gramme ein, der Kaiser sandte ein in erhebenden Worten abgefaßtes Glückwunschschreiben, der Großherzog von Oldenburg und Graf Zeppelin gaben durch ihre Anwesenheit der Feier besonderen Glanz. Im Geiste aber war Alldeutschland bei den kühnen Hanseaten und freute sich mit ihnen der Tat echt hanseatischen Seemutes und ruft ihnen ein Helles Glückauf zu weiteren Fahrten zu.
In der Wiener Presse rief die Freudenbotschaft von der glücklichen Rückkehr der „Deutschland" in den Heimathafen lauten Jubel und uneingeschränkte Bewunderung hervor. Die Fahrt und die Heimkehr werden als einer der größten Triumphe gefeiert, die die Tatkraft, der Mut und die Wissenschaft des deutschen Volkes im Kriege davongetragen haben. Die glückliche Rückkehr des Schiffes sei ein Meisterstück seemännischer Kühnheit und Besonnenheit. Die Ozeansperre, durch die England das Deutsche Reich von der Welt trennen wollte, sei durchbrochen, und eine neue Epoche der Geschichte habe begonnen. Die Blätter heben insbesondere die Bedeutung der kühnen Tauchbootfahrten für die deutsche Einfuhr und Ausfuhr int Kriege hervor und erklären der Tag der Rückkehr sei ein Markstein in der Geschichte der Leistungsfähigkeit Deutschlands und ein Tag des Ruhmes für den Willen zum Sieg. Denselben Jubel löste die kühne Handelsfahrt in der ungarischen Presse aus. „Pester Lloyd" schreibt: Die Heimkehr der „Deutschland" ist eine schöpferische Tat, die ein neues System des Seehandels, frei von den Fesseln, die ihm England auferlegt hat, schafft. Sie bedeutet die tödliche Niederlage der Blockadetaktik, die auch in jenen neutralen Staaten Jubel erwecken wird, die unter dem Druck der englischen Gewalttätigkeit leiden.
In Schweden behandeln die Zeitungen die „Deutsch- land"-Fahrt als wichtigstes Ereignis des Tages. „Dagens Nyheter" schreiben: Erst durch die glückliche Heimkehr des Handelsunterseebootes kann das Problem des Unterwasserverkehrs zwischen Deutschland und Amerika als gelöst gelten. Erst jetzt kann man von einer wirkungsvollen Durchbrechung der englischen Blockade sprechen. Man kann verstehen, daß dieser Tag in ganz Deutschland mit Triumph gefeiert wird. Die holländischen Blätter widmen der Rückkehr der „Deutschland" sympathische Worte und schreiben, daß in Deutschland mit Recht große Freude über das Glücken der kühnen Fahrt herrsche. „Nieuwe Courant" schreibt: Trotzdem bei Lloyds Wetten zu 50 gegen 1 abgeschlossen wurden, daß es dem Unterseeboot nicht gelingen würde, der wachsamen englischen Flotte zu entrinnen, ist es Kapitän König geglückt, die britische Flotte zu überlisten. Daß das die Deutschen freut, ist selbstverständlich. Auch viele Engländer haben im Innern der Fahrt des Kapitäns König ihre Bewunderung nicht versagen können. — Das letztere mag stimmen. Die englische und englandhörige Presse aber hüllt sich in verkniffenes Schweigen. Vor der Tat der Deutschland versagt selbst die.Riesenkraft der schimpfgewohnten Leute an der Themse und der Seine.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 29. August 1916.
— * Es wird mitgeteilt, daß von der im März d. Js. gezeichneten vierten Kriegsanleihe die kleineren Stücke von 100 und 200 Mark nebst den Zinsscheinen bei den Zeichnungsftellen eingegangen sind und daselbst gegen Abgabe der Ausweise, Quittungen usw. in Empfang genommen werden können. Die größeren Stücke von 500 Mark 1000 Mark und höher, kommen dagegen erst in den Monaten September und Oktober zur Lieferung.
—* Der Gefreite Ewald Schade von der Fuß- Artillerie Batterie 455 bis August 1914 Seminarist hier, erhielt das „Eiserne Kreuz" 2. Klasse und wurde zum Unteroffizier befördert.
—* (Ausfuhr von Kartoffeln aus dem Landkreise Eassel verboten.) Der Landrat des Kreises Caflel, Herr von Pappenheim, hat auf Grund der Verordnung vom 26. Juni 1916 jede Ausfuhr von Kartoffeln der neuen Ernte — mit alleiniger Ausnahme des direkten Verkaufs an den Magistrat in Cassel — ohne seine vorherige Genehmigung verboten.
