mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
Telefon 65. :: Postscheckkonto Frankfurt a. M 11402 :: Telefon 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Arsisblatt" vierteljährlich 1,50 Mk. — Anzeigen festen Sie klein« Zeile oder deren Raum 12 pfg
K 4. Samstag, den 13. Januar 1917. 1'8. Jahrgang.
Amtliches
J.-Nr. 13815. Der Ortsbrandmeister Wagner Johannes Iahn zu Hintersteinau ist zum Bezirksbrandmeister für den 5. Feuerwehr-Bezirk, umfassend die Gemeinden Hintersteinau, Kressenbach, Reinhards und Wallroth ernannt worden.
I Schlüchtern, den 8. Januar 1917.
Der Königliche Landrat: von Trott zu Solz.
Nr. V. I. 1970/11. 16. K. R. A.
Vetr. Bekanntmachung V. I. 354 6. 16. K. R. A.
1. Nach § 5 Absatz 2 Satz 3 der Bekanntmachung V. I. 354/6. 16. K. R. A. betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung der Fahrradbereifungen (Einschränkung des Fahrradverkehrs) vom 12. 7. 1916 ist im Falle der Nichtgenehmigung des Antrages aus Erteilung der Erlaubnis zur Benutzung gummihaltiger Bereifungen die (Radfahrkarte von der Polizeibehörde zurückzuhalten. (Da jedoch nach den landespolizeilichen Vorschriften jeder Radfahrer, mithin auch derjenige, der nicht beschlagnahmte Bereifungen (Ersatzbereifungen) benutzt, im Be- sitze einer Radfahrkarte sein muß, so wird ergcbenst um Anweisung an die zuständigen Polizeibehörden ersucht, Besitzern von Rädern mit Ersatzbereifung die Karte wieder zurückzugeben. Vor Aushändigung ist die Karte jedoch mit einem besonderen Stempelaufdruck: „Berechtigt nur zur Benutzung gummiloser Fahrradbereifung" zu versehen.
Berlin, den 16. Dezember 1916.
Kriegsministerium
Kriegsamt.
*
*
*
Nr. 96. Die vorstehende Verfügung wird den Ortspolizeibehörden zur Beachtung mitgeteilt.
Schlüchtern, den 6. Januar 1917.
M Der Königliche Landrat. J. V.: Schultheis.
Il b. 14 542 M. f. H.
J.-Nr. I. A I e 14 422 M. f. L.
VI b. 1366 M. d. I.
Ausfnhruugsauweisung zur Bekanntmachung Über Pferdefleisch vom 13. Dezember 181«
(R.-G.-Bl. S. 1357).
00
Die Befugnis zur Festsetzung niedrigerer Höchstpreise Pferdefleisch gemäß § 2 der Verordnung und die Befugnis zur Regelung des Verkehrs und Verbrauchs sowie zur Vereinigung von Kommunalverbänden und Gemeinden für die Zwecke der Regelung gemäß § 3 Abs. 3 der Verordnung wird den Regierungspräsidenten, für Berlin dem Oberpräsidenten, übertragen.
Kommunalverbände sind die Stadt- und Landkreise. Wer als Gemeinde anzusehen ist, richtet sich nach den Gemeindeverfassungsgesetzen. Gutsbezirke stehen den Gemeinden gleich.
Berlin, den 29. Dezember 1916.
Der Minister für Handel und Gewerbe.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
Der Minister des Innern.
II b. 14 718 M. f. H.
I.- Nr. I. A. le 14 466 M. f. L.
VI b. 1417 M. d. I.
Anordnung der Landeszentralbehörden.
Die den Landeszentralbehörden nach den Bekannt- machungen des Reichskanzlers über die Regelung des Verkehrs mit ausländischer Butter und über den Ausgleich der Preise für inländische und ausländische Butter vom 4. und 13. Dezember 1915 (R.-G.-Bl. S." 801 und 816) zustehenden Befugnisse übertragen wir hiermit auf die Landesfettstelle in Berlin.
Soweit es nach Abs. 3 der Ergänzung vom 15. Dezember 1915 (H.-M -Bl. S. 393) zu der Anordnung der Landeszentralbehörden vom 8. Dezember 1915, betreffend die Regelung des Verkehrs mit ausländischer Butter usw., der Genehmigung der unterzeichneten Minister bedarf, erfolgt diese nunmehr durch die Landesfettstelle.
Berlin, den 31. Dezember 1916.
Der Minister für Handel und Gewerbe.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
Der Minister des Innern.
I.- Nr. 182. Die Herren Vorsitzenden der Schul- vorstände werden auf die gewissenhafte Beachtung der Verordnung des Herrn Reichskanzlers vom 11. Dezember 1916 betr. die Ersparnis von Brennstoffen und Beleuchtungsmitteln, (Kreisblatt Nr. 101 vom 20. Dezember 1916, J.-Nr. 13227) hingewiesen.
Schlüchtern, den 11. Januar 1917.
