mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. »z.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
Mittwoch, den 7. Juni 1916.
67. Jahrgang.
Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande!
Amtliches.
J.-Nr. 2960 K. A.
Am Mittwoch, ben 14 Juni d Js., vormittags von 10 Uhr ab, findet in Schlüchtern an der Stadthalle eine Ziegenbockksrung statt
Zu dieser sind nicht nur die Böcke vorzuführen, deren Ankörung erstmalig gewünscht wird, soudern auch sämtliche bisher ««gekörten Ziegenböcke
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, auf vorstehende Bekanntmachung wiederholt i t ortüblicher Weise (Schelle etc) in ihrer Gemeinde aufmerksam zu machen.
Schlüchtern, den 30. Mai 1916.
Der comm. Landrat.
Liebesgaben
infolge unseres Aufrufs vom 17. Mai d. Js. gingen ein:
1. von Frau Baader in Schlüchtern: 500 Zigaretten,
5 Schachteln Pereat.
------S7 von ^ewi> Wolfi rn-Schlüchrern : wo ^igaret>en,
4 Päckchen Schnitttaback, 4 kurze Pfeifchen.
3. von Frau Metropolitan Kienzler, Neuengronau:
1 Flaschen Cognacverschnitt, 2 kurze Pfeifchen, 5 Notizbüchelchen, 1 Paket Malzkaffee, 1 Schächtelchen Kaffena, 2 Taschenmesser, 1 Tube Honig, 5 Fliegenfänger, 7 Rollen Kautaback, 5 Päckchen Taback, 8 Stückchen Maggi, 10 Briefbogen, 2 Tintenstifte,
Den edlen Gebern danken wir herzlichst. Weitere Gaben nehmen wir gern entgegen.
Schlüchtern, den 5. 6. 1916.
Die beide« Rotekreuzvereine.
Wir erhielten von der Abnahmestelle n für Liebesgaben
30 teere Konferven-Ktafer, welche unentgeltlich an solche Kreiseinwohner abgegeben werden können, die sich zur Ablieferung in gefülltem Zustande bereit finden. Abholung kann jederzeit im Kreisausschußbüro erfolgen. Außerdem stehen hier noch die von den Lazaretten zurückgegebenen leeren Emmache- gläser, die im vorigen Jahre in so dankenswerter Weise den Lazaretten mit süßem Inhalt übergeben worden waren. Die meisten sind mit den Namen der Geber bezeichnet. Wir bitten die gütigen Geber, die Gläser recht bald hier abholen zu lassen.
Die beide« Rotekreuzvereine.
Dom Kriegsschauplatz.
Das große Ereignis.
Wir haben seit fast einem Jahr, und mit gesteigerter Heftigkeit während der letzten Monate einen lebhaften Meinungskampf unter uns über die Führung des U- Bootskrieges gegen England gehabt. Noch kurz vor Himmelfahrt wurden im Reichstage harte Worte darüber gewechselt, ob es zweckmäßig und notwendig war den Einspruch Amerikas zu beachten und die scharfe U-Bootwaffe nicht mit der äußersten Rücksichtslosigkeit anzuwenden. Von allen unseren Feinden ist England der zäheste und zugleich derjenige, der bisher im Zentrum seiner Macht, der Beherrschung der Meere, am wenigsten durch den Krieg gelitten hat. Wenn es gelingen könnte, ihn an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen, würde der Krieg nicht mehr lange dauern. Gegen die vom Reiften Kriegsherrn getroffene Ent
scheidung setzte sich in manchen Kreisen der Glaube fest, daß die U-Bootwaffe nach den schon von ihr vollbrachten kühnen Taten vielleicht das einzige Mittel sei, um England durch Abschneiden seiner Zufuhren niederzuzwingen, und zwar noch bevor sich die Lage für uns infolge von Interventionen neutraler Staaten erschweren könnte. Das hing natürlich von der Zahl der verfügbaren U- Boote, der Größe ihres Aktionsradius, der Stärke ihrer Bewaffnung, kurz von technischen Umständen ab, die geheim sind. Jedenfalls gaben keineswegs nur politische, sondern auch militärische Gründe den Ausschlag dafür, daß nicht so verfahren wurde, wie es die unbedingten Anhänger des schärfsten U-Bootkrieges wünschten.
