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W 15. Mittwoch, den 21. Februar 1917. 68. Jahrgang

Amtlicher.

III. 4. Bb. 5. 408.

In letzter Zeit sind durch die Unachtsamkeil bet be- teessenden Schäfer (Privat- ober Gdmeindeschäfer) wie­derholt Schafherden beim Uebel schreiten von Bahnüber­gängen von Zügen überfahren worden.

i Abgesehen davon, daß die Eigentümer der Schafe bei dem jetzigen hohen Werte der Tiere einen doppelt fühlbaren Schaden erleiden, da Schadenersatz bei Fahr­lässigkeit nicht geleistet wird, ist der Verlust großer Dleischmengen bei dem z. Zt. Herrschenden Mangel an Nahrungsmitteln besonders empfindlich.

; Die Königliche Eisenbahndirektion ersucht daher er- Meust, die.Landwirte und die Gemeinden in geeigneten Weise darauf hinzuweisen, daß es Pflicht eines jeder Besitzers von für die Volkswirtschaft wertvollen Tieren dafür zu sorgen, daß beim Ueberschreiten von Bahn- Nergüngen, mit Viehherden oder Fuhrwerken wie über- |hupt in der Nähe von Bahnstrecken und Bahnanlagen Wr Vermeidung von Unfällen besondere Vorsicht geübt wird. Gemäß § 79 Abs. 5 der Eisenbahn Bau- und Betriebsordnung (Reichsgesetzblatt 1904 Nr. 47) dürfen gräßere Viehherden innerhalb 10 Minuten vor bem vermutlichen Eintreffen eines Zuges nidjt nMr über die Bahn getrieben werden.

Derjenige, dem die Aufsicht über bie Tiere obliegt, ist für das Betreten der Bahnanlagen durch Tiere ver­antwortlich. (§ 78 Aßs. 8. a. a. 0.) Er wird sich hhne Schwierigkeit in Zweifelsfällen, die bei dem zur Zeit häufig wechselnden Fahrplan die Regel bilden Werden, mit dem nächsten Bahnhof oder Bahnwärter wegen des Laufes der Züge in Verbindung setzen können.

fjranfmrt (Will, M

Königliche Eisenbahndirektion,

gez. Unterschrift.

I .- Nr. 1397. Vorstehendes wird den Herren Bürger­meistern zur weiteren Bekanntgabe mitgeteilt.

Schlüchtern, den 14. Februar 1917.

| Der Königliche Landrat. J. V.: Schultheis.

p Nr. 1559. Den Herren Bürgermeistern und Guts- rsiehern bringe ich die Verfügung vom 6. Januar 904 Nr. 64 (Kreisblatt Nr. 2) in Erinnerung, onach sie bis zum 1. März j. Js- ein Verzeichnis der * abgelaufenen Jahre verstorbenen gerichtlich bestraften ersonen an die Königliche Staatsanwaltschaft in Hanau nzusenden oder Fehlanzeige dorthin einzureichen haben. Schlüchtern, den 16. Februar 1917.

Der Königliche Landrat. J. V.: Schulthets.

Im Schatten der Ueterpauksfestung

Roman von ^ermann Gerhardt.

55 aus vor und

R Endlich riß ihn ein leises Pochen an der Tür seinen Gedanken; behutsam öffnend, sah er Iwan der ihm mitteilte, ein Mann stehe unten "öle, Michail Michailvivitsch sprechen zu dürfen.

VMich, zu so einer Zeit?" fragte Mischa erstaunt. Mast Du ihn gefragt, was er wüuscht?"

IJawohl, langer Herr," entgegnete Iwan,er sagt, sei eine dringende Sache, die er nur mit bem jungen Madigen Herrn selber besprechen könnte."

| Einen Augenblick zögerte Mischa.Der Mann hat sich «iue sonderbare Zeit ausgesucht, um gerade mich zu sprechen," meinte er bannf id) will ihn aber doch herauf- kaurinen lassen. Führe ihn in mein Zimmer."

I Kaum hatte Mischa sich selbst dorthin begeben, als Iwan auch schon den Fremden eintreten ließ : einen ärmlich gekleideten Menschen von kümmerlicher Statur, scharfzügig und finster blicfenb, unb anscheinend in großer Aufregung. I Mischa neigte grüßend Den Kopf, blieb aber mit kalter Miene stehen unb wartete, daß der Fremde sein Wnliegeil vorbringen möchte.

ISie werden sich lvuuderu, junger Herr, daß ich Sie so ungelegener Stunde belästige," hob der Besucher M- »Ich will Sie auch uicht tauge bei der Vorrede Mshalteu; was ich Ihnen nützliteileu habe, läßt sich chüt iDemgen Worten sagen. Ich müßte mich sehr irren, wenn Sie bie Nachricht nicht interessieren sollte, daß der Deutsche, Werner Nittberg, Petersburg nicht verlassen hat, wie Sie glauben; er ist vielmehr auf bem Wege um Bahnhof verhaftet worden unb befindet sich momen» tau als Gefangener in der Festung."

