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Oberwalluff im Rheingau auf seine acht Söhne als Vaterlandsverteidiger blicken. Sieben von ihnen stehen bereits seit Kriegsbeginn im Felde und sind bis auf einen, der seit November 1914 vermißt wird, sämtlich noch unverwundet. Der achte ist seit 1. Mai einbe­rufen. Außerdem hat er noch zwei Schwiegersöhne vor dem Feinde.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, den 30. Mai 1916.

* Der am 27. Mai verstorbene Seifenfabrikant Herr Victor Wolf hat der Stadt Schlächtern in hoch­herziger Weise ein Kapital von 25 000 Mk. überwiesen, welches als Viktor Wolt'sche Stiftung" sicher gestellt werden soll. Die Zinsen sollen alljährlich an bedürftige Einwohner ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses verteilt werden. Ehre seinem Andenken!

* Vergangenen Sonntag gab in der hiesigen Turnhalle das große Welt-Kinotheater seine zwei großen Eröffnungs-Vorstellungen bei dicht besetztem Hause. Be­sonders sei hervorgehoben der Film:Ganz Deutsch­land soll es sein", was mit großer Begeisterung auf genommen wurde. Auf allgemeinen Wunsch gibt die Direktion kommenden Donnerstag (Himmelfahrt) wieder eine Nachmittags- sowie Abendvorstellung mit ganz neuem Programm.

* Am 31. 5. 16 ist eine Bekanntmachung be­treffend Bkstandserhebung von tierischen und pflanz­lichen Spinnstoffen (Wolle, Baumwolle, Flachs, Ramie, Hanf, Jute, Seide) uud daraus hergestellten Garnen und Seilfäden erschienen. Diese Bekanntmachung, mit deren Inkrafttreten die früheren Bekanntmachungen W. M. 58/9 15. K. R. A. und 600/1. 16. K. R. A. aufgehoben werden, enthält im wesentlichen nur eine im Interesse der Vereinheitlichung gebotene Zusammen­fassung der schon bisher in Geltung gewesenen Bestim­mungen bezüglich der monatlichen Meldepflicht und der Lagerbuchführung für die genannten Gegenstände. Aenderungen, die sich gegenüber dem frühern Zustande als wünschenswert herausgestellt hob.n, sind in der Hauptsache nur bei der Meldepflicht für Kunstbaum­wolle, Bastfasern sowie Garne und Zwirne eingetreten Die Verpflichtung zur Führung eines besoi-deren Lager­buches ist für die von dem Veräußerungs- und Verar­beitungsverbot ausgenommenen Baumwollspinnstoffe und Garne festgesetzt worden. Der Wortlaut der Be­kanntmachung ist imAmtlichen Kreisblatt" einzusehen und auf den Rückseiten der Meldescheine abgedruckt.

* Die Einrichtung der Hausbriefkasten, welche der Wohnungsinhaber zuc Einlegung von Briefschaften am Eingang seiner Wohnung anbringt hat am hiesigen Orte in den letzten Jahren zwar in erfreulicher Weise zugenommen, aber noch immer nicht die Verbreitung gesunden, welche sie im öffentlichen Interesse verdient und in vielen anderen Orten erlangt hat, wo der Haus­briefkasten als selbstverständlicher Zubehörteil zu jeder Wohnung betrachtet wird. Hausbriefkasten bieten fit erster Linie den Vorteil, daß der Briefträger, ohne auf den Erfolg des Ktingelns und auf das Oeffnen der Tür warten zu müssen, die vorliegenden Brieflchaften abgeben kann. Wenn man bedenkt, wie oft der Brief­träger auf seinem Bestellgang auf das Oeffnen der Tür, nachdem er vielleicht schon durch mehrmaliges Klingeln sich bemerkbar gemacht hat, warten muß, und wie oft er, wenn er vor verschlossene Tür kommt, der­selben Sendung wegen viele Treppen wieder hinauf­steigen muß, so läßt sich ermessen, welche Beschleunig­ung in der Briefbestellung eintritt, wenn der Briefträger durch das Einlegen der Bliefschaften in den Hausbrief­kasten des Wartens und ver mehrmaligen Wiederkehr enthoben ist. Der Gewinn in der frühzeitigen Em­pfangsnahme der Postsendungen würde jedem einzelnen

Im Schatten der Keterpauksfestung.

Roman von Hermann Gerhardt. 9

5. Kapitel.

Inzwischen war der Tag herauaekommen, an dem der Haushalt des Präfekten nach dessen Landhause, wo­selbst man die Sommermonate zu oetbringen pflegte, übersiedeln sollte. Barhäuptig stand der HanSherr in eigener Person neben dem Wagen, in welchem Ma­dame Pilsontsky in geschmackvollster Reisetoilette nebst Katia, Rittberg und den beide,! Knaben Platz genom- men und überzeugte sich, daß ihnen an nichts fehl«. Die flinken Pferde zogen an und fort ginge in schlankem Trabe.

