Einzelbild herunterladen
 

WWKerZMW mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6S. Postscheckkonto Frankfurt a. M 11402. Telefon Nr. «5.

lvochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 57. Samstag, den 15. Juli 1916. 67. Jahrgang.

Wer über das gesetzlich zulässige Matz hinaus Hafer, MengKorn, Mischfruchi worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt fich am Vaterlandes

Amtliches.

. Nr. 5237. Auszug aus der Bekanntmachung über die Bewilligung von Zahlungsfristen an Kriegsteilnehmer, vom 8. Juni 1916.

§ 1.

Auf Antrag eines Schuldners, der Kriegsteilnehmer ist, oder gewesen ist, kann die Zahlungsfrist gemäß §§ i 1, 4 der Verordnung über die gerichtliche Bewilligung von Zahlungsfristen (R. G. Bl. 1915 S. 290, 1916 S. 451) bis zu sechs Monaten bestimmt werden, wenn die wirtschaftliche Lage des Schuldners durch die Teil­nahme am Kriege so wesentlich verschlechtert ist, daß sein Fortkommen gefährdet erscheint.

Der Antrag ist auch bei einer nach dem 31. Juli t 1914 entstandenen Geldforderung zulässig, sofern die Forderung vor oder während der Teilnahme des Schuldners am Kriege entstanden ist.

Der Antrag darf nicht deshalb abgelehnt werden, [weil anzunehmen ist, daß der Schuldner nach Ablauf der Frist zur Befriedigung des Gläubigers außer Stande sein wird.

8 5.

Kriegsteilnehmer Im Sinne. dicsL^Lrro.^tlg stud äußerten!m ß 2 Abs. 1 des Gesetzes, betreffend den Schutz der infolge des Krieges an der Wahrnehmung ihrer Rechte behinderten Personen, von» 4. August 1914 (R. G. Bl. S. 328) bezeichneten Personen auch die Personen, die vormöge ihres Dienstverhältnisses, Amtes oder Berufs zu den immobilen Teilen der Land oder Seemacht gehören.

8 6.

Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Ver­kündigung in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.

Berlin, den 8. Juni 1916.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers.

M Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisruhei« am Rhein.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der Kgl Lehranstalt im Jahre 1916:

Schatten

| der Ueterpautsfestung.

Roman von Hermann Gerhardt. 20

Tobiesen aber raffte sich mit Gewalt zusammen.

g »Und jetzt ist dieser Zeitpunkt gekommen, jetzt, da fortgehe und möglicherweise Dein liebes Gesicht Die wiedersehe." ein trockenes Aufschluchzen hob seine Brust,jetzt wollte ich Dich bitten, daß Du ihn mit Bliebe trägst."

,0 nein, das nicht!" Fast wie ein Aufschrei klang »DaS kann ich nicht, das darf ich nicht I Ein Ring W etwas Bindendes, und ich will nicht gebunden Bin." >

I »Binden soll er Dich nicht, Katia! Du sollst ihn nur Andenken an mich tragen, wie ich ihn so lange aus Liebe zu Dir trug!"

| KatiaS Tränen begannen heftiger zu fließen. Er Betrachtete sie eine Weile und fein Atem ging schwer. U.»Hör' auf!" sagte er endlich,Du sollst Dich nicht kämen. Ich verzichte." Seine Finger schlössen sich um M Ring.Sieben Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet und habe Geduld gehabt. Ich kann mich auch 'svch länger gedulden. Leb wohl, Cousine!"

! Er erhob sich entschlossen und stand vor ihr.

Auch Katia hatte sich von ihrem Sitz erhoben; gei« "Haft bleich war sie und ihre Augen blickten starr, 8 sähen sie eine Erscheinung. Mit plötzlichem Ent- >luß hielt sie ihm ihre Hand hin:Gib ihn her, k;«,* sagte sie mit eigentümlich klangloser Stimme, 4 werde ihn tragen."

»Rein, mein Liebling," gab er traurig zurück,daS «st Du nicht, wenn eS Deinem Gefühl widerstrebt, ielleicht später."

»Steck ihn mir an,"beharrte sie und hielt ihm den

1. Ein ObstverwertungSkursus für Männer und Haushaltungslehrerinnen in der Zeit vom 31. Juli bis 10. August,

2. ein ObstverwertungSkursus für Frauen in der Zeit vom 14. bis 19. August abgehalten werden.

Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vormittags um 8 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwertungsmethoden einzuüben.

Das Honorar beträgt für den Kursus zu 1: für Preußen 10 Mk., für Nichtpreußen 15 Mark; für den Kursus zu 2: für Preußen 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark.

