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SllMchlerner Artung

mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

mit amtlichem Areisblatt.

Telefon Nr. 65.

lvochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt»

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

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Amtliches.

Bekanntmachung.

Tie Dallehnskaffenscheine zu 1 und 2 Mark, deren Beschreibung in der Nr. 208 des Deutschen ReichS- und Königlich Preußischen Staatsanzeigers vom 4, September 1914 sowie in anderen Blättern veröffent­licht ist, werden neuerdings, um sie weniger schnell un­ansehnlich werden zu lassen, auf beiden Seiten mit einem Unterdrück versehen.

Bei den DarlehnSkassenscheinen zu 1 Mark besteht der Unterdrück auf der Vorderseite aus einem fein verschlungenen Linienmuster in braungrüner Farbe, während auf der Rückseite aus Wellenlinien mit der regelmäßig wiederholten Wertbezeichnung1 Mark" in blaugrüner Farbe gebildet wird.

Der Darlehnskasfenschein zu 2 Mark trägt auf der Vorderseite einen Unterdrück aus Linienmustern in rosa Farbe und auf der Rückseite einen solchen ebenfalls in rosa Farbe, welcher aus Wellenlinien und der Wert­bezeichnung2 Mark" in zahlreichen regelmäßigen Wiederholungen besteht.

Es laufen infolgedesfen zur Zeit Darlehnskaffen- scheine zu 1 und 2 Mark sowohl ohne als auch mit Unterdrück um.

Berlin, den 2. Mai 1916.

Hauptverwaltung der Darlehnskassen. Havenstein. Maron.

Vom Arregsfcyauplatz.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 8. Mai. (Amtl.) Die in den letzten Tagen auf dem linken Maasufer in der Hauptsache durch tapfere Pommern unter großen Schwierigkeiten, aber mit mäßigen Verlusten durchge- sührlen Operationen haben Erfolg gehabt. Trotz hart­näckigster Gegenwehr und wütender Gegenstöße des Feindes wurde das ganze Grabensystem am Nordhange der Höhe 304 genommen und unsere Linie bis auf die Höhe selbst vorgeschoben. Der Gegner hat außerordent­lich schwere blutige Verluste erlitten, so daß an unver- wundeten Gefangenen nur vierzig Offiziere eintausend- zweihundertundcchtzig Mann in unsere Hände fielen. Auch bei Entlastungsvolstößen gegen unsere Stellungen am Westhange desToter Mann" wurde er mit starker Einbuße überall abgewiesen.

Z)er Unscheinbare.

Er hatte keinen eigenen Rock, der Infanterist Heinrich Falte. Auch auf der Kammer hatte er nicht den besten erwischt, bitten und betteln, das konnte er nicht, und schmieren und Trinkgelder geben ebensowenig. Nicht, daß er nicht gerne gab, schenkte. Nur da, wo für ihn etwas herausspringen sollte, wo's um seinen Vorteil ging, da brächte er's nicht fertig. Auch die Stiefel waren ihm ein wenig groß, die Hose sehr weit und das Feldmützchen ziemlich abgetra­gen. Und wenn er so über die Straße ging, sah er recht wenig schneidig aus, und man merkte ihm nicht an, von wie großer Pflichttreue und Genauigkeit er im Dienst erfüllt war. So war er's von ber geistigen Arbeit seines Berufes gewöhnt. Gute Kameraden, die ihn wie einen allzeit helfenden Freund ansahen, hatte er viele. Heinrich Falte merkte es taum; das war ihm selbstverständlich.

Einmal saß er in der Elektrischen und fuhr» vom Dienst abends gegen sieben heim zu seinem harrenden Mütterchen. Und als der Straßenbahnwagen immer voller ward und eine ältere Dame stehen mußte, stand Heinrich Falte auf und machte ihr Platz und weil er nicht anders konnte (er hatte eine gute Erziehung gehabt) und es fast auf jeder Fahrt sich so traf, hatte er sich vorgknommen, sich garnicht mehr zu setzen sondern gleich auf die Plattform zu stellen. Und heute war er so müde von der Felddienstttbung, und so sah er in seinen faltigen Soldatenkleidern noch unscheinbarer aus als sonst. Eben stiegen zwei junge Menschen auf den Wagen. Ein elegant gekleidetes junges Mädchen, der weiße Hals lugte aus dem Jakett mit dem modischen

Mittwoch, den 10. Mai 1916.

Auf dem Ostufer entspannen sich beiderseits des Ge­höftes Thiaumont erbitterte Gefechte in denen der Feind östlich des Gehöftes unseren Truppen unter anderem Neger entgegenwarf. Ihr Angriff brach mit Verlusten von 300 Gefangenen zusammen.

