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Mlüchtemer Artung

'' Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

mit amtlichem Areisblatt.

Telefon Nr. 65.

Postscheckkonto Frankfurt a. M- 11408.

lvochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt,

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

X 70.

Mttwoch, den 30. August 1916.

67. Jahrgang.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Mit Rücksicht auf die gegenwärtige wirtschaftliche Lage sehen wir uns veranlaßt, die Erleichterung des Kreditverkehrs das nach unserer Bekanntmachung im Monat April 1914 aufgehobene Bürgschaftswesen bei Holzverkäufen in der Königlichen Oberförsterei Sal- münster, Steinau, Marjoß, Sterbfritz, Oberzell und Niederkalbach in dem bis Ende September d. Js. in Geltung gewesenen Umfange auch für die Holzverkäufe aus dem Wirtschaftsjahre 1. Oktober 1916/17 bestehen zu lassen.

Cassel, den 21. August 1916.

Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten B.

Der Kreis erhält noch 1 Waggou *UM Kleie. Preis etwa 1717»/, Mark der Ctr.

Da inländische Kleie nach wie vor nur in kleinen Mengen lieferbar ist, empfiehlt es sich trotz des hohen Preises zuzugreifen.

Bestellungen sind s o f o r t an die Herren Bürger­meister und von diesen hierher einzureichen.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschustes.

Gesucht werden im Kreise Schlüchtern:

1 Bauschreiner, 1 Zimmermanu, 3 landw Knechte und 1 Knecht der auch die Aufsicht führen kann.

Hanau, den 26. August 1916.

Städtisches Arbeitsamt Hanau Arbeitsnachweis für Stadt und Landkreis Hanau die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern-

XIII. Armeekorps. . , m

Stellt). Generalkommando. Frankfurt a. M., 10. Aug. 1916.

An

den Königl. Herrn Regierungspräsidenten

Cafiel.

Der Königliche Regierungs Präsident zu Coblenz hat den Gedanken angeregt, ordentlichen und verdienten Urlaubern aus dem Felde, die nähere Angehörige in der Heimat nicht mehr besitzen, Gelegenheit zu geben, während einen kürzeren Aufenthaltes in der Heimat bei geeigneten Familien kostenfreie Aufnahme zu finden, wo ihnen durch Familienanschluß, Unterhaltung und Verpflegung gezeigt

werden soll, daß das Vaterland ihrer gedenkt und be­müht ist, den Dank für die außerordentlichen Opfer, die der Krieg von ihnen fordert, nach besten Kräften abzu- tragen, und ihnen die wohlverdiente Erholung in ge­ordneten Verhältnissen zu ermöglichen.

Ein entsprechendes Verzeichnis von Personen aus dem Regierungsbezirk Coblenz, die geeignet und bereit sind, Urlauber aus dem Felde kostenfrei aufzunehmen, ist den in Betracht kommenden Feldstellen bereits zuge­gangen.

Das stellv. Generalkommando ist der Ansicht, daß die dankenswerte Anregung des Königl. Herrn Regierungs­präsidenten zu Coblenz völlige Beachtung und Nachahm­ung verdient, daß jedoch der beabsichtigte Erfolg nur dann eintritt, wenn die betreffende Maßnahme sich nicht auf den Regierungsbezirk Coblenz beschränkt, sondern auf einer möglichst breiten Grundlage aufgebaut wird.

Es wird deshalb gebeten, auch für den Bezirk Cassel ein Verzeichnis von Personen aufzustellen, die geeignet und bereit sind, verdienten Urlaubern aus bem Felde kostenfreie Aufnahme zu gewähren.

Das stellv. Generalkommando wird das Verzeichnis den in Betracht kommenden Feldstellen zugehen lassen. Um baldgefällige Rückäußerung wird gebeten.

Von feiten des stellv. Generalkommandos

Der Chef des Stabes.

Der »^^ ^,. August 1916.

Abdruck dessen Anregung ich gerne zustimme über- sende ich mit dem Ersuchen um Förderung. Der Ein- reichung der Verzeichnisse sehe ich bis zum 10 - mbr. 1916 entgegen.

J.-Rr. 2433 R. K.

