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lvochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt»

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg. ^

M 87. Samstag, den 28. Oktober 1916. 67. Jahrgang.

AmUiches.

Betr. Schlachtvieh-Versicherung und Schweine-Berkauf.

Der Zentralviehhandelsverband in Berlin hat ange­ordnet, daß in Zukunft von den Mehabgebern eine Ver­sicherungsprämie zur Deckung von Verlusten erhoben wird, die aus Schäden infolge von Gewährsmängeln entstehen. Diese Prämien betragen bei Ochsen, Kühen und Rindern 4 Mk., bei Schweinen 1 Mk. und bei Kälbern und Schafen 50 Pfg. für das Stück. Die Prämien werden an dem Ankaufspreis gekürzt.

Der Verkauf von Schweinen über 130 Pfd. Lebend­gewicht an Privatpersonen ist unzulässig. Der Verkauf solcher Schweine darf nur an die vom Verband mit Ausweiskarten versehenen Händler erfolgen.

Cassel, 20. Oktober 1916.

Biehhaudelsverbaud für den Regierungsbezirk Cassel. * *

Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 23. Oktober 1916.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses von Trott zu Solz.

Futtermittelbestkllung.

Demnächst treffen ein:

Polnische Kleie der Zentner etwa 1214 Mark

Melassefutter 6,k>07

Fleischfuttermehl 1819

Knochenkraftfutter 24

Bestellungen sind umgehend an die Herren Bür- l germeister zu richten und von diesen alsbald für die [ Gemeinde zusammen hierher, einzureichen.

Schlüchtern, den 18. Oktober 1916.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses, von Trott zu Solz.

Das dritte Weihnachtsfest naht.

Und immer noch toben die Feinde an den Grenzen des Reiches, mit der Absicht, unser Vaterland zu ver­nichten und das deutsche Volk zu Sklaven niederzuringen.

Tag für Tag setzen unsere tapferen Soldaten todes- !Mtig und todesfreudig diesem Willen der haßerfüllten Feinde, einem lebendigen Walle gleich, ihre Leiber ent­gegen, zu schützen Weib, Kind und Vaterland.

Für uns, die wir daheim unter schützendem Dache wohnen und friedlich unserer Arbeit nachgehen können, kist es daher Pflicht, den lieben Vaterlandsstreitern keine Weihnachtsfreude zu bereiten.

I Wir wissen, daß sich jeder Deutsche dieser Pflicht gewußt ist und gern an seinem Teil zu ihrer Erfüllung Weiträgt. In diesem Gedanken treten wir abermals an Wie Kreisinsassen mit der Bitte heran, die schon so oft cr- »robte Opfermilligkeit auch diesmal zu betätigen und MS durch eine, wenn auch kleine Geldgabe instand M setzen, möglichst allen aus dem Kreis Schlüchtern stammenden

k Kriegern im Aelde eine Weihnachtsliebesgabe

W beschaffen.

I Wir wissen, daß Naturalien sehr knapp sind und Den deshalb von Hergabe von solchen ab, hoffen aber, die eingehenden Barmittel so reichlich fließen, daß dafür Liebesgaben wie in den früheren Jahren Wusen können.

I Da die Herren Bürgermeister mit dienstlichen Ange- Ugenheiten schon schwer belastet sind, richten wir an die Herren Lehrer die Bitte, an einem Tage der Ochsten Woche eine Haussammlung durch Schüler ^verunstalten und die'eingehenden Gelder an unseren Schatzmeister Herrn Rentmeister Barthelmes abzuliefern. Durch die Zeitung wird über die eingegangenen Gelder quittiert werden.

Schlüchtern, 24. Oktober 1916.

5er Männerverein vom Rote« Kreuz.

von Trott zu Solz, Vorsitzender.

Politische Uebersicht.

Batocki zur Zuckerfrage.

2m Hauptausschuß des Reichstages äußerte, nach­

dem mehrere Redner die Obstverordnungen kritisiert hatten, Präsident von Batocki sich zur Zuckerfrage. Sie sei wichtig und es solle auf größere Zuckerrübenerzeug- ung hingewirkt werden. 9tad)bem noch ein Vertreter des Kriegsausschusses für Kaffeeversorgung gesprochen hatte, wurde die Weiterberatung auf Freitag vertagt.

Die Käseeinfuhr von Holland.

In verschiedenen Zeitungen Deutschlands ist das Ge­rücht verbreitet, daß die Einfuhr von Käse aus Holland wieder freigegeben worden sei. Wie die Zentral-Ein- kaufsgesellschaft mitteilt, ist diese Nachricht unrichtig. Für die Einfuhr und den Vertrieb von ausländischem Käse bleiben die bekannten Bestimmungen unverändert in Kraft.

