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ZchlüchtemerMtung

mit ^Amtlichem Kreisblatt". Wochenbcilllge: Illustriertes Sonutagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag. - preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,50 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Saum 12 Pfg.

^ 40. Samstag, den 19. Mai 1917. 68. Jahrgang.

Amtliches Meldepflicht er Hilfsdienstpflichtigeu.

Gibt ein Hilfsdienstpflichtiger seine bisherige Tätig- t auf oder wechselt er seine Beschäftigungsstelle oder ne Wohnung, so hat er dies spätestens am Dritten gauf folgenden Werktag dem Cinberufungsausschuß Fulda, Marktstraße 19, II mitzuttilen. Dabei ist Ine neue Tätigkeit, Beschäftigungsstelle oder Wohnung zugeben.

-Wtr diese Mitteilung schuldhast unterläßt, wird t Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mif Haft bestraft.

Der Hmöerufungsausschuß Aulda.

Pfeiffer, Hauptmann d. L.

Handelskammer zu Hanau.

Mekanntmachung.

Zum Borfitzeuden des Schiedsgerichts für Preisbe- mnkungen bei Verkäufen von Web-, Wirk- und Strick­ten ist Herr Oberbürgermeister Hild zu Hanau und heften Stellvertreter Herr Justizrat Dr. Malkmus zu mau unterm 14 April d. Js. vom Herrn Regierungs- eisidenten ernannt worden.

Hanau, 18. Mai 1917.

Die Handelskammer zu Hanau

Canthal.

Der Syndikus: Dr. phil. Grambow.

Lokales und KrovinsieUrs

Schlüchter«, den 18. Mai 1917.

* Einschränkung des Bahnsteigverkehrs. Um den oßen Verkehr auf den Bahnsteigen vor und während r Pfingstfeiertage einzuschränken, werden in der Zeit m 16. bis einschließlich 29. Mai ds. Js. auf den tatioyen der Königlichen Eisenbahndirektion Frankfurt Rain) Bahnsteigkarten nicht ausgegeben.

* Keine Psingstreisen! Nach einem neuen Er­le des Ministers v. Breitenbach werdenLokomotiven b Wagen augenblicklich für die Bedürfnisse der käm- nden Heere, der Volksernährung und der Kriegs- rtschast gebraucht. Für Zwecke des Personenverkehrs hen sie nur in geringem Umfange zur Verfügung, i größerem Andrange sind U.'berfüllungen und Zug- ispätungen unvermeidlich. Dadurch werden die Züge t den Heeresbedarf und die Volksernährung in Mit- denschaft gezogen. Der Ernst der Stunde verlangt ingend, daß die sonst üblichen Ausflüge und Ver- ligungsfahrten zuPfingsten unterbleiben. Sonder- ze werden für diese Zwecke überhaupt nicht ab lassen. Auf Zurückbleiben beim Reiseantritt oder unter- HS ist um so mehr zu rechnen, als der Fahrkarten- rkauf in vielen Fällen eingeschränkt werden muß. Wer ht unbedingt reisen muß, der verzichte auf Benutzung c Eisenbahn. Das Vaterland verlangt das."

* Aenderung der Eierverordnung vom 12. August 16. Eine Verordnung des Stellvertreters des Reichs- nzlers vom 24. April 1917 bringt zwei Aenderungen c Eierverordnung vom 12. August 1916. Einmal mmt die Bestimmung, wonach sich die Regelung des akehrs und Verbrauchs von Eiern nicht auch auf den Brauch der Selbstversorger, der Geflügelhalter und ren Wirtschaftsangehörige beziehen soll, in Wegfall, ie Streichung dieser Bestimmung ist durch den Umstand ranlaßt, daß einige Bundesstaaten es für angezeigt ichten, zwecks besserer Erfassung der Eiererzeugung ces Gebiets auch gewisse, mäßig gehaltene Liefer­ungen für den Geflügelhalter festzusetzen. Den Lanves- Hörden soll in ihren Maßnahmen zur Erfassung der ererzeugung, die sie nach den örtlichen Verhältnissen : angezeigt erachten, möglichste Bewegungsfreiheit be- sen werden. Sodann sind die Strafbestimmungen : Verordnung dahin ergänzt worden, daß neben der träfe auch aus Einziehung der Eier oder verbotswidrig gestellter Erzeugnisse erkannt werden kann, auf die > die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied, ob dem Verurteilten gehören oder nicht. Diese Er- nzung soll die Möglichkeit schaffen, dem Schleichhandel c Eiern wirksammer zu begegnen, als es seither der ill war; die Polizeiorgane erhalten damit das Recht, derrechtlich in den Bekehr gebrachte Eier in vorläufiger elfe zu beschlagnahmen.

* Freitag, den 25. Mai wird im Gasthaus zum Stern hier, die in den weitesten Kreisen bekannte Grün­derin der landwirtschaftlichen HauSfrauenvereine und Vorsitzende des Ostpreußischen landw. Hausfrauenvereins F.rau B o e h m - HauS Lamgarben überLandwirtschaft­liche Haussrauenvereine und ihren Nutzen" sprechen.