Wir geben von der dankenswerten Anregung gern hier- mi t Kenntnis und sprechen die Hoffnung und Bitte gleich­zeitig aus, daß die im Kreise Schlüchtern so oft erprobte Liebestätigkeit sich auch in diesem Falle bewähren und uns in den Stand setzen möge, recht viele Familien zur Aufnahme angehörigenloser Krieger namhaft machen zu können.

Anmeldungen nehmen wir bis zunl 5. September entgegen.

Schlüchtern, den 21. August 1916.

Der Vorsitzende

des Roten-Kreuz Männer-Vereins.

Die Kriegserklärung Italiens.

WTB. Berlins? August. (Amtlich.)

Die königlich italienische Regierung hat durch Vermittelung der schweizerischen Re­gierung der Kaiserlich Deutschen Regierung mitteilen lassen, daß sie sich vom 28. d. Mts ah mit Deutschland im Kriegszustand be­findlich betrachtet.

* * Deutsche Kriegserklärung an Rumänien.

WTB. Berlin, 28. Aug. (Amtl.)

Nachdem, wie bereits gemeldet, Rumänien unter schmählichem Bruch der mit Oesterreich- Ungarn und Deutschland abgeschlossenen Ver­träge unserm Bundesgenossen gestern den Krieg erklärt hat, ist der Kaiserliche Gesandte in Bukarest angewiesen worden, seine Pässe zu verlangen und der rumänischen Regierung zu erklären, dah sich Deutschland nunmehr gleichsalls als im Kriegszustand mit Rumänien befindlich betrachtet.

* *

Die rumänische Kriegserklärung.

WTB. Wien, 28. August. (Nichtamtl.)

Gestern nacht erschien der rumänische Ge­sandte im Ministerium des Aeutzeren, um eine Note zu übergeben, derMfolge sich Rumänien vom 2?. August, 9 Uhr abends, an als im Kriegszustande mit Oesterreich-Ungarn befind­lich betrachtet.

WTB. Berlin, 28. August. (Amtlich.)

Die rumänische Regierung hat gestern abend Oesterreich-Ungarn den Krieg erklärt. Der Bundesrat wird zu einer sofortigen Sitzung zusammenberufen.

* *

*

DieDeutschland" im Heimathafen.

Unter dem hellen Jubel der Bremer Bevölkerung und der Gäste, die aus allen Teilen des Deutschen Reiches zur friedlichen Einholung derDeutschland" in die Hansa­stadt gekommen waren, hat das tapfere U-Handelsboot seine Weserfahrt beenoet und liegt im sicheren Hafen, wo es seine kostbare Ladung löschen wird. Kapitän König war der Mittelpunkt der Huldigungsfeiern, aus allen Teilen der Mittelmächte liefen Glückwunschtele-

Im Schatten

der Ueterpauksfestung.

Roman von Hermann Gerhardt. 26

Mit Madame geht es mir auch so, ich hasse sie gera­dezu! Und zu bem armen, kleinen Mauja bin ich auch nicht so, wie ich sein sollte !"

Aber ich verstehe wirklich nicht," wandle Marga­rete ein,Alexei hast Du doch geliebt?"

,Nicht in der Weise, wie er sich es dachte; seine Frau hätte ich niemals werden können! Das habe ich ihm auch gesagt, aber er wollte es nicht glauben. Armer Alexei! Er glaubte so fest an meine Trene!" Und wieder flossen Katias Tränen in bitterer Selbstauklage.

Im Verlaufe des Tages, sie lag matt und erschöpft ihrem Wohnzimmer auf dem Ruhebett, kam der Bater, nach ihr zu sehen. Er setzte sich zu ihr, küßte sie järtlich und nahm ihre Hand in die seine. Da er sie w ruhig und gefaßt fand, begann er, von den geplanten Trauerfeierlichkeiten zu reden.

,Auf Wunsch seiner Mutter," so teilte er ihr mit, »soll die Leiche unseres teuren Alexei hierher überge- führt und in der Alexander-Newskij-Kathedrale bei- öesetzt werden, wo sich die Familiengruft befindet."

Mit mehr Teilnahme, als sie bisher gezeigt, nahm Katia diese Nachricht auf.Dann möchte ich einen Kranz winden, Papa," sagte sie.

DaS ist recht, meine Liebe, ich werde Dir Vlnmen dazu bestellen." Und er streichelte ihren Kopf.

