes schlenderte Phili v. Gordis langsam durch die Kronprinzenallee der Wohnung seiner Kollegen Wildinann und Broecker zu. Es waren dieß Offiziere, die er zu seinem näheren Bekanntenkreis zählte. Er wollte die beiden Herren bitten, bei dem morgigen Duell als seine Sekundanten ;u fungieren.
Sofort erhielt er aiufj bereit Zustimmung und all Gordis den Grund des Duells erzählte, rief Wildmann; „Da hatten Sie aber recht gesagt, jawohl, ein hergelaufenes Frauenzimmer, das ist sie; ich kenne sie sehr gut. Daß aber Brixdorf, der sonst so gescheite und vernünftige Brixdorf, so in die Patsche hineinrennt. Himmel, da hätte ich ihm mehr zugetraut!"
Broecker meinte, die Augenbrauen hochziehend: „Liane Startell ist Komödiantin im Beruf auf der Bühne wu im Leben. Was will man mehr wissen? Jedenfalls be- denkt er gar nicht, daß er mit dieser Heirat eine Schande, eine ungeheure Schande auf feine hochaugeseheue Familie lädt! Ich beule, er hat noch eine alte Tante, die bei ihm auf Schloß Brixdorf wohnt?"
„Ja, eine Gräfin Wanda von Brixdorf, die Schwester seines Vaters. Mit ihr wird er wohl einen ganz ordentlichen Kampf auszufechten haben, denn soweit ich die Dame kenne, hält sie allgemein auf strenge Etikette " antwortete Phili von Gordis.
„Na," rief Wildinann, „möge der Himmel ihm gnädig sein und ihn aus den Armen dieses WeibeS reißen, ehe es zu spät ist!"
„Wann findet daS Duell statt?" 235,18*
„Morgen früh um 5 Uhr im Claubenthaler Wäldchen, das andere könnt Ihr ja mit den Sekundanten Bttxdorfs besprechen — Leutnant Dahlheim und Kurt vpjl Steiglitz — ich muß nämlich schleunigst nach Hause!"