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Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Rreisblatt. Alonotsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

r-l-s-n Nr.«». Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 ,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 48.

Mittwoch, den 14. Juni 1916.

67. Jahrgang.

Wer über das gesetzlich Massige Maß hinaus Hafer, MengKorn, Mischfruchl worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt fich am Patertande!

Anrtttetzes.

Bekanntmachung.

Nach Mitteilung der Inspektion der Infanterie- schulen finden Einstellung«»! in die Unlerosfizierschulen vor Herbst 1917 voraussichtlich nicht mehr statt und werden Anmeldungen von Freiwilligen der Jahrgänge 1897 und 1898 überhaupt nicht mehr entgegengenom­men, solche des Jahrgangs 1899 nur soweit sie in ihrem Korpsbezirk nicht zur Einberufung heranstehen. gez. Hardt,

Oberstleutnant und Bezirtskommandeur.

Wollsachen-Sammlung.

Die im Vorjahr stattgehabte Woklfamm- r««g brächte, wie bereits mehrfach bekannt gemacht wurde, im Kreise Schlichter« ein überaus günstiges Ergebnis. Wir sind über­zeugt, daß auch heute wieder bei manchen Familien sich Borräte an getragene« wolle­nen, halbwollenen oder baumwollenen Klei- dungsstücken, alten Strümpfen, Unterzieh zeugen vorsinden und bitten daher erneut, solche Stücke Gemeinde weise zu sam meln und au uns abzuliefern.

Die Herren Pfarrer, Lehrer Bürger­meister und jeden Einzelnen bitten wir, sich nm die Sammlung zu bemühen. Am Zweck­mäßigsten ist es, wenn in jedem Ort ein besondererTag zur Sammlung be- stimmt und bekannt gemacht wird und dann durch eine oder mehrere Personen die Stücke abgeholt werden.

Sobald die Sammlung beendet ist, bitte« wir um Mitteilung durch den Herrn Bür« germeister unter Beifügnng eines Berzeich- nisies. Wir werden dann den Zeitpunkt der Ablieferung bestimmen.

Schlichter«, den 5. Juni 1916.

Männerverein vom Roten Kreuz.

Im Schatten der Ueterpaulsfestung. -

Roman von Hermann Gerhardt. 14

Rittberg war viel zu ehrlich, als daß seine Miß» billigung sich nicht auf seinem Gesicht gemalt hätte. Seine ernste Verbeugung erwiderte sie mit einem ebenso feierlichen Kopfnicken; dann fuhren sie von bannen.

Der Weg mürbe ziemlich einsilbig zurückgelegt, und während der Wartezeit auf dem Bahnhöfe sah sich wohl mancher nach der eleganten kleinen Dame und ihrem schweigsamen Begleiter um, der anscheinend für ihre Reize gänzlich unempfindlich war.

In der Tat ärgerte sich Rittberg über sie. Konnte sie denn ihr kindliches Vorurteil gar nicht überwinden? Gleich mußte der Zug kommen; nach Katras Gesicht zu urteilen, würde sie die künftige Hausgenossin nichts weniger als liebenswürdig empfangen.

Jetzt hörte man das Pfeifen der Lokomotive. Da gewann in Rittbergs Herzen das frohe Gefühl die Ober­hand, daß nun endlich der Moment gekommen sei, wo er die geliebte Schwester in die Arme schließen

Gin flüchtiger Seitenblick, mit dem Katias Eifer­sucht in seinen Mienen zu lesen suchte, gab ihr die Ueberzeugung, daß sie selbst für einen Moment verge - fen sei. Mit dem frohen Ausruf:Da ist sie sa I eilte er auf eine große, schlanke Dame zu, die ihm in schlich­tem dimkelblauen Reisekosten entgegenkam.

Die Geschwister umarmten uno küßten sich; bann stellte Werner Katia und Maraarete einander vor. Voll Interesse blickte letztere aus daS elfenhafte We­sen in der übertriebenen Toilette; wie rührend das blasse, feine Gesichtchen mit den dunklen Augen aus- sah, trotz deS finsteren Ausdrucks! Am liebsten hätte sie eS zwischen ihre Hände genommen und geküßt.

Dom Kriegsschauplatz.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 12. Juni (Amtl.)

Westlicher Kriegsschauplatz:

In der Champagne nördlich von Perthes drangen deutsche Erkundungsabteilungen in die französischen Stellungen, machten nach kurzem Kampfe drei Offiziere und über hundert Mann zu Gefangenen, erbeuteten vier Maschinengewehre und kehrten planmäßig in die eigenen Gräben zurück.

Beiderseits der Maas unverändert lebhaftes Ar- tilleriefeuer.

