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Englische Erkenntnis.

Englands Seehochmut bekommt Stoß auf Stoß, und Albion macht daraus kaum noch Hehl. So schreibt die Londoner Morning Post in einem gegen die Ad­miralität gerichteten Leitartikel, daß die Verluste, die dem Handel der kriegführenden und neutralen Länder durch feindliche U - Boote zugefügt worden seien, sowie die Aufbringung von Handelsschiffen an der nieder­ländischen Küste und die tatsächliche Herrschaft der Deutschen in der Ostsee, das englische Volk allmählich zu der Einsicht brächten, daß die Herrschaft der eng­lischen Flotte über die Verbindungswege bei weitem nicht vollständig sei.

Ein untergegangenes russisches Regiment.

Stockholm, 28. Nov. W.T.B.Aftonbladet" erfährt aus russischer Quelle, zwei große russische Transport­schiffe, von Helsingfors nach Reval unterwegs, seien Ende Oktober mit dem 428. Regiment in voller Kriegs­stärke an Bord untergegangen. Das Regiment hätte eine Zeitlang den sinnländischen Wachtdienst versehen. Das Unglück sei wahrscheinlich auf eine Minenexplosion zurückzusühren.

Koimles und Provinzielles

Schlüchteru, den 1. Dezember 1916. .

* Die preußisch hessische Eisenbahnverwaltung läßt gegenwärtig auf den wichtigsten Linien von neuen Schnellzugslokomotiven Probefahrten ablegen. Die ge­waltigen Maschinen laufen auf 18 Rädern und sollen schwere D-Züge 'mit einer Stundengeschwindigkeit von 110 Kilometern fahren.

* Bon der Eisenbahn. Wie die Königl. Eisen­bahn-Direktion Frankfurt (Main) im Inseratenteil un­serer .heutigen Nummer bekannt gibt, wird am 30. Sep­tember, sowie am 1. und 2. Dezember ds. Js. Fracht­stückgut im Bereich des Direktionsbezirk Frankfurt (Main) zur Beförderung nicht angenommen. Militärgut und Privatgut für die Militärverwaltung bleiben von der Maßnahme ausgeschloffen. An den 3 nächsten auf die Sperrtage folgenden Werktagen wird der Annahmeschluß für Frachtstückgut auf 12 Uhr mittags festgesetzt. Nähere Auskunft erteilen die Güterabfertigungen und Eilgut­abfertigungen.

* Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde bem an der Somme kämpfenden Heinrich Freund von hier sowie dem an der Somme kämpfenden Musketier Josef Adler, Sohn des Löb Adler I. von hier, verliehen.

* Einschränkungen des Postverkehrs. Mit Rück­sicht auf die eingetretenen Beschränkungen im Eisenbahn­verkehr soll auch der Post- und Telegraphenverkehr ent­sprechend eingeschränkt werden. Bei kleineren Postämtern sollen die Schalter schon um 6 Uhr geschlossen werden. Das gilt besonders für die Paketannahme. Die Briefbe- steuUM M M gcv^l ^acen tn Vei Neger vrelmut,' Del mittleren Postämtern nur täglich zweimal erfolgen. Für Postagenturen soll eine Bestellung genügen. Die Brief­kastenentleerungen werden eingeschränkt und der Brief versand soll mit Rücksicht auf die Eisenbahnverkehrsbe­schränkungen weniger häufig stattfinden. Die besonderen Paket- und Geldbestellungen in großen Orten sollen täglich nicht mehr als einmal erfolgen Für den Land­postdienst wird in der Regel eine Bestellung täglich stattfinden. Im Fernsprech- und Telegraphendienst werden die Einschränkungen weniger umfangreich fein.

