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SchlWernerAitung

mitAmtlichem Kreisblatl". Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwsch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljäbrlich 1,50 Ulf. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Kaum 12 pf9.

M 57. Mittwoch, de» 18. Juli 1917. 68. Jahrgang.

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Anrttiches

I. Nr. 7417. Die Ortspolizeibehörden werden unter Hinweis auf die ihnen besonders zugegangenen Aus­führungsbestimmungen zu der Bekanntmachung über den Handel mit Tabakwaren vom 28. Juni 1917 (R.G Bl. S. 563) ersucht, die Inhaber erlaubuispflsibtiger Be­triebe auf die Vorschriften der Verordnung vom 28. Juni 1917 besonders aufmerksam zu machen und zur als- baldigen Einholung der Erlaubniffe zum weiteren Ge­schäftsbetriebe anzuhalten.

Ich bemerke erläuternd, daß lediglich der Zwischen­handel in Tabakmaren erlanbnispflichtig ist und deshalb Ladengeschäfte, die Tabakwaren nicht an Wiederverkäufe:: absetzen, keiner Handelserlaubnis bedürfen. Auch der Verkauf an Gast- und Schankwirtschasten zum Absatz in deren Wirtschaftsbetrieben ist als Absatz unmittelbar an denVerbaucher anzusehen und deshalb nicht genehmignugs- pflichtig.

Schlüchtern, den 16. Juli 1917.

Der Königliche Landrat. von Tro^t zu Holz.

J. Nr. 7300. Die Räude unter dem Pferdebestand des Bauern Melchior Diener in Obersinn ist erloschen.

Schlüchtern, den 13. Juli 1917.

Der Königliche Landrat. I. V. Schultheis.

Aer-Ausgabe für die Stadt Schlüchtern.

Freitag, den 80, Jnli, nachmittags 8 bis 4 Uhr findet die Ausgabe für die Stadtteile und Empfänger statt, die für Juli noch keine Eier em­pfangen haben.

Ausgabe pro Kopf 2 Stück gegen Abgabe der Eier- fumu. Preis t Pfg.

Einkaufsstelle Kreis Schlüchtern.

Einige Einmachegläser und Töpfe für Liebesgaben zwecke können bei mir abgeholt werden.

Frau von Trott zu Solz.

Amtliche Bekanntgabe des Kauzlerwechsels.

Berlin, 14. Juli. (WTB. Amtlich.) Eine Son­derausgabe des Reichsanzeigers veröffentlicht folgende Bekanntmachung:

Seine Majestät der Kaiser und König haben Aller- gnädigst geruht, dem Reichvkanzler, Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswärtigen An­gelegenheiten Dr. von Bethmann Hollweg die nach­gesuchte Entlassung aus seinen Aemtern unter Ver­leihung des Sterns der Großkomture des König­lichen Hausordens von Hohenzollern zu erteilen und den Staatssekretär Wirklichen Geheimen Rat Dr. Michaelis zum Reichskanzler, Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswärti­gen Angelegenheiten zu ernennen.

Handschreiben an Bethmann Hollweg.

Ferner wird folgendes Handschreiben Seiner Majestät des Kaisers und Königs bekannt gegeben:

Mein lieber von Bethmann Hollweg!

Mit schwerem Herzen habe ich mich entschlossen, Ihrer Bitte um Enthebung von Ihren Aemtern als Reichskanzler, Präsident des Staatsministeriums unb Minister der auswärtigen Angelegenheiten durch Erlaß vom heutigen Tage zu entsprechen. Acht volle Jahre haben Sie diese verantwortungsvollen höchsten Aemter des Reichs- und Staatsdienstes in vorbildlicher Treue geführt und ihre hervorragende Kraft und Persönlichkeit erfolgreich in den Dienst von Kaiser und Reich, König und Vaterland gestellt. Gerade in der schwersten Zeit, die je auf den deutschen Landen und Völkern gelastet hat, in der es sich um Entschließungen von entscheidender Bedeutung für das Bestehen und die Zu­kunft des Vaterlandes handelte, haben Sie mir mit Rat und Tat unermüdlich zur Seite gestanden. Ihnen für alle Ihre treue Dienste meinen innigsten Dank zu sagen, ist mir ein Herzensbedürfnis Als äußeres Zeichen meiner Dankbarkeit und hohen ^vort-

schätzung verleihe ich Ihnen den Stern der Großkomture meines Hausordens von Hoherzollern, dessen Abzeichen Ihnen hierneben zugehen.

Mit wärmsten Segenswünschen verbleibe ich Ihr Ihnen stets wohlgeneigter und dankbarer Kaiser und König

Wilhelm I. R.

