Diese Funde zeigen uns auch eine uralte, fast unausrottbare Anschauungsweise sehr vieler Landbewohner: die Freude am Besitz harten, klingenden Geldes, das dann, wie man sagt, in den „Strumpf" getan und möglichst sorgfältig vor den Augen der Welt verborgen wird. Da ließ sich noch erklären und verstehen in einer Zeit, in der c5 noch an wirklich sicheren Aufbewahrungsorten außerhalb des eigenen Heimes, an guten, gewinnbringenden Anlagen für das Geld mangelte, ob wohl schon sehr frühe in unserer wirtschaftlichen Entwickelung das Bedürfnis nach Anlage des Kapitals sich Einrichtungen geschaffen hat es nutzbringend ^h verwerten. Diese wurden denn auch von einsichtigen Bürgern in Stadt und Land gerne benutzt. Aber gerade der Bauernstand hat sich nur langsam an die neuzeitliche Geldwirtschaft und ihre Einrichtungen gewöhnen sönnen. War er doch jahrhundertelang gewöhnt gewesen, fast alles, was er für sich und die Seinen brauchte, selbst zu erzeugen, den Austausch von Waren aber nur in naturalwirtschaftlichen Formen rorzunehmen. Selbst ihre Steuern, die Zehnten, haben die Bauern lange in Naturalabgaben von Getreioe, Wein usw. oder in Form persönlicher Dienste, der Frohnarbeit, gezahlt. Das bare Geld hatte für sie einen unendlich höheren Wert als für den Städter, dem es täglich durch die Hände ging. Zudem wußten sie nicht mit den neuen Arten des Kreditwesens, der Hingabe von Kapital gegen Zinsen umzugehen und mißtrauten dem Schuldpapier, das sie für ihre baren Taler erhielten. Hatte doch noch ihren Vorfahren die Kirche das Zinsennehmen ganz verboten. Man glaubte eben sein sauer verdientes Geld nur dann sicher, wenn man es wohlverwahrt im eigenen Hause geborgen wußte oder bei herannahender Gefahr im Keller vergrub. Aber das war ein Irrtum. Denn was half all der zujammengescharrte Besitz in Kriegskünsten und Zeiten wirklicher Not, wenn der Feind im Lande hauste oder gar der Besitzer fliehen mußte? Die rohe Soldateska hatte sehr raffinierte Mittel, solch verborgene Schätze ausfindig zu machen. Man lese darüber nur was der Zeitgenosse des dreißigjährigen Krieges Grim- melshaufen in seinem „SimpliciuS Simplicissimus" schreibt, wie die Bauern solange gefoltert wurden, bis sie das Versteck ihres Geldes selbst angaben.
Heutzutage aber ist das oben angedeutete Verfahren, das leider aus Mißtrauen und wirtschaftlicher Un- kenntnis noch immer vielfach auf dem Lande, auch — wie Schreiber dieses gesehen hat — von französischen Bauern im Kriegsgebiete angewandt wird, ein schwerer und kaum verzeilicher Fehler. Denn derjenige schädigt sich selbst und seine Familie aufs Schwerste, der bares ^Geld zu Hause zinslos hinlegt, während es, sicher angelegt, ihm einen täglichen Nutzen und Vermögenszuwachs einbringen könnte. Vor allem aber hat heute niemand das Recht so zu handeln, wo ihm das Reich * nicht nur in seinen hoch verzinslichen Kriegsauleihen eine ungewöhnlich günstige Anlagegelegenheit bietet, "für
feiner ganzen wirtschaftlichen Kraft und all seinem Vermögen die Gewähr übernimmt, sondern auch der Ernst der Stunde, die bevorstehende Entscheidung im Weltkriege, es jeden: zur Pflicht macht, mit allem was er besitzt und vermag für Deutschland einzustehen. Unterliegen wir in diesem Kampfe, gelingt es unseren unbarmherzigen Gegnern ihre Pläne ' auszuführen, dann werden wir alle zu Bettlern gemacht, mögen, wir für den Augenblick auch noch so große Schätze aufgehäuft haben. Alles wird dann verloren sein. Können wir aber, wie wir bei Anspannung aller Kräfte zuversichtlich hoffen dürfen, bis zu einem siegreichen Frieden durchhalten, dann wird es keine besseren und gesuchteren Kapitalwerte geben als des Reiches fünfprozentige Kriegsanleihen. Darum soll jeder ohne Zögern und törichte Bedenken dem Vaterlande geben, was des Vaterlandes ist. Wir sind auf Gedeih und Verderb, auf Leben und Tod mit ihm und seinem Schicksale verbunden. Das Geschick derer, die einst in früheren Zeiten ihre harten Taler dem Erdboden anvertraut haben und dann elendiglich umgekommen sind, sollte uns eine Mahnung sein! J. c.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 30. März 1917.