* Von den Postanstalten müssen häufig Felpost- briefe wegen Ueberschreitung der Gewichtsgrenze den Absendern zurückgegeben werden. Bei den Erörterungen hierüber geben die Absender vielfach der Auffassung Ausdruck, daß die Zurückweisung der Sendungen mit Ucbergewicht auf eine engherzige Auslegung der Be­stimmungen und auf mangelndes Entgegenkommen der Beamten zurückzuführen sei, oder sie bemängeln die Festsetzung der Gewichtsgrenze auf 550 g. Sie ver­gessen ganz, daß das verordnungsmäßige Höchstgewicht für die gebührenpflichtigen Feldpostbriefe 500 g beträgt und daß gerade infolge von solchen Klagen, wie man jetzt erhebt, in weitgehendstem Entgegenkommen gegen­über etwaigen Irrtümern des Publikums inbezug auf die Gewichtsermittelung eine Ueberschreitung des ver- ordnungsmäßigen Höchstgewichts um 10 °/0 bis zu 550 g zugelassen worden ist. Würden die Post- und Heeresverwaltung nun wieder darüber hinaus Gewichts­überschreitungen (etwa 5 oder 10 g) zulaffen, so würde der Vorgang sich wiederholen; auch das neue Ausnahme­gewicht würde als Regel angesehen und bei gering­fügiger Ueberschreitung würde über kleinliche Handhab­ung der Bestimmungen geklagt werden. In der Tat muß aber mit Rücksicht auf die mit der Ausdehnung der Kriegsschauplätze ständig zunehmenden Schwierig­keiten in der Zuführung der Feldpost an die Truppen an der Gewichtsgrenze von 550 g unbedingt festge halten werden, und weitere als die bereits zugelassenen Gewichtsüberschreitungen können nicht nachgegeben wer­den. Die Schalterbeamten usw. müssen bei der Prüf­ung des Gewichts und der Zurückweisung von Send­

ungen mit Uebergcwicht nach den Bestimmungen ver­fahren, weil erfahrungsgemäß in überaus zahlreichen Fällen immer wieder der Versuch gemacht wird, diese zu umgehen. Dem Publikum kann zur Vermeidung von Weiterungen nur empfohlen werden, bei der Fer­tigstellung der Feldpostbriefe besonders sorgfältig darauf zu achten, daß das Gewicht unbedingt in der zuge- laffenen Ueberschreitungsgrenze bleibt. Für die Send­ungen im Gewichte von mehr als 550 g ist der Mili- tär-Paketverkehr eingerichtet worden, sodaß es allen Ab­sendern möglich ist, auch schwerere Sendungen ihren Angehörigen im Felde gegen eine äußerst gering be- meffene Gebühr zu überweisen.

* Die neuen Jnvalidcn-Markcn. Am 1. Januar 1917 treten die höheren Beiträge zur Invalidenver­sicherung in Kraft, die durch die Herabsetzung der Alters grenze bei der Altersrente und andere Vergünstigungen erforderlich geworden sind. Für die Zeit nach dem 1. Januar 1917 sind ausschließlich die neuen Marken zu verwenden. Sie werden in jeder der 5 Lohnklassen für 1 Woche, für 2 Wochen und für 13 Wochen her­gestellt. Der Geldwert der Starten beträgt für 1 Woche in der Lohnklaffe 1 (Jahresarbeitsverdienst bis zu 350 Mk. einschl.) 18 Pfg., in der Lohnklasse 2 (Jahres- arbeitsverdienft von mehr als 350 bis 550 Mk einschl.)

26 Pfg., in der Lohnklasse 3 (bis zu 850 Mk einschl.)

34 Pfg., in der Lohnklasse 4 (bis zu 1150 Mk. einschl.) 42 Pfg., in der Lohnklaffe 5 (Jahresarbeitsverdienst von mehr als 1150 Mk.) 50 Pfg. Zum Zwecke einer nachträglichen Beitragsleistung für die vor dem 1. Ja­nuar 1917 liegenden Zeiten sind noch die alten Marken zu verwenden. Mit Rücksicht hierauf werden die Post­anstalten diese Marken noch bis zum 30. Juni 1917 verkaufen.

* Das neue Ein-Psennigstück aus Aluminium wird in einigen Wochen in Umlauf fonimen. Es wird etwas kleiner sein als das Kupferstück. Während dieses einen Durchmesser von 17,5 Millim. hat, wird das neue Stück nur 16 Millim. fassen. Die Aluminium- münze wird dicker als das Kupferstück sein; sie soll sich schon durch den Griff von anderen Münzen, namentlich von den Fünfpfennigstücken, unterscheiden. Aus 1 Kilo­gramm Aluminium werden 1250 Einpfennigstücke ge­prägt werden. Das Stück wird 0,8 Gramm wiegen.

