Einzelbild herunterladen
 

SchlüchternerZettung

HitAmtlicheui Kreisblatl". Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

Telefon 65. :: Postscheckkonto Frankfurt a. M. 11403 :; Telefon 65.

Erscheint LNittwoch und Samstag. preis miiAreisblatk" nierteljährlich 1,50 Alk - Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg

U 52 Samstag, dm 30. Juni 1917. 68 Jahrgang.

AintUches

Wie bereits in der vorigen Nr. der Schlüchterner Zeitung verödentlicht ist, findet am

Donnerstag, den 5. Inti, vormittags 9 Wr an der Dreschyalke in Schtüchteru (Mntertor)

ein Ziegenmarkt mit Prämiiernng

statt. Im Interesse der Ziegenzüchter liegt es, diesen Markt recht reiflich zu beschicken. Gelder zur Prä miierung sind in genügender Höhe vorhanden. Bei dem guten Fortschritt den di- Zucht der silbergrauen Rhönziege im Kreise gemacht hat, steht zu erwarten, kdaß die für den Kreis Schlächtern bewilligte Summe für Prämien voll ausbezahlt wird. Ich ersuche daher die Herren Bürgermeister, durch Ausschellen auf ! den Ziegenmarkt mehrfach aufmerksam machen zu lassen und die Ziegenzüchter zur möglichst starken Beschickung anzuhalten.

Ausdrücklich hervorzuheben ist, daß der Zregeu- markt von Ziegen aller Raffen beschickt werden kann, daß die Prämiterung aber nur für Rhönziegen gilt.

Schlüchtern, den 26. Juni 1917.

Der Landrar.

J.-Nr. 3509 R. K.

Infolge der allgemein eingetretenen TranSportschwiertg- felten kann zur Zeit der Heeres und Lazarett Bedarf an Holzwolle zur Füllung von Strohsäcken usw. nicht voll gedeckt werden. Es müssen daher auch andere Ersatz­mittel in weitgehendstem Umfange verwendet werden.

In erster Linie kommt hierfür Altpapier (alte Zeit­ungen) in Frage.

5h Anbetracht dessen, daß mit dem Füllen der StrohsÜcke mit Papier bereits gute Erfahrungen gemacht worden sind und mit Rücksicht auf den guten Erfolg der vorjährigen Sammlung, bitten wir die Herrn Lehrer, wieder eine

In eiserner Zeit.

Kriegsroman von Charlotte Wildert.

Geh!" stieß sie erregt au» und in düsterem Feuer blitzten nun ihre Augen auf, als sie auSrief:Ja, Henry Startell! Ich bin Dein Weib! C, ich wünschte, ich wäre es nicht; baß Leben in diesem Schlingnetz von Lug und Trug kann ich nicht länger ertragen, ich komme darin um! Nein, ich hintergehe und betrüge Graf Brix- dorf nicht, nein, o Gott!"

Oho, nur nicht so aufgeregt, liebe» Täubchen," rief Startest mit fanatischem Lachen,laß Dir einmal etwa« erklären, hör' zu," feine Stimme wurde drohend: ^Wenn Du Dich meinem Willen widersetzest, dann werde ich der begeisterten Menge, dein feinen Publikum, baß Deine Tanzkunst verehrt, erzählen, wer den großen Fe- stungSplan der Festung C. an die französische Regie­rung verkaufte, wer die bewirten Zeichnungen vorige» Jahr eigenhändig nach Pari« schaffte. Willst Du mehr wissen, Liane Startest?" frug er in beißendem Spott.

Liane war aschfahl geworden.Du warst e», Du, der mich zu diesen Schandtaten trieb, Du hast mich in» Verderben gelockt."

Schweig," schrie Startest sie an.

Da neigte baß arme Weib da» schöne Haupt tief auf die Brust. Ein Seufzer kam von den bebenden Lip­pen und langsam, schweigend, verließ sie da» Zimmer.

Als die schwere Samtportiere (hinter ihr zusammen- schlug, stieß Heury Startest hohnlachend hervor: Ha, ich wußte, daß sie gehorchen würde, Haha! Diese stolze, kalte Schönheit I Ja, Liane Startell, Dich hat bet Glanz des Goldes, des ReichNun», beß Leben» gelockt, Du bist bem gleißenden Schimmer gefolgt und nie, nie wirst Du Dich aus seinen Ketten befreien können, die Dich mit eiserner Gewalt umklammern, nein nie I"

Dann verließ auch er da» Zimmer und bald lag « Haus wieder still und ruhig da, ein Bild tiefsten

Sammlung von Zcituugspapicr und Altpapier aller Art

in die Wege leiten zu wollen.

