KchlüchternerZeitung
it „Amtlichem Kreisblatt". — Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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L 58. Samstag, den 21. Juli 1917. 68 Jahrgang.
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Aus Grund des HöchftpreiSgesetzeS vom 4. Augusts Berspret zur Berechnung der Krsegssteueradgade nach
Aentliche»
Betr. Milchabgabe an Kinder pp
Nr. 5764 K. G. Die in der Bekanntmachung vom April 1917, veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 36 vom Mai, unter Nr. 7. für Kinder im ersten und zweiten ^ensjahr und für stillende Mütter aus \ Liter festste Milchmenge wird im Einverständnis mit der jirksstelle für Speisefette für den Regierungsbezirk sel aus 1 Liter erhöht Im Uebrigen bleibt es bet Festsetzung der Bekanntmachung.
Schlüchtern, den 16. Juli 1917.
Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses, von Trott zu Solz.
Polizetverordnung betr Ernteschutz.
Auf Grund des § 137, Absatz 2, 139 des Gesetzes r die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli )3 (Gesetzsammlung S. 107), sowie der §§ 6, 12 13 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in neu erworbenen Landesteilen vom 30. September I7 (Gesetzsammlung S. 1529) wird vorbehaltlich der iimmuug des Bezirksausschusses für den Umfang des chrungsbezirks Casfel nachstehende Polizeiverordnung ssen:
§ 1.
Unabgeerntete Felder und Felder, auf denen Schup- 1 oder Scheunen zur Aufnahme der Frucht stehen, sen nach Dunkelwerden außer von den Eigentümern r Bewirtschastern, deren erwachsenen Familienange- igen und den von ersteren dazu ermächtigten P Zonen niemanden betreten werden.
Als unabgeerntet gelten auch Felder, aus ^^ )ie ichte gelchnitten, aber noch nicht eingeb rächt und.
§ 2.
Zuwiderhandlungen werden, soweit nicht durch die gemeinen Strafgesetze oder das Feld- und Forstpoliesetz eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe zu 60 Mk. oder mit entsprechender Haft bestraft. i 8 3.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Bekannt- chung im Amtsblatt der Königlichen Regierung in sel in Kraft. (A II. 5031.)
Casfel am 9. August 1916.
Der Regierungspräsident- Graf v. Bernstorff.
Nr 7491 Die Herren Bürgermeister werden er lt, die vorstehende Polizeiverordnung in ortsüblicher ise bekannt zu machen und deren Durchführung zu machen. Die Bestellung einer Anzahl Ehrenfeld- er für jede Gemarkung halte ich für dringend nöthig, ebenso die Anordnung eines erhöhten Feld- HeS zur Nachtzeit.
Schlüchtern, den 19. Juli 1917.
^Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
• I. c. 6525/94 902. Infolge des Abbruchs der lomatischen Beziehungen Deutschlands zu Griechenland >en dessen wahlkonsularische Vertreter im Reich keine techtigung mehr, amtliche Befugnisse auszuüben Berlin, den 4. Juli 1917.
Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten.
Im Austrage, gez Weller.
Nr. 7360. Die Herren Bürgermeister und Guts- tsteher, welche mit meiner Kreisblattverfügung vom ■ Mai 1917 I. Nr. 4926 Kreisblatt Nr. 46 betr. ffendung der Landsturmrollen des Jahrgangs 1900 $ im Rückstände sind, werden an deren alsbaldigen ^digung nochmals erinnert.
Schlüchtern, den 16. Juli 1917.
Der Königliche Landrat. J. V.: Schultheis.
Nr. 7380. Die Herren Bürgermeister und Guts- sicher, welche mit der Erledigung meiner Verfügung m 2. April d. Js. Nr. 3461 betr. Abgabe von -knnholz an die Minderbemittelten, noch im Rückstade werden an deren alsbaldigen Erledigung noch ^ erinnert.
Schlüchtern, den 16. Juli 1917.
Der Königliche Landrat. J. V. Schnliheis.
Nr. 7448. Bei einem Pferde des Bauern Peter achbert in Eidenbach Gemeinde Gräsendorf, Bezirk lt Gemünden wurde Pferderäude festgestellt.
' Schlüchtern, den 17. Juli 1917.
I Der Königliche Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr 5935 K. G. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit der Erledigung der Verfügung vom 11. ds. Mts., I.« Nr. 5576 K. G., betreffend Heuablieferung aus 1916 noch im Rückstände sind, werden hiermit an die sofortige Erledigung erinnert.
Schlüchtern, den 19. Juli 1917.
