Einzelbild herunterladen
 

[

stücken vollbepackten Kinderwagen dahinschob. Auf dem Kinderwagen befand sich ein großer Reisekoffer, gefüllt mit neuen Lederwaren aller Art, Zigarren und bgl. mehr. Er gab zu, daß diese Sachen von einem Diebstahl her­rühren. Weitere Nachforschungen haben ergeben, daß der Festgenommene zuletzt in Frankfurt gewohnt hat, ein alter Zuchthäusler ist und die Lederwaren durch einen Einbruch in ein Sattlergeschäft in Kahl a. M. an sich gebracht hat. Er hat angegeben, feste Abnehmer für die gestohlenen Sachen zu besitzen.

* Rotenburg. Mit welcher Erbitterung Kämpfe auch unter dem Wilde ausgefochten werden, zeigt ein Fall, welcher sich in der nahen Oberförsterei Wildeck zu­getragen hat. Dort hat Herr Hegemeister Dörr einen kapitalen Hirsch verendet aufgefunden, der von seinem Gegner, einem wahrscheinlich noch stärkeren Hirsch, zu Tode gefordert worden ist. In dem Schädel des gefun­denen Hirsches steckt das abgebrochene Ende einer Ge­weihsprosse. Da der Hirsch, als er gefunden wurde, noch warm war, konnte er noch ganz verwertet werden. Auch in diesem Jahre scheint sich Meister Lampe schlecht vermehrt zu haben. Die naßkalte Witterung des Frühjahres und Sommers hat den Junghasen sehr zugesetzt. Es gibt wenig Hasen in hiesiger Gegend. Ebenso ist die Hühnerjagd, wie nie zuvor, schlecht be­völkert.

* Gersfeld. Dem Gersfelder Kreisblatt zufolge über die Kartoffelernte eingehenden Berichte melden einen durchschnittlichen, teils guten Ertrag; auf den trokenen Böden von größerer Durchlässigkeit gibt es fast überall sehr befriedigende Ernten, auf schweren weniger durch­lässigen und deshalb feuchteren Böden ist das Ergebnis nur mittelmäßig. In der Wetterau und in Oberhessen wird die Ernte als gute Mittelernte bezeichnet, auch am Main ist der Ertrag, auch hinsichtlich der Knollengröße ein guter, teilweise sogar ein sehr guter. Wenn es auch keine Rekordernte ist wie die von 1915, so kann man doch zufrieden sein. Ein sehr mäßiges Ergebnis haben wieder der Vogelsberg und die Rhön, dagegen meldet der Speffart befriedigende Ernten, ebenso der Odenwald, das übliche Hessen, Bayern und Rheinpfalz. Maßgebend für das meist befriedigende Ergebnis der Ernte ist der Boden, dann die Verwendung des Saatguts. Im all­gemeinen dürfte auch die Kartoffelernte dem allgemeinen Ernteergebnis des dritten Kriegsjahrs entsprechen. Der Winter scheint frühzeitig eintreten zu wollen. Am 16. und 17. waren einige Regenschauer mit Schnee untermischt. Vergangene Nacht hatten wir Reif. Bis auf Kraut und Rüben, die jetzt eingebracht werden, ist die Ernte unter Dach. Am kommenden Sonntag feiern wir E.ntedankfest.

* Homberg. Die Ernte ist überall beendet; nur einige größere Güter sind noch mit der Kartoffelernte beschäftigt. Der Ertrag war im ganzen^zufriedenstellend, wenn auch die Kartoffeln in schwerem Boden zu wün­schen übrig ließen. Der Handel mit diesem notwendigen Lebensmittel ist in lebhaftem Betrieb und entwickelt sich nach Feststellung der Höchstpreise glatt. Die Obsternte war durchweg gut und hat reiche Erträge geliefert, der sehr lebhafte Zwetschenhandel hat jetzt sein Ende erreicht, der nicht verkaufte Teil dieses Obstes wird jetzt zu Mus verarbeitet. Mit der Herbstaussaat ist man auch aler- orten beschäftigt und vollzieht sich unter recht günstigen WitterungSverhältnissen. Vielfach klagt man über Schnecken- und Mäusefraß, doch ist diese Plage nicht so arg als man ahnte. Eichel- und Bucheckernmast ist nicht so reichlich ausgefallen als man gehofft, dagegen gibt e§- allerlei Pilze in Menge, leider wird hiervon nicht der Gebrauch gemacht, den man wünschte.

