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Verordnung eine längere Giltigkeitsdauer zulegt, als sie in Wirklichkeit haben wird, und daraus den verfehlten Schluß zieht, daß es jetzt keinen Zweck habe, ein Schwein für den kommenden Winter zu mästen. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, wird nicht daran gedacht, das Hansschlachtungsverbot über den I.Oktbr. hinaus bestehen zu lassen. (Im Reg-Bez- Kassel ist bekanntlich ein Schlachtverbot nur bis zum 30. Juni ergangen). Daher möge ja jeder in der bisherigen Weise für den kommenden Winter sorgen. Die Be­fürchtung, daß das Schwein, das er gemästet bat, hinter­her nicht selbst für seinen eigenen Haushalt werde schlachten können, entbehrt jeder Begründung. Das Scklachtverbot soll verhindern, daß Einzelne reiche Bor­räte erhielten und sich damit nicht einzurichten brauchen, weil sie ja im Bedarfsfälle von neuem schlachten konnten. Jetzt nach dem Erlaß des Verbots muß jeder, der haus- schlachtet, seine Vorräte ebenfalls strecken. Daß auch in den Kreisen, wo man hausgeschlachtetes Fleisch^be- sitzt, gespart werden muß, ist eine berechtigte For- derung. Es gilt jetzt vor allem, die Flestchversorgung für unsere tapferen Soldaten auf der Höhe zu halten. Um dies zu erreichen, muß die Fleischnahrung der Zivil­bevölkerung stark herabgesetzt werden. Dies muß mög­lichst gleichmäßig geschehen, und auch die Kleist, die hausschlachten, dürfen sich davon nicht ausschließen. Es wäre unpatriotisch, diesen Zwang nun zum Anlaß zu nehmen, um fortan die Schweinemästung einzustellen.

* Aus das in heutiger Mmmer befindliche Inserat (Bruchleidende), machen wir unsere Leser aufmerksam.

* Bize-Wachtmeister Carl Stern von hier, erhielt bei einem Sturmangriff durch sein tapferes Verhalten das Eiserne Kreuz.

* Hütten. Der Auszügler K. von hier erhängte sich. Das Motiv ist unbekannt.

* Weiperz. Der Ersatzreservist Ludw. Juling von hier erhielt durch sein tapferes Verhalten vor dem Feinde das Eiserne Kreuz. Ein Landwirt von hier, verkaufte zwei Schweine nach Sterbfritz und ließ die­selben dort wiegen. Das Gewicht ergab 234 Pfd. was dem Verkäufer zu wenig vorkam, ließ darauf die Schweine nach Schlüchtern bringen und nochmals wiegen wo sich herausstellte, daß das Gewicht 258 Pfd. ergab. Mithin 18 Pfd. mehr. Also ist auch hier Vor« sicht nötig.

* Flieden. Nachdem erst vor kurzer Zeit vom Wachtkommando Flieden 2 entwichene Elsäffer, welche nach Frankreich wollten vom Doppelposten am Tunnel festgenommen worden waren, wurde am Dienstag abend wieder ein deseriierter Elsäffer vom Ers-Jnf.-Rgt. 53, welcher auf dem Wege nach Frankreich war, abgefaßt und dem Untersuchungsgefängnis in Hanau zugeführt.

* Hanau. Das Explosionsunglück auf der Pulver- fabrik. Wie bereits durch SonderauMshe Mn.ML.LL-. Hanau ein Explosionsunglück zugetragen. Das Wölfische Telegraphenbureau verbreitet über' die Explosion folgende amtliche Darstellung. In der Pulverfabrik bei Hanau ist am 3. d. Mts. mittags eine Zentrifuge explodiert. Ein Arbeiter ist tot, ein Mann leicht verwundet. Der Materialschaden ist unbedeutend. Der Betrieb der Pulverfabrik ist ungestört.

* Allendors, (Kreis Kirchhain). Hier gab eine als Schwester gekleidete Schwindlerin eine Gastrolle. Sie suchte die Angehörigen im Felde weilender hiesiger Ein­wohner auf, erzählte diesen allerhand Geschichten, richtete Grüße von den angeblich in Lazaretten liegenden Leuten aus und nahm was der Zweck der Uebung war Geldbeträge usw. in Empfang. Die angebliche Schwester wurde verhaftet und nach Marburg gebracht, Vielleicht hat sie auch an anderen Orten ähnliche Schwindeleien begangen.