Prinz Waldemar von Preußen erhielt vom Sultan den Großstern des Osmanijeordens mit Brillanten.

Die Leichenfeier für den ermordeten Mini- präsidenten Stürgkh fand am Dienstag nachmittag in Wien statt. Unter den zahlreichen Kränzen, die am Sarge niedergelegt wurden, befanden sich der prächtige Kranz des Deutschen Kaisers aus weißen und schlicht lilafarbenen Chrysanthemen, Rosen und Maiglöckchen mit weißen Schleifen, demW" und der Krone, ferner Kränze der Könige von Bayern und Sachsen, der öster­reichisch-ungarischen Regierung und der beiden Häuser des Reichsrats.

Briand im Schützengraben.

Briands letzte Kammerrede hat nach Aussage eines nordwestlich Prosnes gemachten Gefangenen eine Kom­pagnie des 88. Infanterieregiments der 34. Infanterie­division veranlaßt, folgenden Brief an Briand zu schreiben:Herr Briand möchte doch nicht den Mund so voll nehmen; bevor er erklärt, es gebe nicht einen Franzosen, der den Frieden herbeisehne, möge er sich gütigst einmal an die Front bemühen und seine Nase in einen Schützengraben stecken; da werde er sehr bald eines besseren belehrt werden." Briands Bild aus einer Illustrierten Zeitung wurde im Unterstand aufgehängt und in großen Buchstaben darunter geschrieben:a bas Briand !" So kam das Großmaul Briand in den Schützengraben wenn auch nur im Bild. Ob er sehr stolz daraus sein wird?

Die Bedeutung Konstanzas

Das Schicksal Rumäniens erfüllt sich in unheimlicher Schnelle. Der Fall Konstanzas legt seinen stärksten Nervenstrang lahm, denn der Ort ist der wichtigste rumänische Hafen am Schwarzen Meere, der besonders durch seine direkte Bahnverbindung nach Bukarest wert­voll ist. Neben seiner Bedeutung in handelspolitischer Hinsichthat Konstanza als Dobrudschahafen jetzt im Kriege strategische Bedeutung dadurch, daß über ihn Rußland den Nachschub auf dem bequemsten Wege nach Rumänien leiten kann. Zwar stehen Rußland über Neni-Galatz und über Jassy noch andere Verbindungswege nach Ru­mänien offen, die aber an Bedeutung mit der direkten Verbindung KonstanzaBukarest, die durch die Ein­nahme von Konstanza jetzt unterbunden ist, nicht ver­glichen werden können. So ist für Rumänien der Haupt­hilfeweg der Russen abgeschnitten und was Rumänien ohne Rußland in dem Kriege bedeutet, dafür sind die Ereignisse der letzten Wochen der beste Beweis.

Lokales und grotrinMes.

Schlüchtern, den 27. Oktober 1916.

* Der letzte Dienstag fand an der Goldan- kaufshilfsstelle nur geringe Beteiligung, immerhin kamen wieder Goldsachen im Gesamtgoldwert von nahe- zu 300 Mk. ein. Bis jetzt kamen die Goldspenden nur aus der Stadt Schlüchtern, während der Zustrom aus dem Kreis wohl erst allmählig in Bewegung kommen wird, nachdem sich auch dort einige Persönlichkeiten der so guten und unserem Vaterlande so dringend not­wendigen Sammlung annehmen. Vielleicht hat auch mancher überhaupt nicht begriffen, was denn gerade seine Uhrkette oder seine Brosche mit so großen Dingen wie dem Bestand des deutschen Reichs und seiner Zukunft zu tun haben, oder mit Golddeckung und Pa­pierkontigent, Valuta und Disagio lauter schwierige Vorstellungen und Begriffe, von denen er vielleicht noch nie gehört hat. Wir wollen versuchen, das an einigen einfachen, leicht verständlichen Tatsachen klar zu machen. Zunächst^einmal: Gerade deine Uhrkette ist nötig, wenn wir einen Erfolg haben sollen u. deine Brosche, so gut wie deine 100 Mk. oder deine 10 Mk. nötig waren, um der Kriegsanleihe auf die glänzende Höhe zu verhelfen, die

