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Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Rreisblatt.

Telefon Nr. 65.

Postscheckkonto Frankfurt a. M- 11403.

Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 105.

Samstag, den 30. Dezember 1916.

67. Jahrgang.

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Zur Jahreswende *

wünschen wir unsern verehrt. Abonnen- ? 5 ten die besten *

glück- und Segenswünsche *

Wertag derSchlüchterner Zeitung". {♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«

Amtliches.

Bestellung aus Futtermittel.

Es kommen demnächst zur Verteilung:

800 Ztr Torfmelassefutter der Ztr. etwa 7 Mk. 300 Blutmelasfefutter der Ztr. etwa 14V, Blutfutter aus Heidemehl, Melasse und Blutmehl hergestellt und mit einem Gehalt von etwa 14'/,°/« Rohprotein und Fett und 2470 Zucker weit wertvoller als Torfmelasse kann als gutes Kraftfutter für Pferde und Rindvieh empfohlen werden, das von allen Tieren genommen wird und besonders bei Pferden einen erheblichen Teil Hafer zu er­setzen vermag. Die im Sommer hier gemachten Versuche haben die Abnehmer sehr befriedigt.

Da Melasse und Zucker jedenfalls spä^r ^icht mehr zugetiM merdrn^mrrd- «ÜL.MLtermittzl^sthr Luwv sind, ist Eindeckung des Bedarfs und alsbaldige Bestellung dringend anzuraten.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich die Viehbesitzer hierauf hinzuweisen und alsbald den Bedarf in den Gemeinden festzustellen und umgehend hierher zu melden.

Der Bedarf für die schwer arbeitenden Pferde ist, sofern es nicht schon geschehen entsprechend meiner Be­kanntmachung in Nr. 103 der Schl. Ztg. vom 23. d. M. in besonderer Liste sofort einzureichen.

Soweit möglich, wird den Bestellern die gewünschte Sorte zugeteilt. Falls dies nicht geht, muß Torfmelasse und Blutmelasse im Verband genommen werden.

Schlüchtern, den 28. Dezember 1916.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.

An sämtl. Herrn Bürgermeister und GutSvorstchcr.

Die Besitzer schwer arbeitender Pferde werden unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung darauf aufmerksam gemacht ihren Bedarf sofort anzumelden. Ganz besonders wird auf die Blutmelafse als geeigneter Ersatz für Hafer verwiesen.

Schlüchtern, den 28. Dezember 1916.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.

Fntterlieferung für Mastschweine.

An Mäster, die sich vertraglich zur Abgabe der ge­mästeten Schweine an den Kommunalverband verpflichten, werden bis zu 5 Zentner Futtcrgerste überwiesen.

Nähere Bedingungen sind auf dem Büro des Kreis- ausschusses zu ersehen und können Verträge bis auf weiteres daselbst abgeschlossen werden.^

Schlüchtern, den 1, Dezember 1916.

Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses.

Der Vaterländische Frauenverein hat auch in diesem Jahre, nachdem von allen Seiten und Orten des Kreises Liebesgaben dafür eingetroffen waren, alle Feldgrauen des Kreises, von denen er Adressen erhalten hatte, mit einem Weihnachtsgruß erfreut.

Von den Damen aus Schlücheern, die 14 Tage lang emsig im Kretssaal geschrieben und gepackt haben, wurde folgendes abgesandt:

1843 Weihnachtspäckchen ins Feld,

52 Kriegsgefangenensendungen,

132 Sendungen in Lazarette,

922 Sendungen in Heimat - Garnisonen und an Soldaten der Orte Soden, Vollmerz und Ramholz, da dieselben noch von anderer Seite mit Weihnachtssendungen bedacht wurden.

An Steinau mürben von dortigen Damen 2j2 Sen­

dungen ins Feld gemacht, zu welchem der hiesige Verein Kartons, Kalender und Liebesgaben sandte.

Auch in Salmünster wurden die Weihnachtssendungen von den Damen des dortigen Vereins gemacht; es gingen von hier aus nur Kalender, Tabak und Brief­papier dorthin.

Fast allen Sendungen war derSchlüchterner Heimatbote" beigelegt, der allgemein große Freude erregte.

Bis jetzt trafen 625 Dankschretben aus dem Felde ein. Leider kamen auch in diesem Jahre ein kleiner Teil der Sendungen wegen ungenauer oder falscher Adresse zurück, was sehr zu bedauern ist.

