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mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wochenbcilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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M 5.Mittwoch, den 17. Januar 1917. 68. Jahrgang.
Der Kaiser an das deutsche Volk.
Großes Hauptquartier, 12. Januar (W. B. Amtlich.)
An das deutsche Volk!
Unsere Feinde haben die Maske fallen lassen. Erst haben sie mit Hohn und heuchlerischen Worten von Freiheitsliebe und Menschlichkeit unser ehrliches Friedensangebot zurückgewiesen. In ihrer Antwort an'die Vereinigten Staaten haben sie sich jetzt darüber hinaus zu einer Eroberungssucht bekannt, deren Schändlichkeit durch ihre verleumderische Begründung noch gesteigert wird.
Ihr Ziel ist die Niederwerfung Deutschlands, die Zerstückelung der mit uns verbündeten Mächte und die Knechtung der Freiheit Europas und der Meere unter dasselbe Joch, das zähneknirschend jetzt Griechenland trägt.
Aber was sie in dreißig Monaten des blutigsten Kampfes und des gewissenlosesten Wirtschaftskrieges nicht erreichen konnten, das werden sie auch in aller Zukunft nicht vollbringen.
Unsere glorreichen Siege und die eherne Willenskraft, mit der unser kämpfendes Volk vor dem Feinde und das daheim jedwede Mühsal uub Not des Krieges getragen hat, bürgen dafür, daß unser geliebtes Vaterland auch fernerhin nichts zu fürchten hat. Hellflammende Entrüstung und heiligster Zorn werden jeden deutschen Mannes und Weibes Kraft verdoppeln, gleichviel, ob sie dem Kampf der Arbeit oder dem opferbereiten Dulden geweiht ist.
Der Gott, der diesen herrlichen Geist der Freiheit in unseres tapferen Volkes Herz gepflanzt hat, wird uns und unseren teueren sturmerprobten Verbündeten auch den vollen Sieg über alle feindliche Machtgier und Vernichtungswut geben.
Wilhelm I. R.
Politische Uebersicht.
Falsche Feindeshoffnungen.
Daß die ewigen Siegesprophezeiungen und Vertröstungen in Frankreich nicht mehr verfangen, beweist ein temperamentvoller Artikel von M. de Waleffe, der in der „Action" ausführt: Das Jahr 1917 werde noch schwerer als die beiden vorhergehenden Jahre sein; aber in seinem Hintergründe schimmere der Sieg. Allerdings sei der Weg zu diesem Ziel hart. Man Hütte ihn vermeiden können durch Annahme des deutschen Friedensangebotes, das Frankreich das Leben gelassen, aber Ehre, Geld und Freiheit genommen hätte. Man habe abgelehnt, weil 1917 die Aussicht auf den Sieg bringe. Frankreich besitze weder die Bevölkerung noch die Geburtenziffer, um einen unbegrenzten Aderlaß ertragen zu können. Es liege nicht in seiner Art, die Verbündeten für sich kämpfen zu lassen, außerdem sei das durch die geographische Lage ausgeschlossen. Frankreichs Entscheidung gründe sich also auf einen raschen Sieg. Die Hoffnung werde durch die sinkende Moral des Gegners gerechtfertigt. Um dieses zu beobachten, sei ein guter Nachrichtendienst in denWeutschland benachbarten neutralen Ländern nötiger als je. Man müsse hoffen, daß die Regierung nicht wieder Agenten ohne Sprkchkennt- nisse und ohne hinreichende Geldmittel hinausschicken werde. Frankreich wolle sich nicht blind schlagen, sondern im Vertrauen auf diejenigen, die zur Voraussicht berufen seien. Wehe denen, die etwa in einem Jahre bekennen müßten : „Wir waren falsch über Deutschland unterrichtet, aber diesmal sind unsere Nachrichten sicher. Der Sieg wird 1918 eintreten!" — Da wir Deutschen ganz genau wissen, daß alle die Voraussetzungen nicht zutreffen, die der Franzose hier macht, da wir wissen, daß es den Gegnern nie gelingen wird, uns eher zu erschöpfen, ehe sie selber ausgeblutet sind, so haben wir wahrhaftig allen Grund, mit trotziger Zuversicht in die : Zukunft zu blicken. Wir unterschätzen ihre Schwere nicht, aber wir wissen, daß sie uns nach heißem Ringen den deutschen Sieg bringen wird.
Der Kampf der Titanen 1917.
I Unser Kaiser hat seinen Soldaten in seinem letzten ? Erlaß kundgegeben, daß der Feinde Haß und Verblendung nicht den Frieden will und deshalb den Kampf d Und den weiteren Krieg haben wird. Unser Kaiser weiß, «daß seine Soldaten und sein Volk ihn verstanden und ßMtt ihm entschlossen sind zu schwerstem Kampfe bis ans Ende. Unsere Feinde haben es nicht anders gewollt.