—* Hk. (Versand nach Bulgarien.) Ueber die Vorschriften, welche die Zentral-Einkaufsgesellschaft für die Beförderung von Privatgütern in geschlossenen Zügen (Maritza-Zügen) nach Bulgarien erlassen hat, erteilt die Handelskammer zu Hanau Auskunft.
—* Hk. (Rohstoff-Ersatz.) Die zweite Auflage der vom „Verein Deutscher Ingenieure" herausgegebenen Druckschrift „Rohstoff-Ersatz" ist erschienen und wird namentlich für die metallverarbeitenden Firmen einschl. der Edelmetallindustrie von besonderer Wichtigkeit sein. Bestellungen vermittelt die Handelskammer zu Hanau.
—* Hk. Weitere Freigabe von Strickgarnen. Nach der Bekanntmachung Nr. W. I. 761/12 15. K R. A. vom 31. Dezember 1915 durften Warenhäuser 10 v. H., sonstige offene Ladengeschäfte 30 v. H. ihrer beschlagnahmten Vorräte an wollenen und wollhaltigen
Strickgarnen nach dem Stande vom 31. Dezember 1915 im Kleinverkauf und an Hausgewerbebetriebe veräußern. Durch die Nachtragsbekanntmachung W. I. 1464/7. 16. K. R. A. vom 15. August 1916 sind den Warenhäusern weitere 30 v. H. und sonstigen offenen Ladengeschäften weitere 20 v. H. ihrer Vorräte an Strickgarnen nach dem Stande vom 31. Dezember 1915 zum Kleinverkauf und zuni Verkauf an Hausgewerbebetriebe freizugeben. Jedes Warenhaus und jedes offene Ladengeschäft ist aber berechtigt, (einschließlich der seit dem 31. Dezember 1915 bereits veräußerten Strickgarne mindestens 25 kg aus dem am 31. Dezember 1915 beschlagnahmten eigenen Vorräten zu verkaufen, auch wenn diese 25 kg mehr ausmachen als die angegebenen Prozentsätze. Die Bedingungen, daß die zum Verkauf freigegebenen Mengen tatsächlich zuni Kleinverkauf oder zum Verkauf an Hausgemerbebetriebe feilgehalten werden und der Verkaufspreis nicht höher bemessen werden darf als der zuletzt vor dem 31. Dezember 1915 erzielte Verkaufspreis, find unverändert geblieben. Weitere Freigaben von Strickgarnen bei Warenhäusern und sonstigen offenen Ladengeschäften sind für einen späteren noch zu bestimmenden Zeitpunkt in Aussicht genommen. Einzelanträge auf Freigabe können nicht berücksichtigt werden. Vorstehender Bescheid betrifft lediglich Strickgarne, welche unter Verwendung von Schafwolle, Kamelwolle, Mohär, Alpaka oder Kaschmir, ohne oder mit einem Zusatz von Kunstwolle oder Baumwolle oder anderen pflanzlichen Spinnstoffen, hergestellt sind. Für Strickgarne aus baumwollenen Spinnstoffen gelten die Anordnungen der Bekanntmachung W. II. 1700/2. 16. K. R. A. vom 1. April 1916.
* Fulda. Der Mörder Ebender. Wie wir bei Schluß der Redaktion erfahren, ist der dritte der als Mörder des Försters Romanus verfolgten Gebrüder Ebender, Wilhelm, in Holland gefaßt worden. Die Auslieferung wird beantragt werden. Diebeiden anderen Brüder siud bekanntlich schon hinter Schloß und Riegel.
* Büdiugen. Der Kreis Tübingen wird nach Mit- teilungen des Kreisamtes von deutschfeindlichen Agenten bereist, die die Einwohner von einer Zeichnung auf die neue Kriegsanleihe abzuhalten suchen und dabei den Leuten vorreden, die Anleihe sei eine unsichere Anlage. Die Behörde fordert zur sofortigen Festnahme solcher Leute auf.
Das 12. Rhönturnfest.