—* Im Anzeigenteil der heutigen Nr. befindet sich eine Mitteilung der hiesigen städt. Sparkasse an die Schuldner der Kasse, daß nicht nur die nach der Schüldurkunde zu leistenden Kapitalabträge sondern auch höhere Beträge, ja sogar ganze Kapitalbeträge ohne Kündigung jederzeit .eingezahlt werden können. Die Veröffentlichung geschieht deshalb, weil, wie bekannt ist, eine große Anzahl von Landbewohnern Geldbeträge, oft sogar große Geldbeträge, die sie aus Getreide- und Viehverkäufen eingenommen haben zu Hause aufbewahren. Dadurch schädigen sie in erster Linie sich selbst, denn für die bei den Kassen geliehenen Betrüge müssen Zinsen gezahlt werdin, während zu Haus das Geld nutzlos im Kasten liegt. In zweiter Linie schadet sie dadurch aber auch der Allgemeinheit. Die Kassen können z. Z. alle flüssigen Gelder sehr gut anlegen und zwar in Kriegsanleihe. Wer also seine zu Hause liegenden Gelder nicht selbst in Kriegsanleihe anlegen Mll, oder wer sich scheut, sein Geld den Sparkassen
oder Darlehnskassen anzuvertrauen und noch Schulden hat, der zahle wenigstens diese aus seinen Geldvorräten ab.
—* Wie aus dem Inseratenteil unserer heutigen Nummer ersichtlich findet am Montag, den 2. April nachmittags von 2 bis 6 Uhr die Eier-AuSgabe für die hiesige Stadt statt. (Näheres im Inserat.)
Altes wankt - - -
Airs allen Fronten haben wir dem Gegner ungeheure Gebiete entrissen!
Unsere H-Boote haben dem feindlichen Handel den Todesstoß versetzt!
Die Urheber des Kriegs,
Grey und Asquith,Delcasse und Briand sind von ihren eigenen Völkern aus Amt und Würden gejagt!
Zu Rußland: Revolution!
Der Zar: abgesetzt!
Eins steht fest:
Die solide Grundlage
des deutschen Gtaatsgebüdes und d e unversiegliche Kraft des deutschen Volkes Darauf beruht auch
die unÄN^^^Gichecheii der deutschen KriegSünleihsn.
Hilf den Krieg gewinnen!
Gib Dein Geld dem sichersten Schuldner
der Welt, dem Vaterlands!
—* Dem Reservisten Jakob Neuhof von hier im Feld-Artillerie-Regiment Nr. 61 wurde die Hessische Tapferkeits-Medaille verliehen.
