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Hit „Amtlichem Kreisblatt".
Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt
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Erscheint Mittwoch »nd Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,50 M? — ?ln;stasp festen die kleine Zeile ^f deren Kaum 12 Pfg.
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Mittwoch, Den 18. April 1917
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r-Ausgabc für die Stadt Schlüchtern. ormerstag, den 19, April, nachmittags, zwar: von 2—4 Uhr für Fuldaer-, Hanauer- und mauerstraße, von 4—6 Uhr für die übrige Stadt, e 3 Stück pro Kopf gegen Abgabe der Eierkarten. 27 Pfg. das Stück. Der Betrag ist abgezählt bringen.
IDa jetzt die beste Zeit zum Einlegen der Eier ist, dringend empfohlen, die Eier in „Garantol" ein- Izen, zumal weitere Ausgaben wahrscheinlich nur in geringen Mengen erfolgen können, da große Men- | an die Großstädte abgeliefert werden müssen.
inkaufsstelle für den Kreis Schlüchtern. Mr! 2407 K A?
Freistellen für Kinder.
Für die am 1. Mai d. Js. beginnende in der Kinderheitanstalt Grö sind noch Fristellen zu vergeben. Anmeldungen |rauf erbitteich, bis spätestens 23. d. Mts.
Schlüchtern, den 17. April 1917.
Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.
Politische Uebersicht.
Zur Osterbotschaft des Kaisers.
Die ausländische Presse beschäftigt sich in tausend innren mit der Osterbotschaft unseres Kaisers. Was Ententezeitungen darüber sagen, kann uns herzlich ichgültig sein. Daß sie gerne ein inneres Feuer in - «Aland flackern sähen, ist begreiflich, aber jeder arsche weiß, daß sich ihnen diese Hoffnung nie erfüllen rd. Nicht unrichtig charakterisiert das Stockholmer lftonbladet" die Situation, wenn es schreibt: „Deutsch- ld braucht keine fremden Helfershelfer zur Revolution. kann unter loyalem Zusammenwirken der verschiedenen esellschaftsklassen nach eigenem Gutdünken zu Reformen ireiten. Es ist klar, daß alle Spekulationen auf die nere Zersplitterung Deutschlands zu Grabe getragen tben müssen. Einig und standhaft, mit fester, unge- ochener Front, ist das deutsche Volk noch immer he- it, den Kampf gegen seine unversöhnlichen, an Zahl $ weiter wachsenden Gegner aufzunehmen. Mit sßartiger Ruhe und unerschütterlichem Vertrauen geht i5 deutsche Volk auch in diesen schicksalsschweren Tagen r Zukunft entgegen; dafür zeugen nicht zum wenigsten e Pressestimmen, die die Gefühle der Nation ange- hls der Botschaft des Kaisers aussprechen. Die innere rlitische Umwälzung bildet die folgerichtige Entwicke- Iig des Programmes das Kaiser Wilhelm schon zu fang des KriegeS ankündigte, als er die vielbeachteten Ute sprach : „Ich kenne keine Parteien mehr". Daß Reichskanzler später wiederholt die gleiche Auffassung n Ausdruck brächte, ist allgemein bekannt.
Als Vvjähriger Leutnant gefallen.
Der Krieg hat viel deutschen Heldenmut gezeitigt, ) das Alter hat sich darin nicht von der Jugend Heimen lassen. Als Freiwillige eilten deutsche Männer den Fahnen, deren Lebensalter ihnen längst das Recht Ruhe gab. Unter ihnen dcr70jährigeLeipzigcrTheo!o- brofessor Dr. Caspar Rene Gregory. Jetzt iü der hel- hafte Greis auf dem Schlachtfelde gefallen. Er stand Kriegsausbruch als Freiwilliger im Felde, tat trotz les Alters seinen Dienst stramm und gewissenhaft wie ’r junge Soldat und scheute sich weder in der Kaserne h im Schützengraben auch vor sogenannten „niederen" reiten. Zimperlichkeit und Drückebergerei waren ihm nd; aus gelegentlichen Aeußerungen über sein Sol- enleben klang eine ideale verantwortungsbewußte Auf- ung des militärischen Dienstes. Als er int vorigen hre am 6. November den siebzigsten Geburtstag an Front erlebte, hatte er es zum Vizefeldwebel ge- cht; die Strapazen des Bewegungs- und Stellungs- ges hatten seiner Rüstigkeit keinen Abbruch getan, i zahlreichen Treffen und Gefechten war er unversehrt vorgegangen; nun fand er als Leutnant und Kom- Pagnieführer den Soldatentod. Gregory sümpfte und fiel für Deutschland, obwohl er von Geburt Amerikaner war. Er stammte aus Philadelphia und erhielt in Amerika, hauptsächlich an den theologischen Seminaren zu Philadelphia und Princeton,- auch seine wissenschaftliche Vorbildung. Er unternahm zahlreiche fruchtbring
ende Reisen zum Studium der griechischen Handschriften des Neuen Testaments. Dabei sah er fast alle Staaten Europas und einen großen Teil des näheren Orients. 1884 habilitierte er sich in Leipzig und war dort seit 1891 odentlicher Honorarprofessor. Wahrend der großen Ferien hielt er mehrfach Vorlesungen an amerikanischen Universitäten und theologischen Schulen und kam während einer mehrmonatigen Vortragsreise 1911/12 durch alle Vereinigten Staaten und ganz Kanada. -- Sein Heldentod wird den deutschen Soldaten ein wundervolles. Vorbild sein!
