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mit amtlichem Areisblatt.

Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65.

Postscheckkonto Frankfurt a. M. 11402.

Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

X 100.

Mittwoch, den 13. Dezember 1916.

67. Jahrgang

Wer Speiselartoffeln verfüttert, macht sich strafbar.

Wer seine tägliche Speise-

nicht abwiegt oder abmißt, handelt leichtsinnig.

Ainttietzes.

Abt. 111b Tgb.-Nr. 6950.

Bekanntmachung.

Die vollziehende Gewalt im Korpsbezirk des XVIII. Armeekorps mit Ausnahme des Befehlsbereichs der Festungen Mainz und Coblenz ist mit dem heutigen Tage auf mich übergegangen.

Frankfurt a. M., den 28. Dezember 1916.

18. Armeekorps. Stellvertr. Generalkommando.

Der stellvertretende Kommandierende General: gez. R i e d e l, Generalleutnant.

Abt. 111b Tgb.-Nr. 22181/6884. .

Betr. Polizeistunde und weibliche Personen in Wirtschaftslokalen.

Im Anschluß an meine Verordnung vom 27. 4. 1915 betr. Polizeistunde III b 8826/3968 - be­stimme ich auf Grund der §§ 4 und 9 b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851.

1. Die in Wirtschaftslokalen tätigen weiblichen Per­sonen z. B. Kellnerinnen, Barmädchen Artistinnen usw. sind der Polizeibehörde als solche von den Inhabern namhaft zu machen. Diesen Personen ist es verboten, sich zu den Gästen zn setzen oder von ihnen Getränk anzunehmen.

Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu esnem Jahre, Heini Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder mit Geldstrafe bis zu 15üU Mt. oesiräft.

2. Die Polizeibehörden sind berechtigt, für Wirt- schastslokale, deren Betrieb dem Ernste der Jetztzeit nicht entspricht, eine frühere Polizeistunde, wie die in der vorgenannten Verordnung verfügten, festzusetzen.

3. Die Inhaber der bezeichneten Lokale haben bei Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über die Polizeistunde, oder beim Dulden des unter 1. ver­botenen Treibens die Schließung ihres Betriebes zu gewärtigen.

Frankfurt a. M., den 2I. November 1916.

18. Armeekorps. Stellv. Generalkommando.

Merkehr mit KAsenftüchten.

Von zuverlässiger Seite ist berichtet worden, daß Hülsenfrüchte aller Art, namentlich Erbsen im Handel angeboten werden, die als Verkehrs- und beschlagnahme-

frei bezeichnet sind, weit es sich angeblich um aus den besetzten Gebiete stammende Ware oder um Saatware handelt.

Es wird darauf hingewiesen, daß Hülsenfrüchte, gleich, viel, ob sie aus dem Gebiet des Deutschen Reiches oder den besetzten Gebieten stammen, nur an die Reichs- hülsenfruchtstelle abgesetzt werden dürfen, daß also jeder Handel mit Hülsenfrüchten, (auch das Weitergeben im Wege des Tausches, der Schenkung usw.) untersagt ist. Wer Hülsenfrüchte diesen Vorschriften zuwider ab- setzt, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 15000 Mark bestraft. Auch Saat­gut ist nicht verkehrsfrei, es sei denn, daß es von der Reichshülsenfruchtstelle im Einvernehmen mit den Saatstellen freigegeben ist. Zum Gemüseanbau bestimmtes Saatgut ist dann verkehrsfrei, wenn diese Bestimmung uachgewiesen wird. Freigegebenes Saatgut darf nur zur Saat verwandt werden. Wer Saatgut zu anderen Zwecken, insbesondere zu Speisezwecken, verwendet, macht sich strafbar. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Reichshülsenfruchtstelle in allen Fällen, in denen eine Gesetzesübertretung vorliegt, Strafanzeige erstatten wird. Die Reichshülsenfruchtstelle weist noch besonders darauf hin, daß auch der Absatz von Hülsenfrüchte an Kommunalverbände und militärische Stellen (Truppen­teile, usw.) strafrechtlich verfolgt wird.

Städtisches Arbeitsamt Hanau

Arbeitsnachweis für Stadt und Landkreis Hanau und tue Kreise Gelnhausen und Schlächtern. Gesucht werden im Kreise Schlächtern:

2 Elcktromonteurc, 1 Kontorist oder Kontoristin.

Kriegsernährung und Volksgesundheit

Eine Unterredung mit Geheimrat Professor Dr. Kirchner.