* Aschaffenburg. DemHan. Anz." wird geschrie­ben : Montag nachmittag brächte eine bei einem hiesigen Schweinemetzger bedienstete Person einen gefüllten Korb an den Hauptbahnhof, um ihn einer mit dem Frank­furter Zuge abführenden Dame zu übergeben. Ein dort diensttuender Schutzmann fragte den Boten woher der Korb stamme und wohin er gebracht werden solle. Die Antwort machte ihn stutzig und er veranlaßte darauf daß der Korb geöffnet wurde. In demselben befanden sich nach beigepackter Rechnung für über 100 Mark Fleisch- und Wurstwaren. Selbstverständlich beschlag­nahmte die Polizei die Ware und brächte den Metzger zur Anzeige, der seine Strafe erhalten wird.

3m Sanitätsdepot-

Von Gefr. Ruttkamp, Jnf.-Regt. 65.

Z. Zt. A. . ., im März 1916.

Die Theorie Clausewitz', die den Krieg als Organi­sationsproblem darstellt, erfährt durch die moderne Kriegsführung ihre volle Betätigung. Die Ueberlegen- Heit der deutschen Organisation gegenüber der um Poincare zu citierenAktionskonzentration" unserer Feinde hat unsere Siege gezeitigt sowie die Gewißheit auf den erfolgreichen Ausgang des Krieges gesichert. Die selbst im feindlichen Lager als hervorragend aner­kannte Organisation des deutschen Sanitätswesens ist einer der wichtigsten Faktoren zu unseren Erfolgen. Die aufopfernde Arbeit unserer Sanitätslormationen hat daher bei den Fronttruppen und im Lande ihre volle Würdigung gefunden. Zahlreiche B-richte geben anschauliche Schilderungen über die Tätigkeit unseres braven Sanitätspersonals in der Front oder in den Feldlazaretten. Der Betrieb eines Sanitätsdepots dürfte dem Publikum weniger bekannt sein: nachstehend soll daher ein kurzer Einblick in den Geschäftsgang dieser wichtigen Zentralstelle für den Sanitätsbedarf im Felde gegeben werden.

Der Einrichtung eines Sanitätsdepots im Opera­tionsgebiet stehen fast immer, zumal im Osten, eine Fülle hemmender Schwierigkeiten entgegen. Mängel der Etappenverbindungen, unzulängliche Räumlichkeiten, unglaubliche Wegeverhältnisse, Schwierigkeiten, deren Ueberwindung fast unbegrenzte Möglichkei'en an Ar­beitskraft erfordert. Das erörterte Sanitätsdepot be­findet sich in A . . ., einem meist von jüdischen Flücht­lingen bewohnten Flecken hinter der nördlichen Front des östlichen Kriegsschauplatzes. Millionen an Vor­räten von Medikamenten, Verbandstoffen, Instrumenten, Lazarettutensilien und dergl. sind in primitiven Wohn- gebäuden verstaut. Eine fast baufällige, zirka 300jähr. Synagoge, die übrigens durch ihre geschmackvolle orien- talisierende Innenarchitektur zu den besten jüdischen Kultstätten der Gegend ^h, zwei Zelte sowie zwei HMarackey.vollständigen ^,%Q^ mehrt werden. Der Transport des Sanitätsmaterials von der 4 Kilometer entfernten Güterstelle zum Depot erfolgt in vier erbeuteten Wagen. Ein Teil der Ma­terialien muß unter Segeltuchdecken im Freien lagern, da die engen Eingänge der Räumlichkeiten den Trans­port größerer Kisten und Raffer nicht zulassen. Die Verteilung des Materials an die entnehmenden For­mationen, von denen oft 80 bis 100 im Laufe eines Vormittags abgefertigt weiden, setzt selbstverständlich die geschickteste Disposition voraus. Welche Anforde­rungen an ein Depot gestellt werden, zeigt z. B. die Entnahme einer Kavallerie Division 1000 Kilo Kalk, 600 Kilo Käudeliniment, 500 Kilo Spiritus, 400 Kilo Kresolseifenlösung, 300 Kilo Vaseline, 200 Kilo Oel, 350 Kilo Holzteer, 150 Kilo Kreolin, 200 Kilo Peru­balsam, 1000 Kilo Schmierseife usw. Die Anforde­rungen derartig großer Quantitäten wiederholen sich

des öfter«; der Lieferungstermin ist vielleicht ein halber Tag.