* Vermittlung von Zuchtschafen. Durch häufige Nachfragen nach Zuchtschafen veranlaßt, hat die Land­wirtschaftskammer in Berlin eine Vermittlungsstelle für den An- und Verkauf von Zuchtschafen (Böcke, Muttern und Lämmer) eingerichtet. Durch die Vermittlungs­stelle soll erzielt werden, daß das verkäufliche Zucht­material nicht abgeschlachtet, sondern weiter zur Zucht verwendet wird. Ueber Maßnahmen, die die Land­wirtschaftskammer zur Hebung der Schafzucht in der Provinz Brandenburg vorzunehmen gedenkt, wird in Kürze durch Kriegsmerkblätter berichtet werden, An­gebote und Nachfragen nach Zuchtschafen und an vic Kammer zu richten. Der Nachweis von Zuchtmaterial erfolgt für den Käufer kostenlos. Auskunft über Schaf­zuchtfragen erteilt außer der Landwirtschaftskammer die Geschäftsstelle des Verbandes der Schafzüchter der Pro­vinz Brandenburg, Berlin NW. 40, Kronprinzenufer 5,6

* Kommunallandtag. Der Landesausschuß für den Regierungsbezirk Kassel hat in Anwesenheit des Herrn Oberpräsidenten Hengstenberg beschlossen, bei der Kgl. Staatsregierung den Antrag zu stellen, daß der Kommunallandtag für Kurhessen im nächsten Jahre zu Montag den 26. Februar einberufen werden möge.

* Bubenstreiche. Der aus der Richtung Hanau kommende D-Zug 86 wurde dieser Tage gegen 4 Uhr nachmittags bei der Durchfahrt vor der Ueberführung unterhalb des Bahnhofs Flieden mit Steinen und Glas­scherben beworfen. Aufgrund der von dem Lokomotiv­führer auf der nächsten Blockstelle abgeworfenen Mel­dung, welche der Blockwärter der Station Flieden telephonisch übermittelte, machte sich ein Bahnbeamter auf den Weg nach der Ueberführung und erwischte die Täter. Es waren einige halbwüchsige Jungen von Mieden im Alter von 1215 Jahren. Anzeige ist er­stattet.

* Seltsame Schicksalsfügung. In gemeinsamer Gruft wurden in Solingen (Rheinland) zwei Brüder, Alfred und Adolf Gräsingholt, auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt, die den ganzen Lebensweg bis zu ihrem frühen Tode zusammen zurückgelegt haben. Als Zwillinge ge­boren, wuchsen sie zusammen auf, wurden beide zu gleicher Zeit zum Heeresdienst einberufen, kämpften ne­beneinander an derselben Stelle und fielen gemeinsam durch ein und denselben Granatschuß.

Hk. Holzverkauf der Deutschen Holzvertrieb-Akt ieu- gesellschaft. Verkauf von kiefernen Kanthölzern, Riegeln, Rundkiesern, -eichen und elsen, eichenen Plaucond und Kreuzhölzern, Schwammkiefern und Vizinalwellen 13 fach, lagernd in Danzig, am 4. Dezember. Verkaufs­bedingungen mit LoSeinteilung sind von genannter Ge­sellschaft (neue Adresse: Berlin SW M, Honiggräser Straße 100 a) zu beziehen.

* Altertumsfunde im Spessart. Dieser Tage wurde bei der Bahn, an der Station Goldbach eine große Urne ausgehoben, in welcher sich ein Krug, eine Tasse, eine Untertaste, eine kupferne Nadel und ein kupfernes Messer befanden. Leider ist die Urne zer- trümmert, wird jedoch nach Möglichkeit wieder zusam­mengefügt werden. Um die Urne herum lagen ver­schiedene stark verweste Knochen. Diese Gegenstände dürften ein Alter von 1200 bis 2000 y. Christus haben Vorgestern wurden wieder zwei Gräber entdekt.

* Flieden. Bei einem Viehtransporte ereignete sich am vergangenen Sonntag in der Nähe der hiesigen Bahnstation ein bedauerlicher Unglücksfall. Aus einem Wagen stürzten 2 Kühe herab und mußten sofort ver­äußert werden. Die hiesige Gemeinde muß vom 1. Dezember ab täglich 200 Liter Milch und zirka 20 Pfund Butter nach Fulda liefern.

* Cassel. Tausend Zentner Obstkerne sind allein bei dem Konditor O. K. Boehme in diesem Jahre ab- geliefert worden. Für die treue Mitarbeit haben die hessischen Schulkinder 5000 Mark vereinnahmt. Aus den Kernen werden Oel und Oelkuchen gewonnen.

