Wer über das gesetzlich zulässige Matz hinaus Hafer, Mengkorn, Mischfruchr worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt fich am Vatertande!
Zchlüchterner Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
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M 56. Mittwoch, den 12. Juli 1916. 67. Jahrgang.
von Skrobowa (östlich von Gorodischtsche) nichts Wesentliches ereignet.
Heeresgruppe des Generals von Li«fi«ge«
Der gegen die Stochod-Linie vorfühlende Feind wurde überall abgewiesen, ebenso scheiterten seine Vorstöße westlich und südwestlich von Luck.
Deutsche Flugzeuggeschwader griffen feindliche Unterkünfte östlich des Stochod erfolgreich an.
Armee des Generals Grafen van Bothmer.
Patrouillentätigkeit und erfolgreiche Gefechte im Vorgelände.
Balkan-Kriegsschauplatz:
Unsere Vorposten südlich des Doiran-Sees schlugen feindliche Abteilungen durch Feuer ab.
Oberste Heeresleitung.
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Im U-Woot über den atlantischen Hzean.
Ei« neues Seemann-stück.
WTB. L o n d'o n, 10. Juli. (Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus: Die Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus New-Pork, in dem gemeldet wird, daß ein deutsches Unterseeboot mit einer wertvollen Ladung Farbstoffe in Baltimore angekommen ist. Zwanzig Meilen von der Küste wurde das Unterseeboot von britischen und französischen Kreuzern verfolgt, wodurch feine Ankunft um vier Tage verzögert wurde.
* * •
Der Fliegermord am Kro«leich«amstag.
Bei Kriegsausbruch behaupteten die Franzosen, sie würden nns im Luftkampf bedeutend überlegen sein. Das Märchen zerstörten rasch unsere wackeren Flieger; auch in der Luft zeigten sich die dentschen den Franzosen mehr als gewachsen. Pögouds Friedensruhm erblaßte vor dem Kriegsruhm unserer Jmmelmann und Boelcke. Da suchten Frankreichs „ritterliche" Luftkrieger die Erfolge, die sie gegen gleichgewappnete Gegner nicht zu erreichen vermochten, durch Bewerfen offener friedlicher Städte ganz außerhalb des Kampffeldes zu erlangen. Sie überflogen schon vor Monden das erstemal Karlsruhe und töteten friedliche Bürger, und vor kurzem wiederholten sie das scheußliche, feige Experiment. Mit großem Erfolge — diesen Ruhm vollendeter Feigheit dürfen wir den Franzosen nicht ab- sprechen.
Nur eine Viertelstunde lang kreisten die fränkischen Flieger, in den höchsten Wolken versteckt, über Karlsruhe und warfen ihre Bomben. 117 wehrlose Menschen, 30 Männer, 5 Frauen und 82 Kinder töteten sie und 140 Unglückliche, 48 Männer, 2 Frauen und 72 Kinder, verwundeten sie schwer und leichter.
Dom Kriegsschauplatz.
Amtlicher Tagesbericht.
Aortdauer der Kämpfe an der Komme.
Aünf Alugzeuge und zwei Aesselöaltons aögeschossen. — Russische Angriffe von Umfingen und Wothmer abgeschlagen.
WTB. Großes Hauptquartier, 10. Juli 1916.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Beiderseits der Somme dauert der schwere Kampf fort. Immer wieder schicken unsere tapferen Truppen den Angreifer in seine Sturmstellungen zurück, und wo sie seinen sich dichtauf folgenden Angriffswellen vorübergehend Raum geben mußten, haben sie ihn durch raschen Gegenstoß wieder geworfen; so wurde das Wäldchen von Trones den dort eingedrungenen Engländern das Gehöft von La Maisonette und das Dorf Barleux den Franzosen im Sturm wieder entrissen und gegen den Feind in Hardeourt vorgearbeitet. Um Ovillers wird ununterbrochen Mann gegen Mann gekämpft. Im Dorfe Biaches haben die Franzosen Fuß gefaßt, zwischen Barleaux und Belloy sind ihre vielfachen Angriffe unter den größten Verlusten restlos zusammengebrochen. Weiter westlich hinderte unser Sperrfeuer sie am Ver- laffen ihrer Gräben.
Zwischen dem Meere und der Anere, im Gebiete der Aisne, in der Champagne und östlich der Maas frischten die Feuerkämpfe zeitweise auf, zu Infanterie- tätigkeit kam es westlich von Warneton, östlich von Armenticres, in der Gegend von Tahurc und ant Westrande der Argonnen, wo vorstoßende französische Abteilungen abgewiesen wurden. Bei Hulluch, bei Givenchy und auf Vauqois sprengten wir mit gutem Erfolge.
