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Schlüchterner Zeitung

mit amtlichein Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

mit amtlichem Kreisblatt

Telefon Nr. 65,

Postscheckkonto Frankfurt a. M 11402.

lvochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

Samstag, den 5. August 1916

67. Jahrgang

Amtliches.

Bestellung auf Knochenschrot.

Außer Knochenkraftfutter kommt demnächst

auch

Knochenschrot bzw. Knochengries zur Abgabe. Der Gehalt der Knochen beträgt etwa 3032% Pro­tein davon 2029% verdaulich und 2025% Phosphorsäure. Das Futter soll sich besonders eignen als Beifutter für alle Haustiere in kleinen Gaben, ins­besondere bei startet Fütterung von Kartoffeln, Runteltt und dergl., sowie für Jungvieh, um eine bessere Knochenbildung zu erzielen. Auch als Beigabe zum Hühnerfutter ist Knochenschrot sehr zu

Gundhelm, Sannerz Sachen abgeliefert worden sind. Schlüchtern, den 4. August 1916.

Der Vorsitzende des Männer-Vereins vom Roten Kreuz.

J.-Nr. 2376 R. K.

Für die Gefangenen gingen weiter ein:

aus

//

//

// von

//

Kressenbach

Hohenzell

Uerzell

Uttrichshausen

Direktor RohlmannSoden

Lehrer MohrMarborn

60.

108.35

37.00

95.90

20.00

1.00

M

M

empfehlen.

tägliche Gabe wird pro Tag und Stück ange-

Als geben:

für Rindvieh

H

M

//

junge Schweine ältere Schweine Schafe Geflügel Hunde

etwa

If

H

100

50

100

75

25

Gramm

//

Sa. 322.25 M.

Die Gesamtsammlung hat den Betrag von 13965 M.

04 Pfg. ergeben. Die Sammlung ist abgeschlossen. Schlüchtern, den 2^ August 1916.

Die beiden Rotekreuzvereine.

//

50100 Gramm.

Zentner stellt sich etwa auf 17 Mark. Bestell­ungen sind umgehend hierher oder direkt an den Ver-

Der

treter des Kreises Ferd. Fenner zu richten.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.

Westellung auf Kleie.

Demnächst kommt inländische Kleie im Verband mit Eiweitzstrohkraftfutter zur Abgabe und zwar auf je 6 Ztr. Kleie 1 Ztr. Stroheiweitzfutter Preise: Kleie etwa 7% Mk. Stroheiweißfutter etwa M. 21,60 der Zentner.

Die Herren Bürgermeister wollen sofort den Bedarf der Gemeinden anmelden.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses,

werden im Kreis Schlüchtern 1 ©auf stellt er und 1 Zimmermann

Städtisches Arbeitsamt Kanau.

Arbeitsnachweis für Stadt- und Landkreis Hanau und die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern.

Wollsachen u. Kleidungsstücke.

Die Veröffentlichung vom 5. Juni d. Js. Schlüch­terner Zeitung Nr. 47 über

Sammlung von Wollsachen usw.

bringen wir hiermit erneut zur Kenntnis, da bis jetzt nur aus den Gemeinden: Altengronau, Brcumngs,

Unser Vorrat an Hemden ist durch die starke Inanspruchnahme unserer Lazarette vollständig aufgebraucht. Da dringender Bedarf vorliegt und neue Hemden kaum oder nur zu sehr teuren Preisen zu beschaffen sind, richten wir an die bessergestellten Kreisbewohner die Bitte, uns

getvasE« Hemden

schenken zu wollen.

Wir danken im Voraus.

Schlächtern, den 28. Juli 1916.

Die beiden Rote Kreuz Vereine.

Kritik im Kriege.

Fast gleichzeitig sprechen zwei halbamtliche Organe, ein militärisches und ein politisches, das eine in,Berlin, das andere in München, scharfe Mahnungen gegen Un­ruhstifter im Innern des Reichs aus. Wir sind im Kriege, und zwar im Höhepunkt des größten und furcht­barsten aller Kriege der Weltgeschichte. Die ganze waffenfähige Maunschaft steht in Feindesland., Im Westen sümpft ein Teil unseres Heeres gegen die ge­samte Landmacht Frankreichs und Englands, im Osten

setzt ein anderer Teil dem Ansturm neuer russischer Massen zähesten Widerstand entgegen. Als endgültige Sieger können wir aus dem blutigen Ringen nur hervorgehen, wenn der Geist der Zuversicht im Volke daheim, wie er von Anfang an war, als notwendiger Rückhalt für die unermüdlichen Krieger im Felde erhalten bleibt.

