Die Höchstpreise für Kartoffeln sind durch das Kriegsernährungsamt festgesetzt und im „Kreisblatt" Nr. 60 veröffentlicht. Hiernach gilt als Höchstpreis für die Zeit vorn 1. Oktoher 1916 bis einschl. 15. Februar 1917 für den Zentner 4.— Mark, vom 16. Februar 1917 bis einschl. 15. Aug. 1917 für den Zentner 5.— Mark.
Es. ist nach Mitteilung des Kriegsernährungsamtes gänzlich ausgeschlossen, daß an diesen Preisen etwas geändert wird.
Jeder Kartoffelerzeugcr ist verpflichtet, die über seinen eigenen Bedarf hinausgehende Kartoffelmenge abzugeben. Wer Kartoffeln zurückhält, hat Enteignung der zurückgehaltenen Kartoffelmengen zu gewärtigen. Der Preis für enteignete Kartoffeln ist auf 2.50 Mark pro Zentner festgesetzt worden.
Schlüchtern, den 10. Oktober 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
Sammlung hier Früchte des Weißdorns
Meine Bekanntmachungen vom 28. Juli in Erinnerung bringend, weise ich darauf hin, daß die Frucht, des Weißdorns nunmehr reif zur Ernte ist. Sie stellt wie schon früher gesagt, entsprechend verarbeitet, ein vollwertiges und billiges Ersatzmittel für Kaffee dar. Ich ersuche deshalb sich an der Sammlung fleißig zu beteiligen. Für je 1 kg gesammelter Früchte wird eine Vergütung von je 20 Pfg. gezahlt. Die Früchte sind an Firma M. Neuhof hier gegen Zahlung der Sam- melgebühr abzuliefern. Das Nähere ergibt sich aus meiner Bekanntmachung im Kreisblatt vom 2. August ds. Js. Ich empfehle diese Sammlung besonders den Herrn Lehrern. Die Leiter der Ortssammelstelle erhalten eine Vergütung von je 2.— Mark für 100 kg - Die Herren Bürgermeister ersuche ich um sofortige, ortsübliche Bekanntnrachung, indem dabei zweckmäßig auch meine Bekanntmachung im Kreisblatt vom 2. Aug. nochmals veröffentlicht wird.
Schlüchtern, den 9. Oktober 1916.
Der Königl. Landrat. von Trott zu Solz.
Städtisches Arbeitsamt Hanau
Arbeitsnachweis für Stadt und Landkreis Hanau und die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern.
Gesucht werden im Kreise Schlüchtern:
1 Schmied oder Schlosser und 2 Elektromonteurs für Hausinstallationen
Im September wurden vermittelt:
1 Knecht und 1 Elektromonteur.
Lokales und Vrovinjielles
Schlüchtern, den 10. Oktober 1916.
—* Der hiesige komm. Königl. Landrat von Trott zu Solz wurde durch Bestallung vom 30. September ds. Js. von Sr. Maj. dem Kaiser zum „Königlichen Landrat des Kreises Schlüchtern" ernannt. (Siehe Bekanntmachung im heutigen „Kreisblatt".)
—* Zum Leutnant der Res. befördert wurde Dr. Ernst Schäfer von hier, bisher Vizefeldwebel in einem Res.-Jnf.-Rgt. im Osten.
—* Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde dem in den Kämpfen an der Somme stehenden Unteroffizier Heinrich Böller, Sohn der Witwe Antonie Böller von hier, verliehen. Böller ist bereits im Besitze des Eisernen Kreuzes 2. Klasse. Als gewandter, wagemutiger Turner ist V. in hiesigem Turner-Kreise wohl bekannt. Wir rufen dem tapferen Krieger ein kräftiges „Gut Heil" und frohes Wiedersehn zu und wünschen ihm, daß er seine hohe Auszeichnung recht lange in Gesundheit tragen möge.
—* Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde dem in den Kämpfen an der Somme stehenden Sanitäts-Unteroffi- zier Friedrich Ringler von hier, verliehen.