Aus diesen Zahlen erhellen die eminenten Leistungen des Depots, Leistungen, die angesichts der sehr be­schränkten Zahl des Personals ihre rechte Würdigung erfahren. Die Schwierigkeiten des Betriebsmechanismus komplizierten sich, als vor einigen Monaten eine Räude- Epedemie den Pferdebestand des Operationsgebiets be­drohte. Durch die infolge der grasierenden Krankheit erhöhten Anforderungen der Formationen wurde die Arbeit des DepotS natürlich vergrößert. Durch An­wendung einer 20prozentigen Perubalsam-Salbe, eines ausgezeichneten Präparates, desfen Herstellung im De­pot-Betriebe erfolgte, konnte der Ausdehnung der Epr> demie'mit gutem Ergebnis begegnet werden. Außer den Lieferungen an die in der Kampffront stehenden Forma­tionen liegt dem Sanitätsdepot die Deckung des Bedarfs der Feld- und Kriegslazarette, sowie der Orts- und Revierkrar.kenstuben ob. Der Betrieb kennt keine Nacht­ruhe, bei dringenden, auf telephonischen oder telegraph­ischem Wege übermittelten Anforderungen muß die Expedition nachts erledigt werden. Eine besondere Ar­beitsleistung bedeuten die sehr komplizierten Abrech­nungen und Inventar Kontrollen. Die Ausführung dieser schriftlichen, besondere Aufmerksamkeit und Exakt­heit erfordernden Arbeiten kann meist nur in den späten Abendstunden erfolgen. Die Leitung des De­pots untersteht einem Oberapotheker. Das übrige Per­sonal setzt sich aus einem Apotheker, einem Drogisten und Handwerkern zusammen. Schwierigkeiten bereitete natürlich auch die Ausbildung und das Einarbeiten der Nichtfachleute, da der Dienst besondere Kenntnisse, Routine und vor allem Gewissenhaftigkeit erfordert. Der gute Wille der Mannschaften sowie die vorbild­liche Energieentfaltung und Liebenswürdigkeit des De­potsleiters zeitigten durchaus befriedigende Resultate. Ein kameradschaftliches Zusammenarbeiten, ein gemein­sames Interesse an dem gemeinschaftlichen großen Ziel bewältigt auch hier wie überall die alltäglichen Schwierigkeiten. _________________ _

Quittung:

Für die blindgeschossenen Krieger gingen durch Herrn Pfarrer Freund, Ramholz bei uns ein 35 Mk. gesammelt durch die dortigen Konfirmanden. Allen edlen Gebern herzlichen Dank.

Die Redaktion der Schlüchterner Zeitung

Kirchlicher Mfgi^ MlädMu Evangelische Gemeinde.

Sonntag, den 7. Mai 1916.

Vormittags 7,10 Uhr: Herr Pfarrer Rollmann.

Nachmittags 7,2 Uhr: Herr Pfarrer Rollmann.

Anschließend Christenltbre der konfirmierten Mädchen. Wochendienst: Herr Pfarrer Rollmann.

Sonntag, den 7. Mai 1916.

Vormittags 97, Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Herr Kaplan Ramp.

Nachmittags 2 Uhr Bitlandacht.

&

Im Schatten der 'Reterpautssestung.

Roman von Hermann Gerhardt. 1

(Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

ES war in Petersburg auf dem Bahnhöfe. Ein gro­ßer, schlanker, junger Mann mit braunem Schnurrbart und offenen, sympathischen Zügen entstieg einem Abteil und blickte suchend umher. Da legte sich eine Hand leicht auf seine Schulter und eine auffallend wohlklin­gende Stimme redete ihn auf französisch an:Mon- fieur Werner Rittberg, wenn ich nicht irre?"

Der Reisende wandte sich rasch und sah sich einem elegant gekleideten Herrn gegenüber, dessen hübsche- Gesicht mit den weichen, etwas schlaffen Zügen «in verbindliches Lächeln überflog.

Werner Rittberg ist mein Name," gab er zurück.

Sie gestatten, daß ich mich Ihnen vorstelle, Mon­sieur. Ihr Korrespondent, Pavel Litschkoff, erster Sekre­tär Seiner Exzellenz des Generals und Präfekten Bi- ruleff. Wie ich zuversichtlich hoffe, werden wir gute Jreimde sein!"

Rittberg hatte grüßend den Hnt gelüftet und streckte jetzt seinem neuen Bekannten die Hand entgegen.

Haben Sie vielen Dank, Monsieur Litschkoff," ver­setzte er in seinem gewähltesten Französischan mir soll es gewiß nicht fehlen, daß Ihr liebenswürdiger Wunsch in Erfüllung geht!"