Nachdem man die belebteren Straßen hinter sich gelassen und auch die ärmeren Vorstädte mit ihren Holzhäuschen passiert, ging der Weg eine Zeitlang zwischen einförmigen Feldern, die mit Roggem Hanf und Flachs bestanden waren, dann durch sumpfige Ge­genden, die unsäglich melancholisch wirkten, und bog endlich in einen dichten Tannenwald ein.

Den ersten Teil des WegeS, mehrere Werst, hatte die Reisegesellschaft ziemlich schweigsam zurückgelegt; die drückende Sonnenglut hatte ihre erschlaffend« Wir­kung auf die Lebensgeister ausgeübt; um so dankbarer begrüßten alle den wohltuenden Schatten, die grüne lauschige Dämmerung.

Madame brach in Ausrufe beß Entzückens auß unb Katia, die mit einem weltverlorenen Blick in ihrer Ecke lehnte, richtete sich empor und atmete tief den würzigen Duft. Als man dann wieder inß freie Feld kam, war die Sonne bereits untergegangen; wallend« Nebelschleier begannen zu ziehen und wurde emp­findlich kühl. Ab und zu passierten sie ein Bauernge- böst. dann «in ländliches Wirtshaus, vor dem «tu

zu gute kommen. Daß der Neugier des Dienstpersonals, in das Geheimnis der Briefschaften einzudringen, beim Vorhandensein eines Hausbriefkastens ein Riegel vor- geschoben wird, sei noch nebenbei erwähnt, ebenso daß auch andere Mitteilungen, wie Besuchskarten, Zeitungen usw. durch den Hausbriefkasten bequem und sicher über­mittelt werden. Wo ein abgeschlossener Korridor vor­handen ist, wird der Hausbriefkasten an zweckmäßigsten an der Innenseite der Korridortür unter Herstellung eines Einwurfspaltes in der Tür angebracht, andern­falls ist der geeignete Platz neben dem Klingelzuge, oder wo ein solcher nicht vorhanden ist, an einer paffenden Stelle zum WohnungSeingang. Wer also sich selbst eine Bequemlichkeit und eine schnellere und sichere Zu­führung der Postsendungen sowie zugleich dem Brief­träger eine Erleichterung seines oft schweren Dienstes verschaffen will bet bringe an feiner Wohnung einen Hausbriefkasten an. Dabei wird zweckmäßig darauf Bedacht zu nehmen sein, die Kasten selbst und ihre Einwursöffnung so groß und weit zu wählen, daß auch stärkere und längere Briefe sowie namentlich Zeitungen hineingelegt werden können. An Geschäften, wo solche Briefkasten billig zu haben sind, fehlt es auch hier am Orte nicht. Bei Neubauten empfiehlt es sich, von vornherein in den Eingangstüren zu den einzelnen Wohnungen genügend große Einwurfspalten und an der Innenseite der Türen Briefkasten anzubringen. In vielen großen Städten wird eine besondere Beschleunig­ung des Briefbestelldienstes dadurch erreicht, daß die Hausbriefkasten für die einzelnen Wohnungen an der Außenseite oder im Eingangsflur der Häuser oder am Gitter der Vorgärten angebracht sind. In nächster Nähe befindet sich für jede Wohnung eine elektrische Klingeleinrichtung so daß der Briefträger den Wohn ungsinhaber von dem Einlegen der Postsendungen be nachrichugen kann und die Treppen nur hinauszusteigen braucht, wenn eingeschriebene oder Portobriefe voiliegen. Die hierdurch entstehende Beschleunigung in der Be­stellung kommt mehr oder weniger allen Briefempfän­gern zugute, so daß die Einbürgerung dieser Einrich­tung auch in hiesiger Stadt nur empfohlen werden kann.

* Der Herr Regierungspräsident macht bekannt, daß das von ihm erlassene Verbot der Hausschlachiungen nur bis zum 1. Juli d. Js. Gültigkeit hat. _

* Der Herr Regierungspräsident hat 1000 Mk. Belohnung auf die Ergreifung des Zigeuners Wilh. Ebender, sich Heinrich Steinbach nennend, ausges tzt.

* Der Reichstagsausschuß zur Beratung des Ge­setzentwurfes über die Herabsetzung der Altersgrenze bei der Altersrente hat das Gesetz in zweiter Lesung angenommen.

* Berlin bereitet für den Winter, um eine ratio­nelle Bewirtschaftung für vorhandene Nahrungsmittel zu erreichen, größere Masfenspeisungen vor. Es sollen große Zentralküchen geschaffen werden.