Der Königliche Landrat.
Schultheis.
I.- Nr. 309. Die Königliche Regierungs-Hauptkaffe zu Cassel ist angewiesen worden, die den Lehrpersonen des Kreises Schlüchtern zustehenden einmaligen Teuerungszulagen durch Vermittelung der hiesigen Königlichen Kreiskasse auszuzahlen.
Schlüchtern, den 12. Januar 1917.
Der Königliche Landrat. I. V.: Schultheis.
Die Einzahlung der in den Monaten Oktober, November und Dezember d. Js. (1./10. 16—30 /12. 16) fällig gewordenen Krankenversicherungsbeiträge wird
hiermit in Erinnerung gebracht.
Rückstände müssen, mit Rücksicht auf den Jahresabschluß der Kasse, bis Ende Januar 1917 sämtlich eingezogen sein.
Diejenigen Herren Arbeitgeber, die noch im Besitze der für 1916 geltenden namentlichen Auszüge sind, werden ersucht, solche umgehend zur Eintragung der Beiträge hierher einzusenden.
Die Hebetermine finden statt:
1. in Salmünster, für Salmünster und Ahl am: Mittwoch, den 17. Januar 1917 von morgens 8 Uhr bis mittags 11 7, Uhr in dem Gasthause „Zum Engel" daselbst.
2. in Soden, für Soden, Romsthal, Eckardroth, Ker- bersdorf und Wahlert ebenfalls am: Mittwoch, den 17. Januar 1917 von nachmittags 1 Uhr bis 47., Uhr in der Zehner'schen Gastwirtschaft daselb'ff 3. in Steinau, für Steinau und die umliegenden ^Ortschaften am: Sonnabend, den 20. Januar 1917 pon nachmittags 1 bis 4'/, Uhr in der Eckart'schen Gastwirtschaft daselbst.
4. in Sterbfritz, für Sterbfritz und alle naheliegenden Orte am: Mittwoch, den 24. Januar 1917 vormittags von 8 bis 1074 Uhr in der Böhm'schen Gastwirtschaft daselbst.
Die Quittungsbücher und Karten ersuchen wir bei der Zahlung vorlegen zu lassen. Die Herrn Bürgermeister bitten wir im Interesse aller Zahlungspflichtigen ihrer Gemeinde, dieses wiederholt ortsüblicherweise bekannt machen zu lassen. Besonders dürfte sich für die Orte Steinau, Salmünster, Soden und Sterbfritz eine Bekanntmachung an den Hebetermintagen sehr empfehlen.
Schlüchtern, den 20. Dezember 1916.
Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkaffe.
Politische Uebersicht.
Gleiches Recht.
Die Behandlung der deutschen Gefangenen in England und Frankreich wird von Tag zu Tag schlechter. Die Einzelheiten, die wir jetzt über die Leiden erfahren, denen unsere braven Kämpfer in Gefangenschaft ausgesetzt sind, spotten jeder Beschreibung. Vergeltungs- maßnahmen in gleicher Scheußlichkeit vermöchte kein Deutscher zu üben. Ja wir haben das Gefühl, daß der Deutsche, unter dem Gesichtswinkel der ausgleichenden Gerechtigkeit, seine Gefangenen nur allzu gut behandelt. Das wird bei unseren Feinden aber nur mißverstanden. Auf gleiches Recht, auf mehr hat der gefangene Franzose und Engländer keinen Anspruch.
Im Schatten
I der ^eterpautsfestung.
Roman von Hermann Gerhardt. 50
. »Hüten Sie sich!" rief er aus. „Ich liebe Sie, und »meine Liebe kann zwar langmütig sein, aber sie kann auch zur Raserei werden. Vergessen Sie nicht, daß Sie § 91 meiner Gewalt sind; wenn Sie mich znr Verzweiflung ~ 8treiben, müssen Sie die Folgen auf sich nehmen!"
W Da sank Margarete auf einen Stuhl; all ihr Mut Ilvar verflogen und sie erbebte unter dem Blick dieser
» »schrecklichm Augenk Flehend faltete sie die Hände.
j »Haben Sie denn gar kein Herz? Ganz nnd gar schlecht hat doch Gott keines seiner Geschöpfe erschaf- § sem Auch Sie hatten einst eine Miltter —
3 I „Die mich verlassen konnte!" unterbrach er sie und 5. z lachte bitter.
2, „Weil sie Sie vor dem Hungertode bewahren wollte! Z ganz sicher, so muß es gewesen sein! Sie hat Sie
£ Welt gebracht, hat Sie lieb gehabt, und hat sich dennoch von Ihnen getrennt, um Ihnen ein besseres H Los zu verschaffen!"
As Birnleff schien gerührt. Sie nahm es lvahr und nutzte ä / stme weichere Regung aus.
, »Um Ihrer Mutter und um Ihrer eigenen Kinder % Ifallen; stur Ihrer Tochter willen, die mich lieb hat, be- 3 sästvöre ich Sie, haben Sie Erbarmen mit uns, geben uns die Freiheit wieder!"
