gültig als sehr gering ergeben sollte, die Versorgung der Bevölkerung mit Speisekartoffeln unter allen Umständen gewährleisten. Es ist daher auf Vorschlag des Kriegsernährungsamts durch den Herrn Reichskanzler angeordnet worden, daß die Verbrauchsregelung in allen Kommunalverbänden nach dem Grundsatz zu erfolgen hat, daß bis zum 15. August 1917 nicht mehr als 1 V, Pfund Kartoffeln für den Tag und Kopf der Bevölkerung durchschnittlich verwendet werden dürfen. Im einzelnen hat die Verbrauchs-Regelung weiter dahingehend zu erfolgen, daß der Kartoffelerzeuger auf den Tag und Kopf bis 17, Pfund Kartoffeln seiner Ernte für sich und für jeden Angehörigen seiner Wirtschaft verwenden darf, während im übrigen der Tageskopfsatz auf höchstens 1 Pfund Kartoffeln mit der'Maßgabe festzusetzen ist, dast der Schwerarbeiter eine tägliche Zulage bis 1 Pfund Kartoffeln, insgesamt also bis 2 Pfund Kartoffeln, erhält. Ferner ist das Verfüttern von Kartoffeln, Kartoffelstärke, Kartoffelstürkemehl und Erzeugnissen der Kartoffeltrocknerei ausnahmslos verboten worden, jedoch dürfen Kartoffeln, die als Speisekartoffeln oder als Fabrikkartoffeln nicht verwendbar sind, künftig an Schweine und an Federvieh verfüttert werden. Verboten ist das Einsäuern von Kartoffeln und das Vergällen und Vermischen der an die Trockenkartoffel-Verwertungs-Gesell- schaft^ abzuliesernden Mengen. Um die rechtzeitige Wintereindeckung mit Kartoffeln zu gewährleisten, ist ferner der Handel und Verkehr mit Saatkartoffeln bis auf weiteres untersagt. — Es darf nicht verkannt werden, daß diese Vorschriften für manchen nichtschwerarbeitenden Verbraucher eine Einschränkung seiner Ernährung bedeuten, daß vornehmlich aber durch die neuen Vorschriften der Landwirt betroffen wird. Es ist aber unbedingt erforderlich, alle anderen Rücksichten zurücktrcten zu lassen und lediglich Vorkehrungen zu treffen, die das Durchhalten mit Kartoffeln bis zur neuen Frühkartoffel- ernte unter allen Umständen sichern. Das genaue Ergebnis der Herbstkartoffelernte kann erst durch eine Bestandsaufnahme ermittelt werden. Ergibt diese ein besseres Resultat, als jetzt vorsichtigerweise angenommen werden muß, so werden die heute gebotenen Vorschriften gemildert werden können. Bis dahin aber müssen die geschilderten Anordnungen in Kraft bleiben, denn nur durch sie allein wird die Gewähr geboten, daß auch unter den schwierigsten Ernteverhältnissen genügende Mengen Speisekartoffeln vorhanden sind, und daß diese Mengen derart verbraucht werden, wie es die Interessen des deutschen Volkes und die Interessen der Heeresverwaltung gebieterisch fordern. Dem Vernehmen nach, werden für den Kreis noch weitere Bestimmungen getroffen werden.
Städtisches Arbeitsamt Hanau
Arbeitsnachweis für Stadt und Landkreis Hanau und die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern.
Gesucht werden im Kreise Schlüchtern:
1 Schmied oder Schlosser, 2 Elektromon- teure für Hausinstallationen und mehrere Erdarbeiter. ______________________
Lokales und KrovinzieUes.
Schlüchtern, den 17. Oktober 1916.
—* Wir bitten unsere werte Kundschaft bei Einzahlung von Geldern an uns, doch unser Postscheckkonto Nr. 11402 in Frankfurt a. M. benutzen zu wollen, da ein Lehrling Wilh. Jeckel von hier, gebürtig von Büdingen eigenmächtig im Laufe d. I. aus hiesiger Post die Postanweisungen an unsere Firma abhob, die Unterschriften fälschte und die Gelder für sich einkassierte.
Die Expedition der Schlüchterner Zeitung
§. Kohmeister-
—* Der Schriftsetzerlehrling Wilhelm Jeckel von hier, erhielt von der Strafkammer in Hanau am 16. Oktober 1 Monat Strafe wegen Urkundenfälschungen und Unterschlagungen. Bei guter Führung wird ihm die Strafe erlassen.
—* Mit dem Eisernen Kreuze wurde ausgezeichnet wegen tapferem Verhalten vor dem Feinde in den Kämpfen bei Hermannstadt der Unteroffizier Heinrich Bodenburg aus Hohenzell, der zweite Sohn des Herrn Lehrer Bodenburg daselbst.
