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^ mit amtlichem Kreisblatt

H: Telefon Nr. 65.

Postscheckkonto Frankfurt a. M- 11402.

Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt

Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65.

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Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

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Januar 1917

68. Jahrgang

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ß- Amtliches.

Die Einzahlung der in den Monaten Oktober, No- -§^vember und Dezember d. Js. (1./10. 1630 /12. 16) S s fällig gewordenen Krankenversicherungsbeiträge wird ^hiermit in Erinnerung gebracht.

«,1 Rückstände müffen, mit Rücksicht auf den Jahres­

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abschluß der Kaffe, bis Ende Januar 1917 sämtlich eingezogen sein.

_ Diejenigen Herren Arbeitgeber, die noch im Besitze ^?der für 1916 geltenden namentlichen Auszüge sind, * 6 werden ersucht, solche umgehend zur Eintragung der 3 Beiträge hierher einzusenden.

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Die Hebetermine finden statt:

1. in Salmünster, für Salmünster und Ahl am: Mitt- woch, den 17. Januar 1917 von morgens 8 Uhr bis

; mittags 11 Vi Uhr in dem GasthauseZum Engel" ; daselbst.

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? $2, in Soden, für Soden, Romsthal, Eckardroth, Ker- bersdorf und Wahlert ebenfalls am: Mittwoch,

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den 17. Januar 1917 von nachmittags 1 Uhr bis

= fe ^71 Uhr in der Zehner'schen Gastwirtschaft daselb'ff ° in Steinau, für Steinau und die umliegenden Ort-

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schasten am: Sonnabend, den 20. Januar 1917 von nachmittags 1 bis 4'/, Uhr in der Eckart'schen Gast­wirtschaft daselbst.

I. in Sterbfritz, für Sterbfritz und alle naheliegenden Orte am: Mittwoch, den 24. Januar 1917 vormit­tags von 8 bis 10s/4 Uhr in der Böhm'schen Gast­wirtschaft daselbst.

Die Quittungsbücher und Karten ersuchen wir bei er Zahlung vorlegen zu lassen. Die Herrn Bürger- Geister bitten wir im Interesse a^r Zahlungspflichngen

Iörer KMeinde, dieses wiederb - '^üblicherweise be- annt machen zu lassen. Besonders durste sich für die )rte Steinau, Salmünster, Soden und Sterbfritz eine öekanntmachung an den Hebetermintagen sehr empfehlen. Schlüchtern, den 20. Dezember 1916.

Der Vorstand

der Allgemeinen Ortskrankenkasse.

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Kummisammtung.

| Unter Bezugnahme auf unsere Veröffentlichungen vom 21. 8. und 17. 10. d. I. ersuchen mir die Herren Dürgermeister, uns bis zum 15. Januar 1917 ein Ver- eichnis der eingegangenen und an die Kautschuckstelle in Berlin abgelieferten Gummiabfälle einzureichen.

Wir bemerken noch ergebenst, daß den Gummiab» lieferern besondere Erinnerungsmünzen, die hier ange­fordert werden können unentgeltlich ausgehändigt werden. Schlüchtern, den 28. Dezember 1916.

Mänuerverein vom Roten Kreuz.

Zwei Jahre Durchbruchs­versuche im Vesten.

Die Erkenntnis unserer Feinde, daß es einer be­sonderen Kraftanstrengung bedürfen würde, um dem Schützengrabenkrieg" ein Ende zu bereiten führte am 1. Dezember 1914 im Hauptquartier des Generals French zum ersten Male zu einer großen Kriegsrats­tagung, an der auch Poincarö, Viviani, Joffre und König Georg teilnahmen. Dieser Kriegsrar leitete die erste jener großen westlichen Gesamtanstrengungen ein, die sich seitdem durch zwei blutige Jahre hindurch in fünf deutlich erkennbaren Abschnitten wiederholt haben, stets mit einem ungeheuren, immer sich steigernden Ein­satz an Menschenleben und Kriegsmaterial und mit dem Ergebnis eines im Verhältnis zu dem feindlichen Auf­wand fast lächerlich geringen, auf Karten großen Maß­stabes kaum erkennbaren Geländegewinns.

Fast auf der ganzen Front versuchten unsere Feinde, Engländer wie Franzosen, Offensivstöße, die allerdings für heutige Begriffe völlig unzureichend vorbereitet waren und deshalb unseren Feinden nur schwere Verluste brachten.

Die Gesamthandlung hat dem Feind bei stärksten Verlusten kaum merkbare Gewinne eingebracht. Auf dem nördlichen Ufer des Merkanals bei Rieuport konnte der Feind mit stärkeren Kräften Fuß fassen und nördlich &£ Flusses uns das Dörfchen ^ .il George? entreißen. Oestlich Souain in der Champagne ging eine noch nicht fertig ausgebaute Stellung verloren. Im Gegensatz zu diesen völlig belanglosen Gewinnen haben unsere Gegen­stöße uns an mehreren Punkten örtliche Fortschritte ge­bracht, von denen die Erkämpfung der Höhe 60, nörd­lich des Jserkanals, und die Erstürmung des Bois brüte bei Apremont besonders bemerkenswert sind.