* Der Aufruf an die Gemeinden des Kreises Schlüchtern zur Aufnahme von Stadtkinder aus dem westfälischen Industriegebiet hat einen erfreulichen Erfolg gehabt. Ueber 4Ö0 Kinder aus der Stadt HagenZsind in den letzten beiden Wochen in unserem Kreise einge­kehrt. Ein schönes Zeichen dafür, daß in unserer Kreis­bevölkerung trotz der auch bei uns herrschenden Knapp­heit an allen Lebensmitteln doch noch Verständnis für die besondere Notlage der Großstädte und barmherziger Sinn vorhanden ist.

* Seid aufmerksam aus die Kriegsge­fangenen. Von zuständiger Stelle schreibt man uns: Die Franzosen planen in ihrem fanatischen Haß, die in unseren Händen befindlichen Kriegsgefangenen dazu anzustiften, durch Freveltaten unsere landwirtschaftlichen und industriellen Betriebe zu schädigen und unseren Viehbestand zu verseuchen. Sie haben hierzu eine große Organisation gegründet und versuchen, die Kriegsge­fangenen durch geheime Aufforderungen aufzuretzen und ihnen all^möglichen verbrecherischen Mittel in unauffälliger Weise zu übersenden. Sicherlich werden viele Kriegsge­fangene ihre Beteiligung an derartigen ruchlosen Schand­taten ablehnen und wie bisher ihre Arbeit in Land­wirtschaft und Industrie ruhig erfüllen. Aber sicherlich wird es auch eine Anzahl von Kriegsgefangenen, sowohl der französischen als auch anderer Nationen geben, big aus Haß gegen unser Vaterland oder wegen der ihnen tu Aussicht gestellten Belohnung bereit sind, jedes Ver­brechen zu verüben, das unsere Feinde von ihnen ver­langen. Selbstverständlich überwachen die deutschen Mili­tär- und Zivilbehörden die Kriegsgefangenen sowie ihren gesamten Post- und Paketverkehr aufs schärfste. Aber die Maßnahmen der Behörden können nicht voll wirk­sam werden, wenn die Vertrauensseligkeit fortbesteht, die an vielen Orten und von vielen Personen den Kriegs­gefangenen entgegengebracht wird.

Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, aber es ist für jedermann in Stadt und Land notwendig, den Kriegsgefangenen gegenüber wachsam und auf der Hut zu sein. Jedermann muß damit rechnen, daß sich unter den in seinem Dienste oder in leiner Nähe befindlichen Kriegsgefangenen solche befinden, die sich nur zum Scheine gut führen, um die deutsche Aufmerksamkeit einzuschläfern, während sie in Wahrheit Verbrechen planen und auf eine günstige Gelegenheit warten, um diese Verbrechen auszuführen. Jedermann muß 'mit­wirken zum eigenen Schutze und demjenigen des Vater landes gegen derartige verbrecherische Pläne mancher Kriegsgefangenen. Darum diese ernste Warnung an alle: Seid aufmerksam und vorsichtig gegenüber den Kriegsgefangenen. Wir kennen die verbrechertschen Pläne unserer Feinde die sie durch Kriegsgefangene auszuführen lassen wollen; sorge jeder Deutsche dafür, daß diese Absichten durch Wachsamkeit vereitelt und nicht durch Gutmütigkeit und Vertrauensseligkeit gefördert werden.

* Fett u> d Eiweiß aus Getreide. Der Krieg hat den deutschen Erfindungsgeist vor große Aufgaben gestellt. Die Not lehrte viele Schwierigkeiten zu überwinden, und unsere Gegner zwangen uns, einheimische Rohstoffe besser auszunützen. Ein Beispiel hierfür ist die Gewin­nung von Fett und Eiweiß aus dem Getreide. Das Kriegsernährungsamt erlaubte die Entkeimung des Getrei­des im Deutschen Reiche und übertrug dem Kriegsaus- schuß für Oete und Fette die Verarbeitung. Der Tech­nik 'ist es jetzt gelungen, aus dem Getreidekorn den kleinen Keim, der in der Zusammensetzung dem Hühnerei ähnlich ist und die wichtigsten Nährstoffe für die jungen Pflanzen enthält, zu entfernen. Alle bedeutenden Müh­len haben die Entkeimung Angeführt. In fünf Del werken werden dann die anfallenden Keime zu Del und Eiweiß verarbeitet. Auf diese Waise wird ein brauch­bares Speiseöl und ein Rohmaterial für die Magarineher- stellung gewonnen. Das gleichzeitig anfallende Eiweiß­mehl ist llH mal so nahrhaft wie Fleisch; ^0 Gramm davon ersetzen ein Hühnerei. Unsere Fettwirtschaft wurde hierdurch wesentlich bereichert. Es werden ver­schiedene Rährmittel, ein Morgentrank, Suppen, Speise­würzen aus dem Eiweißmehl hergestellt unb es dient dem Militärzwieback als Ersatz für Ei. Es ist zu hoffen, daßzfür die neue Ernte fast aller Roggen, Weizen auch

ein Teil der Gerste und des Hafers zu dieser wichtigen Verarbeitung gelangen. Die Mehlausbeute wird da­durch nicht verringert. Das Mehl wird nur verbessert, weil die Fettsäuren, welche die Ranzigkeit, Bitterkeit und Muffigkeit hervorrufen, beseitigt sind. Besonders fett­haltig ist der Mais; aus ihm werden 2 Prozent Del hergestellt, und aus einem Waggon Mais können so 5 Zentner Magarine gewonnen werden, ohne daß irgend­wie die Ausbeute an Mehl, Grieß, Schrot, Kleie beein­trächtigt wird.

