itt amtlichem Areisblatt.
elefon Nr. 65.
ternerZellung
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Postscheckkonto Frankfurt a. M 11402.
Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt,
Telefon Nr. 65,
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
K82
Mittwoch, den 11. Oktober 1916
67. Jahrgang
Aufruf.
»Draußen im Felde setzen unsere Soldaten Leben | Gesundheit ein, um den Sieg zu erringen. Uns leim ist es eine Pflicht, die wirtschaftliche Kraft Mschlands hoch zu halten gegenüber bem Bestreben, £ artszuhungern und wirtschaftlich zu vernichten.
lieber muß sich gern und Willig Opfer auferlegen, wie klein sind solche Opfer, wenn wir sie mit denen Gleichen die unsere heldenmütigen Truppen täglich und mölich bringen!
» Die Grundlage unseres Wirtschaftslebens ist die ieichsbank. Vorbedingung ihrer Stärke ist ber Goldschatz, der es ihr ermöglicht, Banknoten auszu- und den Wert des deutschen Geldes im In- und Wlande hoch zu halten. Ihren Goldschatz zu Wen, ist daher Notwendigkeit und vater- midische Pflicht.
। In vielen Haushaltungen finden sich Goldsachen Dicht mehr benutzt werden und als totes Kapital Den Schuhläden liegen. Solche Sachen zu ver- Wm, bietet sich jetzt die beste Gelegenheit. Rückkehr ^größerer Einfachheit wirb eine der guten Folgen vses Krieges sein. Daher zögere man nicht, sich Verflüssigen Aufwandes, der mit goldenen Ketten, Wbändern, Ringen, Broschen, Hausgerät usw. häufig «trieben wird, zum Besten des Vaterlandes zu ent- mern. Allen Deutschen muß es eine Ehre bin, anstelle der goldenen Uhrkette eine einfache kiserne Kette zu tragen und damit zu zeigen.
sie keines eitlen Schmuckes bedürfen, dieser dem Materluude. uü^i, Tmytwc ferne Ketten sind in der Herstellung begriffen und erden bei Hingabe einer goldenen Uhrkette gegen ertersatz abgegeben werden. Trauringe sind bis auf weiteres vom Ankauf ausgeschlossen, es sei denn, daß - sich um Trauringe Verstorbener handelt.
Mitbürger! Denkt an Eure Pflicht als rutsche und unterstützt unseren Goldankauf. rukt vor allen Dingen aber daran, daß eutschland nur siegen kann, wenn es neben item starken Heere auch wirtschaftlich stark
Wie Vorstandsmitglieder des Vaterländischen Frauen- Ms in Schlüchtern werden die
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«ber Kreisstadt leiten. Die Goldsachen-Ankaufsstelle ksindet sich im Kreistagssaale des Kreishauses n Schlüchtern und wird erstmalig am Diens-
Zm Schatten der Ueterpauksfestung
Roman von Hermann Gerhardt.
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Bon seinem Posten ander offenen Tür her hörte ittberg diesen Ausspruch; es lag in dein Ton des- .üben etwas, was ihn erschauern machte. Und wie seine Augen abwechselnd auf der Leiche, und aus dem hinüber gebeugten strengen Antlitz ruhten, da war er unwillkürlich froh, daß die Seele, welche diesen zarten Körper bewohnt hatte, weiteren Leiden entronnen sei. »Deckt sie an " befahl der Präfekt mit einer Gebärde des Widerwillens, „unb Du, Mann, laß Dich warnen. Roch eine derartige Unachtsamkeit, und Du verlierst Der- Uen Posten!" . ,
„ Mit mürrischer Miene zog derGemaßregette die Decke vom Bett herunter unb warf sie über die Selbst- Mörderin.
16. Kapitel.
‘ Indem Biruleff sich dem Ausgang der Zelle wieder zuwandte, fuhr er leicht zusammen, denn letzt erst bemertte er, was ihm gänzlich entfallen war, daß Rittberg immer noch in der Tür stand und so die S, eigentlich nicht für fremde Augen bestimmte i mit angesehen hatte.
Unb plötzlich veränderte sich der Ausdruck seiner Lüge; die zusammengepreßten Lippen lockerten sich, her finstere Ernst in seinen Zügen verwandelte sich 'n wehmütige Trauer, unb er seufzte tief. Sobald sie wieder auf dem Gang und außer Hörweite der anderen waren, begann er mit gedämpfter Stimme zu sprechen: „Ich bedaure unendlich, daß Sie Zeuge.eines so schaurigen Vorganges sein mußten! Fast wache ich wir Vorwürfe, Sie überhaupt hergeführt zu haben, denn nun muß ich befürchten, daß Sie mich für alle Letten als einen Hauptsaktor in dergleichen Lragödixn
tag, den 17. Oktober d. Jrs. und allen folgenden Dienstagen nachmittags von 2 ‘/s—» Uhr geöffnet sein.