Das Gesamtergebnis dieses ersten großen Vorstoßes unserer westlichen Feinde, der gegen Jahresschluß 1914 sein Ende erreichte, ist ein völliger Fehlschlag.

Die englisch-französische Heeresleitung mußte zu der Ueberzeugung kommen, daß eine derartige sich auf die ganze Front erstreckendeTastoffensive" gegenüber der Festigkeit unseres sich unter den Erfahrungen des örtlichen Kleinkrieges immer mehr vervollkommnenden Verteidigungssystems ein durchaus unzulängliches An­griffsmittel sei. Schon die nächste große Offensivhand-

lung trägt einen völlig anderen Charakter und läßt den Uebergang zu einem Grundsatz erkennen, der von Stunde an allen späteren Vorstößen gemeinsam ist, nämlich den Grundsatz des Durchbruchsversuchs an einer einzelnen Stelle auf verhältnismäßig schmaler Front und mit Ein­satz allerstärkster Kampfmittel.

Am 19. Februar 1915 setzten gegen die Stellungen zweier rheinischer Divisionen in der Champagne äußerst heftige Angriffe der Franzosen ein. Sechs geschlossene

Armeekorps mehr denn Frontbreite Le Mesnil Durchbruch

und noch eine weitere Division, also eine sechsfache Nebermacht stürmte gegen eine von acht Kilometern zwischen Perthes und an, mit der ausgesprochenen Absicht, den nach Vouziers zu erzwingen. Vorbereitet

und unterstützt wurde dieser Versuch durch einen Muni­tionsaufwand der Artillerie, wie er bisher im Laufe der Kriegsgeschichte noch niemals erlebt worden war. Das Trommelfeuer" trat zum erstenmal in die Erscheinung. Die zwei angegriffenen Divisionen trotzten mannhaft der Nebermacht und schlugen in Verbindung mit herange­zogenen Teilen zweier anderer Korps der dritten Armee alle Angriffe bei außerordentlichen feindlichen Verlusten siegreich ab, so daß das gewaltige französische Unter­nehmen mit einem Verlust von 60 000 Mann zusammen- brach. Unsere Stellungen wurden vollkommen behauptet und dem Feind noch zweiundeinhalbtausend unverwundete Gefangene entrissen.

Es war wohl das Bedürfnis, den schwer bedrängten Verbündeten im Osten Hilfe zu leisten, das unsere west­lichen Feinde so bald nach dem Einsatz unserer östlichen Offensive anfangs Mai 1915 zu einem neuen großen Vor­stoß veranlaßte. Im Mai 1915 setzte an der Grenze der nordfranzösischen Departements Flandern und Artois schweres feindliches Artilleriefeuer auf unsere Stellungen zivischen La Baffae und Arms ein. Am 9. Mai be­gannen sowohl aus der englischen als der französischen Front heraus Angriffe von beispielloser Heftigkeit.

Der erste Ansturm des Feindes am 9. Mai über- rannte einen Teil unserer ersten Stellungen, konnte aber dann zum Stehen gebracht werden. In den wütenden Kämpfen der nächsten Wochen, die sich bis Mitte Juni hinzogen, ist es dem Feinde gelungen, uns zur Räumung der vorgeschobenen Dörfer Ablain und Carency zu zwingen. Einen empfindlicheren Verlust erlitten wir durch das Aufgeben der Lorettohöhe, welche dem Feind nunmehr Einsicht in das Kohlenbecken zwischen Lille und Douai gewährt. Dagegen konnten die hartumstrittenen Dörfer Souchez und Neuville gehalten werden. Die feind­lichen Verluste werden auf etwa 100 000 Mann geschätzt. Das Ziel des Durchbruchs war auch nicht annähernd erreicht, wenn auch örtliche Verschiebungen erzielt worden waren.

Im Schatten der Ieterpautsfestung

Roman von Hermann Gerhardt.

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Jetzt tritt derjenige, der zuerst auS dem Schlitten ge­stiegen und die Abzeichen einer höheren Charge trägt, heran und sagt in französischer Sprache:Monsieur Ritt-

erner vor

d«g, ich habe einen Haftbefehl gegen Sie und Made­moiselle, Ihre Schwester. Hier ist er." Damit zieht er ein Mapier aus der Brusttasche und hält es W

die Augen. Aber der schiebt seine Hand beiseite.

»Ein Haftbefehl gegen nns?" schreit er außer sich vor Empörung und Schrecken.DaS ist ja unerhört! Wir sind Ausländer, deutsche Untertanen auf der Reise rmch Deutschland. Unsere Pässe sind vollständig in Ord-

NUttg.«

u®5 tut mir leid, die Herrschaften intommobieren zu Missen," gab der Beamte mit kühler Höflichkeit zurück, »aber so lautet meine Instruktion."

»Aber, was in aller Welt hat das zu bedeuten? Wir >aben unS nicht daS Geringste zu schulden kommen las» k>< Es ist mir vollkommen unfaßlich, unter welchem Aorwaude man uns verhaften will!"

»Entschuldigen Sie, mein Herr, aber bat geht mich Nichts an."