Gebe Gott, daß es das letzte WeihnachtSfest ist, an dem unsere lieben Feldgrauen einen Heimatgruß brauchen und daß sie im nächsten Jahre alle das Fest bei ihren Lieben daheim im Frieden feiern können.

Frau von Trott zu Solz

Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins.

Kumwisammtung.

Unter Bezugnahme auf unsere Veröffentlichungen vom 21. 8. und 17. 10. d. J. ersuchen wir die Herren Bürgermeister, uns bis zum 15. Januar 1917 ein Ver­zeichnis der eingegangenen und an die Kautschuckstelle in Berlin abgette^erten Gummiabfälle einzureic'w

Wir bemerken noch ergebenst, daß den Gummiab- twfiee.W^GMM LnikMii« MSS^ MM^ ge­fordert werden können unentgeltlich ausgehändigt werden:' Schlüchtern, den 28. Dezember 1916.

Männerverein vom Roten Kreuz.

Rriegsdichtung.

Neujahr 1917.

Ein neues Jahr! Die Glocken klingen,

Viel Wünsche steigen auf zu Gottes Thron, Was wird die Siebenzahl der Völker bringen? Wann trifft die Feinde ihrer Sünde Lohn?

Sie branden an, zerstieben und zerschellen, Wie an dem Felsgestein der Wogen Gischt, Doch mächtig strömen deutsche Heereswellen, Und deutsche Ruhmeshelle nie erlischt.

Zu neuem Dienst weiht mancher jetzt sein Leben; Auch die Daheimgebliebenen packt es hart und tief . . Wir halten durch, verdoppelt ist das Streben All derer, die das Vaterland nun rief.

Wir harren aus! Zum dritten Mal ertönen Die Neujahrsglocken in des Weltkriegs Zeit ....

Was erreicht, dankt seinen Heldensöhnen

Das deutsche Vaterland in Ewigkeit.

Gedenkt der Toten in den fernen Grüften, Ihr tapfres Sterben schütze uns zu Haus;

Zu Wasser und zu Land hoch in den Lüften Spannt Deutschlands Banner siegreich sich aus.

Ein Neues Jahr! Schaut ihm getrost entgegen: Was in des Weltkriegs Monden stolz geschafft Das deutsche Volk das dienet seinen Wegen Im neuen Jahr als ein Symbol der Kraft.

Hedda v. Schmid.

An der Jahreswende.

Zum drittenmal begehen wir den Tag, den die Menschheit an die Spitze eines neuen Jahres setzt, da der Weltkrieg über die Erde tobt. Als er auSbrach, als ihn der "Neid der Feinde gebar, prophezeite ihm jeder nur ein kurzes Dasein; jeder meinte, keine Menschen- kraft könne die Geistes- und Muskelanspannung, das Elend, die Not, die Verarmung ertragen, die ein moderner Krieg über die Lande bringt, die von ihm betroffen werden. Nun trägt die Welt alles das im dritten Jahr, und der Krieg tobt weiter. Wohl ließ Deutschland, das siegreiche Deutschland, aus dem Gefühl seiner Kraft und aus dem Sehnen seiner Menschlichkeit ein Friedens­angebot an die Feinde ergehen, aber die Antwort, die ihm bisher zuteil wurde, läßt nicht gerade Hoffnungen auf einen baldigen Frieden aufkommen.Es rast der See und will sein Opfer haben." Wahrhaftig, diese Empfindung hatte man, als man diesen Tagen die Reden des Lloyd George, des Briand und des russischen leiten­