Es werden Goldsachen aller Art, Ketten, Ringe, Armbänder, Uhren, Hausgeräte usw. nach Begutachtung durch einen Sachverständigen entgegengenommen und der Goldankaufsstelle in Fulda übersandt werden, dort werben sie von dem Domgoldschmied Herrn Rauscher geprüft und ihr Goldwert festgestellt werden. Das Gold Wirb der Reichsbank zugeführt, der volle Gold- Wert von uns dem Geber ausgezahlt werden. Um zu verhindern, daß Sachen von Knnstwert eingeschmolzen werben, wirb die Goldankaufsstelle von einem Kunstsachverständigen beraten.
Mitbürger! Bringt alles irgendwie entbehrliche Gold zur Ankaussstelle.
Wer sich von liebgewordenen Gegenständen trennt, bringt dein Vaterlands dieses Opfer, welches durch Aushändigung eines Gedenkblattes ehrenvoll anerkannt Werben wird. Einlieferer von Goldsachen im Ankaufs- werte von mindestens 5 Mk. erhalten eine künstlerisch schöne Plakette als besondere Anerkennung.
Wir bitten die Herren Pfarrer und Lehrer um ihre Unterstützung.
Im Namen der Vorstände des Vaterländischen
• Frauenvereins und des Männervereins vom Roten Kreuz für den Kreis Schlüchtern.
Die Vorsitzenden:
Frau v. Trott zu Solz. Landrat v. Trott zu Solz.
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Amtliches.
Betr. Höchstpreise für Rindvieh.
J.-Nr. 5876 R. G. Das «anoesfrrifchMnr m ^t^«
hat die seit 18. Juni ds. Js. geltenden Richtpreise (Höchstpreise für Rindvieh mit Geltung von Montag den 9. Oktober d. Js. in allen Klassen um je 5 J&
herabgesetzt.
Die neuen Preise gelten für alle Ankäufe, die von Montag den 9. Oktober ab bei den Viehhaltern getätigt werden. Bei der Abnahme oder Ablieferung der vor diesem Zeitpunkt gekauften Rinder sind die bisherigen Preise zu zahlen.
Schlüchtern, den 9. Oktober 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-AusschusseS. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 10818. Die Herren Ortspolizei-Verwalter und Gendarmerie-Wachtmeister werden erneut auf die Notwendigkeit einer schärferen Kontrolle des Fremdenverkehrs, insbesondere in den Gasthäusern hingewiesen. Die ständige Ueberwachung der Unterkunfts-
betrachten werden! Statt dessen sollte» Sie mich eher bedauern, daß meine Stellung mich zwingt, weichem Mitgefühl mein Herz zu verschließen, wo es sich um die Sicherheit des Vaterlandes handelt!"
Diese Worte blieben nicht ohne Einfluß auf Werner. Wenngleich der furchtbare Eindruck, den er soeben empfangen, nicht sofort weichen wollte, so begann er doch, an seiner individuellen Auffassung irre zu werden, und zwischen zwei sich Widerstreitenden Auffassungen zu schwanken. War Biruleff wirklich der großden- kende, weitherzige Mensch, der er nach seinen eigenen Aeußerungen von rechtswegen sein mußte, wie konnte er es dann über sich gewinnen, Polizei-Präfekt zu sein?
Als habe er seines Begleiters Gedaukengang erraten, fuhr Biruleff fort: „Mein Amt und feine Pflichten lasten schwer auf mir, Sie könneu's mir glauben. Und ich hätte es schon längst niedergelegt, wenn nicht der Wille meines Monarchen mich hielte. Der Zar verficht, und das nicht ganz mit Unrecht, die Meinung, daß kein anderer im russischen Reiche imstande wäre, diesen Posten auszufüllen. Es könnte mir auch bei den gegenwärtigen Zeitläuften als Feigheit auSgelegt werden, wollte ich mein Abschiedsgesuch einreichen. Ich habe zahllose Feinde. Gefürchtet und gehaßt, wie ich von einem großen und zum Aeußersten entschlossenen Teil der Nation bin, ist mein Leben keinen Pfifferling wert! Aber ich bin Soldat. Soll ich da vor dem Feinde kapitulieren?"
Sein feuriges Auge blitzte den jungen Deutschen an, sein ganzes Gesicht war von lebhafter Bewegung erfüllt. Aber das Lächeln, das flüchtig seine Lippen umspielte, hätte etwas von Bitterkeit. „Beneiden Sie den Polizei-Präfekten?" fragte er.
