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Bei Zuwiderhandlungen gegen § 7 Abs. 1 Satz 1,| § 3.

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mitAmtlichem Kreisblatt". Wochenbeilage: Illustriertes Lonntagsblatt.

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Samstag, den 3. Februar 1917.

68. Jahrgang.

Amtliches.

An die Bürgermeisterämter

des Kreises Schlüchtern.

Den Staatssteuerhebestellen sind die Rentenbankrenten- Heberollen für 1917 übersandt worden zur Benutzung bei der Anlage des Hebebuches für 1917. Es wird ersucht, die Heberollen bis zum 15. Mai d. Js. wieder hierher zu senden.

Schlüchtern, den 27. Januar 1917.

Königl. Krciskasse. Schade.

Durch das freundliche Anerbieten verschiedener Fa­milien, war es dem Bezirksvorstand der Vaterländischen Frauenvereine in Cafsel möglich, im vorigen Jahre $10 ehrenamtlich wirkenden Hilfsschwestern und Helfer­innen einen schönen Erholungsurlaub zu verschaffen, davon 75 aus dem eigenen Bezirk, nämlich 21 aus Cassel, 21 aus Marburg, 17 aus Hersfeld, 1 aus Fulda, 5 aus Schlüchtern und 3 aus Hanau. Ferner 16 aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden, 7 aus der Provinz Westfalen, 5 aus Meiningen, 3 aus Straß­burg, 2 aus Ostpreußen, 1 aus Dessau, 1 aus Bran­denburg.

So viel zur Kenntnis gekommen ist, sind diese Er­holungsaufenthalte zur allgemeinen Zufriedenheit ver­laufen ; die Schwestern haben sich in zahlreichen Fällen schriftlich und mündlich sehr glücklich und zufrieden ge­äußert, und sind sie neu gestärkt zu ihrer schweren, verantwortlichen Arbeit zurückgekehrt. Aber auch die Quartiergeber, deren Aufgabe in der Kriegszeit wirt­schaftlich sehr erschwert war, haben sich anerkennend über ihreEinquartierung" geäußert.

^ Allen diesen freundlichen Quartiergebern spricht der

Auch in diesem Jahre tritt er mit der Bitte heran? möglichst zahlreiche Adressen von Familien anzugeben, die bereit sind erholungsbedürftige Schwestern für die Zeitdauer von etwa 2 bis 4 Wochen bei sich aufzu- nehmen. Es handelt sich wieder in erster Linie um ehrenamtlich wirkende Hilfsschwestern und Helferinnen vom roten Kreuz und um erholungsbedürftige Etappen- schwestern.

I Ich bitte die Familien, welche so freundlich sein wollen erholungsbedürftige Schwestern bei sich aufnehmen zu wollen, mir dieses bis zum 12. dieses Monats mit- teilen zu wollen, auch den Monat, die Zeitdauer und

| Im Schatten der Ueterpaussfetlung.

Roman von Hermann Gerhardt. 62

. 25. Kapitel.

Dichter und immer dichter wirbelten die Schneeflocken, fodaß die Schlitten Mühe hatten, sich durch die lockere, weiche Masse hindurchzuarbeiten und das Schellenge­läute in der feuchtschweren Luft nur gedämpft erklang. Alle Geräusche des geschäftigen Straßenlebens waren verstummt; lautlos wie Geister wandelten die Men­schen aneinander vorüber. Es war, als habe sich Pe­tersburg in eine Stadt der Toten verwandelt.

B Im Wartezimmer der Präfektur schüttelten die Leute sich den Schnee von den Kleidern und stampften ihn sich von den Stiefeln. Binnen kurzem war der Raum mit einer bunt zusammengewürfelten Menge angefüllt. Sol- Daten in Uniform, Kauflente in ihren Pelzen, Juden ln ihrer eigenartigen Tracht; dazwischen hier und da «in weiblicher Wesen. Auf allen Gesichtern prägte sich eine gewisse Spannung au«, und erwartungsvoll slo- gen die Blicke nach der verschlossenen Tür, die zum "Ubienzzimmer führte.

Schon war die Uhr fünf Minuten nach neun, und Doch war keiner der Bittsteller vorgelassen worden, ob» der Polizeipräfekt sonst immer von neun Uhr an V sprechen ivar.

An der Schmalseite eines langen, mit grünem Tnch Hf-ogenen Tisches, auf dem Schreibmaterialien und Pa- O'er lagen, stand der Stuhl des Gewaltigeu. Znr Rech- MDesselben saß bereits, an irgend einer provisorischen Mrbeit beschäftigt, Litschkoff. Weiter hinten, eifrig kritzelnd, paar Schreiber.

Fetzt war eS ein Viertel auf zehn, ein noch nie da- gewesener Fall 1 Da plötzlich flog eine Tür im Hin- Lklgri^ld« auf, und der große Mann trat ein. In seiner

die Art der Schwester (Helferin, ^Hilfsschwester oder Etappenschwester) angeben zu wollen.

Trotz der immer schwieriger werdenden Lebens- mittelverhältnisse, hoffe ich doch, daß sich einige Familien finden werden, die den Schwestern die so notwendige Erholung bieren können.