Berlin, den 14. Juli 1917.

An den Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg.

Eingeschmolzene Kronen.

Als die deutsche Reichsbank begann neben dem ge­münzten Golde, das im Umläufe war, auch verarbeitetes Gold und Juwelen an sich heranzuziehen, waren es zuerst deutsche Herrscherhäuser, die aus ihrem Privatbe­sitz der guten Sache große Opfer darbrachten. Die Zeitungen haben damals mitgeteilt, daß von unserem Kaiserpaar angefangen, Fürsten und Fürstinnen manches kostbare und ihnen liebgewordene Stück den amtlichen Goldank nifsstellen zugefüh t haben.

Damit wurde eine Ueberlieferung wieder ausgenommen, die an die schwersten Tage des preußisch-deutschen Va­terlandes anknüpft, an die Zeit, da die Riesenfaust des Korsen furchtbar über unserer Heimat lag. Wie damals der Aermste und der Niedrigste gab. so gab auch der Reiche und der Höchststehende. Gleich einem Spiegelbild der Zeit wirkt eine bisher unbekannt ge­bliebene Kabinettsorder, die König Friedrich Wilhelm HL am 21. März 1808 von Königsberg aus an seinen großen Staatsminister, den Erneuerer Preußens, Frei­herr« vom Stein, richtete. Der König teilt darin mit, daß er ,,recht gerne das goldene Service und die Kron- juwelen zur Disposition stelle", und er äußert sich im einzelnen darüber, wie die Schätze, von denen er sich mit edler Entschlußkraft trennen wollte, am besten trans­portiert werden könnten. Inmitten des französischen Drucks war die Sendung von mancherlei Gefahren be­droht, und so wird auch der Vorschlag des Freiherrn vom Stein verständlich, die Kleinodien einem Königs- berger Kaufmann zu übergeben, der sieals sein Eigen­tum" an ein Berliner Hausohne Aufsehen" abschicken müsse. Jener Kapinettsorder legte der König ein ge­naues Verzeichnis bei, aus dem wir erfahren, wieviel ge­faßte unb ungefaßte Edelsteine und aus Gold geschmiedete Schmucksachen aller Art und Form aus dem Besitz der Krone hingegeben wurden. Aber auchein königlicher Szepter mit einigen Brillanten und kouleurten Steinen besetzt" befindet sich darunter, fernerannoch sechs Kronen, welche Seine Majestät allerhöchst selbst in Augenschein genommen haben und welche großenteils mit roten kouleurten Steinen und Perlen garniert, einige bloß Gold sind". Darunter waren auch die von Warschau herrührende polnische und bie von Danzig herrührende Elbinger Krone. Wieviel Erinnerungen mußten für den König an diese Jnsignien geknüpft sein, wieviel alt­preußischer Stolz war in ihnen verkörpert! Aber das Land darbte, und der Pietätswert mußte vor dem Gold- und Juwelenwert znrückstehen.

Das ist ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte einer großen Zeit, und der Sinn, der sich hier aus- spricht/ hat seine Bedeutung noch für unsere Tage be­halten. Viel unfruchtbares Gold, viele Kostbarkeiten liegen in den Truhen unserer Adels- und Bürgerhäuser Jetzt ist, so verschieden die Umstände sein mögen, wieder eine Zeit da, in der es heißt: das Gold, und zwar so­wohl das gemünzte Gold, wie das Gold in der Form von Schmucksachen, das nicht dem allgemeinen Wohl dienstbar gemacht wird, dieses Gold hat seinen Beruf verfehlt. Aber es wird ein dienendes Glied, wird ein Mitkämpfer in dem harten Kampf sein, den Deutschland um sein Dasein führt, sobald es dem Reich zur Ver­fügung gestellt wird als freie Opfergabe gegen Erstattung des Goldfeinweetes.

Wenn das Eisen unsere Wehrkraft ist, soll das Gold unsere wirtschaftliche Nährkraft sein. So möchte man jedem, der es besitzt, zurufen: ein König gab seine Kronen; gib auch du, was du hast!

Politische Uebersicht.

Ruhland und die Entente.

