SchlüchternerAttung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wochenbkilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Oreis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1,50 Mk Anzeigen kosten di kleine Aeile oder deren Raum 12 Pfg.
M 33. Mittwoch, den 25. April 1917. 68. Jahrgang.
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Amtliches
I - Nr. 3987. Der Gendarmerie-Wachtmeister Rahmsdorf von Mottgers hat am 14. ds. Mts. einen vom Arbeitskommando Gundhelm entwichenen kriegsgefangenen Franzosen ergriffen. Ich spreche ihm hierfür meine Anerkennung aus.
Schlüchtern, den 20. April 1917.
Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
I.- Nr. 3325. Die Hereen Bürgermeister und Gu!s- vorsteher ersuche ich nochmals darauf hinzuwirken, daß die in großen Massen vorhandenen Krähen, die an den neu bestellten Getreidefeldern großen Schaden verursachen alsbald abgeschossen, oder auf andere Weise vertilgt werden.
Ueber das Veranlaßte und den Erfolg ersuche ich | mir bis zum 30. April ds. Js. zu berichten, so- : weit dies infolge meiner Verfügung vom 28. v. Mts. noch nicht geschehen sein sollte.
Schlüchtern, den 20. April 1917.
Der Königliche Landrat. von Trott zu Solz.
Vaterländischer Hilfsdienst.
Aufforderung zur freiwilligen Meldung gemäß § 7 Äbs. 2 des Gesetzes für den Vaterländischen Hilfsdienst.
Es werden angefordert nach hier:
1 Gärtner, 30 Schlosser, 4 Buchdrucker und Buchbinder, 5 Sattler, 86 Bäcker und Metzger, 5 Schmiede, 23 Schneider und Schuhmacher, 6 technischen Dienst, 9 Architekten und Hochbautechniker, 4 Bürobeamten, : 1 Bürodienst, 40 kräftige Arbeiter, 25 Hilf arbeitet, mehrere Hilfsdreher (auch wejbT), 1 HA^^,.»ce, welcher schon in Kommunalverwaltung tätig war und im Rechnungswesen bewandert ist, 1 Kontoristin mit sehr flotter Handschrift und im Rechnen gut bewandert, 4 Maschinenputzer, 50 Streckenarbeiter, 15 Rangierer, 50 Hilfsschaffner, sowie eine größere Anzahl Hilfs- arbeiterinnen. Ferner nach auswärts:
3 Gärtner, 2 Schweinefütterer, 15 Pferdepfleger, 8 Viehpfleger, 8 Schmiede, 1 Klempner, 13 Elektrotechniker, 3 Sattler, 20 Schreiner, 4 Stellmacher, 4 Bäcker, 12 Schlächter, 32 Schneider, 33 Schuhmacher, 2 Zeichner, 4 Hochbautechniker zur Bearbeitung von Entwürfen und Abrechnungen, 2 Maschinisten für Lanz'sche Straßenlokomobilen, 2 Maschinisten für Wasserbesörder- üngsmaschinen, 1 Protokollführer, 33 Schreiber aller Art, 4 Köche, 18 Küchenarbeiter, 4 Kellner, 12 Mann für Kasino, 6 Kraftwagenführer, 6 Krümperkutscher,
5 Fuhrleute, 23 Post-, Telefon- und Kasinoordonnanzen,
63 Offiziersburschen, 30 Wachleute, 3 Kammerarbeiter,
In eiserner Zeit.