Der Tag veröffentlicht die folgenden bemerkens­werten Aeußerungen Herrn Geheimrat Professor Dr. Kirchners, Leiter der Medizinalabteilung im Ministerium des Innern:

Ein abschließendes Urteil über die Gesundheitsver­hältnisse der Bevölkerung während des nun mehr als zwei Jahre dauernden Krieges kann noch nicht ge­geben werden, denn die einzig zuverlässige Grundlage eines solchen Urteils, die Statistik, ist bisher nur für das Jahr 1914 fertiggestellt und erlaubt also noch keine

endgültigen Schlüsie. Die Statistik für 1915 und 1916 ist noch nicht abgeschlossen. Ich kann daher nur die Anschauung zum Ausdruck bringen, die ich mir an der Hand der aus verschiedenen Teilen Deutschlands stam­menden Nachrichten gebildet habe. Danach liegen keine Gründe vor, von der uns durch die Kricgslage auf­gezwungenen Form der Ernährung eine ernstliche oder dauernde Schädigung der Volksgesundheit zu be­fürchten. Weder das Auftreten von Seuchen, noch eine merklichere Vermehrung der Tuberkulose, noch eine größere Sterblichkeit sind bisher in die Erscheinung ge­treten und hoffentlich auch für die Zukunft nicht zu erwarten. Die Säuglingssterblichkeit ist in dem dies­jährigen, allerdings sehr kühlen Sommer sogar auffallend geringer gewesen als in früheren Jahren. Gewiß ist der Mangel an Fett und Fleisch bedauerlich. Auch die erheblichen Schwierigkeiten, die sich bei der Versorgnng mit Milch ergeben, sind gesundheitlich nicht gleich­gültig, besonders für die Säuglinge, für stillende Müt- ter und für Kranke Der Grund der auffallenden Milchknappheit liegt vor allem in dem Umstand, daß neben reichlichem und gutem Grünfutter Kraftfutter­mittel noch immer nur in beschränktem Umfange vorhanden sind, von denen doch die Menge der von den Kühen gelieferten Milch hauptsächlich abhängt. Die Einschränkung des Fleischverbrauchs trotz der schon jetzt erfolgten reichlichen Aufzucht guter und ertragreicher Rinder ist ein Gebot der Sparsamkeit im Interesse einer Zunahme des Viehbestandes. Die nötige Warte­zeit vorausgesetzt, wird es hinsichtlich der Fleisch- und Milchversorgung in absehbarer Zeit besser werben.

Daß Vollmilch und Sahne fehlen, muß in den Kauf genommen werden, aber bedauerlich ist, daß der Be­völkerung jetzt auch Magermilch nicht mehr so reich­lich zur Verfügung steht wie im Frieden, da ihr Gehalt an verarbeitungsfähigem Eiweiß dem Casein, an wenn auch geringen Stengen Fett eine völlige Ausbutterung ist ja technisch nicht möglich und an Milchzucker die Magermilch zu einem sehr brauchbaren Volksnahrungs­mittel machen. Es wird hoffentlich gelingen, für Kinder unter 6 Jahrrn bald reichlichere Milch­mengen verfügbar zu machen. Eine unbedingte Notwendigkeit, Schulkindern größere Mengen von Milch zu geben, besteht nicht in dem Maße wie bei den kleinen Kindern, da von der Zeit an, wo das Kind über ein brauchbares Gebiß verfügt, die Milch durch andere

Im Schatten

der Ueterpaulsfestung.

Roman von Hermann Gerhardt. 42

Warum kann ich meinen Bruder nicht irgendwo hin- bestellen?"

Wenn Sie so etwas täten, würden Sie die Mm- men Folgen bald genug merfen I Sie kennen den Mann nicht, mit dein Sie 511 tun haben. Wenn Sie nicht heimkehren, wird er Ihre ©puren verfolgen lassen, Sie unter irgend einem Vorwand verhaften und dann Gnade Arien Gott!" , *

Den Blick, mit dem die Samarin sie ansah, machte Margaretens Blut erstarren. , ,

Sie müssen tun, wozu ich Ihnen rate," fuhr sie fort:gehen Sie von hier direkt nach Hansel So lange er denkt, daß Sie ihln vertrauen, sind Sie unter seinem Dach vollkommen sicher. Lassen Sie ihn also ruhig weiter Aufmerksamkeiten erweisen, und warten Sie ab, bis Sie Näheres hören. Ich gebe Ihnen die Zusicherung, daß es nicht mehr lange dauern wird."

Aber was können Sie dabei tun?" fragte Mmgarete, doch die andere unterbrach ste:Fragen Sie nicht, son­dern gehen Sie jetzt, unverzüglich t Ihre Abwesenheit hat schon zu lange gedauert!"

Da erhob sich Margarete und schwankte, ohne noch ein Wort zn verlieren, nach der Tür. Als wäre sie hypno­tisiert worden, Wille und Denkfähigkeit, wie gelahmt. Dort aber blieb sie noch einmal stehen, da die Samarm ihr nachrief:Warten Sie einen Augenblick, daß ich Sie ansehen kann." . _ _

DaS bleiche, verstörte Ailtlitz wandte sich ihr zu.

