ZchlüchtemerMung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
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^L 90. Mittwoch, den 8. November 1916. 67. Jahrgang.
Amtliches.
Versetzt: der Regierungs- und Schulrat Dr. Liese in Cassel an die Regierung in Wiesbaden.
Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen.
Provinzialausschuß der Provinz Hessen-Nassau.
Die vornehmste Dankespflicht des deutschen Volkes gegen seine im Kriege gefallenen Söhne ist die Fürsorge für die Hinterbliebenen, insbesondere für die Witwen und Waisen der auf dem Felde der Ehre gestorbenen Helden. Die Nationalstiftung hat sich die Erfüllung dieser Pflicht zur Aufgabe gesetzt. Sie erstreckt ihre Tätigkeit bereits über das ganze Reich. Auch in unserer Provinz hat sie schon warmherzige Förderer gefunden. Um aber allen Anforderungen, die mit der Dauer des Krieges und der zunehmenden Zahl der Hinterbliebenen fortgesetzt wachsen, genügen zu können, ist die Stiftung auf die Mitarbeit aller angewiesen. So wenden wir uns denn im Vertrauen auf die oft bewiesene Opferfreudigkeit an die gesamte Bevölkerung unserer Provinz mit der herzlichen Bitte:
„Gebt für die Witwen und Waisen; gebt für alle hilfsbedürftigen Hinterbliebenen der tapferen Söhne Hessen-Nassaus, die ihr Leben nicht nur für das Vaterland, sondern auch für Euch da- hingegeben haben, denen Ihr es allein zu danken habt, daß Ihr ungestört Eurem Erwerb, Eurem Berns nachgehen könnt! Bergeßt die teuren Toten nicht! Dankt ihnen ihre Treue durch treue Fürsorge für ihre Hinterbliebenen! Spendet Geld und Wertpapiere, und spende em jeher nach seinen Kräften gern im Gedanken, wie gering doch solche Opfer an Geld und Gut sind gegenüber dem Opfertod so vieler Tausender unserer Brüder!"
Namens des Provinzialausschusses der Nationalstiftung. Der Vorsitzende.
Hengstenberg, Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau.
Wirklicher Geheimer Rat.
Für den Kreis Schlüchtern hat der Kreisausschuß die Aufgaben des Ortsausschusses der Nationalstiftung übernommen. Er wird bei Prüfung der Gesuche durch die Herren Pfarrer Kurz und Pater Pastor Schumacher in Salmünster unterstützt werden. Wir sind überzeugt, daß wir bei dieser Fürsorgearbeit auf die tatkräftige Mithilfe aller Vereine, Körperschaften und Personen im Kreise rechnen dürfen, um die großen Aufgaben der Hilfe und Fürsorge für alle Opfer des Krieges erfüllen zu können.
Wir fordern unsere Mitbürger auf, die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen jeder nach seinem Vermögen mit reichen einmaligen und laufenden Spenden zu bedenken, nachdem sie jetzt ihre Tätigkeit auch im Kreise Schlüchtern ausgenommen hat.
' Spenden werden von der Kreiskommunalkaye, der Landesrenterei (Rentmeister Barthelmes) in Schlüchtern und von den Sparkassen des Kreises entgegengenommen.
Spenden, die vor dem 1. Januar 1917 gegeben werden, unterliegen nicht der Kriegsgewinnsteuer.
Schlüchtern, den 29. Oktober 1916.
Namens des Kreisausschusses.
Der Vorsitzende: von Trott zu Solz.
J.-Nr, 2682 R. K. Für Rote-Kreuz-Vereinszwecke
gingen weiter ein: Ungenannt in Schlüchtern
„ „ Ntederzell
„ „ Schlüchtern
" // "
Schiedsamt „ Altengronau (Sühnegeld) Ungenannt „ Oberzell
„ „ Schlüchtern Pfarrer Schulz, Soden, (Sühnegeld von einem Einwohner und Almosen) Ungenannt in Elm Bürgermeister, Oberzell (verschiedene Spenden ungenannt) Ungenannt in Vollmerz /, „ Schlüchtern
50
30
25
35
3
3
10
5
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10
3
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75
20
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Ungenannt in Schlüchtern 5 Mk.
„ „ Soden 2 „ „ „ Vollmerz 2 „ „ „ Elm 5 „ „ „ Schlüchtern 3 „ 20
Firma H. Steinfeld Söhne, Schlüchtern 10 „ Den Gebern, herzlichen Dank. Weitere Gaben werden gern entgegengenommen. Schlüchtern, den 6. November 1916.