Der Flugdienst war beiderseits sehr rege. Unsere Flieger haben fünf feindliche Flugzeuge (eins bei Nieu- port-Bad, zwei bei Cambrai, zwei bei Bapaume) und zwei Fesselballons (je einen an der Somme und an der Maas) abgeschossen.
Die Oberleutnants Walz und Gerlich haben ihren vierten, Leutnant Leffers seinen fünften, Leutnant Par- schau seinen achten Gegner außer Gefecht gesetzt. Dem letzteren hat Seine Majestät der Kaiser für seine hervorragenden Leistungen den Orden Pour le merit verliehen.
Oestlicher Kriegsschauplatz:
Auf dem Nordteile der Front hat sich, abgesehen von einem vergeblichen russischen Angriffe in Gegend
AnrUtHes
4t Vtkmtiliachillig ütr LMirlschGkauMl. Tgb.-Nr. 5032/16.
Vorträge über Pilze und ihre Verwertung.
Trotz aller bisher getroffenen behördlichen Maßnahmen zur Förderung des Pilzgenusses gehen jährlich noch Tausende von Zentnern dieses wichtigen Nahrungsmittels ungenutzt verloren. Größtenteils dürfte dies auf die namentlich in rein ländlichen Gegenden herrschende Unkenntnis der Pilzarten und die dadurch bedingte Furcht vor dem Genuß giftiger Pilze zurückzu- führen sein. Es erscheint daher notwendig, die Pilzkunde noch mehr zu pflegen, als dies bisher durch Verteilung von Tafeln der eßbaren und giftigen Pilze geschehen ist. Dies kann dadurch erreicht werden, daß Ptlzkundige in den ländlichen Gegenden kurze Vorträge über Pilzkunde halten und im Anschluß an dieselben mit der ländlichen Bevölkerung Pilzwanderungen ver- anstalten, um die Teilnehmer an der Hand des gefundenen Materials über die in der betr. Gegend vorkommenden eßbaren Pilze, ihre Ernte, ihre augenblickliche Verwertung im Haushalte und die Aufbewahrung von Vorräten durch Einkochen oder Eintrocknen zu unterrichten.
Auf eine Anfrage der Landwirtschaftskammer haben sich u. a. folgende Herren bereit erklärt, derartige Vorträge mit anschließenden Pilzwanderungen zu veranstalten:
Lehrer Andre in Fulda (Kreis Fulda).
Lehrer Achter in Wettges, (Kreis Gelnhausen.) Seminar-Oberlehrer Keller in Schlüchtern (Kreis Schlüchtern).
Kosten entstehen durch die Vorträge nicht. Den Gemeinden, landwirtschaftlichen Vereinen, Genossenschaften usw. wird dringend empfohlen, von dieser Möglichkeit zur Förderung der Pilzkenntnis und des Pilz- genusses ausgiebig Gebrauch zu machen und sich wegen Veranstaltung von Vorträgen unmittelbar an die oben genannten Herren zu wenden.
Cassel, den 5. Juli 1916.
Der Vorsitzende
der Landwirtschaftskammer für den Reg.-Bezirk Cassel: I. V.: von Keudell.
Im Schatten der Ueterpauksfestung
Roman von Hermann Gerhardt.
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„Rann Ich Dich allein sprechen, Katia, bevor ich gehe?" flüsterte er mit unsicherer Stimme.
„Gewiß, Alexei," gab sie ebenso leise zurück, „ich werde nach dem Salon gehen."
Bald darauf schlich sie sich davon. Niemand außer Rittberg hatte eS bemerkt, daß sie sich entfernte. Ihren Liebhaber erwartend, war Katia auf einen Dnvan hingesunken; da saß sie nun, ihre Augen mit den Händen beschattend, im Kampfe mit den verschiedenartigsten Empfindungen; mit Reue, Schmerz, MNge- fühl und einer Zärtlichkeit, die keine Liebe war. Am meisten aber drückte sie das Bewußtsein meder, daß Alexei in einer Täuschung befangen sei. Wie durfte sie ihn in dem Glauben ziehen lassen, daß sie fein Gefühl erwidere! Und wie konnte sie es andererseits Über sich gewinnen, ihn, einen so grausamen Schmerz zu bereiten, in dem Moment, da er sie vielleicht für immer verließ? , t _
Schon hörte sie seine heran,iahenden Schritte.
„Hilf mir, mein Gott!" flehte sie.
Da lag er schon auf den Knien vor ihr und bedeckte ihre Hände mit Kliffen.
„Ratio, mein Leben, meine süße Taube! Du verzeihst mir?" stammelte er.
„Ich — Dir? O, ich — ich ganz allein bin ja Schuld!"
Katia!"
