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t „AmtjichemKreisblatt". — Wochenbeilage: Illustriertes Zonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,50 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
Samstag, den 14. Juli 1917.
68. Jahrgang.
Amtliches
M 7272. Die Herren Bürgermeister und Guts- Mer ersuche ich, sich zur Besprechung wichtiger kriegs- Mtlicher Maßnahmen am Mittwoch, den 18. ds. I yorm. 9 7# Uhr im Saale des Kreishauses zu Mmeln, im BehinderungSfalle aber einen Vertreter «tsenden.
Dchlttchtern, den 12. Juli 1917.
Aer Königliche Landrat, von Trott zu Solz.
ßr. 7292, Am Mittwoch, dem 18. ds. Mts. nach' |f)r findet in der Seminar-Aula hier ein Vortrag lHerrn Seminar-Oberlehrers Keller hier über die ■meltätißfeit der Schulkinder und die Beteiligung kLehrer an den kriegswirtschaftlichen Maßnahmen I Die Lehrer und Lehrerinnen des Kreises lade hiermit zu recht zahlreichen Besuche dieses Borden Herren Lehrern, welche Mitglieder der Wirt- Ksausschüsse sind, stelle ich anheim, auch an der am lerStag stattfindenden Bürgermeisterversammlung »nehmen.
kchlüchtern, den 12. Juli 1917.
Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
Kohlenamt.
Wemäß § ". der Anordnung über die Regelung ienversorgung im Kreis ist das Kreiskohlenamt wie ß gebildet worden: Kabrikant Gerhäuser, Altengronau, Vorsitzender Kreisbaubeamter Schutt, Geschäftsführer Dehrer Seibert, Schlüchtern, Beirat. Kohlenhändler Dehler, Schlüchtern, Beirat. Kaufmann Heymann Steinau, Beirat. Wohlenbändler Lauer Salmünster Beirat, »Zuschriften sind an das „Kreiskohlenamt" in Schlüch- lKretshaus zu richten.
Schlüchtern, den 12. Juli 1917.
I Namens des Kreis-Ausschusses.
I Der Vorsitzende.
7082. Dem Fleischbeschauer und Trichinen- »er Nikolaus Schreiber in Marjoß ist die Schlacht- I und Fleischbeschau, sowie die Trichinenschau für VGemeindebeztrk Marjos übertragen worden. Dessen Mvertreter ist der Fletschbeschauer Peter Walther tu Schlüchtern, den 6. Juli 1917.
M)er Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
Lehranstalt für Wem-, Obst- ch Gartenbau zu Geisenheim a. RH.
«Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der I Lehranstalt im Jahre 1917 :
I Ein Obstverwertungslehrgang für Männer nnd Haushaltuugslehrerinnen in der Zeit
I vom 30. Juli bis 19. August.
ein Obstverwertungslehrgang für Frauen
I in der Zeit vom 20. bis 25. August »Halten werden.
kDie Lehrgänge beginnen an den zuerst genannten ^n vormittags um 8 Uhr. Der Unterricht wird kretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer ^egenheit haben die verschiedenen Verwertungsmöglich- einzuüben.
»Das Unterrichtsgeld beträgt für den Lehrgang zu für Preußen 10 M., für Nichtpreußen 15 Mk.; für Lehrgang zu 2: für Preußen 6 Mk., für Nicht- Hen 9 Mk
Änmelduugeu find unter Angabe des Vor- und Zu- tens, Wohnorts sowie der Staatsangehörigkeit an Direktion zu richten.
Der Direktor.
Saatwintergerfte.
Der Präsident des KriegsernährungSamts hat be- »nt, daß die Landwirte aus der von ihnen geeintsten Seigerste das erforderliche Saatgut für ihren eigenen Web zurückbehalten dürfen. Die Veräußerung von Gerste und der Handel mit Saatgerste bleibt dagegen I wie vor bis zum Erlaß der demnächst erscheinenden Ordnung über den Verkehr mit Saagut verboten.