Die beiden Vereine vom Roten Kreuz.
Städtisches Arbeitsamt Hanau
Arbeitsnachweis für Stadt und Landkreis Hanau und die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern.
Gesucht werden im Kreise Schlüchtern:
1 Schmied oder Schlosser, 2 Elektromonteure, einige Erdarbeiter und 1 Kleinknecht von 15—16 Jahren.
Das neue Königreich Polen.
WB. Berlin, 5. Nov. 1916. (Amtlich.) Folgendes Manifest wird heute durch den Kaiserlichen Generalgouverneur von Warschau, General der Infanterie v. Beseler, verkündigt:
An die Bewohner des Generalgouvernements Warschau!
Seine Majestät der Deutsche Kaiser und Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich und Apostolischer König von Ungarn, getragen von dem festen Vertrauen auf den endgültigen Sieg ihrer Waffen und von dem Wunsche geleitet, die von ihren tapferen Heeren mit schweren Opfern der russischen Herrschaft entrissenen polnischen Gebiete einer glücklichen Zukunft entgegen- zuführen, sind dahin übereingekommen, aus diesen Gebieten einen selbständigen Staat mit erblicher Monarchie und konstitutioneller Verfassung zu bilden. Die genauere Bestimmung der Grenzen des Königreiches Polen bleibt vorbehalten. Das neue Königreich Polen wird im Anschluß an die beiden verbündeten Mächte die Bürgschaften finden, deren es zur freien Entfaltung seiner Kräfte bedarf. In einer eigenen Armee sollen die ruhmvollen Ueberlieferungen der polnischen Heere früherer Zeiten und die Erinnerung an die tapferen polnischen Mitstreiter in dem großen Kriege der Gegenwart fortleben. Ihre Organisation, Ausbildung und Führung wird in gemeinsamem Einvernehmen geregelt werden.
Die verbündeten Monarchen geben sich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß sich die Wünsche nach staatlicher und nationaler Entwickelung des Königreiches Polen nunmehr unter gebotener Rücksichtnahme auf die allgemeinen politischen Verhältnisse Europas und auf die Wohlfahrt und Sicherheit ihrer eigenen Länder und Völker erfüllen werden.
Die großen westlichen Nachbarmächte des Königreiches Polen aber werden an ihrer Ostgrenze einen freien, glücklichen und seines nationalen Lebens frohen Staat mit Freuden neu erstehen und aufblühen sehen.
Auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Deutschen Kaisers.
Der Generalgouverneur.
Eine Kundgebung gleichen Inhalts wird von dem K. und K. Militär-General-Gouverneur in Lublin, Feldzeugmeister Kuk bekanntgegeben.
Politische Uebersicht.
Die Vertagung des Reichstages.
Der Reichstag ist bis zum 13. Februar 1917 vertagt worden. In der letzten Sitzung vor der Vertagung bestätigte Staatssekretär Dr. Helfferich, daß die Allerhöchste Kabinettsorder, durch die der Reichstag vertagt wird, die Klausel enthält, daß der Zusammentritt der Budgetkommission auch während der Vertagung erfolgt. Damit habe die Regierung den Wünschen des Reichstages Rechnung getragen. Im übrigen sei die Vertagung bis zum 13. Februar 1917 aus zwingenden Gründen der Geschäftsführung und der Leitung des Reiches erfolgt. Wenn irgendwelche Ereignisse einen früheren Zusammentritt des Reichstages wünschenswert erscheinen ließen, so habe der Kaiser jederzeit die Möglichkeit, den Reichstag früher einzuberufen. — Der Antrag auf Vertagung wurde gegen die beiden sozialdemokratischen Stimmen angenommen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 7. November 1916.
—* Das stellvertretende Generalkommando 18. Armeekorps fordert die dringliche Einerntung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, widrigenfalls Enteignung und die zwangsweise Einerntung auf Kosten der säumigen Besitzer veranlaßt wird.
—* Das Bayerische Militär-Verdienst-Kreuz 3. Kl. mit Schwertern erhielt der beim 15. Bayer. Res.-Jnftr. Regt, stehende Gefreite Leo Rothschild, Sohn des Lederhändlers Jakob Hirsch Rotschild von hier für hervorragende Tapferkeit vor dem Feinde.
