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SchlüchteMrAitung

mitAmtlichein Kreisblatt". Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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U 35. Mittwoch, den 2. Mai 1917. 68. Jahrgang.

Ainttiches.

Betr. Fruchtablieferung.

..Nr. 3521 K. G. Diejenigen Herren Bürgermeister ild Gutsvorsteher, welche die bei der Nachprüfung der Setreidebestände abgenommenen Frucht hierher noch licht abgeliefert haben, werden an alsbaldige Ablieferung »innert. Sollte in einzelnen Gemeinden die Frucht lei den Besitzern überhaupt noch nicht abgenommen ein, so hat dies sofort zu geschehen.

; Schlichtern, den 1. Mai 1917.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschi.sses. von Trott zu Solz.

Betr. Pferde in gewerblichen Betrieben.

s.-Nr. 3522 K. G. Ich ersuche die Herren Bürger­meister um Bericht bis zum 7. Mai, wieviel Pferde rili den gewerblichen Betrieben gehalten werden. Fehl- kanzeige ist erforderlich.

k Schlüchtern, den 1. Mai 1917.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses, von Trott zu Solz.

»Die Erweiterung Her Gerstenanbaufläche eine verfehlte Spekulation.

Aus vielen Gegenden kommt die Nachricht, daß »Landwirte ihre Gerstenanbaufläche ohne zwingende»» I Grund auf Kosten anderer Früchte erweitern, und daß rauch Landwirte zum Gerstenanbau übergehen wollen, »die bisher überhaupt keine Gerste angebaut hatten. »Darin liegt, soweit für Gerste weniger geeignete Böden Im Frage kommen, eine Gefahr für unsere künftige iLolkseruährnng. Es wird nochmals darauf hingewiesen, kduß die Gerste hinsichtlich des Preises und der Ab­ilieferungspflicht ihre bevorzugte Stellung vor dem Hafer ihn neuen Wirtschaftsjahre nicht behalten wird.

J.-Nr. 4324. Die Herren Bürgermeister ersuche ich innerhalb 10 Tagen anzuzeigen, ob und welche Wanderlager im Rechnungsjahr 1916 versteuert ! worden sind. Dabei ist gleichzeitig der Steuerbetrag und weiter anzugeben, in welchen Gewerbesteuerklassen ' bie betreffenden Personen oder Firmen für 1916 vor - langt waren. Fehlanzeige ist nicht erforderlich.

Schlüchtern, den 27. April 1917.

Der Königliche Landrat. I. V.: Schultheis.

J.-Nr. 2356 K. A. Der Dienstmagd Maria Theresia Schmitt im Krankenhause zu Eckardroth ist eine Prämie für langjährige treue Dienstzeit von 10 Mk. bewilligt worden.

Schlüchtern, den 18. April 1917.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.

J.-Nr. 2596 5t A. Dem Dienstknecht Konrad Graul in Steiuau, Domäne Viehhof, ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mk. bewilligt worden.

Schlüchtern, den 27. April 1917.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.

Der Kreis erhält demnächst

rumänischen Saatmais,

der Zentner etwa 20 bis 22 Mark. Bestellungen sind sofort an die Herren Bürgermeister zu richten, die namentliche Bestell - Listen mit Angabe der Größe der Anbauflächen umgehend einreichen wollen. Bedingung: Der Mais darf nur zur Saat verwendet werden.

Schlüchtern, den 1. Mai 1917.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.

Ein Mahnruf au Deutschlands Arbeiter und Arbeiterinnen.

Von Gustav Frenssen.

Brüder und Schwestern! Da stehen sie in ihren Graben eine lange Reihe, wohl tausend Meilen lang und das Eisen schmettert auf sie nieder. Da rufen sie:Geschütze, Geschütze! " Und die Geschütze kamen. Aber nun, wenn ihr feiert, würden sie bald vergebens rufen; die Geschütze würden nicht tommen, Brüder 1 Trotzdem werden sie standhalten! Sie werden klagen und anklagen: aber sie werden standhalten und sterben! Denn sie haben nun einmal den Glackben k Niederlage bringt Not, Enge, Elend und Zwang; Standhalten aber bringt frohe Zukunft, jrvhe freie Gedanken, ein gerechtes, schönes Vaterland.

Sie haben diesen Glauben von Gott, aus sich selbst und von ihren Führern draußen und Daheim.

Brüder und Schwestern! Die da in diesem Glau­ben, von ihrem Gewissen getrieben, stehen und halten: Wahrhaftig, sie werden genug bedrängt, von Weißen und Braunen und Schwarzen, alle Tage, jede Nacht! Soll nun noch die Not bqu kommen, die Ihr ihnen schafft? Was Euch nottut, ist Liebe, Treue, Brudersinn!