Als U-Bootspende gingen aus dem Kreise insgesamt 5532 Mark ein. Die Beträge verteilen sich auf die
einzelnen Orte wie folgt:
Mark Mark Schlüchtern 849,95 Neustall 9,50 Ahl 35,30 Niederzell 41,50
Ahlerbach 33,00 Oberkalbach 100,00
Altengronau 109,40 Oberzell 86,00
BellingS .'»6,50 Ramholz (Gtsbzk.) 1076,00
Breitenbach 80,00 Reinhards 5,10
BreuningS 46,65 Romsthal 53,00
Eckardrothm. Mahlert 3t,20 Salmünster 168,00
Elm 106,10 Sannerz 40,00
Gundhelm 140,00 Sarrodm. Rabenstein
Herolz 93,50 und Rebsdorf 25,20
Heubach 73,95 Schwarzenfels 100,00
Hinkelhof 34,50 Seidenroth 42,60
Hintersteinau 47,30 Soden 225,40
Hohenzell 116,40 Steinau 271,85 Hundsrück 305,00 Sterbfritz 153,50 Hütten 92,70 Uerzell m. Schmidt- Jossa 61,55 Mühle 41,65 Kerbersdorf 32,00 Ulmbach 61,10 Klosterhöfe 64,50 Uttrichshausen 62,35 Kressenbach 52,00 Vollmerz 64,50 Marborn 21,15 Wallroth 60,80 Marjoß 56,55 WeicherSbach 59,45 Mottgers 69,00 Weiperz 37,00 Neuengronau 45,00 Züntersbach 94,30
Den Gebern und Sammlern danken wi^ herzlichst.
Schlüchtern, den 12. Juli 1917.
Der Landrat.
Die Bedeutung der Aisne-Champagne-Schlacht.
(April/Mai 1917.)
Am 15. April 1917 erließ der damalige Oberbefehlshaber der französischen Armee folgenden Armeebefehl:
„An die Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der französischen Armeen!
Die Stunde ist gekommen! Mut und Vertrauen ! Es lebe Frankreich 1
gez. General R. Nivelle."
General Passaga, Führer des XXXII. Armeekorps, einer der in diesem Kriege besonders hervorgetretenen französischen Generale, erließ folgenden Befehl:
„Geheim! Den Herren Divisions-, Brigade- und Regimentskommandeuren!
Die Handlung, die wir unternehmen werden, ist entscheidend für das Schicksal des Vaterlandes. — Sie wird von der Truppe und im besonderen von allen Kommandostellen einen eisernen 'Willen, eine Tätigkeit und einen allem gewachsenen Aufopferungsgeist erheischen. — Die Tage der Ermüdung und des Kampfes werden ohne Unterbrechung aufeinander folgen bis zur Entscheidung. Es wird den Kommandostellen zur Pflicht gemacht, das Vertrauen immer mehr zu vergrößern, die Truppen dahin zu bringen, die Ermüdungen und Entbehrungen leichten Herzens zu ertragen. — Es wird kein Ausfall, keine Zögerung, keine Vernachlässigung und kein Mangel an Initiative geduldet wer^en- Der Kommandierende General
des XXXII. Armeekorps. gez- Passaga."
Diese beiden Befehle kennzeichnen den Geist, die Stimmung und Beurteilung der Lage im französischen Heere kurz vor Eintritt tu die große Frühjahrsoffensive, die von den Franzosen gegen die Front der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz in einer rund 100 Kilometer breiten Front von Soissons bis Aubörive in der Champagne (30 Kilometer östlich Reims) geplant war Führer wie Truppe hielten „die Stunde für gekommen."
Die Hoffnung, daß diese Schlacht den großen Wendepunkt im Kriege bilden und die Kronprinzen - Front durchbrechen würde, war an und für sich keineswegs unberechtigt.
In bisher beispiellosem Umfange hatte die fran- zöstsche Oberste Heeresleitung ihre Vorbereitungen für diese Offensive getroffen. Die besten Divisionen waren seit 3 bis 5 Monaten nicht mehr in Front eingesetzt, sondern auf Uebungsplätzen auf das sorgfältigste als Angriffsdtvisionen ausgebildet worden.
Noch gewaltigere Artilleriemassen als in den bisherigen Offensiven waren herangeschafft, eingebaut und eingespielt für ihre Ausgabe, durch ihr alles zertrümmernde Trommelfeuer der Infanterie den Weg zum Durchbruch zu bahnen. Unbeschränkte Munition war sichergestellt.