Kriegsroman von Charlotte Wildert. t Liane Startell neigte graziös den Kopf und lächelte ihin zu, während hinter den schwellenden roten Lippen zwei Reihen prachtvoller Zähne verführerisch hervorblitzten. Ja, sie war schön, diese Tänzerin, sie war unstreitig ein vollendet schönes Weib. Das oval geschnittene Gesicht mit dem blendenden rosigen Teint, war von einer Fülle lockigen, blauschwarzen Haares umrahmt. Die dunklen Sammetangeu waren von langen, seidigen Wimpern beschattet und über diesen Augen lagen die feingeschwungenen Brauen. Zug um Zug war das Gesicht des Weibes ein wunderbares, klassisches Bild zu nennen. Und diese königliche Gestalt, diese zarten, rosigen Hände und die feingeformten Füße ! Brixdorf konnte sich nicht sattsehen an all der Schönheit der vor ihm stehenden Tänzerin. Wie geistesabwesend erwiderte er ihre Fragen, mechanisch hielt er den Gesprächsstoff aufrecht. Seine Sinne, sein klarer, denkender Verstand waren abgelenkt von allem anderen, sa- Hen nichts anderes als die bestechende Schönheit Liane Startells.
Diese merkte dies anch nnb wußte warum. Ein bezauberndes Lächeln umspielte jetzt ihre Lippen^als sie sich dicht zu Brixdorf neigte und leise frug: „Sie siud zerstreut, Graf?"
Er sah ihr fest in die strahlendeil Augen. „Ja," sagte er dann, „ich war zerstreut. Und raten Sie, warum?"
Sie gab keine Antwort, sah aber erwartungsvoll zu ihin auf. .
„Weil," seine Stimme vibrierte leicht, „weil Ihre Schönheit mich bezaubert hat, Liane."
Wie ein zündender Blitz straf es ihn auS ihren Augen.
Lachend schlug sie ihm mit dem Federfächer auf den Vrm und wollte gerade etwas erwidern, als mehrere
11 Hilfsarbeiter mit beliebigem Beruf, 1 Steinmetz, 4 Installateure, 10 Hilfsarbeiter, 3 Gußputzer, 1 Dreher, 1 Bohrer, 3 Maschinenarbeiter, 2 Schlosser, die schon auf landwirtschaftlichen Geräten gearbeitet haben, 3 Schlosser, 2 Glaser, 1 Güterbodenvorsteherin, 10 Streckenarbeiter, 50 Holzhauer, sowie 3 landw. Dienstmädchen.
Hauau, den 19. April 1917.
Hilfsdienstmeldestelle für Stadt und Landkreis Hanau und Kreise Gelnhausen und Schlüchtern.
Aufklärung über Ernährungssragen.
Eine der schwierigsten Aufgaben, vor welche dieser furchtbarste aller Kriege das deutsche Volk gestellt hat, ist sicherlich die Anpassung an die durch die Kriegslage gegebenen Ernährungsverhältnisse. Der rücksichtslose Aushungerungskrieg, welchen unsere Feinde seit nunmehr 32 Monaten gegen uns führen, hat eine Lage geschaffen, welche scharfe rücksichtslose Eingriffe in die Lebensgewohnheiren des deutschen Volkes zur zwingenden Notwendigkeit macht. Der gänzliche Ausfall unserer gesamten Nahrungsmitteleinfuhr, die großen Schwierigkeiten, mit welchen unsere deutsche Landwirtschaft zu kämfen hat, haben uns gezwungen, die Ernährung des deutschen Volkes mit Mitteln durchzuführen, welche auch nicht annährend den uns in Friedenszeiten zur Verfügung stehenden gleichkommt. Opferwilliges, entsagungs- reichcs Mitarbeiten jedes einzelnen, verständnisvolles Eingehen auf die von den Behörden unter zwingender Notwendigkeit des Krieges getroffenen Anordnungen sind notwendig, um die zur Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung von den Behörden getroffenen M Zahmen W^tuugovvü zu genauen. um drese Muarveu oer Bevölkerung zu erreichen, ist es vor allen Dingen notwendig, das deutsche Volk über die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit der behördlichen Anordnungen aufzuklären. Wieder und immer wieder mußte der landwirtschaftlichen Bevölkerung die außerordentlich schwierige Lage der städtischen Bevölkerung, der Industrie und ganz besonders der Rüstungsindustrie bei der Beschaffung von Lebcns- mitteln vor Augen geführt werden. Auf der anderen Seite mußte der städtischen undJndustriebevölkerung gezeigt werden, warum unsere Lebensmittelversorgung gegenüber den Friedenszeiten so erheblich eingeschränkt werde, mit welchen Schwierigkeiten die deutsche Landwirtschaft bei der Erzeugung der Lebensrnittel zu kämpfen hat. Seit Monaten hat sich das Kriegsernährungsamt in umfassender Weise mit dieser Aufgabe befaßt. Ein Vortragsbuch „Die Lebensmittelversorgung und die Mitarbeitder ländlichen Bevölkerung bei der Lebensmittelversorgung" ist sämtlicheü Landpfarrern und Land
Herren der Gesellschaft sie umringten imb sie in Anspruch nahmen. Im Davonschreiten lächelte sie dem Grafen freundlich zu und rief: „Ach, kommen Sie doch auch übermorgen ins Theater, ich habe Benefiz! Ja?"