Brüder! Wer vor Feierabend und bevor der Tag des Friedens kommt, die Hände sinken läßt, ihn treffe ins Herz der Ruf vom Westen her, der Schrei der Not: Uns, die wir für Euch und Eure Zukunft hier stehen und halten, uns tötet ihr? Seid nicht wahnsinnig! Helft uns mit der letzten Kraft Eurer Hände!

Deutschland baut auf seine Bauern!

Von Rudolf Stratz.

Jetzt ist die Zeit da, wo der deutsche Bauer sein Bestes tun und sein Bestes geben muß! Sein Bestes geben von dem, was er hat! Sein Bestes tun in dem, was er ist! Das Vaterland verlangt es! Das Vaterland hat eine Front im Feld und eine Front auf den Feldern. Dort donnert das Geschütz, hier geht still der Pflug. Aber beide beschirmen Deutschland. Vor der Gefahr draußen: dem Feind. Vor der Ge­fahr drinnen: dem Mangel am Nötigen. Der Land­mann, der daheim hilft, hilft draußen mit, und eben dadurch wieder schützt er daheim sich selbst.

Sich selbst? Was hat die Lebensmittelverteilung im Vaterland mit dem Krieg in Feindesland zu tun? Viel mehr, als der flüchtige Blick ahnt.

Wißt ihr, wie' solch eine ausgebaute Feldstellung tm heutigen Kriege ausschaut? Eine schier unüberwindlich scheinende Festung von Stacheldraht. Wolfsgruben, Minen, elektrischen Kabeln, Maschinengewehren, giftigen Gasen, langen Gewehrreien, feuerspeienden Panzer-Autos, Flam­menwerfern, Handgranaten, Lufttorpedos solch eine Hölle muß dein Sohn draußen, deutscher.Landmann, dein Mann daußen, deutsche Frau vom Land, stürmen, und er tut es mit deutschem Mut und deutschem Zorn, sobald ein Sturm möglich ist. Aber möglich ist der Sturm erst, wenn unsere Artillerie ihr vorbereitendes Werk getan und die feindliche Stellung mit ihrem Feuerhagel kurz und klein getrommelt hat. Zum Feuer­hagel aber braucht sie Granaten, Granaten in Massen, Granaten zu Hunderttausenden, Granaten, die viele Eisenbahnzüge füllen. Die Granaten macht der berußte Mann daheim, der vor dem feurigen Ofen steht und seinen Hammer über dem rotglühenden Erz schwingt. Seine Arbeit ist schwer und hart. Die Granaten machen die Frauen und Mädchen daheim, die an langen Tischen sitzen und die Geschosse glätten und mit Sprengladung füllen. ' Ihre Arbeit ist ungesund und lebensgefährlich. Sie alle brauchen zu ihrem Werk starke Muskeln und gute Nerven. Die hat der Mensch nur, wenn er etwas zu essen hat. Dies Essen muß dem Nüstungsarbeiter durch den Landmann gesichert werden. Kein anderer sann dem Arbeiter die Nahrung liefern/ damit jener dem Heer die Waffen liefert. Der deutsche Bauer, der dem Rüstungsarbeiter Speck und Brot schafft, hält zugleich die Vaterhand über den eigenen ^^^n im Feld. Die deutsche Landfrau, die ihre Eier und Butter dem Kommu­nalverband schickt, steht schützend vor ihrem eignen Mann im Schützengraben.

Und geht es zum Sturm, so stehen neben euren Lieben vom Lande auch feldgraue Kameraden aus der Stadt. Einer ist auf den andern angewiesen. Eines jeden Schicksal hängt vom Nachbarn ab. Gleiche Stimmung muß alle beseelen! Aber wenn der Krieger aus der Stadt sich denken müßte: Während ich hier mit der Handgranate in der Faust wider Wilde und Welsche und Engländer meine Pflicht tue, haben Frau und Kinder daheim in der Stadt nicht genug zu essen" und da würdest du sofort sagen, deutscher Bauer: Nein! Das hat der Kamerad aus der Stadt nicht verdient! Das darf nicht sein ! "

Und wird dein Sohn, dein Mann beim Sturm verwundet und sammt in die Heimat, so pflegen ihn deutsche Frauen mit dem roten Kreuz am Arm. Ihnen liegt wahrhaftig nichts am Essen. Aber essen müssen sie, um gesund zu bleiben. Und wenn sie selbst gesund blei­ben, machen sie auch deinen Sohn wieder gesund. Du siehst: du hilfst immer nur wieder dir selbst, wenn du so viel Lebensmittel in die Stadt ablieferst, als du

irgend entbehren kannst an alle, die dort für da^ Vaterland arbeiten die Männer in gereiften Jahren, die nicht mehr mit ins Feld konnten, die Frauen, die an die Stelle der Männer im Feld traten. Unnütze Arbeit tut keiner von ihnen mehr ! Da kannst du dich darauf verlassen! Dafür sorgt das Zievildieilstgesetz, das in den Städten und überall nur noch Arbeit duldet, die dem ganzen deutschen Volk frommt.

