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Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt
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M 8L Samstag, den 7. Oktober 1916. 67. Jahrgangs
AntLUetzes
3u IA le. 6834.
Mitteilungen der Rohmaterialstelle des Landwirtschaftsministeriums.
Mästung der Schweine mit Futterrüben.
Auf die Verwendung der Futterrüben zur Schweinemast ist schon früher hingewiesen worden. Professor Franz Lehmann-Göttingen schreibt hierüber u. a. folgendes:
| „Im kommenden Winter ist es eine Hauptaufgabe der Landwirtschaft, soviel fette Schweine abzuliefern als irgend möglich ist. Da es an Jungschweinen nicht fehlt, kommt es nur darauf an, die vorhandenen Futtermittel richtig auszunutzen.
Die Kartoffeln kommen in diesem Jahre nur in ; Betracht, soweit sie zur menschlichen Ernährung untauglich sind. Einen vollwertigen Ersatz für die Kartoffeln bieten die Rüben, und zwar sowohl Kohlrüben (Wrukcn) als auch die gewöhnlichen Futterrüben (Runkelrüben).
Mit solchen sind in der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Göttingen Mastversuche angestellt worden. Selbst junge Schweine im mittleren Lebendgewicht von knapp 40 kg fressen hiernach so große Mengen von Rüben, daß 70 d/0 des Nährstoffbedarfes durch sie gedeckt und höchste Lebendgewichtszunahmen erzielt werden konnten. Gegen Ende der Mast läßt der Verzehr an Rüben verhältnismäßig nach. Immerhin verzehrten die Tiere für Tag und Stück noch fast 12 kg Rüben und nahmen hierin 67 % des Nährstoffbedarfes auf. Die ' Zunahmen sind auch hier noch befriedigend gewesen.
Der Erfolg wird jedoch nur erzielt, wenn bei der Fütterung bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Diese sind:
1. Die Rüben müssen gekocht oder gedämpft werden.
2. Das Dämpfwasser muß mitverfüttert werden. Dies ist ein Unterschied der Kartoffeldämpfung gegenüber, wo man das Dämpfwasser immer weglaufen läßt. Kartoffeln und Rüben lassen sich also nicht gemeinsam dämpfen.
Na 3. Die gedämpften und zerkleinerten Rüben müssen mit Beifutter gemischt werden
. 4. Dieses Beifutter wird in der Höhe von V. bis 1 kg für Tag und Schwein gegeben. Besteht es zu 73 aus eiweißreichem Kraftfutter, z. B. Fischmehl, Kadavermehl, oder Trockenhefe und zu % aus Getreideschrot oder Kleie, dann erzielt man bestimmt höchste Masterfolge, also am Anfang Zunahmen von 500 g, M Schluß der Mast von 70u g und mehr.
Im Schatten der Meter-autsfestung.
gioman von Hermann Gerhardt. 29
15. Kapitel.
Mit dem Schlage 10 hielt des Präsekte,» Schlitten vor dem Hanptportäle, aus welchem dieser selbst, von Rittberg gefolgt, fast im gleichen Augenblick trat. Mi- lffmische Piinltlichkeit war etwas, woraus er bei sich Selbst und anderen streng hielt.
Auf der Fahrt, während er eigenhändig das prächtige Rappeneestmnn lenkte, zeigte sich Biruleff ungewöhnlich schweigsam und in Gedanken verloren. Ritt- berg hatte sich den Rockkragen in die Höhe geklappt und neigte den Kopf gegen den schneidenden Wind, der über die Kais empfindlich kalt wehte. Die Dro« scheukutscher an den Halteplätzen schlenkerten mit den Armen, um sich zu erwärmen, und ihre Nasen guckten blaurot gefroren aus ben riesigen Schaffellkragen.
Unter ihrer blanke»» Eisdecke bildete die Newa jetzt sine glatte Fahrstraße, auf der endlose Reihen von Schlitten, mit Waren imb Brennholz beladen, dahin- fausten. Die weite Fläche wimmelte von Menschenvolk.
Doch dieser Anblick war für Werner nachgerade nichts Neues mehr und so achtete er taum barauf; beim schon kam der imposante Gebäudekomplex der Festung tu Sicht, unb seine düstere Silhouette hob sich scharf ®°m klare»» Himmel ab. Wie »»»»gezählte unhennliche Angen blickten die Feusterreihel» herab, als spähten sie unter den» Publikum nach neuen Opfern.
Es schien, als werde der Präfekt erwartet, denn kumn, daß der Schlitten hielt, öffneten sich bereits die 'nächtigen Torflügel, um sofort hinter ihm und seinem Begleiter wieber ins Schloß zu fallen.
»Jetzt sind Sie im Gefängnis," lachte Biruleff.