Bei den geschilderten Kämpfen wurden weitere frische französische Truppen festgestellt. Hiernach hat der Feind im Maasgebiet nunmehr, wenn man die nach voller Wiederauffüllung zum zweiten Male eingesetzten Teile mitzählt, die Kräfte von 51 Divisionen aufgewendet und damit reichlich das Doppelte der auf unserer Seite, der des Angreifers, bisher in den Kampf geführten Truppen.

Von der übrigen Front sind außer geglückten Pa- trouillenuntemehmungen, so in Gegend von Thiepval und Tlirey, keine besonderen Ereignisse zu berichten.

*

Zwei französische Doppeldecker stürzten nach Flug­kampf über der Cote de Froid Terre brennend ab. Oestlicher und Balkan-Kriegsschäuplatz: Die Lage ist im allgemeinen unverändert.

Oberste Heeresleitung.

* *

Die Antwortnote an Wilson.

Der Präsident Wilson und sein Staatssekretär Lansing haben gegen den Vorwurf, die englischen Völ­kerrechtsbrüche milde zu behandeln und dagegen wider die Methoden des deutschen U-Bootkriegs mit einseitiger und übertriebener Schärfe aufzutrumpfen, immer erklärt, daß, wenn erst die Streitfälle der Passagierschiffe Lusitania, Arabic, Suffix endgültig erledigt wären, Eng­land an die Reihe kommen würde. Erst müsse Vor­sorge gegen die widerrechtliche Vernichtung von neu­tralen Menschenleben, sei sie auch nur aus Irrtum ge- sckohon, Qptrnffpn Vnprhen bnS hprfnii(ip ht» iM-necktick- keit, die weitaus den Interessen des völkerrechtlich auch im Kriege erlaubten Warenverkehrs vorgehe.

Für uns steht es fest, daß das von den amerikanischen Staatsmännern so warm betonte Gefühl für Mensch­lichkeit mit auffälliger Kälte den von England mit schreienden Rechtsbrüchen inszenierten Hungerkrieg gegen die nichtkän pfende Bevölkerung der Zentralmächte be­handelt hat. Ferner steht fest, daß sich das amtliche Amerika den wiederholten deutschen Angeboten versagt hat, den Unterseebootkrieg in den Formen des ölten, vor seiner Entstehung festgesetzten Völkerrechtes zu führen, wenn England auf seine brutale Vergewaltigung der Freiheit der Meere verzichte. Infolgedessen konnte, wie die deutsche Antwortnote scharf hervorhebt, die Wilsonsche Anrufung der Gefühle der Menschlichkeit im deutschen Volke nicht den Widerhall finden dessen ein solcher Apell unter anderen Verhältnissen stets sicher ist. Auch im übrigen deckt unsere Note in ihrem ersten

hohen duftigen Stehkragen und ein weißes zartes Sei» denbluschen streckte seine beweglichen Fältchen neugierig vorne aus dem geöffneten Jakett. Ihr Begleiter war ein schlanker Infanterist. Heinrich Falte erkannte in ihm den Sohn eines bekannten höheren Offiziers. Er trug auf seiner Schulter die gleiche Nummer des Re­giments wie er. Seine Lackschuhe blitzten, die Hose zog sich durch die Stege straff, und der feldgraue Rock mit dem stehenden Kragen erweckte von weitem den Eindruck eines Leutnants. Sie fuhren wohl zum Theater.

Heinrich Falte dachte für sich, wie er so nach ihm hinübersah:Wahrscheinlich hast du auch heute noch nicht mitgemacht, wovon ich so müde bin", dann wandle er wieder seinen Blick ab, ins Leere oder besser heim, wo seine Mutter mit dem Essen wartete. Der Blick schien etwas enthalten zu haben, von dem, was Heinrich Falte dachte. Denn das junge Dämchen sah ihn nun ihrerseits mitleidig halb und halb herablassend an, dann flüsterte sie mit ihrem Begleiter, der sich nach Heinrich Falte musternd umwandte. Heinrich Falte verstand etwas von:schlapper Soldat ... und . . . gar kein Schneid . . ."

Es rührte ihn nicht. Wie es ihm überhaupt gleichgiltig war, wie die Damen von ihm dachten. Es regte ihn höchstens zum Nachdenken an. Und dann grübelte er vielleicht ein wenig traurig darüber nach, wie so viele.Menschen die wahre Wirklichkeit garnicht erkennen. Wie sie in einem eigentümlichen Zwielicht stehen von wirklich gewolltem Urteil und trügendem, äußerlichen Schein und nur wenige im Sonnenlicht der tiefen Erkenntnis des Menschenseins und -lebens.

67. Jahrgang.

ausführlicheren Teil sehr wirksam das zweierlei Maß in dem Verhalten der amerikanischen Staatsmänner auf, die sich England gegenüber bisher mit wirkungslosen Protesten begnügt, dagegen Deutschland wegen der Tor- pedierung der Sussex mit dem Abbruch der Bezieh­ungen bedroht haben.