. Hk' Ausfuhr nach Luxemburg. Ein neues Ver- zeich'knSv^erzur Ausfuhr von Deutschland nach Luxem­burg freigegebenen Waren kann auf der Handelskam­mer zu Hanau eingesehen werden, welche ruch tele­phonisch oder schriftlich Auskunft bereitwillig erteilt.

11k. Keine Waren-Anpreisungen ins Feld schicken! Die in letzter Zeit beobachtete Zunahme der unanbring- üchen Feldpostsendungen beruht vielfach darauf, daß Firmen in großer Zahl Offerten u. a. Anpreisungs- bnefe an Truppenteile oder Angehörige des Feldheeres, 8-an überhaupt nicht aufgestellte Formationen ge­schickt haben. Wenn dies nicht unterbleibt, sondern die Feldpost weiterhin mit solchen Auflieferungen in erheb­licher und unnützer Weise belastet wird, ist ein gänz­liches Verbot für derartige Sendungen zu erwarten.

* Rommerz. Am verflossenen Freitag abend ent­lud sich zwischen Flieden und Kommerz ein äußerst

paarTelagas" mit mageren Pferden bespannt, hielten. Aus der rasch hereinbrechenden Dämmerung ragte eine Wiudn'.ühle hervor, dann kam ein schioarzweißer Greuz- mitten auf dem Felde ein Gebändekomplex mit

t Schornstein, die Br-nnerei, und dann bog der Wagen von der Chaussee ab in eine Pappelallee, in welcher von Millionen Maikäfern summte und durch einen Torweg in einen geräumigen Hof, «in endlich vor dein weitläufigen Wohnhaus« zu halten, das den NamenPetrskoff" führte. DaS Portal war geöffnet, *ivei Diener in der kleidsamen Landestracht standen bereit, die Herrschaft ^n empfangen.

In der großen Eingangshalle, deren Wände ringS mit seltenen Jagdtrophäen geschmückt, prangte baß le­bensgroße Bildnis des damals regierendenZaren Alexan­ders II. Ueberall grüßten das Auge buntfarbige Deko- rativtlen, wie sie der russische Geschmack bevorzugt.

Ein Diener geleitete Rittberg nach seinem Zimmer.

S 6. Kapitel.

Im Anfang schien es, als sollte daS Leben auf dem Lande sich in mancher Hinsicht weniger nach Rittberg« Geschmack gestalten, als es in Petersburg der Fall ge­wesen. Namentlich die Abende, die er damit verbrin­gen mußte, mit Madame eine Partie Piquet nach der anderen zu spielen, entlockten ihm manchen Stoßseuf­zer. Er hatte nicht einmal den schwachen Trost, daß Katia im stillen mit ihm sympathisierte, denn diese zog sich fast immer zurück, sobald daS Spiel begann. Ma­dame PilsoutSky aber ward ihm je länger je mehr un- svmpatbisch. Wenn er mit ansehen mußte, wie sie mit ihrer üverzuckerten Bosheit baß Mädchen quälte, dann kocht« in ihm; und doch mußte er sich bei ruhiger Ueberleaung sagen, daß er nicht baß geringste Recht besah, sich eiuzumischen, und daß baß Nügste sei, absolute Gleichgültigkeit zu heucheln.

Hie und da tam wohl vor, daß Katia sich an den Flügel setzte und mit feinem Empfinden die schwer- Vlütta«» Weil« n ihres SeiuiatlauM spielte. Ab und zu

schweres Gewitter. Im Gefolge desselben fuhr« Schlossen und Hagelsteine hernieder, so daß die hiesig, Flur sehr mitgenommen wurde. Hoffentlich bleibt« die hiesige Landwirte vor ferneren Schäden bewahrt.

* Höf u Haid. An Stelle des zum Heeresdienst, eingezogenen Volksschullehrers Herrn Schillner würd, Frl. Lehrerin Weß aus Buchenrod mit dersseinftweiligt« Vertretung derselben betraut.

* Flieden. Dem Ersatzreservisten Dresner, Soh des Landwirtes Dresner dahier, wurde'wege<bewiesem, Tapferkeit die Hess. Tapferkeitsmedaille verliehen.

* Homberg. Die für die Lehrerseminare vorgesehene Prorektorstelle wird am hiesigen Seminar am 1. Juni eingerichtet und ist Herrn Seminaroberlehrer Dr. Körbei in Frankenberg übertragen. Desgleichen ist Herr Semb naroberlehrer Joachim Jdeler, zurzeit im Felde zum Prorektor ernannt und zum 1. Juni von hier an das Kgl. Lehrerseminar in Rinteln versetzt worden.