* Treysa, 27. November. Am nächsten Sonntag, den 1. Advent, soll in allen evangelischen Kirchen un­seres Hessenlandes, wie alljährlich, die Kirchenkollektc für die Anstalten Hephata bei Treysa erhoben werden. Die Anstalten haben während des Krieges ihre Arbeit beträchtlich ausdehnen müssen. Ueber 400 schwachsin­nige und verkrüppelte Ki der sind in diesem Jahre in der Anstalt verpflegt, erzögen und ausgebildet. Gegen 140 Knaben weilten im Nettnngshaus. Im Lazarett liegen ständig zirka 90 Verwundete. Eine besondere Abteilung des Lazaretts ist für kriegsbeschädigte Land­wirte eingerichtet, die mit ihren künstlichen Gliedern wieder landwirtschaftliche Arbeit erlernen und somit dem Lande und der heimatlichen Scholle erhalten bleiben sollen. Eine größere Anzahl Arbeitslose, meist alte, gebrechliche Männer, haben gleichfalls in Hephata auch in diesem Jahre Zuflucht gefunden. 63 Glieder der Brüderschaft, 31 Beamte und Angestellte und etwa 30 ehemalige Zöglinge des Rettungshauses sind in den Kampf fürs Vaterland aus Hephata hinaus gezogen. Für sie alle möchte Hephata auch auf mancherlei Weise sorgen, insbesondere dadurch, daß es für die Familien der verheirateten Brüder und Angestellten nach Kräften einzutreten sucht. Während sich so die Zahl der Pflege­befohlenen erheblich vermehrt und aus begreiflichen Gründen die Ausgaben gewaltig gestiegen sind, sind die Einnahmen in mancher Hinsicht nicht unerheblich zurückgegangen. Wir möchten darum auch an dieser Stelle die Leser herzlich bitten, am nächsten Sonntag bei Gelegenheit der Kirchenkollekte Hephata durch williges und reichliches Opfern zu unterstützen, daß es fernerhin seinen zahlreichen Aufgaben gerecht und für die zirka 8^0 Insassen der Anstalt sorgen kann. Hephata bedarf oc sanderem

Maße, weil es ja auch sehr unter der Kriegsteuerung leidet, sondern vor allem darum, weil ihm in diesem Jahre die sonst üblichen Kartoffelliebesgaben von den Landgemeinden nicht dargereicht werden durften. Im vorigen Herbste wurden Hephata aus etwa 80 bis 90 Landgemeinden zirka 2500 Ztr. Kartoffeln als Ernte­dank unentgeltlich zur Verfügung gestellt Das bedeutete eine sehr wesentliche und spürbare Unterstützung bezw. Ersparnis von etwa 10000 Mark. In diesem Jahre muß Hephata die gleiche Mengen Kartoffeln hinzukaufen zu dem, was es sonst noch an Kartoffeln zu erwerben hat.

Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Hephata augen­blicklich noch vor eine neue, wichtige Aufgabe sich gestelli sieht. Die Not vieler Kriegerkinder, die der väterlichen Zucht und Ermahnung entbehren müssen, hatten den Vorstand Hephatas veranlaßt, nachdem zahlreiche Bitten um Aufnahme an ihn ergangen, die Begründung einet Kriegerkinderheims für die Sauer des Krieges ernstlich ins Auge zu fassen. In diesem Heime sollen Söhm von Kriegsteilnehmern Aufnahme finden, die dahein aus irgend einem Grunde in der Gefahr der Verwahr­losung und Verwilderung sich befinden. Auch für dieses Heim und besonders für seine Insassen bittet Hephatc um Gaben der Liebe bei Gelegenheit der K rchenkollekte

Zuletzt sei auch noch darauf hingewiesen, daß Hephatc in diesem Jahre ganz besonders dankbar sein würbi für Ueberseudung von alten Kleidern, getragener Leib Wäsche, Bettwäsche und dergl. mehr. Es ist ungeheue schwer, die zahlreichen Pflegebefohlenen noch mit bei nötigen Kleidung zu versehen. In der Schneiderei um in dem Nähsaal Hephatas kann aber vieles Abgelegt noch brauchbar gemacht werden. Gewiß werden fid noch in mancher Bodenkammer derartige Kleidungs und Wäschestücke finden, durch bereit Uebersendung Hc phata ein großer Dienst geleistet werden könnte. Viel leicht wird auch manchem Kriegsteilnehmer, der drauße im Felde körperlich erstarkt und gewachsen, nach bei wills Gott, bald erfolgenden Heimkehr, die Zivilkleidun zu eng und klein geworden sein. Wie dankbar wär man in Hephata, wenn auch derartige Kleidungsstück ihm üb erwiesen würden.