—* Am Dienstag, den 10. April (3 Osterfeiertag) nachmittags 4 Uhr soll die diesjährige Generalversammlung des Vaterländischen Frauenvereins für den Kreis Schlüchtern im Saale des Hotel „Stern" dahier (Bahnhofstraße) abgehalten werden. Neben geschäftlichen Mitteilungen über VereiuSangelegenheiten und Jahresbericht werden in erster Linie die Kriegsaufgaben des Vereins und die Notwendigkeit des Frauenhilfs- dienstes gekennzeichnet werden, nachdem bereits die Versammlung ant 25. d. Mts. darauf hingewiesen hat, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen d.m Verein und seinen Micgl edern besondere Pflichten erwachsen. Da für den Wiederaufbau unseres Volkes nach dem Kriege das Wohl der Nachkommenschaft von besonderer Wichtigkeit ist, wird Fräulein Hanna Walther-Soden einen Vortrag über Säuglingspflege halten und ihre Darlegungen durch eine größere Reihe von Lichtbildern aus dem Kaiserin-Augusta-Vikioria-Säuglingshaus in Berlin beleben und veranschaulichen. So verspricht die erwähnte Versammlung den Frauen unsres Kreises mancherlei Anregung und Förderung zu bieten.
—* Im Verlage Nachmeister und Thal in Leipzig, Dörrienstraße 13, erscheint eine Wochenschrift „Der Lehrmeister im Garten und Kleintierhof", in der praktische, erprobte Ratschläge erteilt werden. Der Bezugspreis , beträgt vierteljährlich 1,50 Mark. Außerdem erscheint in diesem Verlage zu niedrigem Preise eine „Lehrmeister - Bibliothek", die eine Reihe kurzgefaßter, praktischer Anleitungen für die einzelnen Gebiete der Kleintierzucht, den Gemüsebau, den Kartoffelbau usw. enthält. Der Bezug dieser Schriften kann empfohlen werden.
* Soden - Stolzenberg. Der vergangene Sonntag abend führte wieder im Kurhause eine stattliche Versammlung zusammen, zur Anhörung eines Vortrages dbs Herrn Bürgermeisters Radke. Derselbe verbreitete
sich zunächst über die Torheit das Hartgeld zurückzuhaltem aus Furcht zu viel Papiergeld zu bekommen, da doch das Papiergeld im Verkehr denselben Wert habe, wie das Hartgeld. Ferner verbreitete er sich über den Hilfsdienst, der in unserer schweren Zeit unbedingt erforderlich ist, um zu einem glücklichen Kriegsende zu gelangen. Besser sei der freiwillige. Eintritt, statt der gezwungene, wenn gleich letzterer nicht die ganze Strenge d's Zwanges mit sich führe, da immerhin Rechnung getiapn werde den persönlichen Verhältnissen, dem Bc- rufsstande des Einzelnen. Zum Schlüsse erörterte derselbe noch einige sonstige Fragen, welche die Hebung unseres Badestädtchens betreffen. Von besonderer Wichtigkeit war auch die Aufforderung an die Versammlung, dazu beizutragen, daß jedermann sich mit einem Pacht- land versehe, was ihm ganz besondere Vorteile biete. Sehr befriedigt über das Gehörte ging man auseinander, um in die Praxis umzusetzen, was die Theorie geboten hatte.
An die Konfirmanden.
Zieht hin mit Gott auf eurem Pilgerpfade, Ihr jungen Christen, unser Stolz und Glück! Ein gut Gewissen und des Himmels Gnade Sei euer Trost in jeglichem Geschick!
Zu neuer Arbeit ruft ein Morgenrot —
Zieht hin mit Gott!
Zieht hin mit Gott! Ob sonnenhell die Wege,
Ob rauh der Pfad, den Gottes Hand euch führt; Geborgen in des Höchsten treuer Pflege
Ist stets zu Dank und Preis das Her^ gerührt, Und nimmer ficht euch an der Feinde Spott — Zieht hin mit Gott!
Zieht hin mit Gott! Nicht immer euch zur Seite
Steht treuer Eltern, treuer Lehrer Hort.
O drum erwählt als sicheres Geleite
Das ewig wahre, feste GotteSwort!
Es hilft euch siegreich selbst durch Not und Tod — Zieht hin mit Gott!