88. Ein Eisenbahnunglück ereignete sich in der Nacht von Sonntag auf Montag an der Kreuzung bei Block Ziegenberg am hiesigen Tunnel. Von einem nach Fulda'ausfahrenden Güterzuge rissen sich 14 Wagen los und stießen mit voller Wucht auf den um 11 Uhr 17 Minuten hier abgehenden Personenzug auf. Hilfszüge aus Hanau und Fulda waren alsbald zur Stelle. Zwölf Wagen des Güterzuges stürzten bei dem Zusammenstoß auf die Gleisanlagen ab und wurden zum Teil zertrümmert. Die Maschine des Personen- zuges hat dagegen nur geringen Schaden erlitten. Von den drei, in den losgerissenen Wagen befindlichen Schaff
nern ist der Bremser Pfistner von Dettingen auf der Stelle getötet, die anderen zwei schwer verletzt. Die D- und Eilzüge von Frankfurt nach Eisenach über Fulda werden über Gießen—Kassel umgeleitet. Der übrige Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der Materialschaden ist bedeutend.
—* Unglücksfall auf dem Bahnhof Hanau-Ost. Am Sonntag Abend kam auf dem Ostbahnhof in Hanau der 17jährige Lamm von Langenselbold unter die Räder eines Zuges und wurden ihm hierbei beide Unterschenkel abgefahren. Er wurde ins Krankenhaus Hanau verbracht.
—* Die Abgabe von Butter wird jetzt jeden Samstag Nachmittag in den hiesigen Verkaufsstellen erfolgen. Die Anmeldungen müssen aber jede Woche erneuert werden und zwar bis jeden Freitag Mittag. Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wurde, sind die letzten Anmeldungen vielfach unrichtig erfolgt. Manche Familien ließen ihre ganze Markenzahl in die Liste eintragen, während für die Hälfte oder ein Drittel nur Butter entnommen wurde. Dieses führt zu Schwierigkeiten bei Feststellung der benötigten Buttermenge. Alan lasse daher in die Liste nur diejenige Markenzahl eintragen, für die man Butter zu empfangen wünscht.
—* Vaterländische Aufführung in Schlüchtern. Wir wollen nicht unterlassen an dieser Stelle ganz besonders auf die am kommenden Sonntag in der Turnhalle da- hier stattsindende Aufführung des vaterländischen Schauspieles „Königin Luise" hinzuweisen. Herrn Direktor Breiholz geht ein vorzüglicher Ruf voran und erzielte derselbe in letzter Zeit in Bad-Nauheim, Homburg, Wetzlar, Hanau usw. volle künstlerische Erfolge. Da ein Teil der Einnahme der örtl. Wohltätigkeit zufließt wäre es recht erfreulich wenn auch hier in Schlüchtern der Besuch ein recht guter wäre.
—* Wie wir vernehmen ist unter den hiesigen Geschäftsleuten das Bestreben im Gang von nächster Woche ab bis zum Frühjahr den 8 Uhr Ladenschluß einzu- führen.
—* Gelnhäuser Pfarrkonferenz. Die diesjährige Herbsttagung der „Gelnhäuser Pfarrkonferenz" findet am 24. Oktober im Deutschen Haus zu Gelnhausen statt. Von weittragender Bedeutung ist ein zur Verhandlung stehender Antrag der Gelnhäuser Klassenkonferenz, der sich mit der Katechismusbehandlung besaßt; ferner auch die grundsätzliche Stellungnahme der Konferenz zur modernen Behandlung der Jugendpflege.
88. Landwirte! Den Herbstsaaten in Garten und Feld droht ein gefräßiger Feind, die graue Ackerschnecke! Das wirkungsvollste Mittel gegen die Ackerschnecke ist bei trockenem Wetter das Bestreuen mit staubsörmigen wasserentziehenden Mitteln. Unter diesen haben sich am besten frischgelöschter Kalk und feingemahlener Kainit bewährt.
M. Butter als Wagenschmiere. Gelegentlich eines Berichts, den Würzburger MagUrätsuM iWr die Ergebnisse einer Reise zur Beschaffung von Lebensmitteln erstatteten, teilte ein Herr mit, daß im Grab- feldgau die Bauern Butter zu Wagenschmiere verwendet hätten, weil die Schmieröle gegenwärtig erheblich teurer seien, als Butter.
—* Trotz vielfacher Warnungen werden noch immer feuergefährliche Gegenstände wie Streichhölzer, Spiritus, Benzin, Aether usw. den Feldpostsendungen beigepackt. Zahlreiche Brände bei den Feldpostanstalten und in den zur Feldpostbeförderung benutzten Fahrzeugen sind wahrscheinlich auf Selbstentzündung solcher feuergefährlichen Gegenstände zurückzuführen und haben die Vernichtung von vielen Tausenden von Feldpostsendungen zur Folge gehabt. Es muß deshalb immer wieder 'dringend vor der gesetzlich unter Strafe gestellten Versendung feuergefährlicher Gegenstände in Postsendungen gewarnt werden. Die Postanstalten sind verpflichtet, alle Fälle zur Anzeige zu bringen, in denen bei amtlicher Erneuerung der Verpackung von Postsendungen und bei anderen Gelegenheiten die Versendung feuergefährlicher Gegenstände festgestellt wird. In den letzten Monaten sind auf Grund solcher Anzeigen viele Personen gerichtlich bestraft worden.
