des im Luftkamps gefallenen Grafen Holck sandte, der auch als Herrenreiter eine bekannte Persönlichkeit war Der Kronprinz schrieb: „Die Nachricht, daß eine tödliche K"gel des Gegners Ihren lieben braven Mann in kühnem Luftkampf ereilte, bat mich aufs schmerz» liebste betroffen. Sie wissen, liebe Gräfin, ein wie guter, werter Kamerad er mir war, wie oft und gern ich seinen Schneid, seine Willenskraft und Geschicklich- feit bewundert babe. Einzig stehen seine sportlichen Leistungen als Beste des Landes da. Und so gehörte er auch zu meinen verwegensten, mutiasten Fliegern, dessen mir und meiner Armee in unermüdlicher aufopfernder Tätigkeit vor Verdun geleisteten Dienste un- veraessen bleiben. Seien Sie versichert, daß ich Ihren Schmerz und Ihre Trauer oufricbtiq teile und dem leider zu früh abberufenen heldenhaften Offizier und Freund ein ehrendes ireues Andenken bewahren werde." — „Ich hatt' einen Kameraden" — dies ergreifend schlichte Soldatenwort klingt durch des Kronprinzen Schreiben an die Witwe des gefallenen Fliegerosfiziers durch.
Eine «achdetttliche Stimme
Das Amsterdamer Blatt „Nieuws von der Dag" schreibt über die Dienstpflicht in England: Wenn die letzten Zehntausende der Verheirateten ausgebildet und eingereibt sind, ist Er-aland mit seiner großen Reserve fertig und kann höchstens noch wie in den anderen Ländern die Altersgrenzen erhyhen, aber mit den unerschöpflichen Hilfsquellen an Gut und Blut, womit die englische Presse in den ersten Kriegsmonaten den Mund so voll nahm, ist es dann aus, und wenn diese Maßregel kein Heer ergeben sollte, das zur Vernichtung des preußischen Militarismus ausreicht, dann wird vielleicht auf Seiten der Entente die Stimmung gegenüber dem Frieden etwas anders werden.
Lokales und PrsvinMes.
Schlüchtern, den 9. Mai 1916.
—* Die Herren Metzger werden an die sofortige Einreichung der im Kreisblatt Nr. 31 vom 12. April vorgeschriebenen Meldungen über stattgehabte Schlachtungen erinnert.
—* Am Donnerstag, den 11. d. Mts., abends 8 Uhr, findet eine Stadtverordnetenversammlung statt. Tagesordnung: 1. Beschaffung neuer Leitungsmaste für das Elektrizitäts Werk. 2. Gehaltsangelegenheit des Schuldieners Rausch. 3. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Gesuche um die Bürgermeisterstelle. 4, Verschiedenes.
—* In der am 6. Mai 1916 abgehaltenen General- Versammlung ist beschlossen worden, daß die Auszah- luna der emaezahlten Sparaelder aus der Spar- und Sptelraspe, „Fortuna oemn^Lsl endl^n ’J!!. Beiträgen sind von 300 Mitgliedern die ansehnliche Summe von rund 100,000 Mk. eingezahlt worden. Es wurde ferner beschlossen die Spar- und Spielkasse unter Zugrundelegung der seitherigen Satzungen fort- zusuhren und mit den neuen Einzahlungen für die Sparzeit 1916/1919 Sonnabend, den 1 Juli d. JS. im seitherigen Erhebungslokal „Hessischen Hof", zu beginnen. Die Anmeldungen zu dieser neuen Kasse sind bei Herrn Dittert recht bald anzubringen, damit die neuen Sparbücher vorher ausgestellt werden können.
—* Ernannt: Der Landwirt Fritz Weitzel in Steinau zum Amtsanwalt.
—* Zu der Bekanntmachung betreffend Beschlag nähme baumwollener Spinnstoffe und Garne (Spinn-
und Webverbot) Nr. W. II. 1700/2. 16. K. R. A. ist ein Nachtrag (W. II. 5700/4. 16. K. R. A.) erschienen, dessen Anordnungen mit dem 10. Mai in Kraft treten. Durch diesen Nachtrag werden insbesondere die §§ 3, 6 und 10 des Spinn- und Webverbots geändert und einige Bestimmungen der ursprünglichen Bekanntmachung hinzugefügt. Die wichtigsten Aenderungen b-ziehen sich auf die Kennzeichnung der AuSland-Spinnstoffe und Ausland-Garne und auf die Erweiterung des § 10. Durch sie werden von der Vorschrift, daß auch vor dem 1. April 1916 abge- sebloffene Verträge nach diesem Zeitpunkt nur unter Einhaltung der Höchstpreisbestimmungen erfüllt werden dürken, bestimmte Ausnahmen zugelassen. Der Wortlaut der Nachtragsverordnung ist im amtlichen Kreisblatt einzuseben.