* Brakel. In einem Nachbarorte hatte eine Frau in ihrer Beschlagnahmeangst einen größeren Vorrat an Fleisch im Gartenbeerdigt" und wundert sich jetzt des Todes, daß beim Nachsehen nach vierzehn Tagen Fleisch und Würste von Würmer« durchsetzt waren. Sie wer­den doch nie alle!

Humor Ecke

Eine ältere Frau vernimmt daß deutsche Tauben Bomben ins Feindesland werfen. In ihrer naiven Denkungsart meint sie, es ist doch seltsam, daß die kleinen Tauben so schwere Bomben im Schnabel nach­tragen können.

Ariegsdichiung.

Fürs Baterlaud

Wer einen lieben Toten muß beklagen,

Dem möcht' ich wohl zu seinem Troste sagen:

Des Vaterlandes tiefsten Dank erwarb, Wer für die Seinen und die Heimat starb.

Das ist ein Krieg, wie er noch nie entbrannte, Wie ihn die Weltgeschichte nimmer kannte: Das Dasein unsres Volks steht auf dem Spiel, Sein Untergang, das ist der Feinde Ziel.

Wer heut dem Vaterland geweiht sein Leben, Hat nicht umsonst sein Blut dahingegeben:

Er starb für seines Volkes Sicherheit, Für Deutschlands Zukunft, Deutschlands Herrlichkeit.

Er hat im Sterben noch den Geist bewiesen, Den unser Bismarck einst im Spruch gepriesen, Der von dem Rhein bis an die Donau gellt: Wir fürchten Gott, sonst nichts auf dieser Welt!"

Paul B a e h r.

Kirchlicher Anzeiger für Hchlüchlern.

Evangelische Gemeinde.

. ^Mm...____HimmelfahrtSseft-----------

Donnerstag, den 1. Juni.

Vormittags 7,10 Uhr: Herr Seminardirektor Kolbe, z. Zt. Militärpfarrer im Felde.

Nachmittags 7»$ Uhr: Herr Superint. Orth.

Katholische Gemeinde. HimmelfahrtSfest.

Donnerstag, den 1. Juni 1916.

Vormittags 9'/, Uhr: Hl. Messe mit Predigt.

Herr Kaplan Ramp.

Nachmittags 2 Uhr Bittandacht.

IneaKüfA finden in der Schlüchtermet Zeitung den meisten Erfolg

da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

ging auch wohl zwischen ihr uud ihm ein stiller Blick des Einverständnisses, ein heimlicher Seelentelegraph hinüber und herüber.

So verstrichen die heiß«! Tage beß Sommers. Ritt- berg hatte baß Studieren aufgesteckt; wozu sollte er allein sich plagen, wenn alles Ferien machte? Da war nur natürlich, daß er vor bet Sonnenglut flüchtend, den kühlen Waldeöschatt«» aufsnchte, nachdem er im Borübergehen einen beruhigenden Blick nach Mada- meß dichtverhangenen Fenstern geworfen. Und wenn er dann ganz zufällig Katia antraf, welche gleichfalls ein Bych in der #anb, die lauschigen Waldwege ent­lang ging, waS war natürlicher alß daß er, schon auß Höflichkeit, ein Weilchen bei ihr stehen blieb, um ein paar Worte zu wechseln, oder sich ihr anschloß I Dann botanisierten sie zusammen und plaitderten von die­sem unb jenem, und wenn sie sich dabei roohl etmaß zu eft und zu tief in die Augen schauten, war eS wohl zu verwundern?

Am Sonnabend abw kam bei anbrecheuder Däin- meruna baß Dreigespann beß Präfekten vorgefahren. Gr selbst lenkte die prachtvollen Rappen und neben ihm saß der behäbige Litschkoff in einem weißen Stauvntantel. Die anwohnenden Bauern waren schon beim naheudeu Schellengeläut herbeigeeilt, um mit devoter Berneigung ihren Gebieter zu arüßen, der leicht- a wi« ein Tchuljuna« vom Bocke springend, seinem iener Jegor die Zügel zlnvarf. Gemächlich, wie einer gewichtigen Persönlichkeit ziemt, kletterte Litsch- koff herunter. Unb dann tarnen Katia und ihre Brüder, küßten dem Vater die Hand und empfingen seinen Kuß auf ihre Stirnen. Schnell marb Madame noch begrüßt, und der Präfekt verschwand in seinem Schreibzimmer, wo er bis zum Läuten der Tischglocke mit seinem Be- amten zu verhandeln hatte. Zum Essen aber erschien er dann luieber, frisch und munter, als habe er den ganzen Tag feiernd im Schatten seiner Bäume zuqe- bracht. 231,18*