Frau von Trott zu Solz

Vorsitzende des Vaterländischen Fraueuvereius.

Politische Uebersicht.

Das Verdienstkreuz für Arbeiter.

Zur Verleihung des Verdienstkreuzes an Arbeiter und Arbeiterinnen fand in einem Saale des Kriegs­amts in Berlin eine erhebende Feier statt. Die Aus- zuzeichnenden, darunter eine 64 jährige Frau und ein 70 jähriger Mann, erhielten das Kreuz von Exzellenz Groener persönlich überreicht. Exzellenz Groener richtete an die Ausgezeichneten eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Bei jedem Hammerschlag und bei jeder Beweg­ung, die Sie ausführen, müssen Sie sich innerlich sagen: Fürs Vaterland." Er wies auf die Gefahr hin, die unserem Vaterlande, vor allem der Arbeiterschaft drohe, wenn wir diesen Feldzug nicht gewönnen, und daß es daher nötig sei, daß das Feldheer durch die intensivste Arbeit des Heimatheeres bis zum Aeußersten unterstützt werde. Ausgezeichnet wurden Angehörige großer, mitt­lerer und kleinerer Betriebe aus dem gesamten Groß- Berlin. Man hatte die Firmen vor einiger Zeit durch die Kriegsamtsstelle in den Marken aufgefordert, je einen bewährten Arbeiter und eine Arbeiterin vorzu- schlagen. Das Verdienstkreuz ist ein achtspitziges Kreuz aus grauem Kriegsmetall, hat auf der Vorder­seite die Inschrift:Für Kriegshilfsdienst" und auf der Rückseite den gekrönten Namenszug des Kaisers. Das Kreuz wird an einem weißen, sechsmal schwarz gestreif­ten Bande mit rotem Vorstoß getragen. In der Or­densreihe hat es seinen Platz hinter der Rettungs- medaisse, doch vor de« Ord^n Ut Eo^?' ^K asto eine hohe Ällszeltyuuug. tes wnu -

Ranges und Standes Männer und 'Frauen damit 1>e- dacht werden, die sich bei dem vaterländischen Hilfs­dienst jeder Art besonders ausgezeichnet haben.

Französische Rekrutierungssorgen.

Nach Besprechung mit Unterstaatssekretär Besnard und im Einvernehmen mit der Regierung setzte der französische Hecresausschuß der Kammer betreffs des Nachmusterungsantrages fest, daß nur die vor dem Krieg zurückgestellten, für untauglich Befundenen nach­gemustert werden sollen. Die Ausgemusterten sollen die gleiche Zahl Mannschaften der ältesten Jahrgänge

knappen Uniform, mit Reitstiefeln und Sporen, das Ge­sicht vom scharfen Ritt gerötet, überflog sein scharfes Auge den ganzen Raum, dann setzte er sich.

Allein der Seitenblick, mit dem Litschkoff seinen Chef gestreift, hatte dein Sekretär einen ungewöhnlichen Aus­druck in dessen Zügen verraten; eine Vertiefung der Falte zwischen den Brauen, ein Nüstern der Nasen­flügel, ein unruhiges Flackern in den stahlgrauen Au­gen ; das alles deutete auf eine innere Erregung, die aber nur den Eingeweihten bemerkbar ward.

Auf ein Glockenzeichen des Präfekten öffnete ein blau» uniformierter Beamter die Tür und ließ den ersten Bitt­steller, einen Juden, eintreten.

Mit der Unterwürfigkeit seiner Rasse blieb derselbe auf der Schwelle stehen, den Kopf gesenkt, die Hände über der Brust gekreuzt. 9hm befahl ihm der Präfekt näher zu treten und ohne Zeitverlust sein Anliegen vor- zubringen.

Es handelte sich um den Erlaubnisschein zu einem Hausierhandel außerhalb der Stadtgrenzen. Mit zittern­den Fingern überreichte der Jude seine Papiere. Sie mürben mit raschem Blick überflogen und dem Besitzer mit dem ^Bemerken zurückgegeben, daß er sich binnen 3 Tagen wieder dorthin zu begeben habe, von wo er gekommen anderenfalls eine empfindliche Geldstrafe ober Gefängnisstrafe zu gewärtigen sei.

Der arme Hebräer begann mit hochgehobenen Hän­den eine bedenkliche Klage, aber der Präfekt griff be­reits nach der Glocke und der nächste Bittsteller erschien.

So vergingen ein paar Stunden. Einer um den an­deren marb oorgelaffen, angehört und abgefertigt; man­cher unter ihnen trat den Heimweg durch den tiefen, weichen Schnee schweren Herzens und bitteren Ange­sichts an; mancher auch diese freilich waren sehr in der Minderzahl I mit frohem Mut und elastischem Schritt.

Die wartende Menge war auf nur wenige zusam- mengeschmolzen. Sie hatte seinen neuen Zuwachs mehr

der Front ersetzen, welche im Landesinnern für Landes- verteidigungszwccke beschäftigt werden sollen.