Dazu kamen in letzter Stunde der Eintritt Amerikas in den Krieg und der vorübergehende Erfolg der Engländer Anfang April bei Arras, um Volk und Heer in Frankreich mit froher Zuversicht zu erfüllen.
Der siegesgewisse Angriffsgeist fast jedes französischen Soldaten stand auf einer seit Kriegsbeginn noch nicht erreichten Höhe. Und in diesem Geiste rannten Frankreichs Truppen gegen die Heeresgruppe des Kronprinzen an: In vorderster Front mit 28 Divisionen, unmittelbar dahinter in Reserve 33 Divisionen, weiter rückwärts nochmals rund 20 Divisionen, teils bereitgestellt, teils in der Heranbeförderung begriffen. Endlich 7 Kavallerie- divisionen, versammelt zu schnellster Ausnutzung des scheinbar gesicherten Erfolges.
Aber dieser Erfolg blieb trotz aller verfügbaren Kräfte und aller Vorbereitungen aus. Nur wenige unwesentliche Geländeteile wurden aufgegeben. Im übrigen hielt die gesamte Front der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz unerschüttert stand. Führer und Truppe haben auf deutscher Seite in dieser Schlacht einen Sieg errungen, der sich getrost den größten Siegen der Kriegsgeschichte nn die Seite stellen darf.
In zäher Ausdauer hat die deutsche Infanterie in der Hölle des feindlichen Trommelfeuers sich ihr kaltes Blut und ihre Kampfkraft zu bewahren gewußt. In ungebrochener Angriffsfreudigkeit ist sie aus ihren rückwärtigen Gräben herausgekommen und hat im Gegenstoß die an Zahl erheblich stärkere feindliche Infanterie unter blutigen Verlusten zurückgeworfen. In mustergültiger Weise hat die deutsche Artillerie den Infanteristen unterstützt, die feindliche Artillerie dauernd geschwächt und ihr wirksames Sperrfeuer vor die Angriffsmassen des Feindes gelegt. Zahlen sprechen am deutlichsten: Seit dem 16. April hat der Franzose a« der Front Soiffons - Aubärive bis jetzt 81 friste Divisionen, 23 Divisionen zum zweiten, 2 zum dritten Mal, im ganzen 106 Divisions - Einheiten vergebens eingesetzt. Sie sind zum Teil vollständig aufgerieben und vernichtet worden.
Ein anscheinend gut unterrichteter französischer Offizier nennt folgende Verlustztchlen allein an der Aisne Front für die Zeit vom 16. April bis Ende Mai: 22732 Tote. 30 000 Vermißte, 104 000 Verwundete. Diese Zahlen kommen im ganzen dem vollständigen Verlust von etwa 26 Divisionen gleich.
Das Bewußtsein, daß die Aisne-Champangne-Schlacht eine Niederlage der französischen Waffen war, ist nachweislich bei den französischen Truppen allgemein verbreitet. Die Gefangenen-Aussagen sowie erbeutete Briefe der letzten Wochen lassen keinen Zweifel, daß die Siegeszuversicht, die Anfang April herrschte, einer tiefen Niedergeschlagenheit nnd völligen Hoffnungslosigkeit gewichen ist: einer Hoffnungslosigkeit, die mehr und mehr schon schwere Vergehen gegen die Manneszucht und ausgesprochene Fälle von Meuterei gezeitigt hat.
Wenn diese Offensive mißglückt ist, so sagt sich der französische Soldat, wie, wann und mit welchen Mitteln kann da die nächste den ersehnten Steg bringen?
Trotzdem soll mit dem vorstehend Gesagten die Aisne- Champangne-Schlacht nicht als abgeschlossen hingestellt werden. Aber ein Abschnitt liegt hinter uns und wohl ziemlich sicher der schwerste.
Daß die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz im April bis Mai 1917 die Aufgabe kraftvoll aktiver Verteidigung nnter den schwierigsten Verhältnissen in glänzender Weise siegreich gelöst hat, ist jedenfalls eine Tatsache, die bereits der Geschichte angehört.
Mit dem glücklichen Stolze treu erfüllter Soldaten- Pflicht durften daher Führer, Offiziere und Mannschaften der Heeresgruppe das Telegramm lesen, das ihnen am 1. Juni 1917 den Dank ihres Allerhöchsten Kriegsherrn auSsprach.