„Sei still, Alexei, eS ist so, wie ich sage. Ich bin ja so abscheulich heftig." Damit versuchte sie ihm sauft, aber entschieden ihre Hände zu entziehen. Er aber kniete voch immer und schaute so anbetend zu ihr auf, als
wäre sie ein Madonuenbild, vor dem er seine Andacht verrichtete.
Da biß sie sich auf die Lippen, erhob sich halb, sank aber wieder auf ihren Sitz zurück. Endlich konnte sie sich nicht länger halten: „Ach, steh'doch auf!" rief sie, „das sieht ja so dumm aus. Da," sie deutete auf einen Stuhl, „setz Dich dorthin und laß uns mal vernünftig reden! Ich habe Dir noch sehr Vieles zu sagen, Vetter."
Und Tobiesen tat, wie ihm geheißen. Die Arme gekreuzt, richtete er einen gequälten Blick auf feine hartherzige Gebieterin. Auf ihm lastete der ganze Schmerz des Abschieds, und sie schien nichts zu empfinden! Seine Augen füllten sich mit Tränen, aber erwischte sie hastig fort.
„Du weinst? O Alexei, was bist Du für ein Kmd!"
Jähe Röte schoß ihm ins Gesicht: „Jawohl, ein Kind, ein Narr! Zu weiter nichts gut, als zum Kanonen- flitter für die Türken! Nun, es ivird ja bald vorüber fein!" Die Stimme brach ihm. Katia rang die Hände, bann streckte sie sie ihm beide hin: „Alexei, mein Freund ! Wir wollen uns doch in solch einem Augenblick nicht streiten! Wir wollen vergessen, daß wir erwachsene Menschen sind und wollen so miteinander sein, wie wir als Kinder waren!"
Da nahm er ihre Hände und preßte sie an seine Brnst. „Wir sind aber eben keine Kinder mehr, Liebste!" sprach er mit tiefer Zärtlichkeit. „Ich liebe Dich jetzt mit der Liebe des Mannes, und ich hatte gehofft —" Er hielt inne und sah ihr in die Augen. Sie wandle sich ab.
„Kannst Du mir nicht ein wenig Hoffnung mit auf den Weg geben?"
„Was soll ich sagen!" stammelte sie gequält. Dann wieder in einen anderen Ton verfallend: „Ach, laß uns doch nicht davon reden! Du bist mein lieber Freund, Alexei, ich habe Dich als Freund lieb und werde immer au Dich beulen und für Dich beten, während Du in Gefahr bist."
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„Sieh mir in die Augen, Katia!" gebot er, „und sage mir die Wahrheit. Liebst Du einen andern? Wir müssen doch miteinander ins Reine kommen. Wenn el der Fall ist, dann habe ich nicht dar Recht, Dir Bot* würfe zu machen; aber wissen muß ich es!"
Sie errötete heftig, nahm sich mit Gemalt zusammen.
„Wen sollte ich denn lieben? Etwa Litschkoff?" versuchte sie zu scherzen. „Aber nein, Alexei, höre mir zu: ich will Dir jetzt ein feierliches Versprechen geben/ Und sie sah ihn mit ansdrnckSvoller Miene an. „Ich verspreche Dir, daß ich nicht heiraten werde." /
„Bis ich Dich hole ?" fiel er ihr ins Wort.
„Nein, nein," wehrte sie ab,' „ich heirate überhaupt nicht; ich werde wohl inS Kloster gehen — später mal
— und ich dachte, es würde Dir ein Trost sein."
„Meine Katia, Du weißt nicht, was Du sprichst! Du — ins Kloster! Aber warte nur, bis ich Heimkehr«! Dann will ich Dich so glücklich machen! Dein Leben an meiner Seite soll eitel Sonnenschein sein, dafür laß nur meine Liebe sorgen. Wenn — wenn Gott mir bat, Leben erhält!" schloß er mit plötzlichem, feierlichem Ernst.
In das Schweigen, das diesen Worten folgte, tönten die Schläge der Turmuhr von St. Jsaak. Tobiesen fuhr zusammen und fester klammerten sich feine Finger^ um Katias Hand.
„Jetzt? ist der Moment," murmelte er tief erregt. Ihre Hand loslassend, holte er ein zierliches Perlen- ringelchen hervor, das er (an einer seidenen Schnur um den Hals trug.
Ueber KatiaS Züge flog ein Schrecken, und hastig versteckte sie ihre Hand hinter dem Rücken.
Den Ring zwischen seinen zitternden Fingern drehend, sprach Alexei im Ton einer eingelernten Formel: „Seit meinem fünfzehnten Jahre trage ich ihn an mei- nem Herzen, sieben lange Jahre trug ich ihn und zählte die Tage und Monate, bis zu dem Zeitpunkte, wo ich hoffen durfte —" Die Stimme versagte ihm.
„O/ stöM Katia. - ^ ^«S^V