Auch die Neutralen fühlen, daß jetzt, tritt nicht noch
ein unvorhergesehenes Ereignis in den Weg, der Krieg vielleicht erst in sein ernstestes Stadium treten wird, auch für die Neutralen. So schreibt das Amsterdamer „Handelsblad":
Es beginnt jetzt eine noch schlimmere und furchtbarere Zeit, auch für die Neutralen. Kräftiger als je werden die Maßnahmen sein, die von beiden Seiten getroffen werden, um dem Schicksal den entscheidenden Sieg abzuringen. Kräftigere Maßnahme als je werden zu Land wie zur See getroffen, um einen Sieg zu erreichen, und sie werden durch Blockade und Vernichtung des Handelsverkehrs unterstützt. Was nun folgt, ist ein Titanenkampf von 14 Nationen, die sich und alle ihre Mittel aufs äußerste anstrengen werden. Außer dem scharfen Schwerte des Krieges wird jetzt auch das des Hungers in allen Ländern mitkämpfen. Unfreiwillig werden die neutralen Staaten immer tiefer in die Schwierigkeiten verwickelt werden, und die, die Gegner des Friedens gewesen sind, auch in unserem Lande werden die Folgen hiervon spüren, wenn nicht persönlich, so doch durch ihre Umgebung. Es wird sehr schwierig sein zu leben, und schwierig wird auch die Fortsetzung jeder regelmäßigen Arbeit sein. Das sind aber Kleinigkeiten verglichen mit den großen Katastrophen, die man auf den Schlachtfeldern zu Lande und zur See erwarten kann. Weshalb konnten, sagt das Amsterdamer Blatt am Schluß seiner Betrachtungen, Verhandlungen nicht zustande kommen, die diesen für die Menschheit so entehrenden Abschlachtungen ein Ende machen konnten? — Die Antwort darauf werden die Holländer nur aus London und Paris erwarten dürfen. Wir hatten alles getan, dem Blutvergießen und der Not der Völker ein Ende zu machen.
Reichsgetreide jetzt und später.
Vom Unterstaatssekretär Michaelis.
Vorsitzender des Direktoriums der Reichsgetreidestelle.
Wir verbinden unwillkürlich mit dem Gedanken des Friedensschlusses die Hoffnung auf Wiederherstellung der wirtschaftlichen Zustände, wie sie vor dem Kriege waren. Die zwangsweise Erfassung und Verteilung der wichtigsten Lebensmittel ist eine große Last. Wir sind gründlich von dem Gedanken geheilt, daß durch eine staatliche Verteilung der Lebensmittel gerechte Zustände herbeigeführt werden. Jede Rationierung von Lebensmitteln trägt die Gefahr der Ungerechtigkeit in sich. Die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse ist nicht bis zum letzten möglich. Selbst wenn wir uns bemühen, gerecht abzustufen, den Schwerarbeitern und der Heranwachsenden Jugend mehr zu geben als der anderen Bevölkerung, wenn wir den Unterschied zwischen Stadt und Land machen und die Selbstversorger etwas besser stellen als die vom Staate versorgten: es bleiben stets Ungerechtigkeiten; der eine bekommt für seinen Bedarf zu wenig, der andere hat übrig. Dazu kommen nun all die den gewöhnlichen Sterblichen unverständlichen Folgen der rückhaltlosen Erfassung aller Bestände. Es wird dem Landwirt unverständlich bleiben, warum ihm auch das minderwertige, das feuchte, das ausgewachsene, das zerschlagene Getreide genommen werden muß, das doch in FriedenSzeiten ohne weiteres dem Vieh gegeben wird, und warum er statt dessen teuere andere Futtermittel kaufen muß. Die Landwirte werden stets darunter leiden, daß sie alles Getreide, das sie nicht selbst verzehren, abliefern und damit die hiervon gewonnene Kleie aus der Hand geben müssen usw. Und trotzdem sind diese Maßnahmen zur Durchführung des gesamten Ver- sorgungsplaneS unbedingt nötig.