Am 20. d. Mts. auf der Wasserkuppe, mit dem eine große Geländeübung der Jugendwehren aus den Kreisen Hanau, Gelnhausen, Fulda, Hünfeld, Hersfeld und Gersfeld verbunden war, hatte sehr unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Unter strömendem Regen rückten die Jungmannschaften non ©er^eftrr^VP^ Wüstenfüchsen aus auf die vollständig in Nebel gehüllte Wasserkuppe. Die „blaue" Partei, Führer Hauptmann Nieß-Hanau, etwa 1200 Mann hatte von Poppenhausen anrückend, die Wasserkuppe besetzt. Die „rote" Partei, Führer Gymnasialdirektor Dr. Müller-Fulda, Hauptmann d. L., mit etwa 1150 Mann hatte die Aufgabe, die Wasserkuppe von Wüstensachsen aus zu nehmen. Es gelang ihr, gedeckt durch Nebel, ganz nahe an die besetzte Höhe heranzukommen und die „blaue" Partei östlich der Wasserkuppe zurückzuschlagen. Bei Hellem Wetter wäre das Resultat ein anderes geworden. Die Uebung wurde sodann abgebrochen. Der Leiter der militärischen Uebung, Herr Oberstleutnant Hardt Hanau, hielt eine Ansprache an die Jungmannen, in der er die Jugendwehr-Bestrebungen auseinandersetzte, der Jugend anerkennende Worte widmete, deren vaterländ. Pflichtbewußtsein anregte und den Führern für ihre Bemühungen Dank und Anerkennung zollte. — An dem neuerrichteten, geweihten Kreuz, unter welchem unter Leitung des Herrn Kaplan Trageser-Poppenhausen ein würdiger Feldaltar errichtet war, fand um 7212 Uhr kathol. Feldgottesdienst, eine heil. Messe statt. Der Geistliche, Herr Pros. Dr. Leimbach'Fulda erinnerte in seiner Ansprache daran, daß im Jahre 1271 auf der Wasserkuppe die Ermordung des Fürstabtes Berthold-Fulda von treulosen Rittern beschlossen worden war. Heute werde hier zum erstenmal das Opfer des Friedens, das hl. Meßopfer, gefeiert. Alle den Altar Umstehenden, seien in Treue fest, ihrem himmlischen und irdischen König ergeben. Der Geistliche wies im Anschluß an das Schriftwort: „Habe Acht auf das Bild, das dir aus dem Berge gezeigt worden ist" auf die am Fuße des Kreuzes angebrachte Mahnung unseres Kaisers hin und legte dar, was das Berg- Kreuz der Jugend Erhabenes predigt. Die Meßgesänge begleitete die Musikkapelle des dompfarrlichen Jünglingsvereins Fulda. Den Gottesdienst schloß ein Gebet für unsere auf den Schlachtfeldern kämpfenden und für die gefallenen Helden. — Um 12 Uhr begann an einer mit dem Eisernen Kreuz und der Inschrift: „Mit Gott für König und Vaterland" geschmückten Kanzel evangel. Gottesdienst von Herrn Pfarrer Dr. Trute-Gersfeld gehalten, statt. Eröffnet wurde er durch einen von der
Hanauer Kapelle gespielten Choral und dem Gesang des Nieder!. Dankgebcts: „Wir treten zum Beten." Nach der Schriftverlesung und dem Gesang: „Eine feste Burg ist unser Gott!" folgte die Ansprache deren Inhalt an anderer Stelle abgedruckt ist. Der erhebende Gottesdienst schloß mit dem Choral: „Nun danket alle Gott" und dem Segen. — Mittags hellte sich das Wetter zeitweise auf. Die Frei- und turnerischen Uebungen wurden durchgeführt, so gut es eben bei der ungünstigen Witterung eben ging. Viele Jugendwehren waren schon frühzeitig nach Gersfeld und Wüstensachsen abgerückt. Die Beteiligung an den Freiübungen und Dreikampf waren daher nur gering, etwa 450 Mann nahmen an den Freiübungen teil. Eine Festrede wurde nicht gehalten. In Klasse I Jugendliche über 16 Jahre wurden 37, in Klasse II unter 16 Jahren 27 Preise verteilt Aus dem Kreise Gersfeld erhielten Preise: H, Wohlmacher-Gersfeld, Josef Schiebelhut, Josef Nüdling, Leo Gensler, Wend. Schieb lhut und Ad. Meßler-Pop- penhausen und Ernst Simon Schachen. Den von Herrn Landrat, Geh. Regierungsrat Freiherrn v. Doeruberg- Fulda gestifteten Wanderpreis für Schulen, Schlagballspiel ohne Einschenker, eroberten die Schulen zu Maiers- bach und Schachen bei Gersfeld. — Hoffentlich wird das nächste „Wasserkuppenfest" wieder besser vom Wetter begünstigt und die diesmal hie und da empfundenen Mängel beseitigt. Im „Fuldaer Kreisblatt" hat ein, vermutlich Fuldaer Turnkreisen augehöriger Einsender, herbe Kritik an der Jugendwehr-Veranstaltung auf der Wasserkuppe geübt. Er wünscht mehr Ordnung und daß das Turnwesen unter den Jugendwehren nicht „nebensächlich" behandelt wird. Der Einsender wird das nächstemal vielleicht weniger auszusetzen haben. Solch neue große Veranstaltungen können erst nach praktischen Erfahrung besser organisiert und ausgebaut werden, und schließlich spielt das Wetter immer eine Hauptrolle bei solchen Bergfesten. Z
Skizze der bei dem Feldgottesdienst aus der Wasser- kuppe am 20. August 1916 von Herrn Pfarrer Dr. Tritte gehaltene Ansprache über Psalm 101,6: Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande, daß sie bei mir wohnen.