* Homberg a. O. Gegenwärtig herrscht große Nachfrage nach Jagdpachten. Landgemeinden, die noch im Besitze eigner Jagden sind, werden mit solchen An­geboten geradezu bestürmt. Jagdliebhaber, besonders Großstädter, bieten solch hohe Preise, daß der Hase auf etwa 10 Mk. kommen dürfte.

* Von der Bergstraße. Welch üble Folge anonyme Briefe haben können, zeigte ein Vorfall in Weinheim. Die 20jährige Lina Leidig, Tochter eines in der Nord- straße wohnhaften Gipsers, warf sich vor den nach Darmstadt ausfahrenden Personenzug und wurde totge- sahren. Irgendeinegute Freundin" hatte an den Bräutigam des jungen Mädchens allerhand Klatsch ins .Feld geschrieben. Dadurch war der junge Mann ver­anlaßt anläßlich seines Urlaubs seine Braut nicht zu ! besuchen. Dies nahm sich Lina Leidig so zu Herzen, i daß sie den Tod auf den Schienen suchte und fand.

* Aus Oberhesscu. In Hutzdorf feuerte der 42- jährige Heinrich Hofmann auf den ihm auf der Straße nach Sandlos begegnenden Ortsgeistlichen, Pfarrer zu I Nieden, mehrere Revolverschüsse, die jedoch glücklicher- l weise meist fehlgingen und nur geringe Verletzungen verursachten. Hierauf richtete der Täter die Waffe gegen sich selbst und sprang, nachdem er einen Schuß I auf sich abgegeben hatte, in die nahe vorbeifließende I Fulda, aus der er alsbald als Leiche herausbefördert i wurde. Was Hofmann zu dieser Tat veranlaßte, ist k nicht bekannt. Er sollte am selben Tage zur Musterung | in Lauterbach erscheinen, dem Gestellungsbefehl leistete I er jedoch keine Folge. Er galt als ein sehr nervös k veranlagter Mensch unb dürfte auch bei Ausführung der

in einem überreizten Zustand gewesen sein. Dem »Pfarrer soll er zugerufen haben:Wir haben auch kNoch miteinander abzurechnen". Der Htägige Er- ^holungsaufenthalt von mehr als 550 Darmstädter Schul- kkindern in zahlreichen Gemeinden der Provinz hat ein »ür Gastgeber und Gäste so erfreuliches Einvernehmen gezeitigt, daß viele der Gastgeber die Stadt Darmstadt

baten, ihnen die jugendlichen Gäste noch einige Zeit zu belassen. Die Stadt Darmstadt hat darauf die betref­fenden Kinder noch auf weitere 14 Tage beurlaubt.

- *'***' . » 1 TI...«.-^>.<^.I.My- -w - ,. --^-. ^ »*>* - <»W«»M»MW .M»-W».-. -» #«r^**^«Ä*^* Vermischtes.

Ein Glückspilz. Ein Sohn des Lokomotivführers Handtke in Neue Forstkolonie bei Sagan fand kürzlich auf der Straße 50 Mk., welche er als ehrlicher Finder dem Besitzer auslieferte. Er empfing dafür 5 Mark Belohnung. Von diesem Glücksgeld kaufte der Vater ein Los der Roten-Kreuz-Lotterie. Bei der jetzigen Ziehung fiel darauf der Haupttreffer von 50 000 Mk.

(Aus dem Schwarzwald.) Seit Montag nacht fällt im ganzen Schwarzwaldgebiet bis weit herab Schnee. Bis fast 1000 Meter herab hat sich der Schnee behauptet und liegt auf den höheren Bergzügen, be­sonders im Feldberggebiet, schon 1520 Zentimeter hoch. Die Nacht darauf sind nunmehr auch die ersten starken Fröste aufgetreten. Im Schwarzwald gab es 34 Grad Kälte, in der Rheinebene sank die Tem­peratur auf den Gefrierpunkt.

Weibliche Protokollführer bei Gerichtsverhand­lungen sind in Oesterreich neuerdings zugelaffen worden. Den Anfang haben die Gerichte der Stadt Graz, der Landeshauptstadt von Steiermark, gemacht; die Er­fahrungen sind durchaus gute. Es wird hervorgehoben, daß die weiblichen Protokollführer sehr korrekt, gewissen- haft und mit guter Auffassungsgabe arbeiten. Auch in Wien dürfte man unter dem Einfluß des Beamten­mangels demnächst dazu übergehen, Frauen als Ge­richtsbeamte einzustellen. Die derart beschäftigten Be­amtinnen unterstehen dem Berusseid.

Sünglingsfürsorge,

die Grundlage für Deutschlands Zukunft.

(4. Fortsetzung.)