Der Vorsitzende des Kreis - Ausschuffes.
Bekanntmachung.
Das unbefugte Auflesen von Fallobst ist verboten. Zuwiderhandlungen werden streng bestraft. Schlüchtern, den 20. Juli 1917.
Der Magistrat: Stückrath.
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Schlüchtern, den 20. Juli 1917.
Der Männerveretu vom roten Kreuz.
Zum Kanzlcrwechsel.
Viel Manneskraft verbraucht der Krieg und nicht nur an der Front. Nicht nur der Frontsoldat ist der steten Gefahr eines Trommelfeuers ausgesetzt, auch der Zivilsoldat, der Diplomat, der Staatsmann sieht sich yeme vor hundertfach schwerere und aufreibendere Arbeit gestellt, als die Friedenszeit von ihm verlangte. Der Verbrauch an führenden Männern war deshalb auch groß in der Zeit dieser drei Weltkriegsjahre. Wenige, kaum noch einer von denen, die die Hand an den furchtbaren Hebel legen durften, der die Kriegsexplosion auslöste, stehen heute noch auf dem alten Posten. Die raschesten Kriegsopfer wurden die Kriegshetzer von der Seine, der Themse und der Newa, und auch am Tiber sah man Männer verschwinden, die sich am Beginn etwas anderes von ihrer Laufbahn versprochen hatten. Oesterreich- Ungarn sah seine leitenden Staatsmänner wechseln, Deutschlands führender Staatsmann stand fast drei Jahre lang an der Spitze des Reiches, zu einer Zeit, deren Schwere mit der keiner anderen zu vergleichen ist. Sein ehrlichstes Können, sein idealstes Streben, seinen unbestechlichen Patriotismus, seinen nie ermüdenden Fleiß weihte Herr von Bethmann dem Dienste seines Vaterlandes ! „Mit schwerem Herzen habe ich mich entschloffen Ihre Bitte um Enthebung von Ihren Aemtern nachzu- geben" schrieb der Kaiser dem scheidenden Kanzler. „Ihnen für alle Ihre treuen Dienste Meinen innigsten Dank zu sagen, ist mir Herzensbedürfnis!"
Durch kaiserliches Vertrauen ward Exzellenz Dr. Michaelis, der bisherige Staatskommiffar "für das gesamte Ernährungswesen in Preußen, der Nachfolger Bethmanns der sechste Kanzler des Deutschen Reiches. Eine schwere Erbschaft tritt der neue Kanzler an. aber ihn wird das Vertrauen des ganzen deutschen Volkes tragen. Ein Mann! das ist die Sign atur, unter der Dr. Michaelis vom Volke begrüßt wirb- Und was wir brauchen, das ist ein Mann, ein Mann mit Eisennerven, mit weitestem Blick, der sich nicht fürchtet vor der Tragweite seiner Entschlüsse, die, heute gefaßt, vielleicht die Zu kunft des ganzen Reiches für alle Ewigkeit beeinflussen können. Ohne Furcht vor Kritik, wo sie auch immer Herkommen mag, muß der neue Leiter des Reiches seinen schweren Weg wandeln, allein vertrauend der starken Stimme in sich selbst. Und Dr. Mehaelis hat schon an bescheidenerer Stelle in der KriegSzeit bewiesen, daß ihn sein Gottvertrauen den Begriff der Furcht nicht kennen läßt. Die Rede, mit der er sein Amt als Staats kommissar für das ErnährungSwesen antrat, war schon eine Tat. Ganz Deutschland horchte aus — da sprach ein aufrechter Mann, der nicht gewillt ist, Konfessionen zu machen, wenn ihm seine Ueberzeugung und sein Gott vertrauen sagt: du bist auf dem rechten Wege! So einen Mann aber hat unser Volk gerade heute bitter nötig! Wie Hindenburg weiß, waS er will und selbst zurückweichend daS Auge immer nur auf das große Endziel gerichtet hat und sich nicht kümmert, was nörgelnde Besserwisser draußen und drinnen dazu sagen mögen, so muß auch der staatsmännische Leiter unseres Volkes
heute vor allem ganz genau wissen, was er will, seine Kräfte und die seines Volkes richtig einschätzen; vor allem der unerschütterten und unerschütterlichen VolkS- kraft vertrauen und auf die Stärke feinen Volkes die ganze Wucht seiner eigenen Stärke setzen. Dann führt er unser Volk zu dem Stege, den wir brauchen, wollen wir nicht aus Deutschen geduldete Heloten Englands werden. Mit offenem Vertrauen blicken alle wahren Deutschen dem neuen Führer entgegen — sie vertrauen ihm wahrhaft und sind sicher, daß er auch nie das Vertrauen zu der Stegeskraft des deutschen Volkes verlieren wird