—* Die Hessische Tapferkeitsmedaille wurde dem in den Kämpfen an der Somme stehenden Gefreiten Jean Dickert, Sohn des Landwirts Konrad Dickert von hier, verliehen.
—* Mit dem 1. Oktober ist Herr Präparanden- Lehrer Dr. George zum Seminar-Lehrer ernannt und dem Seminar zu Stade überwiesen worden.
— * Am 28. und 29. September fand die Seminar-Aufnahmeprüfung statt; die von 23 Prüflingen bestanden wurde.
—* Einem 16 jährigen jungen Manne aus Bellings, der ohne Erlaubnis den Pserdestall des Handelsmanns Grünbaum von hier betrat, wurde von einem Pferde ein Arm zerschlagen.
—* Arbeitgeber, Quittungskarten in Ordnung bringen! In den nächsten Tagen wird ein Beamter der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau zu Cassel eine Nachprüfung der Quittungskarten bet den Arbeit
gebern vornehmen. (Wir verweisen aus die Bekanntmachung in heutiger Nummer.
—* Die Kartoffelhöchstpreise sind vom Kriegser- nähtungsamt für die 'Zeit vom 1. Oktober 1916 sbis zum 15. Februar 1917 für den Zentner auf 4.— Mark und für die Zeit vom 16. Februar 1917 bis 15. Aug. 1917 für den Zentner auf 5.— Mark festgesetzt worden.
—* Höchstpreise für Rindvieh. Das Landesfleischamt in Berlin hat die seit 18. Juni d. Js. geltenden Richtpreise (Höchstpreise) für Rindvieh mit Geltung von Montag den 9. Oktober ds. Js. in allen Klassen um je 5.— Mark herabgesetzt. (Siehe Bekanntmachung in heutiger Nummer )
—* Man erzählt uns, daß Knaben der hiesigen Schulen Roßkastanien gesammelt hatten, und als sie mit ihren Schätzen an verschiedenen Stellen um Abnahme baten, seien sie abgewiesen worden. Das erhöht jedenfalls den Sammeleifer nicht. Man sollte eine Sam- melstelle bekannt geben.
—* Bei der hiesigen städtischen Sparkasse sind bei den bisher zur Zeichnung aufgelegten Kriegsanleihen folgende Zeichnungen bewirkt worden:
erste
Kriegsanleihe
von
29 Zeichnern
54 600 M.
zweite
//
//
103 „
230 000 „
dritte
//
//
215 „
354 400 „
vierte
//
//
360 „
405 800 „
fünfte
// _
409 „
400 000 „
zusammen
von
1116 Zeichnern 1444 800 Mk.
—* Liebesgaben sind allen unsern im Felde stehenden Soldaten hochwillkommen. Darum möchten wir unsere Leser darauf hinweisen, daß Wybert-Tabletten, die in allen Apotheken und Drogerien in versandsertigen Feldpostbriefen erhältlich sind, sich ganz besonders zu Liebesgaben eignen. Bei den ungeheuren Strapazen, denen unsere Soldaten im Winterfeldzug ausgesetzt sind, spielen Erkältungskrankheiten der Stimmorgane und der Lungen eine große Rolle. Vor solchen Erkältungen schützen Wybert-Tabletten wie kein anderes Mittel. Dazu kommen ihre durstlöschenden Eigenschaften, durch welche den Truppen mit Wybert-Tabletten eine große Wohltat erwiesen wird. Wer wollte da nicht seinen Lieben im Felde einen praktischen Feldpostbrief mit einer oder zwei Wybert-Schachteln senden?