* Gundhelm, 9. Mai. Heute früh brannte hier ein kleines unbewohntes Häuschen nieder. Wodurch der Brand entstanden ist, ist noch unbekannt, man vermutet durch Kinder.
* Flieden. Herr Hauptlehrer Mohr dahier, welcher weaen einer schweren Operation für die Dauer von 5 Monaten beurlaubt war, hat mit Besinn des Sommersemesters wieder den Unterricht an der hiesigen katb. Knabenschule übernommen. Derselbe blickte am 1. Mai auf eine 40jähr. segensreiche Tätigkeit in Flieden zurück. Möge es ihm vergönnt sein, auch sein 50jähr. Jubiläum in geistiger Frische zu begehen. — Vor einigen Tagen gelang es der hiesigen Bahnwache wieder ein verdächtiges Jndividium unschädlich zu machen. Ein Elsösser in feldgrauer Uniform schlich sich in verdächtiger Weise an die Bahnwache heran und wurde von den diensttuenden Landsturmleuten dingfest gemacht. Jedenfalls hat man es hier mit einem gefährlichen Spion zu tun.
* Aus der Rhön. Die allen Rhönwanderern wohlbekannte ehemalige Wirtin im alten Wirtshaus zu Steinwand, Frau Pauline Ruppert, ist, 75 Jahre alt, gestorben.
Vermischtes
— Felssturz bei Eisenach. An der Werrabahn» strecke Meiningen—Eisenack löste sich gestern abend kurz vor Eisenach im Georgental ein großer Felsblock, der beim Absturz die beiden Gleise in etwa 20 Metern Länge sperrte. Der Aufmerksamkeit des Bahnwärters ist es zu danken, daß der kurze Zeit darauf verkehrende Perlonenzug nicht in Gefahr kam. Der Verkehr wurde durch Umsteigen und ein UmgehungSgleis aufrecht erhalten.
— Die Deutsche Turnerschaft plant in Freyburg an der Unstrut (der Stadt der Iahn-Erinnerungen) ein Erholungsheim für Kriegsbeschädigte.
Oekonomierat Zollikofer-Hannover. (*
Mit her Waldweide bei Schweinen sind im Jahre 1915 in vielen Fällen recht gute Erfahrungen gemacht worden, und es hat sich, wo irgend geeignete Waldbestände vorhanden waren, die Waldweide als ein wichtiges Hilfsmittel für die Durchhaltung der Zuchtschweine und auch für die Vorbereitung der für die Mast bestimmten jungen Schweine erwiesen.
Durch den Eintrieb der Schweine in den Wald wurde dort, wo Laubenwaldungen oder Waldungen mit gemischtem Bestand zur Verfügung standen, eine geringere oder größere Futterersparnis er- zielt, die in der futterknappen Zeit eine wichtige Erleichterung bot, und wodurch nicht wenige Schweine der Zucht erhalten blieben oder der späteren Mast zugeführt werden konnten, die sonst vorzeitig hätten abgeschlachtet werden müssen. Wenn in manchen Fällen die Waldweide bei Schweinen nicht den Erwartungen ent
sprach, so lag es u. a zum Teil daran, daß ungeeignetes Wal" gelände als Weide benutzt wurde oder auch daran, daß zu weite Märsche zurückzulegen waren. In vereinzelten Fällen traten auch infolge unvorsichtigen Wcidens und dadurch, daß die Schweine vielleicht in erhitztem Zustande getränkt wurden, Erkrankungen ein. Nur selten scheiterte die Durchführung daran, daß kein Hirt zu bekommen war.
Die in der Provinz Hannover mit dem Weidegang im Jahre 1915 in ausgiebigem Maße gemachten Erfahrungen werden Anlaß zu einer noch ausgedehnteren Aufnahme des Walhweideganges bei Schweinen in diesem Jahre sein. Wie in manchen anderen Lund- teilen Deutschlands, so ist auch in der Provinz Hannover der Waldweidegang bei Schweinen nichts Neues. In einer Anzahl in Südhannover und so namentlich im Bezirk Göttingen gelegenen Gemeinden, die eigene Waldungen haben, ist der Austrieb der Schweine vom Frühjahr bis zum Spätjahr in Verbindung mit Waldweidegang seit vielen Jahren ohne Unterbrechung durchgeführt worden. Die Schweinebesitzer in diesem Bezirk, die sich zu gemeinschaftlichem Vorgehen zusammengeschlossen haben, fanden in der Futtcrersparnis und in dem besseren Gesundheitszustand der Schweine Vorteile genug, um an dem Austrieb festzuhalten. Gar manche Schweinezüchter mit eigenem Waldbesitz, und zwar sowohl im Solling im Bezirk Göttingen als auch im Lüneburger Bezirk haben den Waldweidegang auch in den Jahren sonst guter Futterversorgung nickit aufgegeben.