'S / ~ Bei der Erwähnung seiner Tochter belebten sich des 3 ( täfelten Züge.
I _ »Meine Tochter ist es ja gerade, deretivegen ich Sie 8 überreden niüchte!" sagte er. „Sie ist Ihnen aufs H wärmste ergeben; wenn Sie sie verlassen, wird Sie nu- | glücklich sein. In Ihrer Blacht steht es andererseits, sie »unbeschreiblich glücklich ^u machen. Und mit diesem Schritt Kletten Sie nicht nur mich vor Verzweiflung, sondern
verhelfen auch Ihren« Bruder zur Freiheit. Es kostet Ihnen nur ein einziges Wörtchen. Weigern Sie sich aber dessen, so—"
Er verschluckte den Rest des Satzes unb biß sich auf die Lippen; doch aus seinem stahlharten Auge funkelte die unausgesprochene Drohung.
Margarete griff sich mit beiden Händen an den Kopf. „Mein Gott!" stöhnte sie, „könnte ich doch sterben!"
Da ließ sich Birnleff vor ihr auf die Knie fallen: „Ist es denn etwas so entsetzliches, in allen Ehren mein Weib zu werden," rief er aus, „bin ich Dir denn wirklich so verhaßt? Gleichviel, hasse mich, aber gehöre mir trotzdem an! Und ich schwöre Dir es, daß ich Dein Empfinden schonen will und daß Du es lernen wirft, mich zu lieben. Margarete, Margarete, auf den Knien bitte ich Dich: rette uns beide!"
Sie schloß einen Moment die Augen.
Schlimmer als der Tod erschieu'ihr die Alternative, dieses Mannes Weib zu werden; aber ihr blieb anscheinend kein anderer Answeg. Weigerte sie sich, dieses Opfer zu bringen, so machte ihr Bruder vielleicht nie- malS seine Freiheit wiedererlangen, und was sie selbst betraf —
Eine namenlose Angst packte sie.
„Was — was soll ich sagen?" stammelte sie.
„Birnleff, ich will Ihre Frau werden," sagte er ihr vor, unb seine Lippen zuckten.
Es entstand eine Pause. Aus Margaretes Brust entrang sich ein zitternder Seufzer, dann sagte sie langsam' und tonlos: „Birnleff ich will Ihre Frau werden."
Ein glühender Kuß bräunte aus ihrer Hand.
Aber ihr war zu Mute, als sei sie zu Stein erstarrt und seine jubelnden Worte trafen ihr Ohr, ohne Ein- druck zu machen.
„Geliebte! Mein guter Engel. Du hast mich aus der Hölle in ben Himmel empor gehoben!"
Er war aufgesprungen unb ein Schwall von Worten strömte ihm von den Lippen: „Wollte Gott, ich
hätte diesen verzweifelten Schritt nicht 311 tun brauchen! Du ahnst ja «richt, «vas es mich gekostet hatt Aber ich konnte — ich konnte Dich nicht aufgeben, Geliebte. Und nun ist alles gut, morgen mittag wird der Priester hier sein unb uns trauen. Dann soll auch Dein Bruder frei sein, ich werde mich mit ihm versöhnen und er muß mir vergeben. Er wird eS, denn er ist ein Mann und wirb mich verstehen.
Ganz überwältigt von der Tragweite des Verspre» chens, das sie gegeben und das sie nun auch halten mußte, lag Margarete stumm und regungslos in ihren Stuhl zuriickgelehut.
„Morgen wird uns der Priester trauen," wie mit feurigen Buchstaben gruben sich diese Worte ihr inl Gehirn.
„Du bist ermüdet," bemerkte Biruleff, „ich will Dich jetzt allein lassen I"
Poch einmal preßte er seine Lippen auf ihr« Hand. Dann ging er.
24. Kapitel.
Nach heftigem, aber erfolglosem Widerstände, als ihm die Schwester vor seinenAugen entführt ward, hatte Werner sich wohl ober übel ins Unvermeidliche schicken müssen. Sie hatten ihn in den Schlitten gehoben, dort saß er stumm, in wortloser Verzweiflung. Ein Gendarm nahm ihin zur Seite Platz unb ergriff die Zügel; die beiden anderen sprangen hinten auf, und fort ging es in rasendem Teinpo.
Rittberg mußte an den Präfekten denken, und an seine erheuchelte Freundlichkeit. Seine wehrlose Schwester in der Gewalt dieses gewissenlosen Menschen. Während er, ihr einziger Beschützer, im Gefängnis saß. Ihm war, als höre er ihren Hilferuf. Welchen Beschimpsnn- gen mochte sie ausgesetzt sein, seine reine, schöne, unschuldige Margaretei Je mehr er sich in ihre Lage hineindachte, desto «vilder tobte in ihm der Schmerz unb die ohnmächtige Wut. 231,18*