—* Die Besitzer ausländischer oder im Ausland befidlicher Wertpapiere seien darauf hingewiesen, daß die Vordrucke für die durch Vundetzratsverordnung vom 23. August ds. Js. vorgeschriebene Anmeldung der ausländischen Wertpapiere und der im Ausland ruhenden (inländischen oder ausländischen) Wertpapiere nunmehr bei sämtlichen Reichsbankanstalten, in Berlin bei dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere (am Haus- vogteiplatz Nr. 14) ausgegeben werden—. ^Schriftliche. Absorderungen von Anmeldebogen durch die Post und etwaige Anfragen sind ebenso wie die Anmeldung selbst an diejenige Reichsbankanstalt (Reichsbankhauptstelle' Reichsbankstelle oder Reichsbanknebenstelle), in deren Bezirk der Anmeldepflichtige seinen Wohnsitz, dauernden Aufenthalt oder Sitz hat, in Berlin an das Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere, Berlin S.W. 19 zu richten. — Die ausländischen und die im Ausland befindlichen inländischen und ausländischen Wertpapiere sind gemäß der Bundesratsverordnung vom 23. August ds. Js. bei der Reichsbank anzumelden, und zwar nach dem Besitzstände des 30. September 1916. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die gute Durchführung dieser Bestandsaufnahme im Interesse einer wirksamen Valuta- und Handelspolitik für die Reichsregierung überaus wichtig ist, daß aber eine Benutzung der Anmeldungen für Steuerzwecke nicht in Frage kommt. Sämtliche Zweigniederlassungen der Reichsbank in Berlin das Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere (am Hausvogteiplatz Nr. 14) geben die zur Anmeldung nötigen Formulare, von denen je ein besonderer Bogen für die Wertpapiere jedes Landes verwendet werden muß, ab und sind gern bereit, in Zweifelsfällen die Anmelder durch persönliche Beratung zu unterstützen. Es darf noch darauf verwiesen werden, daß mit Geldstrafe bis zu 1500 ^ oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft wird, wer vorsätzlich seinen Verpflichtungen zur Anmeldung der fraglichen Wertpapiere nicht oder nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist nach- kommt und ferner wer bei der Anmeldung oder bei einer von der Anmeldestelle geforderten Auskunft wissentlich unvollständige oder unrichtige Angaben macht.
* Flieden. Nach einjähriger Wirksamkeit an der hiesigen Pfarrei verläßt Herr Kaplan Jestädt den Ort um dem betagten Pfarrer Guar im benachbarten Rückers zu assistieren. Zu seinem Nachfolger ist Herr Kaplan Mähler ernannt worden. — An Kriegsanleihe wurden hier 52000 Mk. gezeichnet. — Am 6. Oktober starb im Landkrankenhause in Fulda nach längerem schweren Leiden Herr Maurermeister August Müller dahier. Der. selbe gehörte längere Zeit der hiesigen Gemeindevertretung an, war längjähriger Vorsitzender des hiesigen
Kriegervereins, Vorsitzender des früheren Kranki | Eintracht, Kommandant der freiwilligen K | Concordia, sowie in letzter Zeit Kommandant s gendwehr. Mit ihm verliert Flieden einer feint | tigsten Bürger.
— Züutersbach. Durch Vermittlung des | Agricola wurden hier für die 5. Kriegsanleihe | Mark gezeichnet. Davon wurden 15000 H | eingezahlt, der Rest besteht aus Zeichnungen W I kassenguthaben.
* Birstein. Ein ergötzliches Wucherstückcheil i in einem Nachbardorf zugetragen. Es fonu ' Frankfurter Bürger um Eier einzukaufen. Er der reichen Bauersfrau 18 Pfg. pro Stück,- sie keine zu haben, er bietet 20, 25, 30 und 35 M immer noch sind keine Eier da. Erst nachdem« Gebot auf 40 Pfg. erhöhte, bringt die biedere W frau aus purem Mitleid 100 Stück von ihre« borgenen Schatz. Der Mann ließ sich die lOög schön einpacken und legte dem Höchstpreis entM 18 Mk. auf den Tisch und erklärte: wegen dem können Sie mich verklagen, hier meine Adresse. I
Säuglingsfürsorge, k die Grundlage für Deutschlands Zuk«
(2. ^rts«tzung.)
