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gleichstellen darf, wohl etwas süßer ist, auf alle Fälle aber hinsichtlich der Preise nicht im geringsten hinter dem deutschen 1915 er zurücksteht. Für die 1200 Liter wurden zwischen 12 000 und 20 440 Mark erreicht. Der gesamte Erlös stellte sich auf 176930 Mark. Anschließend an die Versteigerung fand eine Weinver­steigerung der Armee-Intendantur der Armee-Abteilung von Strantz statt, die ein Ausgebot von 7 800 Liter naturreinen 1916 er französischen Weinen, die von deut­schen Soldaten aus französischen Trauben auf fran­zösischem Gebiet gekeltert wurden, brächte. Der gesamte Erlös betrug 17280 Mark. Zum Schlüsse gelang­ten 5 Flaschen 1893 er Wein aus dem Weinkeller des Fürsten Bismarck zum Ausgebot. Der Erlös war von dem Besitzer, Kurhauspächter Ruthe, für die Soldaten des 1'8. Armeekorps bestinimt. . Es stellte sich die Flasche auf 65, 75, 80, 90 und 110 Mark.

* Eschwege. 1500 Mark in Gold wurden heute bei deni Vankhause Katzenstein & Co. eingezahlt, ein Beweis, daß noch immer der Ruf nicht überall hin­gedrungen ist:Das Gold gehört dem Vaterlande!".

* Cafsel. Vor einigen Tagen wurde der hiesige Rechtsanwalt Julius Friedrich verhaftet. Er wird der Unterschlagung ihm anvertrauter Gelder von beträcht­licher Höhe beschuldigt.

* Frankfurt a. M. (Wo noch Goldstücke stecken). Vor einigen Tagen erschien in einem Warenhaus eine Frau von außerhalb, um ihre Weihnachtseinkäufe zu machen. Nachdem die Frau tüchtig ausgesucht hatte, und an der Kasse bezahlen wollte, vermißte sie ihre Geldbörse. Dieselbe war ihr aus ihrem großen Hand­beutel mit zwei Ringen samt dem Inhalt von 250 Mark gestohlen worden. Dem Dieb fielen dabei sieben Zwanzigmarkstücke in die Hände, die die Frau hn Beutel mitgeführt hatte,damit sie zuhause nicht gestohlen wurden.

w. Biedenkopf, 4. Dez Die Tochter des Metzger­meisters Louis Unkel, hier, Fräulein Helene Unkel, hat ein 15. November bei der Handwerkskammer in Wies­baden ihre Prüfung als Metzgergeselle mit der Note gut" bestanden.

Die Wette der drei Teufel!

Von Paul Keller.*)

Drei Teufel in der Hölle machten eine Wette, wer von ihnen den zeitgemäßesten Sünder herbeischaffen würde. Der alte Beelzebub sollte Schiedsrichter sein.

Die -drei Satane fuhren aus, zogen in den Welt­krieg und suchten. Nicht lange nachher schleppte jeder eine von Gott verdammte Seele herbei; der erste Teu­fel die Seele eines Franzosen, der zweite die eines Amerikaners, der dritte die eines Deutschen.

Der erste Teufel sprach zu Beelzebub:Sieh' dir dwst Hside- ^Me au, geehrter Urvater! Sie gehörte einem französischen Apachen, der beimCommando in­fernal" war. Er und seine Genoffen schmorten, als ich sie überraschte, gerade zwei gefangene Deutsche am Spieß. Sie fraßen die Leiber an, und da ich einem unvermutet einen Menschenknochen, den er abnagte, in den Hals steckte, krepierte er und ist nun hier. Du wirst zugeben, geehrter Urvater, daß der Fall unge­wöhnlich ist und daß mir der Preis gebührt"..

Beelzebub sah den Sprecher an und sagte)Du bist ein Stümper! Was dieser Franzose getan hat, haben Millionen schwarzer, roter und brauner Bestien vor ihm getan. Du hast kein Genie und kannst nur zum Fang ganz gewöhnlicher Menschenfresser verwandt werden".