Kühne deutsche Seeleute.
Von der chilenischen Küste, aus haben 25 junge deutsche Seeleute in der nur 460 Tonnen großen Barke „Tinto" die Fahrt nach Hause angetreten und die Heimat auch glücklich erreicht. Diese Fahrt verdient um so höhere Anerkennung, als sie unter den schwierigsten Umständen durchgeführt wurde. Den ersten Aufenthalt verursachte das von dem französischen Konsul in St. Montts an die chilenische Regierung gestellte Ersuchen, das Fahrzeug zu untersuchen, da es verdächtig sei, deutsche Unterseeboote mit Vorräten zu versehen. Die deutsche Besatzung entzog sich dieser Untersuchung, traf aber später wieder an verabredetem Orte an Bord ein. Als man an den Falklandsinsebr vorübersegelte, wo am 8. Dezember 1914 unser Kreuzergeschwader nach heldenmütiger Gegenwehr vernichtet wurde, gedachte man der Toten in stiller Andacht. Da man einen Funkentelegraphen an Bord hatte, konnte man auch feindliche Nachrichten auffangen, und die erste war eine englische Warnung vor einem deutschen Hilfskreuzer — es handelte sich um die „Möwe" —, der im Atlantic tätig sei. Während ihrer Fahrt, die l 24 Tage dauerte, hatte die Besatzung mehrfach unter schweren Stürmen zu.M^u, die Takelage stark beschädigten. Am 24. März passierte man die englische Sperrlinie zwischen den Faroerinseln und der norwegischen Küste. Ein englischer Kreuzer und ein Hilfskreuzer erschienen, doch begnügte der Feind sich mit einer Prüfung aus der Ferne, da er wegen? des hohen
Seegangs kein Boot aussetzen konnte
und diese Prü
fung bestand die als norwegisches Schiff markierte Barke zur Zufriedenheit; ein später passierender englischer Kreuzer nahm überhaupt keine Notiz von dem kleinen Fahrzeug. Die Einfahrt in den Fjord von Drontheim machte wegen des Fehlens genügender Karten einige Schwierigkeit, doch gelangte das Schiff schließlich glücklich im Hafen an. Man hätte gern zu Schiff die Weiterfahrt nach Hause angetreten, doch waren die Segel durch die Sturmwellen derart zersetzt, das sie sich nicht mehr als brauchbar erwiesen. — Deutschland kann auf seine Mannsch^t, die die „Tinto" 1200 Seemeilen weit von der Küste Chiles nach Europa führte, stolz sein.
Deutsche U-Boote im Stillen Ozean.
Ein Funkentelegramm aus San Franziseo besagt, es sei die Anwesenheit deutscher U Boote im Stillen Ozeau in der Nähe von San Franziseo gemeldet worden. Die Marinebehörden hätten Maßnahmen getroffen, um Ueberraschungen zu vermeiden. — Wenn man bedenkt, daß diese deutschen U-Boote wohl mehr als 10 000 Kilometer von der HeimatSbasis entfernt ihrem kühnen Kriegshandwerk nachgehen, so wird man begreifen, daß die Feinde bleicher Schrecken erfaßt — denn den Deutschen ist eben „alles zuzutrauen".
Amerikas Geldrüstung.
Der Ausschuß des amerikanischen Repräsentanten Hauses für Mittel und Wege hat sich einstimmig für die Annahme des Gesetzes ausgesprochen, das fünf Milliarden Dollar Bonds und zwei Milliarden Dollar Schatzscheine zu Kriegszwecken vorsieht.
Von der russischen Revolution.
Die Stockholmer „Nya Dagligt Allehanda" veröffentlicht Schilderungen eines aus Finnland zurückgekehrten Kenners der russischen Verhältnisse, der berichtet, daß die Revolution in Helsingfors 400 bis 500 Offizieren das Leben gekostet habe. Nur durch das rechtzeitige Eintreffen Kerenskis sei die Zerstörung der Ostseeflotte durch die Matrosen verhindert worden, die schon zwei große Schiffe vernichtet hatten. Das schwerste Problem sei die Lebensmittelfrage, die sich auch unter der neuen russischen Regierung sehr zugespitzt habe.
Brunnenvergiftung.