—* Der Goldbestand der Reichsbank hatte bei Ausbruch des Kriegs 1250 Millionen Mark betragen. Er ist durch den im Juliusturm aufbewahrten Goldschatz und weitere noch vorhandene Kriegsreserven, besonders aber durch die Ablieserung von Goldmünzen aus allen Schichten der Bevölkerung, ein in der Bank- und Münzgeschichte aller Zeiten und Völker ohne Beispiel dastehender Vorgang, bis heute auf annähernd 2,5 Milliarden Mark angewachsen. Die Dritteldeckung der Noten durch Gold konnte daher bisher immer noch eingehalten werden.
—* Hk. Holzverkauf der „Deutschen Holzvertrieb- Aktiengesellschaft". Verkauf von Rundeichen, Rundeschen, Nundkiefern, Kanthölzern, Rundklötzen, eichenen Doppelschwellen, Faßstüben, lagernd in Danzig am 23. Oktober 1916. Nähere Auskunft erteilt die Handelskammer zu Hanau.
* Breitenbach. Die Zeichnung der hiesigen Schulkinder zur 5. Kriegsanleihe betrug 4 400 Mark, welche sofort eingezahlt wurden.
—* Mottgers. An dem Opfertag für die deutsche Flotte wurden gesammelt und durch die hiesige Ortsgruppe des Flottenvereins eingeschickt von Altengronau 128 Mark, Breunings 82 Mark, Gundhelm 61.30 Mark, Heubach 70 Mark, Mottgers 75 Mark, Oberzell 70.70 Mark, Ramholz 186.70 Mark, Sannerz 13.50 Mark, Schwarzenfels 112,20 Mark, Sterbfritz 65 Mark, Utt- richshausen 20 Mark, Weichersbach, 138,50 Mark, Züntersbach 44 Mark, von einem Herrn aus Salmünster 20 Mark, zusammen 1086,90 Mark.
* Malborn, (Kreis Schlüchtern). Am 1. Oktober ist der hiesige Lehrer Herr Emil Mohr nach 40jähriger Dienstzeit in den Ruhestand getreten. Aus diesem Anlaß fand am 8. bs. Mts. nachmittags in der Weber- schen Gastwirtschaft eine Abschiedsfeier statt. Der Bürgermeister und der Ortsgeistliche hoben die großen Verdienste des scheidenden Lehrers hervor, die dieser sich in den 37 Jahren seiner Tätigkeit in Marborn um die Gemeinde erworben hat, besonders auch durch die Förderung des Neubaues von Kirche, Schule und Pfarrhaus. Anerkennungs'Schreiben der kirchlichen Behörde wie auch der Darlehns-Kasse in Romsthal, der Herr Lehrer Mohr seit Gründung als Mitglied des Aufsichtsrates angehörte, kamen zur Verlesung. Zum steten Andenken verehrten bet: Kirchen-Vorstand und die Gemeinde-Vertretung dem Freunde und Erzieher der Jugend das
„Jesus, der Kinderfreund". Herr Landrat von Trott zu Solz überreichte Herrn Lehrer Mohr als Auszeichnung der Staatsbehörde den Adler der Inhaber des Königl Hausordens von Hohenzollern. Mit dem allseitiKn Wunsche auf einen noch recht langen glücklichen Lebensabend verabschiedete sich die Gemeinde von ihrem langjährigen verehrten Lehrer.
* Hanau. Daß es immer noch Landwirte gibt, die sich um die Geschicke ihrer Mitmenschen in den Städten den Teufel kümmern und denen der behördlich festgelegte Kartoffelhöchstpreis mit 9.50 Mark per Malter noch zu niedrig scheint, dafür liefert der folgende, an Betrug grenzende Vorfall wieder einen Beweis: In einer. hiesigen Verkaufsstelle wurden dieser Tage Kartoffeln angeliefert, unter denen sich faustdicke Steine befanden. Beim Verkauf stellte sich heraus, daß die ganze Ladung mit Steinen vermengt war. Bei einem anderen Waggon Kartoffeln wurden bis zu fünf Zentnern Steine und Dreck gefunden. Um gegen einen solchen unerhörten Schwindel einschreiten zu können, wurden eine größere Anzahl Steine gesammelt und der in Betracht kommenden amtlichen Stelle zur Weiterverfolgung der Angelegenheit übergeben.
* Cassel. (Kriegsanleihezeichnungen der landwirtschaftlichen Genossenschaften.) Die Werbetätigkeit der Kreditorganisation des Reichsverbands der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften für die Unterbringung der neuen Kriegsanleihe brächte wiederum ein hoäMieuliHes Ergebnis. .Die,.Gefamtzeichnunaen,. die die Kreditörganisation des Reichsverbands (es finOTeP 26 Zentralkassen und 11634 Spar- und Darlehnskassen) i bei der fünften Kriegsanleihe aufbrachte, belaufen sich aus rund 372 Millionen Mark. Im ganzen sind auf die fünf Kriegsanleihen durch die im Reichsverbande zusammengeschlossene Kreditorganisation rund 1355 Millionen Mk. gezeichnet worden.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Evangelische Gemeinde: Mittwoch, den 18. Oktober 1916.
Abends 8 Uhr: Bittgottesdienst. M