}So hat dieser gottverdammte Schurke"

»Ich rate Jhueii, seien Sie vorsichtig, Monsieur," un- erbrach »hn der Beamte;es ist nieinr Pflicht, jede An- Me meines Gefangenen gegen einen Dritten zu Proto- 1011 zu bringen! Wir halten unS auch unnötig damit

auf.«

HWenn Monsieur der Anklage, die gegen ihn vorliegt, rwt schuldig ist, so wird er bald wieder auf freien Fuß Wfftzt; für den Augenblick aber ist er mein Gefangener, Edeiiso wie Mademoiselle, seine Schwester."

4^ Erst bei diesen «Dorten scheint es Rittherg zum He»

wußtsein zu lommeit, daß auch Margarete demselben Schicksal verfallen ist, wie er selbst.

Meine Schwester!" knirschte er,eine Dame und Ausländerin? Ihr sollt sie, bei Gott, mit keinem Finger anrühren. Wer es wagt, komme ihr in die Nähe?"

Schützend legte er den Arm um die zitternde Gestalt.

Monsieur, das ist Heller Unverstand!" sagt achsel- zuckend der Beamte.Meine Jnstrnktionen sind der­art, daß ich sie unbedingt ausführen muß ; und durch Widerstand können Sie Ihre Sache nur verschlimmern. Wir würden dann genötigt sein, Gewalt anzuwenden."

Er hat recht, Werner," wirft Margarete ein, zum ersten Mal aus ihrer Apathie erwachend. Dieser letzte Schreck nach allein, was vorgegangen, hat ihre Emp­findungen vollkommen gelähmt.Wir wollen uns gut- willig fügen, da uns doch nichts übrig bleibt."

Sehr verständig von Mademoiselle," sagte der Be­amte und griff an die Mütze.

Mit schmerzlichem Stöhnen sinkt Werner auf fei«

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nett Sitz zurück.

Die Polizisten flüstern miteinander, dann wird Ritt­berg aufgefordert, den Schlitten zu verlassen. Kaum ist dies geschehen, so springt der Beamte auf nnd nimmt den leergeworbenen Platz ein, indem er dem Kutscher befiehlt, zuzufahren.

Boll Wut und Verzweiflung will Werner dem da- voneilenden Gefährt nachstürzen; da wird er an beiden Armen festgehalten, Handschellen werden ihm angelegt und er trotz heftigen Sträubens nach dem anderen Schlitten hingeschleppt.

Der erste aber jagt mit Margarete' und ihren: Be­gleiter der Stadt zu. Wie im Traum hört sie, daß er mit glatten Worten auf sie einredet, fühlt sie, wie er ihr den Mantel fester um die Schultern legt.

Dann spricht er ein paar Worte mit dem Kutscher, und dieser biegt in eine schmale Gasse ein. Bald geht eS wieder durch tiesverschneite Fahrwege; kahle Bäume recken gespenstisch ihre Riefte zum Himmel.

Margarete ist zu Mute, als wäre sie seit Stunden unterwegs. Endlich lenkt der Schlitten in eine Allee, rechts und links von dichtem Strauchwerk eingefaßt, und vor ihnen liegt im Hellen Mondlicht ein einsame» Hans.

Hier hielten sie an. Der Beamte stieg ab und klopfte energisch an die Tür; von innen öffnete jemand rasch aber behutsam, ein altes, runzeliges Weib spähte durch die Ritze. Auf einige aufklärende Worte seitens d« Beamten entschloß sie sich jedoch, die Tür weiter auf» zumachen.

In steigender Besorgnis hatte Margarete sich in» dessen umgesehen; und als ihr Begleiter jetzt zu ihr zurückkehrte, drängte sich ihr die Frage auf die Lippen: Wo sind wir ? Was ist das für ein HauS? Doch kein Gefängnis?"

Ein Arrestlokal, Mademoiselle, wo es Ihnen an nichts fehlen wird," war die Antwort.

Aber ich würde bei weitem vorziehen, dort zu sein, wo mein Bruder ist! Seien Sie barmherzig, lassen Sie mich nicht hier, bringen Sie mich nach dem Gefäng­nis, wo mein Bruder ist! flehte sie jammernd. Der Mann wandte sich ab.

Ich muß nuch genau an meine Instruktion hal­ten," gab er zurück.Erlanben Sie, daß ich Ihnen beim Aussteigen behilflich bin. Da sie seine ausge­streckte Hand nicht beachtete, sondern nur stöhnend die ihrigen rang, nahm er sie kurz entschlossen auf die Anne und trug sie ins Haus.

Im Flur spendete eine Hängelampe nur spärliche- Licht und beleuchtete flackernd das scharfe Nußknacker- gesicht der alten Hexe, deren Gebühren Margarete wie hypnotisiert verfolgte. Ununterbrochen vor sich hinmnr- melnd, schlurrte sie hierhin und dahin, und stellte end­lich ein Teebrett mit einigen Erfrischungen vor den Beamten hin. Dieser entkorkte eine Champagnerflasche und goß ein Glas voll, das er Margarete reichte. Schau- dernd kehrte sie sich ab. _ - 231,18*