Außen vor dem Bahnhöfe stand ein eleganter Lan- dauer, dessen Schlag ein Diener offen hielt. Zwei Kna­ben von etwa zwölf und vierzehn Jahren befanden sich darin; sie trugen beide die gleiche russische Natio­naltracht. Der Jüngere hatte eine Schachtel Pralinees auf dem Schoß und naschte daraus, während der äl­

tere, aufrecht stehend, mit einer Peitsche, die er in der Hand hielt, knallte, daß die feurigen Pferde jedesmal nervös zusammenzuckten. Ein a'itffallenb korpulenter Kutscher in schwarzem Sammet-Kaftan und der cha­rakteristischen Kopfbedeckung hielt die Traber fest im Zügel, wagte aber nur durch ein diskretes Achselzirk- ken gegen den Unfug zu protestieren.

,jJhre Schüler, Mischa und Manja Biruleff!" stellte Litschkoff vor.

Die Jungen unterbrachen ihre Beschäftigung, um die Mützen abzunehmen, wobei der ältere den Ankömmling mit einem selbstbewußten, dreisten Blicke maß, der jüngere aber, dessen rundes Gesicht auf eine gewisse indolente Gutmütigkeit schließen ließ, ihn aus seinen schwarzen Augen scheu und unsicher musterte.

Mit Mischa werde ich es »licht leicht haben," dachte Rittberg bei sich.Manja wird traitabler sein, aber Mischa gefällt mir besser."

Ihre Pflichten sind nicht allzuschwer," nahm der verbindliche Litschkoff wieder das Wort;die Knaben sollen täglich eine Stunde Unterricht haben und in der übrigen Zeit mit Ihnen deutsch sprechen. Sie ha­ben außerdem Lehrer fürs Englische, Französische und Russische, im Reiten, Turnen und Fechten werden sie in der Schule unterwiesen."

Erstaunt hörte Rittberg zu. War es möglich, daß man für das ihm zugesagte glänzende Jahresgehalt von zweitausend Mark so geringe Gegenleistung ver­langte ?

Während sie durch die Straßen fuhren, fiel dem Fremden die große Breite und Menschenleere dersel­ben auf, im Vergleich mit denen deutscher Hauptstädte. Erst alS sie nach längerer Fahrt in den Newski-Prospekt einbogen, wurde das Straßenbild lebhafter. Hier dräng­ten sich öeute der verschiedensten Nationalitäten an­einander vorbei. Equipagen aller Art rollten über das glatte Holzpflaster. Auch der phantastische Baustil der

stolzen Paläste erregte Rittbergs Aufmerksamkeit, und die goldstrotzenden Kuppeln der Kirchen. Dann lenkte der Wagen in den breiten Torweg eines dieser Paläste ein, rollte über einen geräumigen Hof und hielt vor dem Hauptportal. Die Flügeltüren sprangen auf, ein paar Lakaien eilten dienstbeflissen herbei, den Ausstei- Senden behilflich zu sein, die zunächst eine durch reich« loldverzierung und buntseidene Draperien fast über­laden wirkende Eingangshalle betraten. Dort ergriff Litschkoff von neuem die Hand des jungen Fremden: Ich schätze mich glücklich, der erste zu fein, der sie bei uns willkommen heißt!" Dann schritt er voraus, die breite Treppe hinauf, auf deren oberstem Absatz ein würdevolles Individuum in schwarzem Anzüge und wei­ßer Krawatte stand.Der Hausmeister wird Sie in Ihre Gemächer geleiten!" Mit lächelnder Verbeugung empfahl sich der Sekretär.

Rittberg folgte seinem Führer bur^ endlose Korri- Dort, Treppen und Gallerien, biß derselbe eine der vie­len Türen öffnete und ihn in ein freundliches, mit allem Komfort möbliertes Zimmer eintreten ließ. Zwei groß« Fenster gingen auf die Straße hinaus. Nebenan war Daß Schlafzimmer und dort stand bereits Rittbergs Ge- päck.

Nach Verlauf etwa einer Stunde, als der junge Mann Toilette gemacht und sich nun an einer Tassearomatischen Tees erquickte, der wie burcb Zauberei plötzlich auf dem Tische seines Wohnzimmers stand ließen sich dran- ßen sporenklirrende Schritte vernehmen, und gleich da­rauf klopfte energisch an die Tür. Auf seinHer- ein!" trat eine Gestalt über die Schivelle, in welcher Rittberg instinktiv ben Präfekten, seinen Chef erkannte; und im Moment, da er die imponierende Erscheinung ins Auge faßte, blitzte es i^m durch den Sinn, daß er einmal gehört habe, der Polizeipräsekt von Petersburg sei ein Findelkind gewesen. Gleichviel! Diesem Manne sah man es auf den ersten Blick an, daß er zum Herr« Wn gefroren. 281,18«