Auf der anderen Seite entstand die Frage, ob es wohlgetan war, vor allem den Bau großer Kampfschiffe zu betreiben, ob man nicht schon vor dem Ausbruch des Krieges lieber statt dessen Hunderte von Tauchbooten in fortwährender technischer Verbesserung hätte bauen sollen. Dabei klang uns der Hohn der Churchill und Balfour immer wieder in die Ohren über die deutsche Schlachtflotte, die sich nicht hinaustraue, um nicht in ein Mauseloch von der übermächtigen britischen Armada gejagt zu werden, obgleich diese Schlachtstotte doch schon genug Zeichen ihres Mutes und ihrer Kampfbegier gegeben hatte.
Und jetzt ? Die Kunde, die uns der Himmelfahrtstag von der Seeschlacht im Skagerat gebracht hat, ist geeignet, uns mit neuen starken Hoffnungen auf den endlichen Bruch des englischen Terrors zur See zu erfüllen und in der ganzen Welt den Eindruck zu erwecken, daß England noch kein Schlag so schwer getroffen hat wie dieser. Nicht nur das. Dies große Ereignis wird hoffentlich auch berichtigend und klärend wirken auf die inneren Parteiungen, die sich an den diplomatischen Konflikt mit Amerika wegen der Führung des U Bootttleges augefchlvffen hatten.
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Ein Anschlag auf den Zaren.
Der Zarewitsch getroffen.
Bukarest, 3. Juni lzb.)
Die Internationale Telcgraphenagentur berichtet aus Bukarest: „Dreptatea" meldet aus Tulcea: Aus Odessa kommt die Nachricht, daß gegen den Zaren bei seinem dortigen Aufenthalt ein Anschlag verübt wurde. Als sich die kaiserliche Familie zum Bahnhof begab, feuerte ein Ingenieur gegen den Zaren drei Revolver- schüsse ab, die zwar ihr Ziel verfehlten, von deren einem aber der Zarewitsch an der linken Hand getroffen wurde. Der Täter wurde unmittelbar nach der Tat, die er in vollster Ueberlegung beging, verhaftet. Die russischen Blätter suchen den Vorfall totzuschweigen. (D. T.-Z.)
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Austausch der älteste« Jahrgänge des Landsturms.
Aus verschiedenen Mitteilungen der Tagespresse und den in letzter Zeit beim Kriegsministerium sich häufenden Anträgen auf Entlassung älterer Landsturm- leute geht hervor, daß irrige Ansichten über den eingeleiteten Austausch der älteren Jahrgänge des Preußischen Landsturms der Aufklärung bedürfen. Da Landsturmmannschaften der ältesten Jahrgänge sich seit geraumer Zeit, zum Teil schon seit Beginn des Krieges, in vorderster Linie oder in dem anstrengenden und wichtigen Sicherheitsdienst der Eiappen- und Generalgouverne» mentsGebiete befanden, schien ihre allmähliche Ablösung durch jüngere Landsturmmannschaften auS dem Heimatdienst angezeigt. Im allgemeinen ist daher die Ablösung und Zurückführung zunächst der 1870 und 1871 geborenen Mannschaften durchgeführt oder in die Wege geleitet worden. Der alleinige Zweck des Austausches ist, diesen seit längerer Zeit im Felde stehenden Landsturmleuten der ältesten Jahrgänge die Erleichterungen des Dienstes bei den Truppen des Be- satzungsheeres zu verschaffen, nicht aber, wie fälschlicherweis e angenommen worden ist, ihre Entlassung rus dem Heeresdienst herbeizuführen. Er betrifft auch nicht Landsturmmannschafien älterer Jahrgänge, die noch gar nicht eingezogen waren.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 6. Juni 1916.