Engländer und Franzosen trauen der russischen Lage schon lange nicht mehr, besonders nadjbem die ZwangS- offensive in Galizien so kläglich gescyeitert ist. Sie fürchten mit Recht, daß die nutzlos geopferten 10 russischen

Divisionen in Petersburg einen Schrei der Entrüstung und des Entsetzens auslösen werden. Sie wissen, man sieht in Rußland Menschenopfer nicht mehr allein mit den kalten Augen eines Großfürsten an. So äußert tu der Londoner ZeitschriftFortnighly Review" Dr. Dtllon unter der UeberschriftRußland und die Friedensgefahr", Rußland habe seine Rolle als Kriegsteilnehmer auSge- spielt. Es sei ein schwerer Fehler der Ententediplo­matie, daß sie trotz vielfacher Warnungen Berufener, daß die Revolution März oder April ausbrechen werde, den Ereignissen freien Lauf gelassen habe, anstatt die revolutionären Strömungen in ein ungefährliches Bett zu leiten. Der Engländer vergißt hier nur zu sagen, daß seine Landsleute der Revolution nichtfreien Lauf" gelassen haben, sondern sie anzettelten allerdings in der Hoffnung, daß sie in ein anderes Bett sich ergüsse, als eins, in dem England nicht ungestört zu ruhen er­laubt ist. Noch trüber sehen die Franzosen die russischen Zustände an. Sie erfahren au? nächster Nähe wie wenig Lust der MusHik zeigt, für die Entente tu blut n, und so strömt die Parker Presse förmlich über von auf peitscbenden Worten an die russische Adresse. Besonders gefährlich aber erscheinen ihnen die Zustände an der russischen Peripherie besonders in Finnland, wo sich die Lage von Tag zu Tag verschärft. Die reine Freude hat die Entente nicht anihrer" russischen Revolution.

Die Deutsche« in Brasilien

Nach amtlichen Nachrichten aus Brasilien ist bisher über das Schicksal der Deutschen in Brasilien nichts Nachteiliges bekannt geworden. Die brasilianische Re­gierung hat wiederholt versichert, daß die Deutschen den vollen Schutz der Gesetze genießen sollen.

Postschecks in Warschau.

Für das Gebiet des Generalgouvernements Warschau wird in nächster Zeit der Postscheckverkehr mit der Maß­gabe eingeführt werden, daß sich die Bevölkerung Post­scheckkonten beim Postscheckamt in BreSlau eröffen lassen darf.

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, den 17. Juli 1917.

* Einziehung der Zweimarkstücke. Mit der an- gekündigten Außerkurssetzung der Nickel und Silbermünzen wird jetzt begonnen. Der Bundesrat hat zunächst die Außerkurssetzung der Zweimarkstücke beschlossen. Das Zweimarkstück soll, wie eS heißt, nur noch bis zum 1. Januar 1918 als gesetzliches Zahlungsmittel gelten. Bis zum 1. Juli 1918 aber müssen Zweimarkstücke noch zum gesetzlichen Wert in Zahlung genommen werden. Man zieht die Zweimarkstücke ein, weil das Reicdsschatzamt eine Umichmelzung dieser Münzen in andere Zahlungs­mittel, für die ein größeres Bedürfnis vortiegt, vor- nehmen will.

* Prcisprüsuugsstellen. Infolge neuer Beschwerden darüber, daß in Beschlüssen der Preisprüfungsstellen oft einseitig nur den Konsumentenstandpunkt vertreten und das berechtigte Interesse des Kaufmanns nicht aus­reichend berücksichtigt fei, hat die Hanauer Handels« kammer in ihrer letzten Vollversammlung beschlossen, an die Magistrate der Städte Hanau, Fulda und Geln- hausen den Antrag zu richten, in die PreiSprüfungS- stellen einen Vertreter der Handelskammer aufzunehmen. Hierfür geeignete Herren sind zugleich gewählt worden.

* Das Roden (Ausmachen) von unreifen Kar­toffeln ist bei Strafe bis zu 1500 M verboten.

* Kein Kriegsmus mehr! Infolge der schlechten Erfahrungen, die man mit bem durch Zusatz von Kohlrüben gesteckten" Kriegsmus gemacht hat, haben sich jetzt die zuständigen Meldestellen entschlossen, für das kommende Wirtschaftsjahr auf die Verwendung von Kohlrüben zur Marmeladenherstcllung vollständig zu verzichten. Im nächsten Winter wird es also lediglich KriegsmuS geben, das aus mehreren Obstsorten zusammengesetzt ist, eine HerstellungSweise, die in vielen Haushaltungen schon im Frieden mit bestem Erfolge angewandt worden ist.

* Das Rote Kreuz hat Erinnerungs- Medaillen herstellen lassen, die an solche Damen und Herren ver­teilt werden, die sich in den Dienst deS Roten Kreuzes gestellt haben, sei eS bei Sammlungen oder anderen Gelegenheiten. Die Medaille trägt auf der einen Seite das Rote Kreuz, auf der anderen Seite die Inschrift Aus Dankbarkeit für werktätige Liebe". Das Rote Kreuz ist umrahmt mit der InschriftAus Deutschlands schwerer Kriegszeit 1917,,,