Im Kouserenztaumel.

Demnäck t wird in Petersburg eine Konferenz der Alliierten startfinden. Die Regierungen werden hierbei durch ihre Botschafter und durch besondere Abgesandte vertreten sein. Diese Konferenz ist bestimmt, die bisher in den anderen Städten abgehaltenen fortzusetzen mit dem Zwecke, durch Uebereinkommen die kräftigsten Mit­tel zur Fortsetzung des Krieges festzustellen und die Aus- nützung aller für die Alliierten verfügbaren Hilfsmittel aufs wirksamste zu regeln. Wenn mit Konferenzen Kriege zu gewinnen wären, hätten die Alliierten längst den Sieg errungen. Sie sind von einem wahren Kon­ferenztaumel erfaßt.

Opfer des Erdbebens.

Das holländische Kolonialdepartement erfährt vom Generalgouverneur von Niederländisch - Ostindien, daß bei dem Erdbeben auch in Bali nach den bisherigen Angaben beinahe 800 Personen getötet oder verwundet worden sind.

Die Tapferen in Deutsch-Ostafrika.

Unsere Schutztruppe in Deutsch - Ostafrika steht un­besiegt im Heldenkampf gegen eine überwältigende Uebermacht. Ganz Deutschland blickt mit Stolz auf das Häuflein Getreuer fern von der Heimat, wo es für deutsche Ehre und deutsches Ansehen ficht. Dem Dank und dem Stolz seines Volkes gab der Kaiser jetzt in hochherziger Weise Ausdruck. Seine Majestät hat an­läßlich seines Geburtstages an den Staatssekretär des Reichskolonialamtes nachstehende Order gerichtet: Seit dreißig Monaten steht die Schutztruppe für Deutsch- Ostafrika abgeschnitten von jeder regelrechten Verbindung mit der Heimat in ununterbrochenem Kampf gegen einen an Zahl und Kampfmitteln weit überlegenen Gegner. In tropischem Klima kämpfend und nur mit den einfachsten Mitteln versehen, hat die Schutztruppe * »«Her i^m » ?imiewi Atvmu-^ sH^EBt, die den Leistungen der Srreükt V.? M der Heima: wür­dig zur Seite stehen. Unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen hat sie in zahlreichen Schlachten und Ge­fechten die gegen das Schutzgebiet aufgestellten englischen, belgischen und portugiesischen Streitkräfte geschlagen und den Krieg lange Zeit in feindliches Gebiet getragen. Im weiteren Verlaufe der Kämpfe hat sie jeden Fuß breit deutschen Boden erst nach zähester Gegenwehr überwältigender Uebermacht überlassen, und heute noch schirmt sie die deutsche Flagge in Ostafrika. Welches Schicksal Gott der Herr auch der kleinen Heldenschar beschieden haben mag, das Vaterland gedenkt mit stol-

erhalten, als zngnterletzt noch eine Frau eintrat, die es nicht der Mühe wert zu halten schien, den Schnee von ihren Kleidern abzuklopfen, sondern sich ohne wei­teres auf einer Baut niederließ.

Sie ivar anständig und ganz in Schwarz gekleidet; ein langer Mantel, mit einer Kapuze versehen, deckte ihren Kopf und hüllte ihre ganze Gestalt ein, und ein dichter Gazeschleier ließ ihre Züge nicht erkennen.

Sie lehnte sich mit dem Kopf gegen die Wand; ihr Atem ging keuchend und ab und zu stieß sie einen kur­zen, trockenen Husten aus. Ein alter Bauer, der wobl Mitleid empfand, trat zu ihr und bot ihr seinen Mag am Ofen an ; aber sie schüttelte ablehnend den Kop?

Inzwischen wurde einer der Wartenden nach dem andern erledigt, und sie blieb allein. Bisher hatte sie sich weder gerührt noch ein Wort gesprochen ; jetzt rich­tete sie sich auf, ging an eins der Fenster, zog einen Gegenstand aus der Tasche, betrachtete ihn und steckt« ihn wieder ein. Darauf zog sie ein zusammengefalteteS Papier hervor, welches sie in der Hand behielt.

Draußen hatte es aufgehört zu schneien, aber schwere Wolkenmassen verdüsterten den Himmel und verur­sachten eine eigentümlich fahle Beleuchtung des Warte­zimmers und seines Insassen. Die Frau stellte sich in die Nähe der Tür und wartete, bis sie gerufen würde. In der lautlosen Stille klang ihr pfeifendes Atmen be­ängstigend laut.

Endlich ging die Tür auf. Ein Mann eilte an ihr vorbei und der Portier deutete ihr an, einzutreten. Sie stand vor dem Präfekten.

Er schrieb gerade und sie hatte Zeit, ihn sich an- zusehen. Die unsichere Beleuchtung verlieh seinen Zü­gen etwas Scharfes, Düsteres, wie aus Stein Gemei-

Im Moment, da er Litschkoff das Schriftstück reichte, das er unterzeichnet hatte, prasselte ein Hagelschauer S^LÄdi« Fensterscheiben. 231,18*