Der zweite Teufel sprach:Ich, großer Urvater, leistete dissizilere Arbeit. Ich bringe dir einen Ameri­kaner, der durch die Fabrikation von Mordwaffen täg­lich eine Million verdiente. Der Mann galt vor der Deffentlichkeit nicht als ein Schurke. Er berief sich auf das Völkerrecht der Menschen, das die Fabrikation und den Verkauf von Mordwaffen auch den Neutralen er­laubt. Aber manchmal in dunkler Nacht, wenn er aufwachte, ging ihm ein Gedanke durch's Herz wie heißes Wasser, da dachte er: Heute habe ich eine Mil­lion verdient, darum sterben tausend Menschen, und um die tausend Menschen weinen sich zehntausend die Augen wund. Als er wieder einmal so dachte und dann doch beschloß, morgen früh eine neue Lieferung anzunehmen, riß ich ihm eine Hirnader auf, er lief blau an und war hin. Und als er vor den oben trat, dessen Namen wir nicht nennen sagte ihm der:Der Satz eueres Völ­kerrechts, auf den du dich berufst, gilt nicht, denn ich habe ihn nie gutgeheißen; du bist verdammt in Ewig­keit !" Ich frage dich, großer Urvater, ob ich meine Sache nicht gut erkannt und geschickt vollbracht habe".

Das hast du!" sagte Beelzebub:ich lobe dich, denn du hast einen erlegt, der als Teufelsbraten nicht ohne weiteres zu erkennen war. Du halt das schnurrige Ding, das die Menschen ernsthaft Völkerrecht nennen, gut durchschaut und verstehst dich auf den Alten oben "

Da sprach der dritte Teufel:

Mein Bruder ist klug; aber immerhin der Mann, den er erlegte, handelte mit groben iDiorbmaffen, ohne daß er es nötig hatte, und daß das der alte Herr, dessen Namen wir nicht nennen, nicht leiden mag, ist bekannt Auch half dieser Mann nur Menschen eines fremden Volkes töten. Ich nun bringe dir einen Bieder­mann aus Deutschland, mächtiger Beelzebub. Der Name des Mannes hat dreizehnmal belobigend in der Zeitung gestanden, weil er große Summen für wohl­tätige Zwecke gespendet hat. Er war sehr geehrt und

*) AuS bem Novemberheft derBergstadt" (Brestau BB'gstadtverlagf

hoffte auf einen Orden. Nur, er wucherte ein wenig mit Lebensmitteln. Er wurde immer reicher, wäh­rend die Menschen um ihn herum erstaunlich schnell ärmer wurden. Die Gesetze seines Landes haben ihm kein Leid angetan, denn er war viel zu schlau ; auch be­schwichtigte er sich selbst, indem er sich sagte, daß er nur die kaufmännischeKonjunktur" ausnütze. Manchmal fiel ihm ein, er sei ein Gauner, da er die Not seines Vaterlandes und seiner Mitbürger ausnütze, um sich zu bereichern, und manchmal, auch meist in stiller Nacht, fiel ihm ein: zu einem Taler, den er verdiente, ge­hörten die Kupfermünzen darbender Witwen die Gro sehen armer Leud, gehörte vielleicht das letzte Quicker- lein, das ein unterernährtes verscheidendes Kind aus- stieß. Da wurde ihm heiß, und er gab am nächsten Tag zwei Prozent von dem, was er im letzten Monat verdiente, für einen wohltätigen Zweck. Seine Ge­schäfte aber machte er weiter. Ich erkannte in ihm eine neue Spezialität für uns und besorgte ihm einen kleinen Herzschlag. Das Gericht bei dem alten Herrn oben, dauerte nur eine Sekunde, da lag mir die Seele für ewig verworfen schon in den Armen".

Die Augen Beelzebubs glimmten auf.

Du hast den Preis!" sagte er.Du hast die Konjunktur der Hölle ersannt Ich muß einen Anbau

Hindenbuvgr neuester Sieg!

Von Ministerialdirektor Freiherr» von Braun.