Verdutzt starrte Mischa den Menschen an, der ihm «nie so unglaubliche Kunde brach«.

Zur Hebung her Schafzucht wird beabsichtigt, anfangs März eine Anzahl erstklassiger Zuchtböcke des Württembergischen Landschass (Weideschaf) anzukaufen und hierher einzuführen.

Zuschüsse zu den Kaufpreisen von der Landwickschasts- kammer, dem Kreise und den Gemeinden sind zu erwarten. Bestellungen erbitte ich bis zum 27. Februar, da die Ankaufskommission am 3. März abreisen wird.

Schlüchtern, den 20. Februar 1917.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Für Bwerft her Schweinezucht kommen voraussichtlich demnächst beschränkte Mengen Gersten- oder Haferkleie der Ztr. etwa i0 Mk. od Korn- oder Weizenkleie der Ztr. etwa 7% Mk. zur Abgabe. Es muß die Sorte genommen werden, die zugeteilt wird.

Bestellungen sind sofort an die Herren Bürger- meister zu richten.

Diese haben eine namentliche Liste der Besteller, in der die Anzahl der Zucht- oder sonstigen Schweinen der einzelnen Besteller aufgeführt sind, bis

spätestens zum 38, Februar hierher einzureichen.

Schlüchtern, den 20. Februar 1917.

- Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.

unser Verrat- au ;!greir^

Hosen ist durch die starke Jncmspruchnahme unserer Lazarette vollständig ausgebraucht. Da dringender Bedarf vorliegt, und neue Hemden und Unterhosen kaum oder nur zu sehr teuren Preisen zu beschaffen sind, richten wir an die Kreisbewohner die Bitte, uns getragene Hemden n. Unterhosen schenken zu wollen.

Wir danken int Voraus.

Schlüchtern, den 20. Februar 1917.

Die beiden Rote Krenz-Beeeiue. von Trott zu Solz.

Was für ein haarsträubender Unsinn!" rief er aus.

Sie wollen mir nicht glauben?" versetzte der Unbe­kannte, und seine Nasenflügel zuckten nervös, wiewohl er sich Mühe gab, gleichgültig zu erscheinen.Nun, wie Sie meine Mitteilung aufzufassen belieben, kann mir gleichgültig sein; deut Herrn Rittberg dürfte es allerdings mehr barauf ankommen. Wenigstens habe ich Sie be­nachrichtigt. Guten Abend!"

Er ging nach der Tür, aber Mischa rief ihn zurück: Einelt Augenblick, bitte! Es interessiert mid) zu er­fahren, wie ein so unwahrscheinliches Gerücht entstehen konnte. Von wem habeu Sie es erfahren?"

Ich bin nicht berechtigt, Sie darüber aufzuklä- ren."

Und die Schwester, Fräulein Rittberg? Ist sie ohne ihren Bruder abgereist? Oder ist sie etiva auch in der Festung interniert?" erkundigte sich Mischa.

Sie ist hier in Petersburg, wo, kann ich Ihnen nicht sagen," entgegnete der Fremde. Er sprach in sehr erregtem Tone, über die SchuNer weg, und die Hand aus der Tür- klinke.

Sie wollen also wirklich gehen, ohne mir Ihren Ge­währsmann zu nennen? Die Geschichte klingt doch zu abenteuernd), um ohne weiteres geglaubt $u werden," rief Mischa ihm nach.

Gehen Sie doch hin und überzeugen sich selbst, oder lassen Sie's bleiben! Mich gehl's nichts an," gab der andere kurz unb scharf zurück, riß die £ür auf und wer» schivand.

Allein geblieben, erging sich Mischa in grübelnben Mutmaßungen über das Gehörte.

Sein Lehrer war es sicher nid)t, den man verhaf­tet hatte, irgend ein anderer Deutscher hatte sich miß- liebig gemacht oder etwas verbrochen ! Warum aber hatte dann der Illlbekanute Werner Rittberg beim Namen genannt? Bewies das nicht, daß er von dem Vorhaben der Geschwister Rittberg unterrichtet und and) sonst orientiert war? Wie, wenn er dennoch recht hätte und

Der Saatgutverkehr mit Sommergetreide, Hülsenfrüchten, Wicken und Lupinen.