Wie England und feine Trabanten das Urteil fast der ganzen Welt über den Krieg und seine Ursachen durch eine schäm- und bedenkenlose Ausnutzung ihres Nachrichtenmonopols, durch Verdrehung, Lüge und Ver- läumdung zu beeinflussen verstanden haben, so hofften sie auch seit Anbeginn des Krieges, durch die gleichen Künste den inneren Zusammenhang des deutschen Volkes und die Widerstandskraft des deutschen Heeres ins Wanken bringen zu können. Im wesentlichen fiel der Fliegerwaffe die Aufgabe zu, das Gift der Zersetzung, der Unzufriedenheit und Unruhe ins deutsche Land und in die deutsche Front zu tragen. Mit den raffiniertesten Mitteln und den ausgesuchtesten Fälscherkniffen wurden Aufrufe an das deutsche Volk oder — in der Hoffnung auf partikularistische Bestrebungen — an einzelne deutsche Volksstämme verfaßt, wurden deutsche Zeitungen gefälscht, Privatbriefe mit verlogenem, aufhetzenden Inhalt vervielfältigt und in zahllosen Exemplaren von den feindlichen Fliegern an der Front und in den westlichen Grenzgebieten abgeworfen. Aber alles schlug fehl. Die Spekulation auf die Leichtgläubigkeit des deutschen Volkes, auf die angebliche gegensätzliche Stimmung einzelner Bestandteile, selbst auf seine „Friedensliebe bis zur Schwäche" war falsch. Und auch seine Intelligenz hat man jenseits der Schützgengräben unterschätzt. Die Fallen mochten noch so geschickt gestellt sein, der Deutsche ist doch nicht hineingegangen. -
In der jüngsten Zeit versuchen die Feinde, durch in Süddeutschland abgeworfene Aufrufe einer „Vereinigung süddeutscher Männer" die Süddeutschen gegen Norddeutschland aufzuhetzen, indem durch eine wahrhaft raffiniert gefälschte geschichtliche Darstellung der Ereignisse des 19. Jahrhunderts ein Machthunger Preußens vor- aesvieg.elt.wird, der das Unglück der süddeutschen Staaten sei. Eine neutrale Schweizer ZeUung. das „Schaffhauser Jntelligenzblatt", dem einer dieser Aufrufe auf den Redaktionstisch geflogen war, kennzeichnete ihn als „eine ausschließlich französische Machenschaft" und betonte, daß es in Süddeutschland „nicht solche gottvergessenen Burschen gibt, welche dem Vaterlande in der Stunde der höchsten Not und Bedrängnis in den Rücken schießen könnten". Die Verfasser dieses Flugblatts, unter denen man wohl nicht mit Unrecht die Landesverräter Weill und Wetterle vermutet, haben auch hier sich vollkommen verrechnet.
Sollte auf diese Art der geschichtliche deutsche Bruderzwist wieder erweckt werden, so hoffte man auf andere Weise, Unruhe in die Schar der Kämpfenden zu tragen. Durch massenhaft an und hinter der Front abgeworfene Flugblätter, die die handschriftliche Nachbildung von Briefen aus der Heimat an deutsche Soldaten trugen, suchle man dem Heere die Nahrungsmittelschwierigkeiten in der Heimat als furchtbar und unerträglich hinzustellen und durch die Sorge um ihre Familien den Soldaten den Mut zum Kämpfen und Durchhalten, zu nehmen. Anch dieses so fein erdachte Manöver scheiterte an der Zuversichtlichkeit und dem Vertrauen des Heeres zu der Ordnung in Deutschland.
Aber eine Lehre hat die deutsche Heimat aus diesem feindlichen Flugblatt ziehen müssen: Wie gefährlich es ist, Klagebriefe über die harten Zeiten an die Front zu senden.' Es wird dadurch nichts geändert, wohl aber kann der Feind diese Briefe, wenn er sie bei Gefangenen oder Verwundeten vorfindet, in dieser heimtückischen Weise verwenden, zumindest aus ihnen auch ein falsches Bild über die tatsächlichen Zustände in Deutschland und über die Festigkeit des Gesamtwillens zum Siege konstruieren und damit den Mut seiner eigenen Völker neu beleben. Das Endergebnis ist schließlich nur, daß der Krieg verlängert wird.
Ein weiterer Versuch, die Widerstandskraft der deutschen Soldaten zu erschüttern, wurde mit in der Handschrift vervielfältigten Postkarten unternommen, in denen in englischer Gefangenschaft befindliche deutsche Soldaten die angeblich gute Behandlung und das angenehme Leben im englischen Gefangenenlager lobten. Oder es wurden Postkarten mit gefälschten Zeitungsausschnitten abgeworfen, die bei dem Soldaten an der Front, der nicht regelmäßig die Zeitungen verfolgen kann beunruhigende Vorstellungen über die Zustände in der Heimat hervorrufen sollten. Der englisch-französische Pferdefuß schaute bei all diesen Unternehmungen aber gar zu deutlich hervor.
Auch über neutrale Länder versuchte man, diese