Oestlicher Kriegsschauplatz:

Deutsche und österreichisch ungarische Truppen der Armee des Generals Grafen Bothmer warfen russische Mißlungen, die nordwestlich von Buczacz (an der Strypa) im Vorgehen waren, wieder zurück; über 1300 Russen blieben als Gefangene in unser r Hand.

Im übrigen hat sich die Lage der deutschen Truppen nicht geändert.

Balkan-Kriegsschauplatz:

Keine Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

* * *

Die fünfte Krtegsa«lethe

Die neue Kriegsanleihe in Höhe von 12 Milliarden Mark ist in sämtlichen drei Lesungen von allen Parteien des Reichstags, mit Ausnahme der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft angenommen worden. Auch dieser neue Beweis unserer Opferwilligkeit dürfte unsere Geg­ner beweisen, wie weit Deutschland noch von einer finanziellen Ermattung" entfernt ist.

Die be« Friede« «icht wollte«.

Oie rumänische Preffe beschäftigt sich eingehend mit der Rede Bethmann Hollwegs über die Kriegslage. Die BukaresterMinerva" schreibt:Wenn nun von Frieden nicht mehr die Rede sein kann, müssen wir uns auf übermenschliche Anstrengungen Deutschlands, das Ende des Krieges durch die Waffen zu erzwingen, ge­faßt machen. Da die militärische Kraft Deutschlands furchtbar ist, was auch die Feinde anerkennen, so folgt, daß die großen Anstrengungen, zu der es sich entschließt, unfehlbar den endlichen Sieg herbeiführen werden. Dann wird man sehen, wie groß die Sünde jener war, die den Frieden nicht schließen wollten, als Deutschland ihn vorschlug. Denn es ist wahrhaftig eine unerlaubte Sünde, Millionen Menschenleben, wie auch den reichsten Teil Europas nicht zu schonen, sondern darauf auszu- gehen, daß Krieg bis zur völligen Zertrümmerung ge­

Es ist zu nett von Ihnen, mich selbst abzuholen!" sagte sie und drückte freundlich die schlaffe Hand Ka­tias:Ich denke, wir werden uns gut vertragen." Eine stumme Neigung des Kopfes war die einzige Ant­wort, und entmutigt dachte Margarete:Sie will nichts von mir missen I" während Rittberg wütend an seinem Schnurrbart kaute.

Kaum hatten sie im Wagen Platz genommen, als ein Reiter auf prächtigem Rappen heransprengte, und sein Pferd an der Seite, wo Margarete saß, parierte.

Das schöne Wetter gab mir einen willkommenen Vorwand zu einem Spazierritt und zur Begrüßung unserer werten neuen Hausgenossin!" und der Präfekt verneigte sich ritterlich.Ihr Herr Bruder hat es in der kurzer» Zeit verstanden, sich uns allen so lieb und an­genehm zu machen, daß wir der Ueberzeugung waren, in seiner Schwester eine ebenso glückliche Akqmsstion zu machen."

Sie sind sehr liebenswürdig, Exzellenz!" entgeg- nete Margarete mit einem ehrlichen Blick ihrer brau­nen Augen:aber Sie dürfen »licht zu viel von mir erwarten. Ich bin weder geistreich noch talentvoll; ja, ich spiele nicht einmal Klavier."

Man muß auch nicht zu bescheiden sein, mein Fräu­lein! Und was das Klavierspiel anbelangt, so haben mir davon schon eher zu viel als zu wenig. Bei uns spielen nämlich alle Damen. Man betrachtet eS hier­zulande als vornehmsten Daseinszweck, in der Gesell­schaft zu brillieren und zu gefallen, anders bei Ih­nen, wo die Mädchen nicht z»l bloßen Zierden deS Salons, sondern zu tüchtigen, brauchbaren Menschen erzogen werden. Fern sei es übrigens von mir, meine charmanten Landsmänninnen herabsetzen zu wollen, sie finb nur eben anders!"

Etwas beunruhigt schielte Rittberg zu Katia hin­über. Scheinbar apathisch in die Polster zurückgelehnt, war ihren blassen, gespannten Zügen doch deutlich die innere Erregung anzumerken. Welche Kontraste die

führt werde. Der kommende Sommer wird mit Sicher­heit einen durch Kamps aufgezwungenen Frieden bringen.

Kitcheners Nachfolger.

Nachdem bisher allgemein als Nachfolger Kitcheners Lord Robertson genannt wurde, glaubtManchester Guardian" jetzt bestimmt versichern zu können, daß es Lloyd George sein werde.