Zu einer Neubelebung des Austriebes der Schweine in den Wald ging der Anstoß aus der Futterknappheit der Kriegszeit hervor. ~ Und nachdem vom Herrn Landwirtschaftsminister durch den Erlaß vom'14. März 1915 die Staatsforsten zum Eintrieb der Schweine freigegeben worden waren, fand die Aufnahme des Waldbetriebes noch eine weitere Anregung. Die besonderen Bestimmungen des ministeriellen Erlasses sind von jeder staatlichen Forst, behörde zu erfahren.
Infolge der vor mehreren Jahrzehnten erfolgten Ablösung der Waldweide ist auch die Schweinezucht benachteiligt worden. Und in manchen Gegenden suchten die Landwirte und Schweinezüchter zähe an dieser Einrichtung festzuhalten in der Erkenntnis, daß sich mit dem Aushören des Weideganges die Futterkasten steigern würden.
Bei der Neueinrichtung der Waldweide für Schweine werden, wie es auch in der Provinz Hannover im Jahre 1915 in verschie- denen Fällen geschehen ist, und wenn sonst von anderer Seite keine Anregung ausgeht, die erforderlichen Schritte zweckmäßigerweise von der Gemeinde aus getan. Vereinzelt wurden unter der Leitung der Gemeinden auch besondere Vereinigungen zum Eintrieb der Schweine in den Wald gegründet, wie es in Hannover, z. B. in Wenningsen und in Brendenbeck am Deister, der Fall war, ferner in Lauenstein bei Hameln, sowie in Nendorf Kreis Stolzenau. Auch Schweinezuchtgenossenschaften sind zur Durchführung der Waldweide berufen, und wohl auch Viehver- wertungsgcnossenschafte r. In einem Falle, und zwar in dem hannoverschen Orte Lautenthal im Harz, ist ein Schmeineversiche- rungSverein der Träger des im Jahre 1915 eingeführten Waldweidegangs.
Für den Weidegang eignet sich jede Art von Waldgang. Obwohl Laubwaldungen und Waldungen mit gemischtem Bestand melr Nahrung bieten als Nadelholzwaldungen, so empfiehli sich aber auch der Eintrieb in Nadelholzwaldungen. Bei dem in der schon genannten Gemeinde Lautenthal eingerichteten Weidegang handelt es sich ausschließlich um Nadelholzwald. Obwohl die Futtererspar- nis nur gering gewesen ist, so fiel aber doch auch die geringe Futterersparnis ins Gewicht und es wird auch in diesem Jahre in Lautenthal die Waldweide wieder zur Durchsührung kommen. Nur vereinzelt war reiner Laubwald geboten. Meist handelte es sich in der Provinz Hannover um gemischten Bestand. Es ist wichtig, daß so viel Gelände zur Verfügung steht, daß mit dem Weideland gewechselt werden kann.
im Walde finden, recht mannigfaltig, und sie kann aus einer Reihe verschiedener Gräser bestehen, die sich an lichten Stellen und an Wegen bieten, ferner aus frischem Laub von Buschwerk oder nie- verhängenden Zweigen, aus Futterreisig, Kräutern so namentlich auch Farnkräutern, Wurzeln, Beeren, Insekten, Larven, Raupen, Würmern, Schnecken, Pilzen, ferner verschiedenen Baumfrüchten, besonders Eicheln und Bucheckern. (Fortsetzung folgt.)
*) Mitteilung der Deutschen Landw.-Gesellschaft Berlin.
Kirchlicher Anzeiger für Schlächter«.
Evan gelische Gemeinde.
Mittwoch, den 10. Mai 1916.
Abends 8 Uhr: Bittgottesdienst.
die Walpurgisnacht. Nur war es jetzt ruhiger hier, unheimlich stiller, als wie sie der Faust erlebt hatte. Aber der Lärm sollte noch beginnen. Dann war er wieder der Soldat, der seine harte Pflicht tat.