Wir dürfen nicht müde, wir dürfen aber auch nicht irre werden. Unter der UeberschriftKriegskritik" be­klagt es das Militärwochenblatt, daß sich in manchen Kreisen ein Mangel an Augenmaß dafür zeigt, was der Krieg erfordert, nicht an Opfern und Leistungen, sondern in der brwußten Selbstbeschränkung des Urteils, im Zu­rückstellen der eigenen, stets auf unsicherer Tatsachen- unterlage fußenden Ueberzeugung zugunsten einer einheit­lichen straffen Leitung des Gesamtstaates.Ist man sich in Deutschland überall dessen bewußt, daß wir um zurzeit in der Lage einer riesigen, vom Feinde belagerten und mit der Aushungerung bedrohten Festung befinden? Daß alle Kräfte angespannt werden müssen, um diesen Plan der Feinde zuschanden zu machen? Daß jede Schwächung unserer für die Verteidigung des Vaterlan­des verfassungsgemäß zuständigen Persönlichkeiten eine Schwächung unserer Gesamtenergie bedeutet?"

Das Militärwochenblatt verneint diese Fragen unter Hinweis auf bekannte Versuche, auf gewissen Gebieten der Kriegsbetätigung Kritik zu üben und sogar die zur Leitung Deutschlands berufenen Männer in der öffent­lichen Meinung herabzusetzen. Roch schärfer geht die bayerische Staatszeitung gegen Besserwisserei, heimliche Tuschelei u. offene Umtriebe gegen die führenden Männer vor. Erscheinungen, die nur unseren Feinden Freude bereiten könnten. Wer, sei es auch aus patriotischen Motiven und aus vermeintlich überlegenem Urteil, über das, was in dem unendlich schwer zu überblickenden Ge­triebe der politischen und militärischen Operationen zu geschehen habe, das Vertrauen zu den berufenen Führern untergräbt, gefährdet den Sieg. Ueber die Friedens­ziele mögen verschiedene Ansichten bestehen, das Nächste aber ist doch die Erreichung des Kriegsziels, nämlich die Riedertngung unserer Feinde. Bis dahin bleibt es oberste vaterländische Pflicht, nicht Bestrebungen auf­kommen zu lassen, welche, wie es in einer kürzlich ver­öffentlichten Erklärung des Nationalausschusses heißt, unter Verkennung des Ernstes der Stunde die sieges- verheißende Eintracht zu stören geeignet sind.

Die Verluste unserer Westfeiirde.

Ueber die schweren Verluste der Engländer und Franzosen an der Westfront werden jetzt einige ziffer- mäßige Angaben mitgeteilt. Danach haben die Eng­länder bei der Offensive an der Somme bisher über 150 000 Mann, die Franzosen 50 000 Mann verloren.

Zm Schatten der Ueterpauksfestung

Roman von Hernrann Gerhardt.

24 priva-

Weiter unten folgten noch Mitteilungen ter Natur, deren Lektüre ein eigentümliches Lächeln aus deS Präfekten Gesicht hervorrief. Daneben lag der Brief deS Freundes, den Werner beantwortete, doch diese»! würdigte Biruleff nur eines flüchtigen Blickes, um sich zu überzeugen, daß er denselben schon vor acht Tagen in seinem Privatbureau in Petersburg gelesen.

Als Rittberg bald danach in sein Zimmer zurück- kehrte, stand sein Chef auf der dein Schreibtisch entge. gengesetzten Seite, in ein AlbumRhemlaudschaften vertieft.

Kommen Sie mit zu den Damen," forderte ihn derselbe im liebenswürdigsten Tone auf.Sie werden dort dringend gewünscht! Ihr Liebesbriefchen kann wohl noch ein Weilchen warten," schloß der Präfekt mit einem schalkhaften Blick nach dem Schreibtisch.

Am Abend, Margarete hatte sich schon zurückgezogen, klopfte eS an ihrer Tür. , n

Ich wollte Dir nur gute Nacht sagen, Schwester- chen!" hörte sie Werners Stimme sagen. Sie öffnete, und die Geschwister standen ein paar Augenblicke in der offenen Tür ihres Zimmers.