Die Beschlagnahme und öffentliche Bewirtschaftung eines großen Teiles der Feldfrüchte hat mit Notwendig­keit dazu geführt, auch eine Kontrolle des Saatgutver­kehrs einzurichten, um Umgehungen der Beschlagnahme zu vermeiden. Es ist bekannt, daß in der ersten Kriegs­zeit, als die öffentliche Bewirtschaftung der landwirt­schaftlichen Erzeugnisse noch in ihren Anfängen war, be­trächtliche Mengen Getreide, insbesondere Hafer, durch den Saatguthandel unberechtigter Weise der Beschlag nähme. entzogen worden sind. Das Getreide wurde ab Saatgut gekauft, ging von einer Hand zur andern ent­zog sich auf bu Weise vollständig der Kontrolle unb wurde dann tsiels ch zu ganz anderen als zu Saat zwecken verwandt. Man ha die verschiedensten Ver­suche gemacht, bv en Mißb äucheu zu begegnen. Die Regelung wurde bei den einzelnen Früchten, je nachdem die eine oder die andere Reichsstelle mit der Bewirt­schaftung der betreffenden Fruchtart betraut war, recht verschieden getroffen. Erst in letzter Zeit ist man auf Grund der gemachten Erfahrungen zu einer mehr ein­heitlichen Gestaltung des Saatgutverkehrs durch Ein­führung der Saatkarte gekommen. Immerhin zeigen auch heute noch die Bestimmungen über den Saatgut­verkehr bei den einzelnen Früchten derartige Abweich­ungen, daß es vielen Landwirten willkommen fein wird, wenn über die zurzeit geltenden wichtigsten Bestimm­ungen ein kurzer Aufsatz an dieser Stelle veröffentlicht wird.

Am einfad; fielt und zweckmäßigsten ist der Verkehr mit Sommergetreide geregelt. Die Veräußerung, der Erwerb und die Lieferung von Sommerweizen, Sommergerste und Hafer ist nur gegen Saatkarte er- "?.' '! 'Ht "WHmrui11'"-^>aut 9fag*- >ffr.-br~ Saatgut erwerben will, von dem Kommunalverband, in dessen Bezirk die Aussaat erfolgen soll, ausgestellt. Der Käufer gibt die Saatkarte an den Verkäufer, der als­dann das bestellte Saatgut absenden darf. Der Ver­käufer läßt sich, falls das Getreide mit der Bahn ver­sandt wird, bie erfolgte Absendung von der Versand­station auf der Saatkarte bescheinigen. Erfolgt die Versendung nicht mit der Bahn, so muß sich der Ver- äußerer den Empfang von dem Käufer auf der Saat­karte bescheinigen lassen. Der Verkäufer hat die Saat­karte binnen zwei Wochen nach Absendung an den Kommunalverband abzugeben, aus dem das Saatgetreide auSg'eführt wirb. Dieser macht bem empfangenden Kommunalverband eine entsprechende Mtteilung, so daß beide Komnulnalverbände über den Ein- und AuSgang an .Saatgetreide genau unterrichtet sind.

Werner irgend einem unbegreiflichen Irrtum zum Op» ser gefallen und wirklich verhaftet worden märe ?

Nun er sich erst einmal eingeftanben, daß ein solcher Fall im Bereich der Möglichkeit liege, ward sich Mischa auch sofort klar, daß er eher keine Ruhe fände, als bis er der Sache auf den Grund gegangen wäre. Der Weg, der am raschesten und einfachsten zum Ziel führte, war der, den Kommandanten der Festung aufzusuchen. Er beschloß daher, dies ohne Zeitverlust ^u tun.

Der Dwornik, der im geschützten Torweg sich bie von Kälte erstarrten Füße vertrat, war nicht wenig er­staunt, ben Sohn des Hauses im Pelzmantel au? bet Tür treten zu sehen.

Vasil!" rief dieser ihn an, besorge mir schnell eine Droschke 1,.

Wenige Minuten später fuhr Mischa im raschen Tempo in der Richtung der Festung von bannen. Vor dem Tore an gelangt und von einem Bediensteten nach seinem Begehren gefragt, verlangte Mischa den Kom« Mandanten sofort in dringender Angelegenheit zu sprechen.

Darf ich um den Namen bitten ?" fragte der Pförtner.

Michail Michailowitsch, der Sohn des verstorbenen Präfekteu," gab Mischa an

Der Mann riß die Augen auf. Er murmelte zwar noch etwas Unverständliches, aber der gefürchtet« Name hatte doch Eindruck gemacht, und Mischa ward ohne weiteres eingelassen 231,18*

Innerhalb der Festungsmauern ward ihm ein Gen­darm als Führer zrlgeteilt, der ihn nach bem Haupt- eingang des Gefängnisses geleitete. Der wachthabende Offizier, welchem Mischa seinen Namen unb sein An­liegen nannte, brächte ihn dann ins Wartezimmer, in­dem er mehr als einen verstohlenen Seitenblick auf fei» neu jungen Begleiter warf. Was mochte, so fragte er sich, der Sohn des ermorbeten Präfekten zu solcher Zeit lind Stunde hierherführen? Misch« hatte noch keine fünf Minuten gewartet, als der Kommandant eilig herantrat und i^m mit ausgestreckter Hand e»itgegenkan^