—* Bekanntlich drängt sich der Güterverkehr auf den Eisenbahnen in den Herbstmonaten am stärksten zusammen. Während des Krieges macht die Bewältigung dieses starken Herbstverkehrs naturgemäß größere Schwierigkeiten als in Friedenszeiten, da die Eisenbahnen für Heereszwecke stark in Anspruch genommen sind und namentlich viel Lokomotiven und Personal in die besetzten Gebiete abgegeben haben. Die Eisenbahnver- waltung hat sich deshalb entschlossen, im Personenzug- verkehr zugunsten des Güterverkehrs einige Einschränkungen vorzunehmen. Die Befriedigung des Güterverkehrs steht jetzt unbedingt an erster Stelle, soweit er der Versorgung der für Heereszwecke arbeitenden Gewerbebetriebe, sowie der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln dient. Das reisende Publikum wird daher in der nächsten Zeit den Ausfall einiger Züge in den Kauf nehmen müssen. Wie wir hören, werden die Einschränkungen in dem Personenverkehr schon in den nächsten Tagen in Kraft treten.
—* Die Landwirtschaftskanuner für den Regierungsbezirk Cassel wird am Freitag, den 10. November d. Js. vormittags 11'/, Uhr in Kirchhain auf dem Vieh- Marktplätze 28 in russisch Polen gekaufte zum Teil kleinere volljährige Pferde verkaufen. Näheres ist aus dem Anzeigeteil zu entnehmen.
—* Der nahende Winter läßt die Schaffung neuer Soldatenheime an den Fronten und Küsten dringend erforderlich erscheinen. Jeder wünscht seinen Lieben da draußen eine behagliche Unterkunft. Aber mit den Wünschen allein ist ihnen nicht geholfen. Zur Errichtung weiterer Soldatenheime, die von vielen Regimentern dringend gefordert werden, ergeht jetzt die Bitte um Beschaffung von Mitteln. Unsere Leser find schon verschiedentlich von uns über den Wert der Soldatenheime, die unser Generalfeldmarschall von Hindenburg als eine segensreiche Einrichtung bezeichnet hat, unterrichtet worden, sodaß sie den heute beiliegenden Aufruf der Spende für deutsche Soldatenheime nicht unbeachtet lassen werden. Der Aufruf ist mit einem neuen, künstlerisch in Tiefdruck ausgeführten Hindenburg Bildnisse verbunden, des in jedem Hause sehr willkommen sein wird. Die Leser werden gebeten, die angefügte Postscheckzahlkarte zur Einzahlung von Spenden für deutsche Soldatenheime zu verwenden. Möge doch allseitig Elly Vogels Mahnwort beherzigt werden:
Ihr die, Ihr nie herausgerissen,
Aus Eures Heims behaglicher Kultur, Ahnt nicht, wie die, die draußen sie vermissen, Beglückt hier wandeln auf gewohnter Spur!
Gebt nun aufs Neue, gebt ohn' langes Säumen, Damit ein Heim und wieder eins ersteh', In dem aus'Lieb' erbauten trauten Räumen Vergißt der Krieger seiner Seele Weh'.--
Gibt's denn ein Haus das nicht vom Krieg betroffen? Wo keiner, der Euch lieb ist, weilt im Feld?-- Gebt drum, gebt schnell, ihr alle dürfet hoffen, Ihr schafft den Euren ein Stück Heimatwelt.--
—* Pflanzt Kriegs Obstbäume! Jeder Besitzer von Garten oder Feld sollte. Obstbäume pflanzen zur Erinnerung an die große, schwere Zeit, an den Abschied, an die Wiederkehr oder den Heldentod von Angehörigen. Ein solches Denkmal dauert aus ; es wächst und wurzelt im Heimatboden zum Stolz und Segen der Nachkommen. Durch das von Jahr zu Jahr sich steigernde Ernteerträguis erhalten wir ein Sinnbild von dem unerschöpflichen Schatz, den wir in unserer heimatlichen, von unseren wackeren Streitern treulich beschirmten Scholle besitzen. Darum ergeht der Ruf an alle Grundbesitzer: „Pflanzt Kriegs-Obstbäume".
—* In ein immer neues, schmuckes Gewand, trotz des sonst allgemein herrschenden Stoffmangels, kleiden sich von Woche zu Woche die Meggendorfer-Blätter.