Die englische« Seeverluste, di

England hat bis zur Seeschlacht am Skagerrak un­gefähr 110 Gefechtseinheiten verloren mit rund 460 000 Tonnen Wasserverdrängung, nämlich 11 Linienschiffe, 15 Panzerkreuzer, 11 geschützte Kreuzer, etwa 30 Tor­pedoboote, 20 Kanonenboote und Linienfahrzeuge und 20 Unterseeboote. Durch die Seeschlacht ist der Ver­lust auf über 130 Gefechtseinheiten und über 600 000 Tonnen Wasserverdrängung gestiegen. Solche Verluste kannselbstderhoch entwickelte englische Kriegsschiffsbau wäh­rend des Krieges nicht ersetzen; die englische Flotte ist also sehr geschwächt und wird sich sehr hüten, nochmals an das Glück der Schlacht zu appellieren, nachdem die Engländer erfahren, wie überlegen ihnen die Deutschen an Mut und Material, an Strategie und Initiative find.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 13. Juni 1916.

Am 15. Juni 1916 nachmittags 5 Uhr findet eine öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversamm» lung statt. Tagesordnung: Vereidigung des neu ge­wählten Bürgermeister Stückrath

* Ersatz für Kaffee und Tee. Der Kriegs­wirtschaftliche Ausschuß beim Rhein-Mainischen Ver­band für Volksbildung hat eine von Stadtschulinspektor ^^e^FrLckfurt EMaür-LLrfirßtL . Flugschrift heraus- gegeben, welche eine Anleitung zum Sammeln und zur Verarbeitung einheimischer Teepstanzen gibt. Die Schrift ist in einem Exemplar von der Geschäftsstelle des Verbandes, Frankfurt a. M., Paulsplatz 10 kosten­los zu beziehen. An Gemeinden, Behörden, Schulen, gemeinnützige Körperschaften usw. wird die Schrift in größeren Mengen zum Selbstkostenpreis von 3 Pfg. pro Stück abgegeben.

* Papier und Presse. Die am 4. Juni im Sitzungssaals des Herrenhauses tagende, von mehreren Hundert Zeitungsverlegern aus allen Teilen des Deut­schen Reiches besuchte ordentliche Hauptversammlung des Vereins deutscher Zeitungsverleger faßte folgende Ent­schließung: Die dem deutschen Zeitungsgewerbe ange­kündigte weitere Steigerung des Papierpreises stellt eine ungeheuerliche Verteuerung der Herstellungskosten dar, die weder auf die Oeffentlichkeit abgewälzt, noch von dem durch den Krieg wirtschaftlich schwer geschädigten Zeitungsgewerbe aus eigenen Mitteln getragen werden

beiden Mädchen doch bildeten! So ruhig und selbst­sicher die eine, so impulsiv und erregbar die andere. Gewiß, er liebte und bewunderte seine Schwester un« gemein und war stolz auf sie; aber bei aUebem, wie unwiderstehlich anziehend war doch dies kleine stürini- sche Geschöpfchen! Man mürbe nie mübe, sie zu beob­achten, immer überraschte sie einen wieder durch neue Phasen, denn ihre Stimmungen wechselte»» wie April- wetter. Gerade in ihrer Unvollkommenheit von ent­zückendem Charme, schien sie eigens dazu geschaffen, verhätschelt und ganz unvernünftig geliebt zu werden!

Inzwischen ivar man am Newskij-Prospekt ange- langt, und Margaretens Bewunderung schien den Prä­sekten zu freuen.

Hätten Sie nicht Lust, ein paar Tage in Peters­burg zu bleiben?" fragte sie.Ihr Bruder könnte Ihnen die Honneurs der Stadt machen."

Ein fragender Blick flog zu Werner Hinüber, bet seinerseits in Katias Mienen zu lesen versuchte. WaS sie wohl dazu meinte? Aber Katia saß teilnahmSlos bei, alS ginge sie daS ganze Projekt nichts an.

Es würde mir großes Vergnügen machen," ent. gegnete Margarete,vorausgesetzt, daß Fräulein Bi- ruleff nichts dagegen hat." 231,18*

O, Katia wird im Gegenteil davon entzückt sein," versicherte der Präfekt,hat sie doch dadurch Gelegen­heit, ihre Toilette»» zur Geltung zu bringen, ein Ver­gnügen, das sie sich auf dein Banbe versagen muß." Und indem er ben Anzug seiner Tochter einer kritischen Musterung unterzog, fuhr er sarkastisch fort:Wie Sie sehe,», legt mein Töchterchen großen Wert darauf, streng nach der Mode gekleidet zu sein! Dieser Zug trat bei ihr schon im zartesten Alter hervor, alS Baby aus der»» Arm der Wärterin konnte sie schreien, wie am Spieß, bis man sie mit einem Halsband oder einer Schleif« schmückte, und bann ruhte sie nicht eher, bis man sie vor ben Spiegel trug, damit sie sich bewundern konnte!"