Du sahst heute den ganzen Tag so gelangweilt a»S," warf sie ihm freundlich vor,ich glaube gewiß, daß es ausgefallen ist. Du solltest es wirklich über Dich gewinnen, ein bißchen mehr Gesellschaftsmensch zu werden! Aber das Leben hier sagt Dir nicht so recht i«, wie mir eS vorkommt, die Menschen sind Dir we- Big sympathisch?"

>Es sind komische Leute mit wenigen Ausnahmen.

«Wer zum Beispiel S" fragte sie gespannt.

Er zögerte und wurde rot unter ihrem forschenden Blick.

Mischa ist ein famoser Bengel; ich habe ihn ordent­lich in mein Herz geschlossen."

Und an der kleinen, süßen Katia kannst Du doch nichts ausz,»setzen haben? Obgleich Du nicht immer sehr liebenswürdig zu ihr bist."

Ich war nie ein besonderer Damenfreundl" ant» »vortete er ausweichend und lachte verlegen.

Und der Präfekt?" Margaretes Finger legten sich fester um des Bruders Arm.

O, der Präsekt ist die personifizierte Rücksicht und Freundlichkeit!"

Aber traust Du ihm so ganz!" forschte sie wei­ter. Er warf ihr einen raschen Blick zu.

Weshalb nicht? Wir haben doch keine Ursache, ihm mißzutranen?"

Nein, das wohl nicht." Sre schlug d,e Augen nie­der.Und doch und doch Du hast recht, er ist außerordentlich freundlich, und es märe schnöder Un­dank, wollten wir ihm mit Argwohn begegnen."

Bruder und Schwester gaben sich den Giltenacht- kilß; dann ging Margarete in ihr Zimmer zurück und schloß die Tür. Gleich darauf hörte sie, »vie auch Wer­ners Tür ins Schloß fiel; und dann vergingen wohl fünf Minuten, während derer man nichts vernahm, als das eintönige Klatsche»! der Regentropfen gegen die Korridorfenster.

Nach Ablauf dieser Zeit aber tauchte plötzlich aus dein Margarete benachbarten Zimmer im flackernden Schein der Wachskerzen ein Kopf auf, scharfe Augen spähten vorsichtig nach rechts und nach links; dann trat Biruleff auf den Gang hinaus; blieb noch einen Moment abwartend stehen und eilte darauf flüchtigen, unhörbareu Schrittes die große Treppe hinunter.

13. Kapitel.

, * ES hotte sich gründlich esugeregnet. Tag für Tag

strömte das eintönige Naß vom bleifarbenen Himmel

herunter.

Die Federowskys hatten PetrSkoff verlassen; und an jedem Wochenschluß ward mit Ungeduld die Ankunft des Präfekten erwartet, der die neuesten Nachrichten vom Kriegsschauplatz mitzubringen pflegte. Die Lei­den der Kämpfenden, welche aus der vom Regen auf­

geweichten Erde kampierend, ungenügend bekleidet und mangelhaft ernährt, zu Hunderten an Dyssenterie und Sumpffieber hinstarbeu, erweckte die lebhafteste Teilnahme. Allenthalben im weiten russischen Reiche entfaltete die Gesellschaft vom Roten Kreuz eine emsig« Tätigkeit, regten sich laufende fleißiger Frauenhände zur Anfertigung von Verbandszeug und anderen Lie­besgaben.

Lieber Papenka!" bat Katia eines TageS,laß uns doch nach Petersburg zurückkehren I Ich möchte so gern auch helfen!" Sie umklammerte mit beiden Händen seinen Arin und blickte durch Tränen zu ihm aus.

Du mein Kleines? Was wolltest Du denn tun?* fragte der Präfekt verwundert.

Warum sollte ich nicht ebensogut wie andere Frauen etwas tun können? Bill ich an dumm und unbedeu­

tend dazu?" schmollte sie.

Der Präfekt sann eine We,le nach; aber eS war mcht Katias Wunsch, den er erivog, sondern vielmehr die Frage, inwieweit eine Uebersiedelung nach Petersburg seine Beziehungen zu Margarete günstig oder ungün­stig beeinflussen möchte.

Wie Du willst, mein Kmd," entgegnete er endlich, und' dann fügte er pro formn hinzu:vorausgesetzt natürlich, daß Madame nichts dagegen hat." Den»! er wußte genau, daß die Pilsontsky nichts sehnlicher '""und so geschah es, daß am nächstfolgenden Mitt­woch des Präfekten schwerfällige Reisekntsche durch die Straßen von Petersburg rollte, um seine Insassen vor dem Palais am Newskij-Prospekt abzusetzen. 231,18*.