Hält man die Belastung einigermaßen in vernünftigen Grenzen, giebt man z. B. einem kräftigen Säugling eine paffend zubereitete Kuhmilch in ordnungsmäßiger Menge, so kann der Verdauungsapparat den gesteigerten Anforderungen gerade noch genügen. Geht man jedoch zu weit, giebt man zuviel von der unnatürlichen Nahrung oder bereitet man sie unzweckmäßig zu, so wird der Darm dieser Ueberlastung nur kurze Zeit stand halten, seine Arbeit nur notdürftig verrichten, bis schließlich eine schwere Störung zu Tage tritt, die die furchtbarsten Folgen haben kann. Auch die zur Volkskrankheit ge­wordene Knochenerkrankung, die Rhachitis, engl. Krank­heit, ist auf Stoffwechselstörungen durch unangepaßte Ernährung zurückzuführen, sie ist niemals angeboren und kann durch rechtzeitige, ärztliche Behandlung mit Zufuhr wirksamer Nahrungsmittel geheilt werden. Die Milch der Tierarten ist ganz verschieden zusammenge­setzt. Die Milch, welche bestimmt ist, ein Kalb zu er­nähren, kann also unmöglich geeignet sein, aus einem Säugling einen Menschen heranwachsen zu lassen. Noch klarer geht das daraus hervor, daß die Unterschiede der Milchzusammensetzung ihre bestimmte Bedeutung haben, daß sie auf die besonderen Bedürfnisse der Tiere zurückzuführen sind. Namentlich die größere oder ge­ringere Schnelligkeit des Wachstums ist von maßgeben­dem Einfluß. Schnellwachsende Tiere müssen auch reich­lich die Stoffe zum Ausbau des Körpers, also Eiweiß und Salze, zugeführt erhalten. Langsam wachsende Individuen haben einen entsprechend geringeren Bedarf. Je nach der Wachstumsgeschwindigkeit stuft sich der Ge­halt der Milch an Eiweiß und Salzen ab. Z. B. enthält: die Milch des Kaninchens 10,4 % Eiweiß u. 2,5 % Salze

der Kuh 3,5% 0,7 %

des Menschen 1,0%0,2%

Dem entspricht es, daß das Kaninchen sein Geburts­gewicht schon im Laufe von 6 Tagen verdoppelt, wäh­rend das Kalb 1 '/, Monate gebraucht und bei dem Menschen gar 56 Monate notwendig sind.

Klar wird jetzt, warum die Brustkinder fast ganz von Ernährungsstörungen befreit bleiben, während die Flaschenkinder so leicht erkranken, warum demgemäß die Mehrzahl der gestorbenen Säuglinge Flaschen-Kinder sind. Muttermilch ist niemals durch noch so sorgfältig zubereitete, entsprechend mit Wasser oder Haferschleim gemischte, mit Zucker angeretcherte Kuhmilch oder ein anderes Präparat ganz zu ersetzen. Ueber das Vor­handensein ihrer besonderen Eigenschaften ist man sich noch nicht im klaren, doch ist es bestimmt nachgewiesen, daß bei ansteckender Krankheit der Mutter die Schutz­stoffe, die im Körper gegen das Krankheitsgift ent­stehen, in die Milch übergehen und das Kind gegen die Ansteckung schützen, sodaß ohne Gefahr weiter ge­stillt werden kann, bei Tyhus und Diphterie, bei Tuberkulose nicht.

IV.

Nach Regelung der Ernährungsfrage gilt es das Augenmerk zu richten auf die Sitten und Bräuche, auch Unsitten und Mißbräuche bei der Körperpflege gesunder und bei der Behandlung erkrankter Säuglinge. Die Gesunderhaltung des Kindes verlangt die Befolgung einer Reihe von Vorschriften über das tägliche Bad, das nicht allein der Reinigung dient, das nicht zu warme Lager, die nicht zu warme Kleidung, die strenge Gewöhnung an regelmäßige, nicht zu häufige Mahl­zeiten. und dadurch an Ordnung und Sauberkeit als Beginn der Erziehung. Dem treuen Bemühen der Mutterliebe in allen Stücken winkt als Lohn, ein ge­sundes, kräftiges und zufriedenes Kind, das ihr später mit seiner Lebenskraft dafür dankt. Dadurch, daß sie

weiß, daß keine Krankheit von selbst kommt, sondern in einer Störung, die durch einen Fehler in der Pflege oder Ernährung verursacht sein kann, zu suchen ist und behoben werden kann, wird sie alles tun wollen, um nicht einen solchen Fehler zu machen; und wenn sie bis­her aus Unkenntnis gegen bestimmte Gebote der Kinder­pflege gesündigt hat, wird sie in Zukunft sich gerne durch die Erfahrungen belehren lassen, die Aerzte und Pflegerinnen an einer großen Zahl von Kindern in Anstalten gemacht haben und ihren Mitmenschen zu gute kommen lassen.