Er nickte ihr bejahend zu und sah dann, wie die gesamte Herrengesellschaft mit allen möglichen Galanterien sich das Interesse der schönen Tänzerin zu erwerben suchte.
Lachend nahm Liane Startell all die Huldigungen der schwärmerischen Verehrer entgegen. Immer ein bezauberndes Lächeln auf den roten Lippen. Und doch schien es öfters, als schweiften ihre Gedanken ab, denn es glitt manchmal ein bitterer, harter Zug über ihr schönes Gesicht, so bitter und herb, daß er im starken Kontrast stand mit dem sonst so siegessicher strahlenden Lächeln.
„So! Setz Dich, lieber Junge," sagte Leutnant Beiger und schob Phili von Gordis einen tiefen Klubsessel hin, worauf dieser Platz nahm und gespannt ins Gesicht seines Kollegen sah.
Berger nahm ihm gegenüber Platz, zündete sich eine Havanna an und sprach dann: „Also, Phili, die Sache wird immer ernster, bis morgen oder spätestens übermorgen stehen wir auf dem Höhepunkt der Krisis!"
Leutnant Gordis zog finster die Augenbrauen zusammen. „Wie? So meinst Du wirklich, es käme zum Krieg?"
„Gewiß kommt es das," meinte Berger gelassen, „Es muß sogar kommen. Eine österreichische Note wurde an Serbien gesandt, deren Beantwortung bis späte- ftens morgen Abend um 6 Uhr erfolgt sein muß."
„Also: entweder Krieg oder Annahme der Bedingungen, und fiir's letztere wird Rußland schon sein „Veto" sprechen, wenn es seine eigenen Interessen wahren will. Es muß Serbien beistehen. Frankreich tennt ja schon seit langem ftjne $#&0£ Sehrffucht, all
schulen zugestellt worden. Den Pfarrern und Lehrern ist damit Material an die Hand gegeben worden, welches ihnen ermöglicht, die Landbevölkerung in authentischer Weise über die Notwendigkeit selbstlosester entsagungsvollster Mitarbeit ihrerseits aufzuklären; in dankenswerter Weise, voll überzeugt von der Größe ihrer Aufgabe, haben sie sich der Arbeit unterzogen. Um diese ÄufkläcungStätigkeit in wirkungsvoller Weise zu unterstützen, hat das Kriegsernährungsamt unter bereitwilligster Mitarbeit des Bild- und FilmamtS und der Auskunftsstelle des Kriegspresseamts den Bundesregierungen und Landwirtschaftskammern Lichtbildmaterial zur Verfügung gestellt, das geeignet ist, der landwirtschaftlichen Bevölkerung die ganze Schwere der Arbeit der städtischen und industriellen Bevölkerung, sowie die Schwierigkeiten, welche diese bei der Beschaffung der Lebensmittel haben, in wirkungsvoller Weise vor Augen zu führen. Eine Aufklärungsschrift „KriegSernährungswirtschaft 1917" ist in 2 Millionen Exemplaren an alle Schulen des Deutschen Reiches verteilt worden. Die Schrift führt uns in gemeinverständlicher Form unsere ganze ErnährungSwirtschaft vor Augen. Sie berücksichtigt den ganzen Ernst der Lage, ohne jedoch Zweifel darüber zu belassen, daß es unter allen Umständen möglich sein wird, das deutsche Volk in zwar knapper, aber ausreichender Weise mit den vorhandenen Lebensmitteln zu ernähren. Die Verteilung der Schriften an die Schüler liegt in den Händen der Lehrer, und