Sie stauben in einem geräumigen Hose, den hohe
Steht dagegen nur Kleie oder Getreideschrot und kein eiweißreiches Futter zur Verfügung, dann ist es ratsam, die Fütterung in zwei Abschnitte zu zerlegen, und zwar:
a) Vormast nicht unter 4 bis 5 Monaten. Man füttert Rüben mit Klee oder Heu aller Art, und zwar auf 100 kg Rüben etwa 5 kg Heu, letzteres gehäckselt oder als Schrot. Es empfiehlt sich, das Heu mit den Rüben zu dämpfen. Es müssen monatliche Zunahmen von 10 bis 12 kg für das Stück erzielt werden. Nur wenn dies nicht erreicht wird, legt man geringe Mengen Getreideschrot oder Kleie zu.
b) So verarbeitete Schweine werden in dreimonatlicher Vollmast schlachtreif. Diese besteht aus einem Beifutter von 1'/, kg Getreideschrot oder Kleie, wozu gedämpfte Rüben bis zur Sättigung gereicht werden. Kleeblätter, die durch Dreschen von Klee im Betrage von etwa 40 °/0 gewonnen werden können, sind ein vollwertiger Ersatz für Kleie.
Nur diese beiden Verfahren führen zum Ziele. Dagegen ist davor zu warnen, Schnellmast mit Getreideschrot allein, also ohne eiweißreiches Beifutter zu betreiben, weil sie zur Futterverschwendung führt."
Berlin, den 27. September 1916.
Abt. II b. Tgb -Nr. 220131.
Betr. Landwirtschastt. Keröstöestessung 1916.
Die in den Verfügungen vom 27. 1. 16 II b Nr. 14377 und vom 12. 5. 16 II b Nr. 97 700 enthaltenen Bestimmungen sind sinngemäß auch für die landwirtschaftliche Herbstbestellung anzuwenden. Ebenso ist der mit der Verfügung vom 27, 1. ;6 mitgetMe Vordruck für die Urlaubsanträge mit entsprechender Abänderung auch für die Herbstbestellung zu verwenden.
Erneut muß darauf hingewiesen werden, daß mit Rücksicht auf die gesteigerten Ersatzanforderungen an kriegs- und auch an garnison- und arbeitsverwendungsfähigen Mannschaften die größte Beschränkung bei Urlaubsanträgen unbedingte Pflicht ist. Sämtliche zuständigen Stellen werden daher ersucht, die vorgelegten Gesuche auf das eingehendste zu prüfen und nur solche Anträge weiterzugeben, die nach ihrer pflichtmäßigen Ueberzeugung Berücksichtigung verdienen. Der Umstand, daß bei zahlreichen Gesuchen Mängel bei der Prüfung, insbesondere hinsichtlich der Größe der Grundstücke, der vorhandenen Arbeitskräfte und der Dringlichkeit der Beurlaubung hervorgetreten sind, nötigt zu der dringenden Bitte, künftighin die größte Sorgfalt auf die Bearbeitung dieser Gesuche zu verwenden. Daß die in der Front befindlichen Truppenteile nur in den aller- dringendsten Ausnahmefällen in der Lage sind, Be-
Mauern von alten Seiten umgaben. Zwar schien auch hier die Sonne herein, und ihre Strahlen spielten gerade so unbekümmert, wie draußen in Wald und Feld; aber es lag etwas Grausames in diesen Sonnenblicken, wenn sie ben kalten Stahl der'Bajonette aufblitzen ließen und die zusammengesnnkenen Gestalten der Sträflinge, die sich unter scharfer Bewachung auf dem Hofe ergingen, zu grotesken Schattenbilder»» verzerrten.
Die beiden Besucher passierten eine eisenbeschlagene Tür und traten in eine Vorhalle, in welcher sich eine Anzahl Türen rechts und links befände»» und Korridore sich nach verschiedene»» Richtungen abzioeigten.
Das Zimmer, das sie zunächst beträte»», war ein großer, viereckiger Raun» mit weißgetünchten Wänden, der wie eine Wachtstube aussah; ein langer Tisch aus Tauuettholz staub darin und ebensolche Bänke, wüh- renb ein riesenhafter Kachelofen eine Gluthitze verbreitete. Mehrere Angestellte saßen und stauben umher. Die Ersteren schnellten bei des Präfekten Eintritt von ihren Sitze»» in die Höhe, und alle grüßten. Ji» der einen Ecke war ein junger Mensch an einem Steh- pult mit Schreiben beschäftigt; zu »hu» trat Biruleff Hera»» und prüfte schweigend die Eintragungen, die er gemacht hatte. Darauf flüsterten sie eine Weile mit= einander und dann wanbte sich der Präsekt wieder an Rittberg: „Wir brauchen seinen Führer," sagte er.
Unb nun ging es quer durch die Vorhalle in eitlen der Korridore, dessen kahle Steinwände in regelmäßigen Abständei» durch Türen unterbrochen waren. Jede dieser Türen hatte ein Schiebefensterchen, dnrch welches der dahinter befiildliche Sträfling beobachtet werde»» konnte.
„In den meisten dieser Zellen sitzen politisch „Verdächtige" iuUntersuchnugshaft," bemerkte Biruleff. Plötzlich erscholl hinter einer der Türen, die sie noch nicht passiert hatten, Gesang von einer Männerstimme. Lä- chelud legte der Prnfekt dieHand aus seines Begleiters Arm.