Hindenburg hat einen neuen Sieg errungen und wir dürften unbesorgt die Fahnen wehen lasten, denn er ist mehr wert als die Eroberung einer feindlichen Festung. Und er hat ihn diesmal nicht mit seinem gefürchteten Schwert, sondern mit der Feder errungen, die doch sonst immer als der bitterste Feind der Generale gilt. Er hat den Drachen der inneren Zwietracht, wenn nicht vollends erschlagen, so doch ausgiebig betäubt. Wir hatten uns ja bös verzankt zwischen Stadt und Land und man mußte fürchten, daß diese Gegensätze sich immer mehr verschärfen würden. Glücklicherweise be­standen sie hauptsächlich in der Presse. Natürlich schimpfte auch tatsächlich der Städter weidlich über den Bauern und den Großagrarier und dieser über den Städter, aber das darf man in der gegenwärtigen Zeit noch nicht als Gegensatz auffassen. Oder hat jemand wäh­rend des Krieges einen Menschen kennen gelernt, der nicht schimpft, und ein Objekt dafür muß man haben. Das natürlichste wären ja unsere Feinde, denen wir doch alles Ungemach verdauten, das ^H bedtückt, Denn es ist wirklich nicht blos die Bosheit und Dumm« heit der Behörden daran schuld, daß die Ernährung so erschwert ist, sondern in erster Linie der völkerrechts­widrige AushungerungSplan Englands. Das wird in der öffentlichen Erörterung leider viel zu sehr übersehen. Da man aber nicht immer nur über die Regierung losziehen kaun, ist es ganz natürlich, daß man sich ein­mal gegenseitig verzankte. Und nun hat ein gutes Wort des herrlichen Mannes, auf den ganz Deutschland ver­traut, genügt, um auf beiden Seiten den besten Willen zum Einlenken wach zu rufen. Es steht außer Zweifel, daß die Hindenburg Spende einen großen materiellen Erfolg haben wird. Aber viel größer ist sicher ihr idealer Erfolg. Denn die Hilfsbereitschaft, die sich auf der Seite der Landwirte zeigt, muß den letzten Aerger der städtischen und industriellen Bevölkerung hinwegfegcn.

Wir haben es gar nicht nötig, es zu verbergen, daß in der Kriegswirtschaft auf allen Seiten Fehler gemacht worden sind. Die Regierung hat Fehler gemacht und macht sie noch, weil sie vor völlig ncen Problemen steht, bei der Landwirtschaft gibt es Leute, die mit ihren Vorräten zurückhalten und eigensüchtig handeln und in der Stadt leben Hamster und Kriogsgewinnler, die darauf losleben, als ob sie von der N-t des Volkes keinen Begriff hätten. Aber deshalb braucht man an unserem Volke noch lange nicht zu verzweifeln.

Mir hat kürzlich.ein Herr, den ich trotz mancher Uebertreibungen sehr hoch schätze, gesagt:Sie müssen eine Lindesche Eismaschine um den Hals haben, daß sie das alles hier mitansehen und dabei ruhig bleiben können." Ich komme auch ohne den Apparat aus. Ein französisches Sprichwort -- man darf das wohl trotz des Krieges zitieren sagt: tont, comprendre cest tont pardonner. Das ist, wörtlich, genommen, allerdings wohl nur als Axiom für französische Schwur­gerichte bei EifersuchtS-Attentaten zutreffend. Aber alles verstehen, heißt jedenfalls, vieles verzeihen. Und das müssen wir wieder mehr lernen. In solcher Zeit der Not, wie wir sie jetzt durchleben, nicht bloß der mate­riellen Not um das tägliche Brot, sondern der heißen Sorge um die Zukunft des Vaterlandes, ist es p pcho- logisch zu begreifen, daß gewissenhafte Naturen sich über jede Verfehlung gegen die vaterländischen Pflichten em­pören. Man muß sich das nur vorstellen, wie es das patriotische Empfinden verletzt, wenn in einer Zeit, wo Deutschland auf der Weltbühne die große Szene als das erste Volk der Welt spielt, einzelne Darsteller so kläg­lich aus der Rolle fallen und wegen der Möglichkeit des Geldgewinnes oder aus Angst vor dem Hunger das Vaterland bloßstellen. Das löst dann die Stürme von Verachtung über die Hamster und die Wucherer aus, die auf der anderer Seite als unberechtigt em­

machen lasten, unter der siebenten. Einen großen An­bau. Diesem da werden Legionen Genossen folgen, große und kleine KriegSwucherer, die der oben alle in einer Sekunde richten wird. In etwa dreißig bis vierzig Jahren, so um das Jahr 1950 herum, habe ich sie alle, auch den letzten! Sie sollen eine G. m. b. H. bilden, eine große G. m. b. H. der ewig Hungern­den, ewig Frierenden, ewig in Finsternis Sitzenden im Anbau unter der siebenten!"

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Evangelische Gemeinde:

Mittwoch, den 13. Dezember 1916.

Abends 8 Uhr: Bittgottesdienst.