Die Schüler werden nach vorausgegangener Belehr­ung gern das Einsammeln der Vorräte an alten Zeitungen in den Haushaltungen übernehmen und dieselben einer örtlichen Sammelstelle zuführen.

Sobald sich Gelegenheit bietet, ist das Papier einer der Kreissammelstellen zuzuführen.

Kreiösammelstelle 1 befindet sich in Schlüchten (Näheres bei Herrn Lehrer Flemmig).

Kreissamnulstelle II befindet sich in Sterbfritz (Näh. bri Herrn Lehrer Schüler).

Kreissammelsielle III befindet sich in Salmünster (Näheres bei Herrn Lehrer May).

Schlüchtern, den 20. Juni 1917.

Die beiden Wotekreuzvereine.

I. Nr. 6361. Die Herren Bürgermeister mache ich darauf aufmerksam, daß die Ausnahme geisteskranker Personen in das Landkrankenhaus Hanan a. M. in Zukunft nicht mehr stattfinden kaun und deshalb solche Kranke direkt der Landesheilanstalt Marburg zuzuführensind.

Schlüchtern, den 27. Juni 1917.

Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher er­innere ich an die unverzügliche Ei sendung der Orts­liste für die Grntrstächenerhebung.

Schlüchtern, den 30. Juni 1917.

Der Landrat.

Die Einzahlung der h. der: Monaten April, Mai und Juni d. Js. (2. 4. 1917 bis 30. 6. 1917s fällig gewordenen Krankenverficherungs Beiträge wird hiermit in Erinnerung gebracht.

Schlüchtern, den 21. Juni 1917.

Allg. Artskrankenkasse.

Politische Uebersicht.

Wir Wilde sind doch bessere Menschen!

So sind die Menschen fürwahr Und einer ist doch wie der Andere Daß er zu gaffen sich freut

Wenn den Nächsten ein Unglück befället."

Aber die welschen Schweizer lassen es md)t beim Gaffen bewenden; sie haben den kranken König von

Frieden» Und die kleinen goldenen Sternlein leuchteten mild Dom Himmel herab aus die dunkle, schlaftrunkene Erde.

8. Kapitel.

Klopfenden Herzei,s stieg Franz von Brixdorf an der Seite seines Freundes Phili von Gordis, die breite, mit tastbaren Läufern belegte Marmortreppe zu den Smpfangßränmeii der Tänzerin hinauf.Donnerwet- ter, Du!" lachte Phili,die kleine Tanzmaus hat aber immensen Geschmack, sich elegant einzurichten. Sieh mal dort den Bronzeständer Alle Wetter, unb dort die Kupfergravüren. Na, die scheint ja höllisch viel Geld mit der Tänzerei zu verdienen!"

Franz hatte für all' das kein Auge, seine Gedanken weilten ganz bei seiner Elfenkönig«!

Liane Startell empfing ihre Gäste mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit. Lächelnd gab sie beiden bie Hand. Es hatt« sich bereit» eine kleine, aber äußerst fidele Gesellschaft eingefunden Einige Kolleginnen und Kolle­gen vom Theater hatte Liane auch eingeladen, und so herrscht« denn bald die unlinierteste Stimmung. Liane schien heute besonders schön. Ein kostbares, grünes Seidengewand umschloß anliegend ihre Gestalt. Der auf der Schulter mit einer goldenen Spange gehaltene Aermel sprang in der Höhe des Ellesibogens auf und ließ den weißen, klassisch-geformten Arm frei. Das lok- kig« Haar trug sie lose um den Kopf gelegt, im Nacken zu einem einfachen, griechischen Knoten verschlungen; als einzigen Schmuck trug sie im Haar ein kostbares, überaus fein gearbeitetes Perlengewinde, dessen kleine, matte Perlen wie Tautropfen aus bem schwarzen Haar ^^.Sieh^ste nicht aus wie eine Nixe, eine Wassernixe," flüsterte Brirdorf seinem Freunde zu.

Liane goß mit unnachahmlicher Grazie ihren Gästen den Tee ein, und unter lustigem Lachen und Erzählen wurde dieser eingenommen, später führte Liane ihre Gäste in ben Musiksalon, wo bann der holden Mus-

Griechenland beschimpft und sogar tätlich beleidigt. Wahrlich diese Herren sind keine Hunnen, denn diesem Volke war das Gastrecht heilig und in diesem Sinne wollen wir uns stolz als Söhne Attilas bekennen i

Masfendesertion im russischen Heere.