Zieht hin mit Gott! In gut' und bösen Tagen
O haltet fest dies Kleinod, euch vertraut!
Der kann getrost das Schwerste mutvoll wagen, Wer glaubensvoll zum Helfer schaut, Der euer Trost auch in der letzten Not — Zieht hin mit Gott!
Wir und die Feinde.
Von besonderer Wichtigkeit ist der Eindruck des Erfolges der neuen Kriegsanleihe an sich, daneben aber auch der Eindruck der gesunden Art, wie er zustande kommt bei bewundernswert tragfähiger Verfassung unseres Geldmarktes. Man denke an die zweifelnden Worte, die der englische Schatzminister über unser wei- , tereS Können E kurzem sprach, daß das englische Volk seit 17i Jahren keine Kriegsanleihe mehr hatte und bet so langer Schonzeit der jetzige Erfolg nicht überwältigend ist, vergegenwärtige sich endlich die Wirkung einer glänzenden Zeichnungsziffer in den Reihen der Feinde und der Neutralen. Dieser Eindruck wird um so gewaltiger sein, als Rußland, Frankreich und Italien schon mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen haben, Geld zu beschaffen, von dem unserem Vorgehen entsprechenden, währungspolirisch einwandfreien Wege einer inneren Anleihe gar nicht zu reden, denn dieser hat sich für sie bei mehrmaligen Versuchen als kaum noch gangbar gezeigt.
ES mag im übrigen vielen gegen die Natur gehen, daß bei Besprechung der Deckung des Geldbedarfs um. feres Vaterlandes auch einige Worte über die rein gc-' schäftliche Seite mit unterfließen. Aber schließlich ist der Kauf von Wertpapieren eben auch ein Geschäft, das rein nüchtern überlegt und nachgerechnet sein will. Und mir brauchen diese, bedächtige Nachprüfung nicht zu scheuen: Zu dem hohen Zinsertrag tritt noch der Vorteil, daß die Ausgabe unter dem Nennwerte erfolgt und bei den Schatzanweisungen- der weitere Vorteil, daß schon 1918 die Verlosungen mit recht ansehnlichem Aufgeld beginnen. Selbst der kühlste Rechner wird nicht umhin können, zu dem Zinsgenuß noch den Nutzen hinzuzurechnen, der für die Allgemeinheit und damit auch für ihn erfließt, wenn die Landesverteidigung in wuchtigem Erfolg und in der gesundesten Form das Geld erhält, dessen sie bedarf. Daß diese Opferwilligkeit mit derjenigen der Kämpfer draußen nicht in einem Atem genannt werden darf, das versteht sich von selbst, aber immerhin mögen die, die nicht aus dem Rechnen herauskommen, sich doch einmal die Frage vorlegen, ob denn unsere Krieger Zinsen auf den Einsatz ihres Lebens und ihrer Gesundheit beanspruchen, Und wem es nicht ganz^ bequem liegt, daß er Mittel flüssig macht, der mag sich sagen, daß auch die Siege, über die er sich freut und die er fast wie fein gutes Recht von den kämpfenden Heeren verlangt, wahrhaftig nicht ohne unvergleichlich größere Opferwilligkeit erstritten werden. Und die Sicherheit? Auch in dieser Hinsicht ist eine bedächtige Nachprüfung nicht zu scheuen. Sehr im Gegenteil! Möchte doch endlich die Erkenntnis unserer finanziellen Unterlagen, auf denen fest und sicher die deutschen Kriegsanleihen ruhen, Allgemeingut aller Volksgenossen — und des Auslandes werden! Wie diese ehernen Unterlagen beschaffen sind (zu ihnen zählt übrigens deutscher Fleiß, deutscher Erfindungs-.und Organisationsgeist und das, was unsere Heere mit eisernem Ring von feindlichen Gebieten umklammert halten und was ohne Gegenleistung nicht wieder frei werden wird), das