"DaS geht unmöglich," fuhr sie fort,Sl- müssen sich besser beherrschen! Denken Sie doch an Ihren Bru­der ; wenn Sie so deutlich verraten, was in Ihnen Lorgeht, dann bringen Sie auch ihn i» Gefahr-

Margarete strich sich mit der zitternden Hand über die Augen.

Ja, ja, stammelte sie,ich muß auf meiner Hut sein."

DieSamarinzucktemitverächtlichemAusdruckdieAchseln.

Sie sind ein Schwächling," sagte sie, ich wünschte, ich könnte Ihnen etwas von meinem stoischen Gleichmnt einflößen, wenn mich nicht um den Preis, mit dem ich ihn mir erkaufen mußte. Aber nun gehen Sie! Ziehen Sie den Schleier vors Gesicht und machen Sie, daß Sie in Ihr Zimmer kommen. Lassen Sie sich um Himmels- willen ill dieser Verfassung nicht vor ihm sehen!"

20. Kapitel.

Kaum wissend, was sie tat, oder wo sie sich befand, tappte Margarete sich die dunkle Stiege hinunter und auf die Straße hinaus. Ihr einziger Gedanke war der, daß sie ihren Bruder aufsucheu unb sich mit ihm bera­ten müsse; und so schlug sie halb instinktmäßig die Rich­tung nach dem Newski-Prospekt ein.

Der Dwornik am Portal griißte sie, als sie an ihm vorüberhuschte, aber sie sah es nicht, ebenso wenig Litschkoff, der von der entgegengesetzten Richtung auf sie zukaln. Dieser blieb stehen und sprach ein paar Worte mit dem Portier, während sein Blick scheinbar gleichgül­tig der Gestalt folgte, die da in so auffälliger Hast die Treppe hinaufstürmte. Wie unangenehm hell es in der Eingangshalle war! Aber Gottlob, außer dein Diener, der ihr geöffnet, ivar niemand zu sehe».

Jetzt hatte sie die breite Treppe erstiegen unb be­trat den Korridor; nur noch wenige Schritte und sie war im Schutz ihrer eigenen vier Wäiide. Schon lag ihre Hand auf der Türklinke, als plötzlich ein Schatten hiilter ihr auftauchte: und die Stimme desjenigen, den sie mehr als irgend einen Menschen fürchtete, an ihr Ohr schlug:Fräulein Rittbergl"

Mit einem leisen Aufschrei, den sie beim besten Wil­len nicht hätte unterdrücken können, wandte Margarete, ihr verängstigtes Gesicht nach ihm nur. Er griff nach ihrer Hand und sah ihr forschend in die Augen: ,SvM ssird

Sie noch anSgewesen?" sagte er,unb ganz allein? Ist das nicht unvorsichtig?"

Margarete erwiderte nichts; mit einer Ohnmacht kämpfend, konnte sie kein Wort heransbringen. Wohl bemerkte Beruleff ihre Erregung, aber er schob dieselbe auf den Schreck, den sein unvermutetes Erscheinen ihr verursacht und drückte ihr nur noch wärmer die Hand.

Sie verzeihen mir, daß ich, ohne dazu berechtigt zu sein, Ihr Tun und Lassen kontrolliere?" fuhr er mit feinem weichen einschmeichelnden Tonfall fort.Ach, Fränleiu Rittberg! Margarete! Wie lange wollen Sie mir noch daS Recht vorenthalten, Ihr Führer und Be­schützer zu sein? Wie lange wollen Sie mich noch i» dieser quälenden Ungewißheit lassen?"

In diesem Moment hörte man eine Tür gehen unb Schritte in einiger Entfernung. Da ließ er ihre Hand los.Seien Sie barmherzig," flüsterte er eindringlich, und erlösen Sie mich bald I" Mit ein paar schnellen, gleitenben Schritten verschwand er in einem der nebenan liegenden Zimmer.

Margarete aber raffte ihre letzten Kräfte zusammen; sie riß ihre Tür auf, verschloß unb verriegelte dieselbe von innen und sank stöhnend auf einen der nächsten Stühle. Es dauerte geraume Zeit, bevor sie ihre Ge- bauten zu ordnen und sich klar zu machen vermochte, in waS für einer Lage sie sich befand.

Erst als das Stubenmädchen, daS sie zu bedienen hatte, die kleine Schweizerin Celeste, an ihre Tür klopfte, erwachte Margarate aus ihrer Erstarruug.

Ich komme heute nicht zu Tisch," erklärte sie dem Mädchen durch die Tür,ich fühle mich nicht ganz wohl. Sagen Sie es dem gnädigen Fräulein!"

Aber Mademaiselle werden doch etwas essen wol* leu? Irgend eine Kleinigkeit?"

Am liebsten hätte sie für alles gedankt; aber sie be­sann sich, daß sie ihre Kräfte unbedingt erhalten müsse, und jetzt um keinen Preis krank werden dürfe! So be­stellte sie sich einen kleinen Imbiß. 231,18*