Anmeldungen sind unter Angabe der Staatsange­hörigkeit an die Direktion zu richten.

Alles Nähere ist aus den Satzungen der Lehranstalt, die unentgeltlich verabfolgt werden, zu ersehen.

Der Direktor.

Dom Kriegsschauplatz.

Amtlicher Tagesbericht.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Nördlich der Somme gelang es den Engländern, sich in Contalmaison festzusetzten. Das Artilleriefeuer wird mit großer Heftigkeit fortgesetzt. Südlich der Somme haben auch die Franzosen mit ihren Angriffen die mehrmals beiderseits von Barleux, sowie bei und westlich von Eströes angesetzt wurden, keinen Erfolg gahabt, sie mußten meist schon in unserem wirkungs­vollen Sperrfeuer unter schwersten blutigen Opfern um- kehren.

Oestlich d^Haas war der LMerie..rmpf noch leb­haft. Die gewonnenen Jnfanteriestellungen wurden verbessert. Die Gefangenenzahl erhöht sich um siebzehn (17) Offiziere, zweihundertdreiundvierzig (243) Mann auf sechsundfünfzig (56) Offiziere, zweitausenddreihun- dertneunundvierzig (2349) Mann.

Bei Frelinghien, am Kanal von La Baffee, an der Höhe La Fille Morte, östlich von Badonviller und bei Hirzbach gelangen deutsche Patrouillen Unternehmungen.

Nördlich von Soissons wurde ein französischer Doppeldecker in unseren Linien zur Landungsgezwungen.

Oestlicher Kriegsschauplatz:

Bei der Armee des Generals Grafen v. Bothmer wurden durch umfassenden Gegenstoß deutscher Truppen bei und nördlich von Dlesza (nordwestlich von Bnczaez) eingedrungene Russen zurückgeworfen und dabei über vierhundert (400 Gefangene gemacht.

Balkan-Kriegsschauplatz:

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

Ringfinger entgegen.Ich wünsche eS!" setzte sie ener­gisch hinzu.

Da kam er ihrem Wunsche nach; aber zweimal ent­glitt der Ring seinen bebenden Fingern und rollte über das glatte Parkett, bevor es gelang.

Bist Du jetzt zufrieden?" fragte sie und hob ihr bleiches Gesichtchen zu ihn» empor. Zärtlich, verlan­gend schaute er auf sie nieder, ohne etwas zu erwi­dern. Sie blickte ihn» forschend unb zweifelnd in die Augen:Sage, daß Du jetzt glücklich bist, Alexei! Sage, Katia, Du hast »nich glücklich gemacht!"

Katia, Du hast mich glücklich gemacht," wieder­holte er mit zuckenden Lippen.

Und nun gib mir einen Kuß!" bat sie.

Da nahm er sie in die Arme und küßte sie feierlich, für die Dauer eines Augenblicks hielt er sie an sich gepreßt.

Versuche, mich lieb zu gewinnen," stammelte er.

Ach, Alexei," weiter brächte sie nichts über die Lip­pen. Und er küßte sie noch einmal, ein langer Abschieds­kuß, und ließ sie allein.

Sie aber wankte nach dem Diwan und warf sich in die Kissen:O, mein Gott!" schluchzte sie verzweif- lungsvoll,wie kann man nur so unglücklich sein!"

11. Kapitel.

Zur Rückfahrt nach Petrskoff hatte Rittberg des Prä- fetten Einladung, an seiner Seite auf den» Selbstfah­rer Platz zu nehmen, dankbar angenommen. Der Augen­blick von Katias knmmervollem Antlitz war ihm über­aus peinlich gewesen; nun aber fuhr sie mit seiner Schwester und Litschkoff im offenen Reise-Landauer vor­aus.

Nach ziemlich schweigsam znrückgelegter Fahrt tauchte endlich die wohlbekannte Mühle auf, und bald barauf hielten die Wage»» vor dem Portal. Die Knaben sprangen znr Begrüßung herbei, und Wer,»er merkte mit Genugtuung, daß sein Schüler Mischa offenbar große Freude über seine Rückkehr empfand,

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 14. Juli 1916.

* Am Montag, den 17. Juli abends 8'/, Uhr findet öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversamm­lung statt. Tagesordnung. 1. Vorlage der Rechnungen: a) der städtischen Armenkasse, b) der Schunk'schen Stiftung, c) der Paulinen Stiftung, d) der Obdach­losenherberge. 2. Gewährung eines Geldbetrages für das österreichische und ungarnische Rote Kreuz. 3. Ueber­nahme von Kosten des s. Z. in der Stadt veröffent­lichten .Tagesberichts des großen Hauptquartiers auf die Stadtkasse. 4. Wahl eines Magistratsmitgliedes (Ersatz für Herrn Viktor Wolf). 5. Betr. Wählerliste für 1916. 6. Erlaß einer Holzgeldschuld.