Aber sieht es denn in den Städten wirklich so ernst aus ? Wir wollen offen und ehrlich sagen: Ja! Es müssen unbedingt mehr Lebensmittel in die Städte und Jndustriebezirke! Sie müssen hinein! Es tut bitter Not! Sonst ist dort die Ernährung aufs schwerste ge­fährdet und bamit die Munitionsherstellung, und das schiebt zum mindesten unnütz den Sieg und Frieden hinaus und damit auch den Tag, an dem du, deutscher Bauer deutsche Landfrau, deinen Sohn und Mann wieder dein nennst und heil daheim weißt. Und das ist doch dein Sehnen und Gebet!

Der diese ZetleNjschreibt, nennt selbst deutsche»» Grund und Boden sein eigen und bebaut ihn. Und wohnt im Winter in der großen Stadt und weiß, wie eS dort aussieht. Aus eigner Kenntnis beider Dinge, aus tiefster Ueberzeugung, im vollsten Gefühl der Verant­wortlichkeit wiederhole ich: Es ist Gefahr im Verzugs schwerste Gefahr, wenn den großen Städten und Jndu- striebczirken nicht geholfen wird! Noch ist es Zeit! Noch ist Hilfe möglich. Aber sie muß rasch kommen, sie muß reichlich tommen, sie muß überall hin kommen! Wird das versäumt, und auf jeden einzelnen auf dem Lande und feinen guten Willen kommt es jetzt an, dann können Folgen eintreten, die keinen schwerer treffen als den deutschen Landmann. Denn er kann sein Haus nnd Ackw- nicht-anst den Buckel nehmen und wegtragen! Deutschlands Schicksal ist sein eigenes.

Ich habe im Winter 1914/15 an der Front in Ostpreußen die Kosaken am Werk gesehen. Blut, Brand, Mord und Schrecken in blühenden deutschen Gefilden. Ich bin durch die Ruinen deutscher Dörfer gegangen, in denen nichts Lebendes mehr war als ein paar Ratten. Ich habe das verhungerte Vieh gesehen, dein die Kal­mücken das Maul mit einem Strick zubanden, damit es vor der heugefüllten Krippe verreckte. Ich habe die Berge von verbranntem Getreide in den eingeäscherten Gutshöfen geschaut, die Grabstätten der elend gemordeten Greise, Frauen und Kinder! So geht's, wenn der Asiate im Land ist. Der Sudanneger, der Marokkaner, all das Völkergesindel im Westen würde es nicht anders machen, wenn sie kämen. Du weißt gar nicht, deut­scher Mann und deutsche Frau daheim, vor was dich die Tapferkeit unserer Heldenheere bewahrt hat! Das weiß nur der, der diesen furchtbaren Krieg draußen mit eigenen Auge»» sah. Gott sei Dank, sie kommen nicht herein, die Feinde! Sie können nicht kommen, werden nicht kommen, so lange draußen noch ein Mündungsbl'tz aus deutschem Gewehr und Geschütz zuckt. Aber dies Gewehr und Geschütz muß geladen sein, wenn es den Feind schrecken soll. Laden aber kann es nur der Munitionsarbeiter daheim!

Sage nicht: Er wird schon seine Schuldigkeit tun, auch wenn es bei ihr»» mit der Nahrung hapert! Gewiß, der deutsche Munitionsarbeiter tut sein Aeußerstes.

Ehre diese»» Männern! Ehre nicht nur ihrer Pflichttreue, sondern auch ihrer stillen Opferwilligkeit im Entbehren! Aber diese Opferwilligkeit hat ihre Grenzen in den Ge­setzen der Natur. Ein leerer Magen macht die Hand matt und unsicher. Das weiß der Ackerknecht nnb Scheunendrescher. Und wieviel Verhängnis bringt erst in der Mnnitionsfabrik eine unsichere Hand! Ein winziges Luftbläschen im Stahlguß, und das Geschütz­rohr kann beim Schuß springen und deinen Sohn, deinen Mann, deinen Bruder draußen mit zerreißen. Ein wenig Gewicht mehr auf der einen Längshälfte der Granate, und sie kommt aus der Bahn trotz besten Zielens!

Darf das vorkommen? Kann das vorkommen? Nein! Es kommt nicht vor und wird nicht, solange unsere Arbeiter arbeitsfähig bleiben! Aber das und vieles Andere würde, ohne ihre Schuld, vorkommen, wenn sie bei zu geringer Nahrung ihre Arbeitsfähigkeit zum Teil verlieren würden. Und büßen müßten dafür unsere Heldei» draußen. Die Munitionsarbeiter müsffn des Lebens Notdurft bekommen. An jeder Granate hängt Deutschlands Leben, Zukunft und Ehre und da­mit auch das Schicksal des deu»schen Bauern.

In diesem Sinn muß der Landwirt jetzt auch die