Pro patiia est, dum ludere videmur d. h. dem Bater- lande dienen wir, während es so aussieht, als ob wir spielen — diese alte Losung steht über dem heutigen Sonntage mit seinem soldatischen Spiel, steht über dem frohen angespannten Zusammenwirken so vieler jugendlichen Kräften unserer näheren Heimatkreise. Dem Vaterlande zuliebe geschieht es, wenn Männer mit klaren Augen und warmen Herzen die Jugend, die liebe deutsche Jugend zu gemeinsamer Uebung der Kräfte Leibes und Geistes aufrufen, damit die Jugend werde des Vaterlandes Wehr. Wahrhaftig nötig genug! Von Feinden umgeben ist unser Volk und wird es künftig sein. Aber jetzt ist Schicksalsstunde. Im Kampfe auf Leben und Tod sieht Deutschland. Wer kann helfen in Not? Gott und deutsche Treue. Gott selbst ist getreu. Darum hat er die Treuen lieb und sucht sie. In seiner Treue läßt Er die -schwere ^üuswümur-unL.zu einer Läuterungszeit werden. Alte Treue will Er läutern, neue TreüeTom Er schassen- in einem neuen Geschlecht. Ihr seid das neue Geschlecht, Ihr, Deutschlands Jugend. Die Ströme Bluts fließen draußen für Euch, für ein neues Deutschland. Was jener alte Römer einst von der jugendfrischen germanischen Rasse rühmte, erhoffen wir von Euch: Ehrfurcht vor dem Heiligen und Reinheit der Sitten d. h. Treue gegen den ewigen Gott und gegen sich selbst. Euer Alter ist die gottgewollte Zeit der Freundestreue. Auf den Schlachtfeldern die Kameradschaft. Treue gegen Vater, Mutter und Geschwister. Jetzt fordert Euch das Vaterland. Früher in Tagen des Friedens durftet Ihr von der frohen Jugendzeit fingen, die nicht mehr kehrt. Jetzt sind die Zeiten ernst geworden, so ernst, daß der Dichter unserer Tage mahnt: .
Das Lachen sei verloren Heut gibts ein Wort in Eisen* in dieser Zeit der Not! und dieses Wortheißt: Pflicht! Wer lacht,'wenn vor den Toren In dieser Zeit beweisen um Einlaß fleht der Tod. sich nur die Schufte nicht.
Ja, froh sind die Zeiten nicht mehr, sondern gewaltig ernst, aber heilig und hehr. In 100 Jahren wird eine Jugend leben, die wird mit glühenden Wangen lesen von den Sturmjahren 1914/15/16 und wird wünschen, sie mit erlebt zu haben. Nun seid Ihr die Jugend, die jung ist in dieser Zeit. Als Mitglieder der Jugendwehr habt Ihr Euch bewußt in das Erleben der großen Gegenwart hineingestellt. Möchten davon immer weniger werden, die abseits stehen. — Wir gedenken in dieser Stunde, da wir von ragender Bergeshöhe in ein freies Vaterland schauen, unserer kämpfenden, leidenden und sterbenden Helden draußen. Wir grüßen die Lebenden, die in Treue fest stehn. Wir grüßen die Toten, die ihre Treue mit dem Blute besiegelt haben. Wir schauen hinauf zu Himmelsaun, wo Heldenväter niederschaun. Die treu gewesen sind, leben bei Gott. Denn Gottes Augen schauen nach den Treuen im Lande, damit sie bei Ihm wohnen. Das glauben wir, seitdem der Held der Helden Jesus Christus litt und starb und dennoch' als Sieger und Ueberwinder bei Gott wohnt. Die Toten wie die Lebenden mahnen: Seid getreu! Haltet aus! Die Treue steht zuerst, zuletzt im Himmel und auf Erden. Wer ganz die Seele dreingefetzt, dem soll die Krone werben.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Evangelische Gemeinde: Mittwoch, den 30. August 1916. Abends 3 Uhr: Bittgottesdienst.
Osram^,
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