Denn nun leuchtete das nächtliche Mondlicht däm- merhaft auf, die Himmlischen schwebten vorbei, und er sah den Zugang zum Erdloch des Postens: schmal und kurz. Dann stand er gebückt neben seinem Kamerad. Der sagte leis aber sehr erregt und doch aufalmend über die Ablösung: „Kamerad 's ist windig, gleich hier vorne ist der Graben der Franzmänner". Heinrich Falte wollte ihn noch etwas zur Orientierung fragen, aber jener war nicht mehr da. Oder doch Heinrich Falte sah nichts mehr von ihm. „Donnerwetter und Verflucht", stieg es in Heinrich Falte halb ärgerlich über den, der sich so schnell auf und davon gemacht, und halb erregt in ihm auf. Doch fand er sich schnell zurecht. Zur Rechten neben ihm lag, durch einen notdürftigen Unterstand gedeckt, eine große Zahl Handgranaten. Schon fühlte er sich sicherer.
Was sich nun abspielte, ging rascher als man es zu erzählen vermag.
Hinter sich im Rücken hörte Heinrich Falte den Kameraden in geduckten Sätzen sich entfernen. „Don nerwetter, wie unvorsichtig," dachte Heinrich Falte. Und nun sprang der Kerl auch noch auf und lief. In dieiem Augenblick pfiffen auch schon ein paar Dutzend Franzmänneikugeln über Heinrich Falte hinweg. Jetzt war auch der Teufel los. In einer Breite von fünfzig Schritt regle sich's im Franzmännergraben. Die verflixte Unvorsichtigkeit des Kameraden
halte die Franzosen vermuten lassen, man möchte wohl einen nächtlichen Teilangriff machen. Sie feuerten unaufhörlich und jeden Augenblick erwartete Heinrich Falte einen Angriff.
Jetzt . . . jetzt . . . kamen die ersten herausgekrochen. Heinrich Falte blieb ruhig. Und nun zog ei das Schnürchen an der Handgranate, die er fest in der Rechten hielt — das waren ihm wohlbekannte Handgriffe — und schleuderte sie den Frau, männern als Walpurgisnachtsgrüße hinüber. Noch eine, noch eine und immer wieder schleuderte er. Es ratterte und knatterte und dazwischen krachten Falles Granaten. Da gab es Luft vor ihm und der Feind wähnte sich einer Uebermacht gegenüber, sofern seine Leute nicht gefallen waren.
Aber den Heinrich Falte hatte auch eine getroffen Sie saß im rechten Arm oder in der Schulter. Auf der linken Seite schob er sich unhörbar zurück zu den Seinen, alles war wieder still. Und ein paar Franzmänner gab's weniger.
Der Heinrich Falte siehst noch ganz so aus wie da- mels, als er auf der Elektrischen stand und der älteren Dame Platz machte und die Worte der jüngeren einstecken mußte. Er hat nämlich auch im Lazarett keinen neuen, feldgrauen Rock gekriegt und in dem unscheinbaren, ein wenig verblichenen und verwaschenen alten, den man ihm gegeben hatte, sitzt er vor der gleichen Dame, die damals auf der Elektrischen mit dem schneidigen Soldat zusammenstand — in ihrem Salon. Sie ist die Braut seines Leutnants, eben jenes schneidigen Infanteristen. Der hat ihm einen Empfehlungsbrief an sie mitgegeben, und von dem Herrn Leutnant, der
noch im Felde ist, und von der Stellung, in der sie waren, und von den: Leben und Treiben muß M Heinrich Falte ihr erzählen. Indes der Kaffee vor ihm duftete, und Leckerbissen sein sich gleich bleibender Gemüt so wenig wie die Vornehmheit des Hauses und seiner Menschen ihn aus der Ruhe bringen können. Und in seiner bescheidenen Art erzählt er der jungen Dame, die damals neben ihrem Infanteristen, nachmaligen Bräutigam,sauf der Elektrischen stand, von der Walpurgisnacht in Frankreich und zitiert die Mephistoworte:
Das drängt und stößt, das rutscht und klappert
Das zischt und quirlt, das zieht und plappert!
Das leuchtet, sprüht und stinkt und brennt!
Ein wahres Hexenelement!
Die schöne junge Dame aber hat von jetzt ab eine besondere Vorliebe die für Unscheinbaren und so wenig schneidigen Soldaten, oder doch bemüht sie sich um die Wahrheit und Wirklichkeit den Feldgrauen gegenüber, und zu ihren Bekannten sagt sie oft, wenn euer vqcbeigeht, ohne durch Schneid oder Orden oder sichtbare Wunden aufzufallen: „Urteilet nicht nach dem Schern, wer weiß, was diese Augen schon gesehen, diese Stirn gedacht und diese Hände getan haben — für uns." — — — — — —
Sollten wir das nicht alle so machen?
Fftut. 30. 4. 16.
— Ende —