sie erreicht hat. Alles, was in diesem riesenhaften, überall von der Masse beherrschten Krieg der Einzelne tut, erscheint unwesentlich, geringfügig; aber die Einzel­leistungen sind es darum doch, die die gewaltige Ge­samtleistung tragen und bedingen. Der Goldschatz des Reichs aber, der gestärkt werden soll, hat folgenden Zweck, folgende Aufgaben: Erstens die Notendeckuug. Im Bankgesetz ist bestimmt, daß der dritte Teil der umlaufenden Banknoten, das Papiergeld, durch Gold gedeckt sein muß. Diese Dritteldeckung konnte bisher noch immer eingehalten werden, gerät aber jetzt bei einem durch den Krieg stark erhöhten Notenumlauf von über 7 Milliarden Mark hart an die zuverlässige Grenze. Man rechnet dazu mit einer weiteren Ausdehnung des Notenumlaufs, denn die Heeresernährung, Ausrüstung und Munitionsversorgung muß sichergestellt sein, die von uns besetzten feindlichen Gebiete müssen mit Zahl­ungsmitteln versehen werden und das Wirtschaftsleben muß im Gang erhalten bleiben. Für alle diese Forder­ungen muß die Reichsbank eintreten mit ihrem Gold­schatz. Zweitens die Zahlungsverpflichtungen. Seit der Blockade übersteigen unsere Verpflichtungen an das Ausland bedeutend unsere Forderungen, das inter­nationale Zahlungsmittel aber ist Gold. Schließlich müssen wir uns klar machen, daß ein starker Goldschatz nicht nur eine Kriegsforderung, sondern auch nach dem Friedensschluß der doch einmal kommen muß von größter Wichtigkeit ist. Denn die Umstellung namentlich seitens der Industrie von der Kriegs- in die Friedenswirtschaft wird große Ansprüche an die Reichsbank stellen, zu deren Befriedigung ein sehr er- hMchex Notenumlauf erforderlich sein wird. Ferner werden wir Gold brauchen zur Einfuhr jetzt entbehrter Rohstoffe. Einen Begriff von der Höhe dieser Forder­ungen gibt der Umstand, daß allein die Textilindustrie im Jahr 1913 Rohstoffe eingeführt hat im Wert von nahezu einer Milliarde. Aus allen diesen Gründen ist die Stärkung unseres Goldschatzes eine vaterländische Pflicht erster Ordnung. Wir können nur zweierlei dazu tun: Goldmünzen abliefern, ein ganz selbstverständ­liches Tun, ohne jedes Verdienst, jedes Risiko, ohne jedes Opfer und dabei wird geschätzt, daß nahezu 500 Millionen Goldstücke nochnicht eingeliefert sind! und unsere Schmucksachen hergeben, unzweifelhaft ein Opfer, das mir durchaus nicht verkennen und ver­kleinern wollen. Aber bedenken wirZauch, daß sich in so schweren Zeiten wie den gegenwärtigen an seinem Goldputz ganz gewiß keiner freuen kann, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, und daß wir, ganz ab­gesehen vom vaterländischen Zweck mit dem Erlös viel bittere Tränen stillen können! Es wird interessieren, daß jetzt auch der kaiserliche Hof alle Goldgeräte und sonstige Goldsachen, über die er verfügen darf, zum Ein­schmelzen hergegeben hat, ein Beispiel, dem wohl in Kürze alle anderen deutschen Höfe folgen werden.

Die Beträge für die ersten Goldabgaben sind aus Fulda eingetroffen und können am nächsten Dienstag zur Auszahlung ge­langen bei welcher Gelegenheit auch Gedenk- blätter ausgeteilt werden, an alle, welche sich an der Goldsammlung beteiligten.

Wachster Koldankaufstag: Dienstag, 31. HKLober 1916, von 35 Wyr, im Kreistags-Sitzungssaal.

* Zur Goldfammlung. Wie aus Berlin ge­meldet wird, hat die Kaiserin aus ihrem Besitz eine große Anzahl Schmucksachen von hohem Wert, darunter schwere Ketten, Armbänder, Broschen und Ringe, der Goldschmucksammlung überwiesen.

88. Deutscher, in eiserner Zeit verzichte auf Gold­schmuck! Bring ihn dem Vaterland dar, das dir den Goldwert bezahlt! Wer sich dem Rufe verschließt, er­schwert unseren! Volke den Sieg.

* Kartoffelankauf im Kreise Schlüchtern. Be­kanntlich muß jedem Landwirt, der Kartoffeln angebaut hat, eine entsprechende Menge für seinen eigenen Be­darf verbleiben, nämlich für die nächsten 10 Monate zusammen je 4 '/, Zentner auf den Kopf des Haushalts, also z. B. für 6 Personen 27 Zentner; außerdem als Saatkartoffeln 10 Zentner für den Morgen der von ihm bisher regelmäßig mit Kartoffeln angebauten Fläche. Was darüber hinaus geerntet worden ist, hat jeder Landwirt abzuliefern oder den Beauftragten des Kreises Schlüchtern zur Verfügung zu halten; verfüttert werden darf nichts, außer den für menschlichen Genuß