* Seine Durchlaucht der Fürst zu Waldeck und Pyrmont verliehen dem Mitinhaber der Firma Victor Wolf, Herrn Seifenfabrikant Max Wolf z. Zt. im Felde, den Hoflieferantentitel.

* Am Sonnabend, den 15., SoKntag, den 16. und Montag, den 17. Juli geben die Akrobaten-Künstler D e l i aus Darmstadt am hiesigen Unter-Tor 4 reich­haltige Vorstellungen. Dem Programm nach, das durch Zettel bekannt gegeben wird, stehen dem Publikum genußreiche Stunden bevor. Nebenbei sei bemerkt, daß von ihnen auch zwei Söhne im Felde stehen, die dem Vaterlande ihre Dienste weihen. Umsomehr wünschen wir ihnen einen recht regen Zuspruch und herrliches Wetter zu ihren Vorstellungen.

* Hk. Internationales Kriegs-Handelsrecht. Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin haben mit der Herausgabe von Einzelschritten begonnen, welche namentlich die Behandlung der vor dem Kriege ein­gegangenen Kauf- und Lieferungs-Verträge durch das Recht der kriegführenden Staaten untersuchen und dar­stellen. Erschienen ist soeben Heft 2 : Deutschland ; es kann zum Preise von 50 Pfennig durch die Handels­kammer zu Hanau bezogen werden.

* Eine zweckmäßige Maßnahme zur Vermehrung des Oelsruchtanbaues bedeutet die vom Bundesrat ge­troffene Anordnung, wonach schon jetzt die Preise für Oelfrüchte, insbesondere für Winterraps und Rübsen, aus der Ernte 1917 festgesetzt werden. Sie betragen ein Sechstel mehr als die Preise für die diesjährige Ernte, auch bleibt die Anordnung bestehen, ba^ den Erzeugern die Häfte der erzielten Oelkuchen zurückge­geben wird. Damit ist nicht nur den Landwirten eine ausreichende Rente für den Anbau der Oelfrüchte in Aussicht gestellt, sondern ihnen anch ein starker Anreiz für eine weitgehende Vermehrung des Anbaues der Oelfrüchte gegeben worden. Bei dem fast gänzlichen

In der Eingangshalle aber stand die PilsoutSky und überschüttete die neue Hausgenossin mit Liebenswür­digkeiten:Wie freue ich »nich, daß Sie endlich da fhib," flötete sie,es war unbeschreiblich öde die Zeit über!" Ein rascher Blick streifte Rittberg; dann wandt« sie sich lebhaft an Biruleff.Ich habe mich nach Mög­lichkeit zu trösten gesucht, mein General, indem ich di« Federowskys besuchte, und habe sie bei dieser Gele­genheit auf ein paar Tage eingeladen. Damit unsere liebe Jugend gleich ein bißchen Unterhaltung hat!" Sie lächelte Margarete holdselig zu. »

Ich bin gern auf den» Lande, und langweil« mich nicht so leicht!" entgegnete diese. x

Wie reizend von Ihnen! Da kennen Sie gewiß auch die lateinischen Namen Don all den Unkräutern, das denke ich mir so interessant. Ich für mein Teil verstehe nichts davon und gehe wenig spazieren." Im nächsten Moment hatte sich Madame auf Katia ge­stürzt:Meine Katinka!" rief sie auS und legte ihr« schlanke Hand auf des Mädchens Schalter.Wie geht», wie stehts? Laß Dich mal anschane»». Ach I Noch im« mer die blaffe Farbe! Hat sie sich gelangweilt in der öden, menschenleeren Stadt?" ^r

Aber durchaus nicht!" platzte Katia betau»,ich habe mich im Gegenteil ausgezeichnet unterhalten, so gut, wie noch nie in meinem Leben." ^ ^

Sie hatte wie gewöhnlich ohne Ueberlegurig ge­sprochen und wünschte im nächsten Moment, ihre Wort« zurücknehmen zu können. Madame lachte.

Geh nur lieber und ruh Dich aus, mein Kind, nach der langen Fahrt; ich will Dich auch nicht mit Fra­ge,» quälen, obgleich ich mich danach sehne, daS Neueste auS Petersburg zu hören."

Katia schob ihren Arm in den MargareteS und jo3 sie nach der Treppe. »Auf Wiedersehnl" rief die Pil- . foutßlL ihney nach. - _ ----- - - ^ 23U^