Ein frischer Zug geht heute durch die Fürsorgetätig­keit und Wahlfahrtspflege. Nicht mehr blindes Wohl­tun erstrebt man, sondern Hilfe nur auf Grund ein­gehender Prüfung aller Verhältnisse und stets unter dem Gesichtspunkte, die Kräfte dessen zu stärken, dem geholfen werden soll. Daher wird jede vorbeugende sociale Hilfe zu einer Frage der Erziehung. Erst wenn man die Kräfte der Mutter für ihre Aufgabe stählt, wird die Bekämpfung der Volksseuchen unter die wir auch das Massensterben der Kinder rechnen, mit Aus­sicht auf dauernden Erfolg unternommen werden können. Solange die Erziehung zur Mutter nicht allgemein in Pflichtsortbildungsschulen ausgeübt wird, müssen, frei­willige Einrichtungen die^Lücken auszufüllen versuchen. Für ländliche Verhältnisse sind hier in erster Linie die Kreiswanderhaushaltungsschulen zu rechnen, die be­sonders im Westen und Süden Deutschlands sich lebend­iger Entwickelung erfreuen. fJm Rahmen der Kreis- wanderkurse werden für die Schülerinnen praktische Unterweisungen in Säuglingspflege abgehalten. Zur gleichen Zeit werden Mütter, Bräute und ältere Lern­begierige des betreffenden Ortes zu besonderen Kursen versammelt. Jede Kleinarbeit gewinnt an Wert, wenn wir sie in große Zusammenhänge einzuordnen wissen. So betrachtet ist ein einfacher Kursus in Kinderpflege ein Stein zu dem großen Bauerzieherisch-wirtschaftlicher Ausbildung aller Heranwachsenden Töchter und künftigen Mütter unseres deutschen Volkes.

_____(Fortsetzung folgt.)

Rezepte für Kaninchensteischzubereitung.

Kaninchen auf Wildart gebraten.

Der Rücken mit Schlegel eines Kaninchens wird 1 bis 2 Tage in die (im nächsten Rezept) angegebene Beize gelegt, dann enthäutet und gespickt. Nachdem gebe man in eine Bratenkasserolle ein Stück Butter, 50 Gramm geschnittenen Speck, 1 Zwiebel, 1 gelbe Rübe, Lorbeer­blatt, titelten, bestreue das Kaninchen mit Salz und Pfeffer, lege es in die Kasserolle und brate es im Ofen, währenddem ist das Fleisch öfters zu übergießen und ein Schöpflöffel Beize beizufügen. Ist der Braten bereits fertig, gibt man noch vier Eßlöffel sauren Rahm dazu, übergießt ihn noch einigemale und legt ihn dann auf eine heiße Schüssel, bis die Tunke fertig ist.

Dann setzt man die Bratenpfanne aufs Feuer und entfettet die Tunke; ferner rührt man 1 Eßlöffel voll Mehl hinzu, noch 1 Schöpflöffel voll Fleischbrühe, lasse sie zehn Minuten kochen und lege dann den Braten noch für weitere 10 Minuten in die Tunke. Hierauf wird er aufgetragen, etwas von der Tunke darüber passiert und die übrige extra zu Tisch beigegeben.

Einbeizung I.

% Ltr. Essig, % Ltr. Rotwein, 4 geschnittene mittelgroße Zwiebeln, einen Teelöffel frische, grob ge­stoßene Wacholderbeeren, 1 Teelöffel voll Pfefferkörner, 3 Lorbeerblätter und ein bißchen Thymian. Darin lege man das Kaninchen und wende es täglich zweimal um.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchlern.

Evangelische Gemeinde:

Sonntag, den 22. Oktober 1916.

Vormittags 10 Uhr: Herr Superint. Orth.

Nachmittags 7,2 Uhr: Herr Pfarrer Rollmann.

Wochendienst: Herr Superint. Orth.

- Evangelisch Kirchlicher Blaukreuz-Verein.

Versammlung nachmittags 5 Uhr in der Kleinkinderschule.

Katolische Gemeinde.

Sonntag, den 22. Oktober 1916.

Vormittags 9 7, Uhr Hochamt und Predigt. Herr Kaplan Ramb.

Nachmittags 2 Uhr: Bittandacht.

Mer über das gesetzlich zulässige Matz hinaus Hafer, Mengkorn, Mischfruchr worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt sich am Vaterlaude!