Dr. Georg Michaelis wurde am 8. September 1857 in Haynau in Schlesien als Sohn des Oberappellations- gerichtsrates Michaelis geboren. Nach Absolvierung seiner Slutien wurde er 1879 Referendar, 1884 Assessor. In dieser Eigenschaft war er ein Jahr bet der Staatsanwaltschaft in Berlin tätig, von wo er als Dozent an die Schule deutscher Rechts- und Staat-wissenschaft in Tokio berufen wurde. Ende 1889 nach Deutschland zurückgekehrt, blieb er bis 1892 weiter tm Justizdienst als StaatSanwalt tätig und wurde dann von der Regierung in Trier in die allgemeine Staatsverwaltung übernommen Von hier aus kam er 1897 nach ArnS berg in Westfalen als Oberregierungsrat. 1900 wurde er als Vertreter des Regierungspräsidenten nach Liegnitz versetzt und ging von dort tm Jahre 1902 als Oberpräsidialrat nach Breslau. Am 27. Juni 1909 zum Unterstaatssekretär im Finanzministerium ernannt, erhielt er am 20. Juli 1915 den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Zu Beginn des Jahres 1915 wurde Exzellenz Dr. Michaelis an die Spitze der Reichsgetreidestelle berufen Zuletzt wirkte er als Staatskommissar für Volksernährung in Preußen.
So hat der neue Kanzler eine Laufbahn hinter sich, die sich abhebt von der mancher anderer Staatsmänner. Nicht einseitiger Beamte ist er, und hat doch reichlich Gelegenheit gehabt, den herrlichen Geist des preußischen Beamtentums in sich aufzunehmen der mit ein FÄtor, und nicht der schlechteste, unserer Grüße ist. Er tonte das Ausland aus eigener Anschauung kennen und zwar an einer Stelle, die heute wahrhaft nicht ohne größte Bedeutung ist und in einer Position, die ihn manches freier und unbefangener sehen ließ als manchen Zunftdiplomaten. Sein eiserner Fleiß und seine unbeugsame Energie werden es ihm leicht machen, fich überall rasch etnzuarbeiten. Vor allem aber ist es sein männlicher Wille zur Tat, auf den heute die Hoffnungen des deutschen Volkes gerichtet sind.
Politische Uebersicht.
Die belogenen Russen.
Russische Soldaten die bei der Offensive in Oft» galizien in Gefangenschaft gerieten, erklären einstimmig, daß sich die dortige Offensive nur dadurch habe bewerkstelligen lassen, daß man sie glauben machte die Deutschen hätten an einem anderen Frontabschnitt zuerst den Angriff wieder ausgenommen. Aus diesen Gefangenen- aussagen geht zur Genüge hervor, mit welchen Mitteln das demokratische Rußland seine „freien Bürger in den Tod treibt — unter Ententedruck und dem fälschen Ehrgeiz der derzeitigen sogenannten Machthaber, die eben nur englisch-amerikanische Statthalter sind.
Vuteutespione in Schweden.
Die schwedische Presse veröffentlicht neue Einzelheiten über die von der schwedischen Polizei entdeckte Handelsspionage der Entente. Danach betrieben die Spione ihr Handwerk hauptsächlich in Lulea und Geste und schickten von dort ihre Berichte in Zeitungen versteckt, über die Bewegungen deutscher Schiffe an den Martneattache einer Ententegesandtschaft in Stockholm. Außer zwei Marineattaches ist auch ein Legationsrat an einer dritten Ententegesandtschast bloßgestellt.
Spaniens unerschütterliche S eutralttät.
König Alfons von Spanien äußerte sich, Spanten müsse bis aus Kriegsende neutral bleiben Nach den Erklärungen RibotS und Llopd Georges sei eS ihm unmöglich, seine Dienste als Vermittler anzunehmen.
Polenbeschlüsse.
In der ersten Vollsitzung des provisorischen polnischen StaatSrateS würbe der Entwurf einer Selbstverwaltung der Kreise für den Teil des KönigrUchs Polen, welcher unter österreichisch ungarischer Besetzung fte^, durchbe raten und angenommen. Angenommen wurde ferner ein vom Jndustriedepartement unterbreiteter Entwurf einer Verteilung der Gerichtsbehörden. Ferner wurde ein