„Gewiß nicht, Exzellenz," gab Werner überzeugt zurück. Er empfand nur noch Bewunderung für den tapferen Soldaten, der feine Pflicht tat, unbekümmert um die Gefahren/dst Hm von allen Seiten drohten.
stätten der Wanderarbeiter (Herbergen) ist dabei unerläßlich, damit verhütet wird, daß arbeitsfähige, womöglich auch noch Militärdienstpflichtige Personen sich längere Zeit unbehelligt umhertreiben können. Ganz besonderes Augenmerk ist auf solche fremde Personen zu richten, die während der Nachtstunden die Ortschaften durchziehen; sie sind auf jeden Fall anzuhalten und nach Herkunft und Ziel zu befragen und sofern sie verdächtig erscheinen und sich nicht ausweisen können, festzunehmen. Die Nachtwächter sind dieferhalb mit Weisung zu versehen.
Schlüchtern, den 5. Oktober 1916.
Der comm. Königl. Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 10819.
Verkehr mit Kriegsgefangenen.
Das Stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps erinnert daran, daß gemäß Verordnung vom 25. November 1914, lila. Nr. 44110,3575,das Zuftecken von Ehwaren oder anderen Sachen, sowie das unbefugte Verkäufen, Vertauschen oder Verschenken von Sachen, an Kriegsgefangene mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft wird. Hierzu gehört auch das Zuftecken von Geld. Ebenso ist es aus militärischen Gründen Unbefugten verboten, sich mit den Kriegsgefangenen zu unterhalten, ganz abgesehen davon, daß die Kriegsgefangenen unnötig von der Arbeit abgelenkt werden.
Schlüchtern, den 5. Oktober 1916.
Der comm. Königl. Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 803 V. In den nächsten Tagen wird ein Beamter der Landesversicherungs-Anstalt Heffen-Naffau zu Caffel die Nachprüfung der Quittungskarten bei den Arbeitgebern vornehmen.
Die Herren Bürgermeister unb GuiSvorftcher ersuche ich, die Arbeitgeber hierauf mit dem Bemerken aufmerksam zu machen, daß die Beitragsmarken für diejenigen Arbeitnehmer, welche ihren Lohn erst am Jahresschluß erhalten, bis zum Schluffe des 3. Vierteljahres (also Ende September) verwendet werden müssen.
Schlüchtern, den 10. Oktober 1916.
Der Vorsitzende des Versicherungsamts.
J. V.: Schultheis.
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß diejenigen Personen, welche aus irgend einem Grunde ihren Bedarf an Kartoffeln (für die Zeit vom 15. 10.16. bis 15. 8. 17.) nicht oder nicht ganz eindecken können, dieses dem Ortsvorstande bis-spätestens zum 20. ds. Mts. anzuzeigen haben.
Schlüchtern, den 10. Oktober 1916.
Der Vorsitzende des KreiS-Ausschufses.
Inzwischen war man in einem anderen Teil des Gefängnisses angelaugt. Die Zellen, welche jetzt an die Reihe kamen, und deren üble Gerüche ihnen schon von fern entgegenschlugen, waren, da sie geräumiger waren, je für eine Anzahl Leute bestimmt, die ihre Strafe wegen geringerer Vergehen abbüßten.
'Es war eine abstoßende Gesellschaft, die da herum- lag und -stand; manche von ihnen in schmutzigen Schafpelze», alle ungewaschen, jedes einzelnen Gesicht den Stempel der Brutalität unb Verkommenheit tragend. Dann hatten sie einen Blick in den Sitzungssaal geworfen, von dessen Hauptwand das lebensgroße Bild des blonden, leutselig blickenden Alexanders II. herab- scharrte, sich ein Weilchen im Lazarett aufgehalten, um dann den Rückweg durch die Festung anzutreten, als der Präfekt an einer abwärts führenden Treppe stehen blieb, deren Ende sich in pechschwarze Finsternis verlor : „Da geht's zu den unterirdischen Zellen," bemerkte . er. „Die dürfen wir nicht inspizieren, und eS würd« auch der Miihe nicht verlohnen."
Werner durchschauerte es.
Weitergehend, gerieten sie auf einen viereckigen Hof. den' von allen Seiten hohe Gebäude umgaben; viele der Zellenfenster gingen auf diesen Hof hinaus, in welchem zurzeit gerade etwa ein Dutzend Sträflinge, von ebensoviel Gendarmen bewacht, sich Bewegung machten. Beim Erscheinen des Präfekten wandten sich aller Augen ihm zu und die Hand eines jeden griff nach der Mütze. Wenigstens schien es Rittberg so, bis ihn, der mehrstimmige Zuruf: „Mütze ab!" eines besseren belehrte. Da sah er, daß eurer der Gefangenen die feine aufbehalte» hatte und in herausfordernder Haltung, die Arme verschränkt, vor dem obersten Machthaber stehen geblieben war. Der Mann war leichenblaß, aber. offenbar nicht vor Furcht, denn Trotz mib Auflehnung sprachen aus jeder Linie seiner Gestalt, unb seine finster glühenden Angen starrten dem Präfekten gerade ins Gesicht. .- —231,1^