Es sei aus der Fülle von Belehrung und AM das folgende hervorgehoben:
In Deutschland geht die Erneuerung des 8 unter einer beklagenswert großen VerschleuderuM Kindermaterial und Frauenkraft vor sich. BM Kindern, die lebend zur Welt kommen, sterbe® 16—18 vor Beendigung des 1. Lebensjahres ■ hin. Jedes 5, oder 6. Kind wird also Vergebe® boren, umsonst nahm die Mutter die Beschwer« Sorgen und Muhen, die mit der Pflege Heiner® verknüpft sind, aussich. Und als unnütze AnU lasten auf der Volkswirtschaft die für das früh erM Leben aufgeworfenen materiellen Mittel. W
Schon hierin läge Grund genug, das hohe M sterben zu bedampfen, aber es giebt noch einen ■ geren Gesichtspunkt': ein Kind, das stirbt, ist ■ krank gewesen, aber nicht jede Krankheit führt» Tode. Es ist nun aber das charakteristische a» Erkrankungen des Säuglingsalters, die ja Portal in Magen- und Darmstörungen bestehen, daß sW äußerst selten ohne bleibende Störung übertal werden. Bei geschwächtem Gesundheitszustand ■ die Kinder vielleicht in späteren Jahren den sog.« derkrankheiten" zum Opfer, vermehren die Zahl» Schlvindsuchtsgesährdeten unbjfrle^ jedemL» Hüter dem ÜhMkQv« Natur zugewiesenen Maß zurück. Der Arbeiter » Berufszweigs, die Arbeiterin und künftige W hängen auch im wirtschaftlichen Vorwärts komme« Gedeihen von dem Grade ihrer körperlichen W standskraft ab. Dem Volke als Ganzem aber» daran gelegen sein, nicht nur für seine Wehrkra» was vielleicht in diesem Zusammenhang oft zu sc« den Vordergrund gerückt wird — als vielmehr filW Gesamtheit seiner Aufgaben über eine möglichst ■ Zahl tüchtiger, lebensfrischer, leistungsfähiger Men» zu verfügen. Die Körperlich Minderwertigen wl von den Gesunden mindestens zum größten Teil q halten, mitgetragen werden. Es liegt also im JM eines Volkes das Zahlenverhältnis der Gesunde« den weniger tüchtigen stetig verschieben. Das gesÄ durch sozialhhgienische Arbeit auf allen Gebieten, frühzeitige Heilbehandlung der Tuberkulosen nicht « der als durch Trinkerfürsorge, durch die Arbeit« Krankenkassen und Jnvnlioenversicherungsanstalten,« kommunale oder freie Wohlfahrtspflege jeder Art. I es geschieht nicht zum wenigsten durch eine um standene Säuglingsfürsorge, die nicht Pur die Oua« des Volksnachwuchses, sondern seine Qualität 1 indem sie jedem Neugebornen zu der Zeit, in M er den Gründ, das Fundament ^u seiner körpem Entwickelung legt, die bestmöglichsten LeveusbedinM und damit Widerstandskrast für alle ihn später! außen betreffenden Schädigungen sichert.
Wirtschaftliche Not der Eltern und Unkenntnis Pflegebedürfnisse des Kindes sind die Ursachen t hohen Säuglingssterblichkeit. Wo die Mutter ungern unberaten, von der doppelten Pflichteulast des eiw kümmerlichen Haushalts und der außerhäuslichen Werbearbeit zerdrückt das Kind aus Not und Untere in schlechten Lebensverhältnissen hält, finden Tod^ zerstörende Krankheit ihre Opfer. (Fortsetzung soll
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Evangelische Gemeinde:
Mittwoch, den 11. Oktober 1916.
Abends 8 Uhr: Bittgottesdienst.
Achten sie immer auf die Inschrift "OHrum" ! — Ueberall erhältlich. Auergesellschaft, Berlin 0.
Osram
die bewährte Drahflampe