Nun besteht wohl allgemein die Hoffnung, daß, wenn der Friede kommt, all diese Unnatürlichkeiten beseitigt werden, daß die Knappheit der Portionen aufhört und daß jeder wieder so viel kausen und verzehren kann, wie er will. Diese Hoffnung ist leider eine trügerische. Wir werden damit rechnen müssen, daß wir für eine geraume Zeit, vielleicht für mehrere Jahre, mit einer weiteren Beschränkung des Verbrauchs und einer Rationierung der wichtigsten Lebensrnittel uns abfinden müssen. Deutschland wird auch in den kommenden Frtedensjahren zunächst fast ausschließlich auf das angewiesen sein, was in seinen eigenen Grenzen an Lebensrnitteln hergestellt wird. Hieran werden in erster Linie unsere Handels- unb WährungSverhältnisse schuld sein. Der Schiffsraum zur Einfuhr ausländischen Getreides wird außerordentlich knapp sein und wird für den Import anderer nötiger Rohstoffe in Anspruch genommen werden. Die Ver
schlechterung unserer Valuta wird uns nötigen, so wenig wie möglich aus dem Auslande zu importieren und daS ganze Streben darauf richten, die Ausfuhr zu steigern. Dabei ist noch nicht in Rechnung gezogen, inwieweit durch unfreundliche Zusammenschlüsse unserer Feinde auch über die Kriegszeit hinaus Schädigungen unseres Grenz- Verkehrs eintreten. Dazu kommt aber auch, daß in allen Nachbarländern und auch in Amerika die Ernten sehr zurückgegangen sind und daß in allen unseren Nachbarländern nach Schluß des Friedens eine gewaltige Knappheit der Lebensrnittel — wenn nicht gar eine Not — herrschen wird. Es wird sich das merkwürdige Bild enthüllen, daß Deutschland, das von seinen Feinden ausgehungert werden sollte, schließlich in seiner Versorgung mit den wichtigsten Lebensmitteln, insbesondere mit Getreide, das relativ am besten versorgte Land sein wird.
Wenn Deutschland aber somit im wesentlichen auf sich angewiesen sein wird, dann wird — selbst wenn die für uns nutzbaren Flächen noch durch besetzte Gebiete vergrößert werden — eine Knappheit an Brot- und Futtergetreide und damit auch an Fett bei uns herrschen. Deutschland ist schon unter normalen Verhältniffen nicht in der Lage, das nötige Brot- und Futtergetreide selbst zu produzieren. Die Ernte kann schon bei vollem Ergebnis nur dann reichen, wenn rationiert wird. Nun ist aber durch die gegenwärtige Kriegswirtschaft die Lebensfähigkeit der deutschen Landwirtschaft nicht unerheblich verringert. Es ist zwar dankenswerterweise geschehen, was geschehen konnte. Die Zurückgebliebenen haben mtt Aufbietung aller Kräfte gearbeitet; aber die Einschränkung der Zahl der Landarbeiter, insbesondere der eigenen Wirtschafter, die Beschränkung in der Belieferung mit künstlichem Dünger, die Rehinderung 8er lanbwirtf^aft- lichen Maschinen wegen Stockung der Kohlentransporte usw. haben doch eine derartig hemmende Wirkung auf die Produktion ausgeübt, daß wir mit vollen Ernten — selbst bei durchweg günstigem Wetter — nur nach Ablauf mehrerer Karenzjahre werden zu rechnen haben.
Es wird also auch nach dem Frieden nötig sein, den Riemen eng geschnallt zu halten. Wir werden weiter scharf rationieren müssen, und wir werden bis über den Bäcker hin den Konsum zu regeln haben. Erleichterungen werden erst allmählich ein treten und werden dann mit großer Befriedigung entgegengenommen werden. Man muß aber den Gedanken mit vollem Ernst erfassen daß zunächst wegen des Friedensschlusses eine Erleichterung auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung — soweit es sich wenigstens um die Massengüter handelt — nicht eintreten wird. Der Schnsuchtsruf „Gebt uns Frieden, gebt uns mehr Brot!" hat seine innere Be- grüdung. Dessen müssen wir uns bewußt bleiben und nicht wegen des Mangels, unter dem wir leiden, nach Frieden schreien. Nein, sondern das Unvermeidliche tragen ; sich gegenseitig helfen mit voller Selbstentsagung, die Kräfte bis zum äußersten anspannen, um die Güter zu schaffen, die Deutschland hervorbringen kann, und im übrigen volles Vertrauen zu Gott und unserer gerechten Sache haben. Das ift's, was not tut.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 17. Januar 1917.
—* Herrn Lehrer König von hier wurde aus Anlaß seiner Zuruhesetzung der Kronen-Orden 4. Klasse verliehen.
—* Am Sonntag, den 14. Januar hatte Herr Bahnhofsvorsteher Six und Herr Unterassistent Morgenstern von Bahnhof Schlüchtern die Eisenbahner in den Hessischen Hof zu einer Versammlung betr. Gründung eines Kleintierzuchtvereins eingeladen. Als Gründer des Vereins haben sich über 50 Eisenbahner durch Unterschrift bereit erklärt. Der Verein wurde gegründet unter dem tarnen „Kleintierzuchtverein Flügelrad" zu Schlüchtern. Zweck des Vereins ist die Förderung der Kleintierzucht unter besonderer Berücksichtigung der Bedeutung derselben in volkswirtschaftlicher Beziehung. Zur Erreichung dieses Zweckes sollen regelmäßige Versammlungen, Wanderversammlungen, gemeinsames Eintreten für bestmöglichste Verwertung gezüchteter Tiere usw. dienen. Die anwesenden Mitglieder wählten einstimmig Herrn Morgenstern zum Vorsitzenden des Vereins und als Vereinslokal den „Hessischen Hof" zu Schlüchtern.
—* Anmeldung neuer Fernsprechanschlüsse. Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zeit