auch hierbei haben sich diese in der verständnisvollsten Weise nicht damit begnügt, die Aufklärungsschrift einfach in die Hände der Schüler gelangen zu lassen, sondern sie haben sie in fast allen Fällen selbstm zweckmäßiger mündlicher Aus- ttarmlgstattgkeit benutzt. Ein eigens für bu „ufklar- ungstätigkeit vom KriegsernährungSamt geschaffenes Referat besaßt sich ausschließlich damit, den zur mündlichen Ausklärung bereiten und geeigneten Teil der Bevölkerung durch Haltung von Vortrügen über Ursachen und Wirkung, Zwecke und Ziele unserer Ernährungs- wirtschast zu unterrichten. Viel Arbeit ist geschafft, aber unendlich viel mehr Arbeit muß noch vollbracht werden. Jedermann, der sich dazu berufen fühlt, sollte seine Kraft in den Dienst des Vaterlandes stellen, um mitzuarbeiten an der Aufklärung der Bevölkerung über unsere wirtschaftliche Lage. Jedem einzelnen muß es in das Gehirn gehämniert werden, daß auch er ein Teil der gewaltigen Kriegsmaschine ist, daß auch sein opferfreudiges, entsagungsvolles Mitarbeiten, ebenso notwendig zur reibungslosen Inganghaltung dieser Maschine ist, wie das todesmutige, Blut und Leben einsetzende Verhalten jedes einzelnen unserer Frontsoldaten. Wer mitarbeiten will und kann, dem stellt der Nachrichten-
wieder mit uns anzubändeln, dem hungert, wie es scheint, nach deutscher Prügel. Mit denen werben wir ja bald fertig. Aber diese Russenbande. An Rußland hängt der ganze Kitt!"
„Na, aber Berger," rief Gordis, „der Zar wird doch nicht einer solchen Räuberbande, einem Mordgesindel wie die Serben, Hilfe leisten, der Zar, der Vetter des Kaisers?"
„Hahaha, da kennst Du Väterchen schlecht. Der Zar ist ein Mensch ohne jede Tatkraft, der hängt von den Großfürsten ab. Diese Gesellschaft sinnt schon lange darauf hinaus, das Testament „Peters des Großen" zu erfüllen: Deutschland unter seine Knute zu zwingen. Aber wir wollen denen kommen, die sollen an Anno 1914 denken. UnS Deutschen sind sie alle nicht gewachsen, alle nicht, kein Kosak, kein Russe und Serbe nicht und keine Rothose! Deutschland über alles!"
Der kleine, behäbige Leutnant hatte sich in eine heilige Begeisterung hineingesprochen und fuchtelte bei den letzten Worten aufgeregt dem Grafen Gordis mit den Händen dicht vor der Nase herum. Der blies den Rauch seiner Cigarette von sich und schaute sinnend den blauen Rauchwölkchen nach, bis sie sich in der Luft zerteilten.
„Na, wenn es wirklich so kommen sollte, so werden wir doch an England Hilfe finden!" sprach nun Phili, die Asche von seiner Cigarette stäubend.
Berger räusperte sich und meinte gedehnt: „England! Soll ich Dir meine Meinung sagen: Der Engländer ist ein Schurke — und wird sich als solcher be-; tragen l"
„Aber ich bitte Dich, Berger! König Georg und unser Kaiser sind doch blutsverwandt, sind doch eng befreundet. Denk blos an ihr letztes Zusammentreffen bei der Hochzeit der Prinzessin. Ich glaube bestimmt, daß wir im Fafle der Not auf Euglands Hilfe bauen können^" . 235,1^