— * Der verstorbene Seifenfabrikant Viktor Wolf, dessen Opferwilligkeit wir früher schon öfters, hervorheben konnten, bedachte die beiden Rotekreuzvereine aus seiner Hinterlassenschaft mit dem Betrage von 1000 Mk. Wir danken ihm auch an dieser Stelle herzlich.
—* Versetzt: Der Meliorationsbausekretär Thielmann von Schlüchtern nach Fulda
—* Bestätigt: Der zum Bürgermeister der Stadt Salmünster gewählte Sparkassenrendant Blum zu Salmünster.
—* Ernannt: Der Forstaufseher Hoffmann in Hohenzell, Oberförsterei Steinau vom 1. Juni ab zum Förster.
—* Vom Rotekreuzverein erfahren wir, daß das Maschinengeschäft M. Goldschmidt hier in dankenswerter Weise dem Lazarett II eine Nähmaschine kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
—* Keine Sonderzüge zu Pfingsten. Auf den preußisch-hessischen Staatsbahnen werden auch in diesem Jahre keine Pfingstsonderzüge gefahren werden, wenig- stens nicht solche zu ermäßigten Fahrpreisen. Zur Bewältigung des Psingstverkehrs werden wiederum Vor- und Nachzüge eingelegt, die je zehn Minuten vor oder nach den fahrplanmäßigen Zügen laufen, sodaß es sich empfiehlt, während der Festzeit rechtzeitig zum Bahn- Hof zu gehen und die dort ausgehängten Bekanntmachungen über die Vor- und Nachzüge zu beachten.
—* Die Butter im Unterrock. Ein ergötzliches Stückchen von Schmuggelei spielte sich am vergangenen Mittwoch am Hauptbahnhof in Aschaffenburg ab. Kam da eine gut gekleidete Frau, deren Leibesumfang allge- mein auffiel, von der Stadiseite her gegen den Bahn- Hof und ausgerechnet am Bahnhof passierte ihr das Unglück, daß ihr Unterrock zu Boden fiel und mit ihm 12 Pfund Butter, die darin eingenäht waren. Der Rockbund bezw. die -Träger waren auf ein so hohes Gewicht jedenfalls nicht eingerichtet und hatten den Dienst versagt. Die Polizei beschlagnahmte die Butter, welche nach Hessen eingeschmuggelt werden sollte. Auf wiederholten Vorhalt, woher die Butter stamme, der» weigerte die Frau jede Auskunft. Der Vorfall hatte eine große Menschenmenge herbeigelockt.
—* Einen fetten Kriegspreis von 1425 Mark für eine Schlachtkuh "zählte ein Viehhändler aus Nieder- zwehren dem Landwirt Kepper in Wolfhagen. Sehr hohe Preise werden auch jetzt für „Schlacht"-Rosse gezahlt, und Preise von 700 bis 800 Mark sind nichts Seltenes.
—* Die Angst vor der Durchsuchung nach Wurst. Ein junger Mann aus Hanau machte dieser Tage eine Fußtour über Kleinostheim nach Aschaffenburg. Vor seiner Heimreise besuchte er noch einen Zigarrenhändler, dem er auf Befragen erzählte, daß er zu Fuß - von Hanau gekommen sei, aber auf dem ganzen Weg weder Wurst noch Fleisch bekommen habe, setzte aber in freudiger Aufregung hinzu, hier habe er 1'/, Pfund Wurst ergattert. Der Zigarrenhändler, ein bekannter Ulkbruder, machte dem Mann wegen einer eventuellen Durchsuchung am Bahnhof Angst, worauf dieser erklärte, dann laufe er nach Kleinostheim und steige dort in den Zug ein. Der Händler ließ aber nicht locker und sprach von der dortigen Gendarmerie, die noch schärfer sei als die Aschaffenburger Polizei. Darauf sagte der Mann erregt: „Meine Wurst kriegen sie nicht, mir können sie alle den Buckel naufsteigen". Dann setzte er sich auf einen Korbstuhl, packte seine Wurst aus und verzehrte sie mit alle Seelenruhe und zwar ohne Brot.
SALAMANDER STIEFEL sind £uf!