Am Tage der Beisetzung war das Wetter düster und melancholisch. Zwar hatte der Regen aufgehört, aber der Himmel hing noch voll schweren Gewölkes. Katia war früh anfgestanden und hatte lange Zeit vor dem MuttergotteSbilde in ihrer Schlafstube auf den Knien gelegen. AlS sie nachher zu Margarete in das

Wohnzimmer trat, machte sie einen völlig gefaßten Ein­druck, obwohl ihr Gesicht aus dein stumpfen Schwarz deS Trauerkleides so weiß leuchtete, wie srischgefalle- ner Schnee.

Fast zn gleicher Zeit trat der Präfekt ein. Er ivar in voller Gala, mit allen feinen Orden geschmückt; den Helm mit dem vollen, weißen Federbusch trug er in der Hand. Margarete begrüßte er mit einer ern­sten Verbeugung, küßte seine Tochter und entfernte sich dann wieder, ohne ein Wort gesprochen zu haben, so daß Margarete nicht umhin konnte, den Takt und das Zartgefühl zu bewundern, die ihn jede Teil- nahmsäußerung vermeiden ließen. Eine solche hätte auf Katias ohnedies schon krankhaft erregten Gemüts­zustand nur schädlich wirken können.

Nachdem der Vater sie verlassen, setzte sie sich an das Fenster und verharrte dort regungslos, die Hände im Schoß gefaltet. Margarete, die sich neben sie gestellt, konnte es ihr anmerken, daß sie gespannt auf etwas lauschte; und wie dann ans weiter Ferne die) ersten, schivachen Klänge der Musik an ihr Ohr schlugen, wur­den ihre Altgen immer größer, und ihre Lippen öff­neten sich mit einem Ausdruck des Entsetzens. Immer näher, immer deutlicher wurden die Töne des Trauer­marsches. Schon unterschied man das Trampeln vie­ler Füße, das Klirren der Waffen, das undefinierbare Geräusch, welches eine herannahende Menschenmenge verursacht.

Katia hatte sich erhoben; unsicher tastete ihre Hand nach einem Stützpunkt. Da legte Margarete den Arm um sie. Die Spitzenstores, welche deu Passanten den Einblick in das Zimmer verwehrten, gestatteten den beiden Mädchen, ungehindert alles zu sehen, was auf der Straße vorging.

An der Spitze des Zuges schritt die Geistlichkeit in ihren prunkvollen, von Edelsteinen starrenden Ge­wändern, zahllose seidengestickte Banner und goldene

Schreine tragend, aus deneu dunkelfarbige, seltsam be­kleidete Heiligengestalten schauten. Ihnen folgte Mi­litär, immer acht Mann in einer Reihe; die Bajonette unb Seitengewehre glänzten matt in der trüben Be» lenchtuug. Schier endlos defilierten die Truppen vor­über: Infanterie und Kavallerie; dann sah man den Leichemvagen nahen, von vier Schimmeln gezogen. Auf dein mit purpurfarbenen Sammet überzogenen Sarge ruhten Helm und Schwert deS tapferen, jungen Kriegers und davor, seltsam mit diesen militärischen Emblemen kontrastierend, lag das Kreuz aus Lilien und Rosen, die letzte Gabe derjenigen, die er so innig geliebt.

An jeder Ecke des Wagens schritt ein General; einer von diesen war der Präfekt.

Gespannten Blickes verfolgte Katia den Trauer«, kondukt, so lange er noch zu sehen war, dann aber verließ sie ihre Selbstbeherrschung, und ohnmächtig sank sie in MargareteS Arme zurück.

14. Kapitel.

Die Petersburger Ballsaison war in vollem Gange; unaufhörlich klingelten Schlittenglocken durch die stille, winterklare Luft und die vergnügungssüchtigen Be­wohner der Hauptstadt waren eifrig bestrebt, die Nacht zum Tage zu machen.

Das Palais der Gräfin Tobiesen aber, das sonst um diese Jahreszeit seine Tore weit zu öffnen pflegte, lag diesmal still unb verlassen; denn seine Besitzerin verbrachte das Trauerjahr auf einem entlegenen Land­gute.

Wenngleich die Petersburger große Welt sich über ihre Abwesenheit zu trösten wußte, so bedauerte man allgemein um so lebhafter die Tatsache, daß das glän­zende Ballfest, womit der Präfekt das Debüt seiner Toch- ter hatte feiern wollen, nun der Trauer wegen ausfallen mußte^ ------------' - LML