Nach alledem wäre es begreiflich gewesen, wenn unsere Regierung das amerikanische Ultimatum katego­risch abgelehnt hätte. Entscheidend konnte jedoch bei nüchterner politischer Erwägung nur die Frage sein, was uns der glücklichen Beedigung des Krieges näher bringen würde: der Abbruch der Beziehungen mit Amerika, der ohne jeden Zweifel zum Uebertritt Ame­rikas ins Lager unserer Feinde geführt und ihnen die Möglichkeit geboten hätte, den Krieg zu verlängern und ihre ungünstige militärische Lage zu verbessern, oder aber eine Konzession an den amerikanischen Standpunkt, die geeignet ist, den Bruch zu vermeiden.

Die deutsche Regierung hat den letzteren Weg vor­gezogen. Sie ist dabei von der ausgesprochenen Er­wartung ausgegangen, daß Wilson nunmehr mit dem­selben Nachdruck gegen die englische Brutalisierung des neutralen Handels zur Abschnürung der bannfreien Zu­fuhren seiner Gegner vorgehen wird. Trifft diese An­nahme nicht zu, so wird auch das Zugeständnis, daß Kauffahrteischiffe im englischen Kriegsgebiet ebenso wie bisher schon im Mittelmeer, nicht ohne Warnung und Rettung versenkt werden sollen wieder aufgehoben.

Einstweilen bleiben wir bei der Ansicht daß WilsonS schroffe Haltung kein Bluff unter heuchlerischer Be­rufung auf die Menschlichkeit war, um uns zu einer gewissen Milderung des U-Bootkriegs im englischen Interesse zu bewegen, und daß mithin der Versuch ge­macht werden mußte, uns einen neuen Feind vom Halse tu halten. nicht aus schwächlicher Nachgiebigkeit, sondern in Verfolgung unseres obersten Zieles, unferen Sieg möglich schnell zu vollenden. Wilson kann nun durch die Tat beweisen, ob seine früheren Versicherungen, daß er die Menschlichkeit und den Schutz des neutralen Handels nach Begleichung des Streites mit Deutschland ebenso bestimmt gegen England zur Geltung bringen werde, ehrlich gemeint waren oder nicht.

Ich hatt einen Kameraden.

Unser Kronprinz vollendete am 6. Mai sein 34. Lebensjahr auf der Wacht nach Westen vor Verdun. Was der Hohenzollernsproß getreu den Traditionen seines Hauses als Heerführer geleistet hat, wird der Geschichte angehören. Als Soldat ist er der echte deutsche Offizier der Kamerad seiner Kameraden, geliebt und verehrt von Hunderttausenden, die seinem Befehl unterstehen. Mit welcher soldatischer Teilnahme unser Kronprinz dem Schicksal seiner Offiziere gegenübersteht, dafür ist das Telegramm ein neuer Beweis, das er an die Witwe

War es da nicht das Bffte, so endete meist sein Nach­denken, man tat stets nur seine Pflicht?

Ein halbes Jahr später stand Heinrich Falte nicht mehr auf der Elektrischen. Aber es war an den Höhen der Maas, wo er eben aus dem Groben kroch, um einen weit vorgeschobenen Horchposten abzulösen. Es war Walpurgisnacht aber naß und kalt. Die Sterne hatten sich verkrochen hinter wehenden Wolkentüchern, die auch den Mond verhüllten. Lautlos bewegte sich Heinrich Falte auf allen Vieren vorwärts. Wenn der Woltenvorhang von den himmlichen Geistern aufgezogen wurde und der Mond auf das hügelige Kampffeld sah, hielt er inne, denn er kroch bergab und konnte von dem Graben der Franzmänner aus, der ein weniges tiefer lag, gesehen werden. Nun regte sich etwas, ein paar Meter von ihm. Er hielt den Atem an und spähte mit offenem Mund ins starrende Dunkel. Drehte den Kopf ein wenig zur Seite und horchte mit einem geistesabwesenden Ausdruck im Gesicht. Gerade die ungeheuere Spannung gab seinen Zügen jenen Eindruck von Einfältigkeit und Blödheit, den seine Freunde an ihm kannten, wenn sein Kopf arbeitete, und den sie verstanden, der aber dem Fremden als Dummheit er­schien.

Er wartete.

Hatte er sich verirrt und war etwa vor dem Gra« ben der Franzmänner, oder war das sein Kamerad, den er ablösen sollte?

Einen Augenblick sah er nach dem Mond, gleich mußten die Himmlischen droben wieder vorüber schwe­ben. In dieser Sekunde vergaß er die Situation, in der er sich befand und dachte blitzhaft und kurz an