den Staatsmannes las. Vom Teutonenhaß sind Fran­zosen, Engländer und Russen befallen und dadurch taub geworden gegen jede Stimme der Vernunft. Sie rasen und toben und phantasieren von Zerschmetterung der Deutschen, obwohl diese doch wahrhaftig auf allen Seiten Sieger sind. Muß das immer und immer wieder be­tont werden gegenüber den Tageserfolgen der Gegner im Westen?! Es liegt uns ganz fern, diese Erfolge an sich zu unterschätzen, aber niemand wird es doch ein« fallen, sie etwa mit den Siegen zu vergleichen, die uns Belgien und Ostfrankreich in die Hände gaben, oder mit den Russensiegen Hindenburgs, den Rumänensiegen Mackensens. Taktische Erfolge sind ganz bestimmt für den, der sie erringt, erfreulich; aber sie sind ohne Ein­fluß auf das Ende, wenn sie nicht zu strategischen Er­folgen ausgebaut werden können. Davon war aber bisher im Westen bei unseren Feinden doch wahrhaftig nicht die Rede, und selbst die Franzosen und Engländer werden das Gefühl haben, daß sie diese augenblicklichen Erfolge nur errangen, weil unser Hindenburg es für gut hielt, die Kraft der Mittelmächte an anderer Stelle mit aller Wucht einzusetzen. Bukarest weiß davon ein Lied zu singen, und in Saloniki hat man trotz Monastir hundertmal mehr zu fürchten, als wir in West und Ost. Aus der deutschen Mauer kann der oder jener Stein herausgerissen werden, einzurennen ist sie nicht. Davon ist jeder Deutsche wie von einem Evangelium überzeugt und ebenso unsere Feinde, wenn sie es auch nicht einge­stehen und zugeben wollen.

Wie unsere Feinde ihre Hoffnung nie auf die eigene Volkskraft setzen, sondern die geplante Vernichtung der ^"^ Jffir^ ^ns?isle>i und neuen Hilfen er­hoffen, so setzen sie auch heute noch ihre größte Zuver­sicht nicht auf das Schwert, sondern auf den Hunger. Wir wollen gar nicht leugnen, daß sie uns das Leben durch diese Auch-Kriegspolitik nicht leichter gemacht haben, sondern daß es der Zusammenfassung unserer ganzen Volkskraft bedurfte, um diesem nicht gerade mutigen Ansturm auf unsere Ernährung zu begegnen. Wir sind zusammengerückt, wir haben uns unsere Nahrung einge- tcilt, wir haben auf manches verzichtet, aber gehungert haben wir nicht, und da wir jetzt die Kornkammer des Balkan in Besitz haben und aus ihr unsere Speicher auffüllen können, dürfen wir getroster und siegessicherer denn je in die Zukunft blicken und durften der Welt den Frieden anbieten. Glauben die Feinde, der Augen­blick sei noch nicht gekommen, da das Wort wieder an die Stelle des Schwertes tritt, so werden sie über kurz oder länger einzusehen haben, daß sie einen günstigen Augenblick verpaßten und später dasselbe, was sie heute verweigern, unter ungünstigeren Voraussetzungen ihren Völkern und der Welt zu erfülleu haben werden.

An der Wende des Jahres, das uns so viele hehre Siege brächte, das die Mittelmächte in einer Einheit zeigte, wie nie vorher verbündete Mächte, boten wir der Welt den Frieden. Da unser Hindenburg, den auch unsere Gegner als den überragenden Mann, als das Feldherrngenie des Weltkrieges anerkennen müssen, die Fäden all' der großen Kriegshandlungen in seiner einzigen Hand hatte, boten wir den Frieden an. Aber ohne auch nur eine Sekunde in der Kriegshanolung und in ihrer Vorbereitung nachzulassen! Das vergangene Jahr sah in Deutschland ein Schauspiel, wie es die Welt noch nie gesehen das Zivildienstpflichtgesetz ward eingeführt. Die allgemeine Wehrpflicht ward auch auf die ausgedehnt, die Alter oder Gebrechen am Dienst mit der Waffe hindert. Mit ihrer Hände Kraft sollen sie hinter der Front für die Front arbeiten. Die Augen­blickserfolge im Westen errang der Feind durch seine Ueberlegenheit in der Munition, da alle Waffenarsenale Amerikas für ihn arbeiteten. Diese Ueberlegenheit wird Deutschland dadurch wett machen, daß es keine Hand mehr feiern läßt, die noch fähig ist, für den Bedarf des Kriegs zu arbeiten. Eine große Kriegswerkstatt ist Deutschland durch dieses Gesetz geworden.

Da uns unsere Feinde in Ueberzahl überfielen, ^da sie uns ganz allein auf unsere Kraft stellten, wehrend und nährend, da wurden wir in Kriegsnot wahrhaft das, was uns unsere Gegner schon vorher verleumderisch nachsagten: Ein ganz auf den Militarismus gestellter, ganz dem Militarismus geweihter und gewidmeter Staat. Und wir sind stolz darauf und sehen lächelnd, wie uns unsere Feinde nachzuahmen versuchen. Daß wir aber das, was wir jetzt sind, nur aus Not sind, daß wir die Segnungen des Friedens tausendfach höher schätzen als den Krieg, haben wir ex-