Dem Berner Tageblatt zufolge meldet das Ukra inische Pressebüro in der Schweiz: Die Zahl der russischen Deserteure beläuft sich auf mehrere Millionen. Die russische Front sei aus diesem Grunde derartig schlecht, daß die Alliierten kaum mehr eine russische Offensive von dort erwarten. Der Kiewer Korrespondent des gleichen Büros berichtet, die russische Regierung sei völlig außer stande, dem immer größer werdenden Uebel abzuhelfen.

U Bootergebnis im Mai

Auch der vierte Monat uneingeschränkten U-Boot- krieges stellt sich in seinem Ergebnisse den voraufge­gangenen Monaten würdig an die Seite. Wie der Chef des Admiralstabes der Marine soeben bekannt ge­geben hat, sind im Monat Mai an feindlichem Handels­schiffsraum insgesamt 869 000 Brutto-Register-Tonnen durch kriegerische Maßnahmen der verbündeten Mittel­mächte versenkt worden. Unter Hinzurechnung der nach­träglich bekannt gewordenen Kriegsverluste find damit seit Beginn des uneingeschränkten U-Bootkrieges insge­samt 3 655000 Brutto Register-Tonnen beß für unsere Feinde nntzbaren Handelsschtffsraumes vernichtet.

Bekanntlich suchen die englischen Regierungskreise das immer ängstlicher und besorgter werdende eigene Volk so­wie die in gleicher Stimmung befindlichen Ementeg«- noffen eifrigst mit der Behauptung zu beruhigen, die vervollkommneten Abwehrwaffen machten die Tätigkeit unserer U-Boote in steigendem Maße unwirksam. Wie wenig stichhaltig diese Behauptung ist, lehrt das Mai- ergebnis. Dieses übertrifft jenes des ersten Monats Tnrfmßmtge^emmteH4l*®a»iiriegeß um nicht weniger als 80000 Tonnen, während es nur um ein geringes hinter dem Ergebnis des Monats März mit seinen 885 000 Tonnen zurücksteht. Die gewaltige Höhe der Versenkungen im Monat April hat der Mai freilich nicht erreicht. Doch ist diese Tatsache keineswegs auf Rechnung der britischen Abwehrmaßnahmen zu setzen, vielmehr schmilzt der unseren Feinden zur Verfügung stehende Schiffsraum infolge der glänzenden U-Booter- folge der Vormonate immer mehr zusammen. Auch werden die im Solde Englands arbeitenden neutralen Reedereien im Hinblick auf das wachsende Risiko immer zurückhaltender. Die Hauptsache ist also nicht sowohl die absolute Höhe der Verlustziffer als vielmehr der Umstand, daß die Zufuhr nach England sich ständig mindert und somit der uns zugedachte Hungerpfeil

der edlen Musik gehuldigt wurde. Man bat Liane ein Lied vorzutragen, lachend trat sie zum Flügel:Ja, ich bin doch keine geschulte Sängerin, die sich hören lassen kann. Aber versuchen will ich'S doch mal. Wenn ich nun Fehler mache, müssen meine lieben Freunde mich entschuldigen," schloß sie lachend.

Erwartungsvoll umstanden alle den Flügel. In rau­schenden, vollen Tönen schlug Liane die Tasten an, im­mer leiser, immer wehmütiger wurde die Melodie. Und nun setzte Liane mit ihrer vollen, klaren Altstimme ein. Weich, hingebungsvoll quollen die Töne von ihren Lip­pen:

Zweifle an der Sonne Klarheit,

Zweifle an der Sterne Licht,

Zweifle, ob lügen kann die Wahrheit,

Nur an meiner Liebe nicht."

Langsam hallten die letzten Worte des schönen ßie» beß in bem leisen Schlußakkord auß. Bewundernd klatschten alle in die Hände.

Phili trat zu ihr und sprach:Und da reden Sie noch von nngeschulter Stimme. Aber Fräulein Star­tell, daS war ja volle, echte Kunst!"

Franz v. Brixdorf sagte nichts. Während des Liedes waren seine Blicke denen der Künstlerin begegnet, mi* nutenlang hatten sie ineinander geruht. Galt dies Lied, diese Worte ihn»? Hatte er in ihren dunklen Augenster­nen recht gelesen? Es packte itm fast mie ein Glückstan- mel. Er wollte noch heilte Geivißheit haben. Um jeden Preis, dieses herrliche Weib mußte sein sein werden.

Unbemerkt war Liane hiuausgeschlüpst imbjn ihr Simmer geeilt. Hastig griff sie dort nach der Schelle, er Dierrer, ein schon ergrauter, gebeugt gehender Mann erschien sofort. Seine Augen sahen Liane scharf, durch­bohrend an. Es war niemanb anders als Henrq Startell.

Nun, was gibt eS?" kam eS barsch von seinen Lip- peu.

Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern. 235,18*