I Wer über das gesetzlich zulässige Matz hinaus Hafer, MengKorn, Mischfruchr worin sich Hafer befindet, oder Gerste

I verfüttert, verfündigt fich am Naterlande!

pfunden, neue Verbitterung hervorrufen. Aber man muß auch in solchen Zeiten die Kirche beim Dorf lasten. Das Wettern und Schimpfen hilft gar nichts, wir müssen suchen uns verstehen und überzeugen zu lernen.

Man klagt darüber, daß von Landwirten Vorräte zurückgehalten oder verheimlicht werden, daß sie in ihrer Wirtschaft nach ihrem privaten Vorteile handeln und nicht die Interessen der Gesamtheit voranstellen. Das ist bedauerlich, aber man ändert es nicht damit, daß man es als vaterlandslose Gesinnung brandmarkt. Man muß sich darüber klar werden, daß in den meisten Gegenden die wirtschaftliche Denkensart des Bauern noch von der reinen Naturalwirtschaft ausgeht, deren Wesen darin liegt, daß im eigenen Betriebe alles selbst produziert und zurückbehalten wird, was zum Lebens­unterhalt der Betriebsangehörigen und zur Fortführung des Betriebes notwendig ist. Das bedingt naturgemäß eine starke Reservestellung, da der Bauer aus langjäh­riger Erfahrung weiß, daß er auf das Verderben von Vorräten und andere Zufälligkeiten vorbereitet sein muß, um nicht in 9iot zu geraten.

Wer sich das vor Augen hält, wird sich nicht wun­dern, daß es dem Bauern nicht in den Kopf will, nun im Kriege, wo jeder eher dazu neigt, mehr Vorräte an- zusammeln als im Frieden, alles bis auf einen recht knapp bemessenen eigenen Bedarfsanteil herauszugeben. Es bedeutet diese Forderung für den Bauern nicht viel weniger, als wenn man dem Städter zumutet, sein ganzes Betriebskapital herauszugeben. Denn das Betriebska­pital der bäuerlichen Wirtschaft sind die Vorräte.

Und ganz ähnlich ist es bei der städtischen Bevölke­rung. Daß Geldverdienen eine gute Sache ist, und daß es die Pflicht jedes Kaufmanns ist, die Konjunktur auszunützeu, das ist die Lehre vom Vater und Groß­vater her, die wohl in einer Aufwallung von Patriotismus vergessen aber nicht durch harte Vorwürfe auf die Dauer widerlegt wird. Und jede sorgsame Hausfrau war gewöhnt, sich Vorräte zu schaffen und besonders dann, wenn sie hörte, daß eine Ware knapp werden würde, sich für längere Zeit reichlich einzudecken. Das ist ihr in langen Friedensjahren als Pflicht Ungelernt worden und nun, in einer Zeit, wo die Sorge um die Ernährung alle in ganz anderer Weise drückt, als es je im Frieden vorkam, soll sie das unterlassen ! Man kann nicht verlangen, daß sich die ganze durch Generationen vererbte Denkensart der Bevölkerung in 2 Kriegsjahren plötzlich auf den Kopf stellen läßt Diesem völligen Altruismus, dem 2 Jahrtausende des Christentums nicht zum Sieg über den Egoismus verhelfen konnten, kann auch die harte Not des Krieges nicht auf einmal Bahn brechen. Das deutsche Volk, ob in Feldgrau oder im Bürgerkleide, hat solche Heldentaten der Vaterlands­liebe und der Aufopferung vollbracht, daß man das Bild durch solche Beweise mangelnden Verständnisses nicht Hüben sollte. Ich wenigstens habe die feste Ueber­zeugung, daß es bei der Mehrzahl der viel verdammten Missetäter viel weniger Mangel an Vaterlandsliebe oder an Opferbereitschaft, als Gedankenlosigkeit und Friedens gewohnheit ist, wenn sie immer zuerst an die eigene Versorgung und an ihre materiellen Interessen denken. Wir erleben eS ja auch immer wieder, daß mancher, der zuhause seinen geheimen Hamstersack hat, mit vollen Händen spendet, wo es gilt, die Not zu lindern oder Mittel für die Kriegsanleihen zu geben.

Und das hat uns auch wieder die Wirkung von Hindenburgs Brief gezeigt. Dieses gute Wort am rechten Orte hat mehr gewirkt, als alle VerdammungS urteile in der Presse und alle Strafandrohungen unserer Verordnungen. Und es wird die goldene Brücke bilden zu einem neuen Bündnis zwischen Stadt und Land.

v. Braun.