»Das ist ein junger Kerl, einer von vieren, die in
urlaubungen eintreten zu lassen, muß trotz öfterer Erwähnung nochmals wiederholt werden. Da die dahingehenden Anträge besonders in letzter Zeit sich derart gemehrt haben, daß ihre Berücksichtigung in dem bean« tragten Umfange durch die Feldstellen völlig ausgeschloffen ist, muß erneut anheimgestellt werden, in dieser Beziehung weiterhin größere Zurückhaltung als bisher geschehen eintreten zu lassen.
Frankfurt a. M., den 18. September 1916.
XVIII. Armeekorps
Stellvertretendes Generalkommando.
Von feiten des stellvertretenden Generalkommandos. Der Chef des Stabes: gez. de Graaff, Generalleutnant.
J.-Nr. 10289.
Den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern mache ich zur Pflicht, in den mir vorzulegenden Gesuchen klar zum Ausdruck zu bringen, ob wirklich ein dringendes Bedürfnis für die Erteilung eines Urlaubs, eine Zurückstellung oder Befreiung vorliegt, da ich nur dadurch in Stand gesetzt werde, das Gesuch mit allem Nachdruck zu unterstützen.
Wenn die Kriegsumstände so auch zwingen, einen schärferen Maßstab an die Prüfung der Gesuche anzu- legen und damit noch ferner hohe Opfer an den Daheimgebliebenen, insbesondere auch den Frauen, zu fordern, so vertraue ich doch, daß Sie mit Ihrem Einfluß es verstehen werden, nicht nur mit Worten die Kraft der Angehörigen zu stärken, sondern ihnen auch mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Ich ersuche Sie, mir wirklich dringende Notstände in Ihrer Gemeinde, wobei insbesondere d'.e noch nicht geborgene Ernte ober die demnächstige Aussaat gefährdet ist, mir von Amtswegen rechtzeitig zur Kenntnis zu bringen.
Schlächtern, den 3. Oktober 1916.
Der comm. Königl. Landrat, von Trott zu Solz.
H 10684. Dem Medizinalamte der Stadt Berlin haben in der letzten Zeit mehrfach Proben von Pflaumenmus vorgelegen, das infolge der Verwendung verzinkter Gefäße bei der Herstellung verdorben und gesundheitsschädlich war.
In einem näher untersuchten Falle enthielt das in einem verzinkten Kessel zubereitete Pflaumenmus nicht weniger als 0,52 % Zink, also 5,2 g Zink in einem Kilogramm.
Ich warne hiermit vor dem Gebrauch solcher verzinkter Kessel zu Einkochzwecken.
Schlüchtern, den 3. Oktober 1916.
Der comm. Königl. Landrat. von Trott zu Solz.^ der vorigen Woche verhaftet würben; er singt unauf- hörlich, um sich Mut zu machen, unb er oerstehts! Horchen Sie."
Die Stimme, ein voller, weicher Tenor, hatte etwas, das einen eigentümlich ergriff. Das Lied, daS er sang, handelte von Liebe unb Abschiedsweh, eine schwermütige, einfache Melodie mit immer wiederkehrenden» Refrain, von der sich Rittberg seltsam bewegt fühlte und er empfanb den lebhaften Wunsch, den Sänger von Angesicht zu sehen.
Als habe B»r»rleff diesen Wunsch erraten, zog er Werner mit sich vor die Tür, bann öffnete er leise da» Schiebesenster, guckte zuerst selbst hindurch und »nacht« darauf Rittberg ein Zeichen, daß er herantreten solle.
Ganz in einen Pelzmantel gehüllt, lag da auf nio» brigem Feldbett ein Jüngling yingestreckt. Er war so jung, daß taum ein leichter Flaum auf seiner Oberlippe sichtbar; das Haar trug er lang, wie es die russische»» Stubenten tun, blondes Lockenhaar, das einem Mädchen zur Zierde gereicht hätte, das aber wirr unb ungepflegt um fein bleiches Antlitz floß. Die großen, blauen Augen waren starr zur Decke empor gerichtet, und das eine Bein, das über ben Bettraud hing, schlug ben Takt zu der Melodie, die mit einer Art schwärmerischer Be- geisteruug von seinen Lippen tönte. Neben ihm auf bem Boden lag eine Studentenmütze, von Rapierstöhe»» vielfach durch löchert.
Der Sänger machte so sehr den Eiudruck eines un» fertigen Knaben, daß bem deutsche»» Studenten da» Herz von Mitleid schivoll. WaS mochte er wohl verbräche»» haben, und wozu bedurfte es eines so starten Käfigs für einen so zarten Vogel? In diesem Moment senkte der Gefangene ben Blick und begegnete demjeui- gen Rittbergs; er fuhr in die Höhe und ein erivar- tungsvoller Ausdruck belebte feine Züge. Werner aber trat rasch zurück. Er schämte sich »indes tat ihn» weh, daß feine Neugier dem armen Gefangene»» eine unnötige Aufregung und Enttäuschung bereitet hatte. 231,18*