* Die Kircheuglockcu. Verschieden Abgeordnete, darunter auch Rich, Müller - Fulda, hatten im Kriegs­ministerium eine Besprechung über die Ablieferung der Kirchenglocken. Als Ergebnis der Verhandlungen wird mitgeteilt, daß die bisherigen, kurz gehaltenen Fristen zur Ablieferung dem Bedürfnis entsprechend verlängert werden sollen, den Pfarreien auf Antrag beim Landrnts- amt, das diese Anträge an das stellv. Generalkomando weiter zu befördern hat, geeignete Arbeitskräfte (Abbau­kolonnen) zur Verfügung zu stellen sind. Die Glocken dürfen Richt zerschlagen werden, sondern erhalten Kon­trollnummern, damit im -Falle ihrer Nichtverwendung zu Heereszwecken die spätere Zurückgabe im Ortginalzustande erfolgen kann.

* Fliedeu. Am verflossenen Sonnabend wurde die hiesige Feuerwehr alarmiert. An der der Gemeinde gehörenden Waldung, gen Katzenberg, war ein Bxand ausgebrochen und gelang es in kurzer Zeit, den Brand zu löschen. Man hört in letzter Zeit so viel von Waldbränden, daß bei dem jetzigen Holz- und Kohlen- mangel wohl die Mahnung am Platze sein dürfte, strenge darüber zu wachen, solche den Holzbestand unserer dezimierenden Brände zu verhüten.

* Soden. Als ein für Soden seltener Genuß darf wohl das am Sonntag, den 6. Mai im Kursaal statt- gefundene und am 13. Mai wiederholte Konzert be­zeichnet werden. In dem Leiter des Ganzen, Herrn W. Buchheibel, konnte man einen Geiger von sauberer, einwandfreier Technik und angenehmem, weichen Ton kennen lernen. Frau Fabrikbesitzer Bach am Klavier, Herr Rentier Jokel, sowie Herr Lehrer Dictzel (Cello und Violine) bewiesen, daß auch Dilettanten den An­forderungen eines Programms, bessert Schwierigkeiten nicht zu unterschützen sind,, vollkommen gerecht werden können. Herr Konzertsänger Lehmann brächte einige gut ansprechende Gesangseinlagen. H. E.

Schwarzensels Däs Eiserne Kreuz 2 Kl. erhielt der Reservist Johann Rensch von hier.

* Rückers (Kr. Fulda.) 3um Nachfolger des vor 6 Wochen verstorbenen Herrn Pfarrers Änau wurde Herr Pfarrer v. Kaetz aus Rotentidmold ernannt. Der seitherige Pfarrverweser Herr Kaplan Jestädt ist nach Hanau versetzt worden.

* Hanau. Ein hiesiger Bürger, der nicht genannt sein 'will, hat der Stadt Hanau 50000 Mk. für Zwecke der Säuglings- und Kinderfürsorge zur Verfügung ge­stellt. Es wird beabsichtigt, eine Mütter- und Säuglings- bcratungSstelle, eine Milchküche und ein Kinderheim davon einzurichten.

* Hanau. Einige junge Burschen in Fechenheim hatten am Osthafen einen Zünder gefunden, sie brachten ihn durch Bearbeitung mit einem Hammer zur Explosion. Dabei wurden die Lehrlinge Landek und Spähn getötet, die Schüler Häfner und Kehl wurden schwer verletzt, während drei weitere Kinder mit leichten Verletzungen davonkamen.

* Hungen. (Oberhessen). Ein nichtsnutziger Buben­streich. Ein 12jähriger Schulknabe aus Ruppertsburg legte zwischen Wetterfeld und Villingen auf das Bahn­geleise der Linie HungenMücke eine eiserne Schienen­lasche und brächte dadurch einen kurz danach die Strecke befahrenden Personenzug zur Entgleisung. Die Maschine und ein Viehwagen sprangen aus den Schienen und stürzten um, während die Personenwagen auf den Gleisen, die sich auf etwa 40 Mtr. Länge verschoben, stehen blieben. Der Lokomotivführer erlitt leichte Ver­letzungen. Eine Kuh so wurdesehr erheblich verletzt, daß sie abgeschlachtet werden mußte. Die Frankfurter Etsen- bahndirektion hatte auf die Ermittlung des Täters eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt.

Vermischtes.

In einer Berliner Schankwirtschaft, die besonders von Markthändlern besucht wird, beschlagnahmte die Polizei 21 Koffer und Körbe mit 8000 Eiern, 10 Ztr. Schinken, 5 Ztr. Speck und anderem.