Schlüchtemer Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr.««.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
M 37. Samstag, den 6. Mai 1916. 67. Jahrgang.
I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vatertande! |
z.«r. 2063 B. K.
Provinzialverein vom Roten Kreuz für Hessen-Nassau.
Nr. 357. Cassel, den 12. April 1916."
Es sind vielfach Klagen darüber laut geworden, daß unsere Gefangenen im Ausland, namentlich in Rußland, die an sie gerichteten Pakete, Briefe, Karten und Geldsendungen nicht erhalten. Abgesehen von anderen Umständen liegt dies wohl zum größten Teil daran, daß die für die Kriegsgefangenen bestimmten Sendungen mangelhaft adressiert sind. Dies gilt insbesondere von den nach Rußland bestimmten Sendungen, >vo Sprache und Schrist besondere Schwierigkeiten bieten und häufig dazu führen, daß die Gefangenen selbst ihre Adressen falsch oder ungenau angeben. Es empfiehlt sich deshalb dringend, daß die von Vereinen oder Privatpersonen an Gefangene im Ausland ge- richten Briese, Karten, Pakete und Geldsendungen durch Vermittlung der für diesen Zweck bestehenden Auskunftsstellen vom Roten Kreuz gehen. Als solche bestehen in der Provinz: Die Hilfe für kriegsgefangene Deutsche in Cassel, Rathaus, für den Regierungsbezirk Cassel.
Der Ausschuß für deutsche Kriegsgefangene in Frankfurt a. M. Zeil 114, für Frankfurt und Um-
Die Hilfe für kriegsgesingene Deutsche in Wiesbaden, Schloß für den übrigen Teil des Regierungsbezirks Wiesbaden.
Diese Stellen besitzen Verzeichnisse der Gefangenenlager im Ausland, sie sind über die in Deutschland und im Ausland für den Postverkehr getroffenen Bestimmungen unterrichtet, und können auch sonst Auskunft über Lager- und Postverhältnisse geben.
Der Vorstand.
vom Kriegsschauplatz.
Amtlicher Tagesbericht.
WLB. Großes Hauptquartier, 4. Mai. (Amtl.) Westlicher Kriegsschauplatz:
Im Abschnitt zwischen 2h minderes und ArraS herrschte stellenweise rege Gefechtstätigkeit. Der Minen- kamps war nordwestlich von Lens bei Souchez und
Irauentieöe.
Roman von Clara Aulepp-Stübs. 64
„Die Sache mit der Krankenkasse und hier mit den Larsens — bitte, daß dies gleich geordnet wird!" Und so geht es weiter und weiter, ganz ruhig im verbindlich geschäftsmäßigen Ton, mit einem Metallklang in der sonst so weichen Frauenstimme, daß dem großen, kräftigen Mann ein leises Frösteln über den iHiicten läuft.
Und jetzt fragt die Stimme wieder: „Also Dienstag kann der Stapellauf stattfinden?"
«Ja, Dienstag!" Dann etwas zaghaft, als ob er füllte, eine schmerzende Wunde mit der Frage zu be- rühren: „Und wie wollen Sie das Schiff nennen?"
Da hob sich der über die Papiere gebeugte Kopf, zwer blaue Augen sahen ihn groß an. „Ich werde das Schrff «Fred Arnheim" nennen."
Er schaute erschrocken auf sie nieder. „Ich dachte —
Sie winkte ihm mit der Hand ab. „Es war me der Wunsch meines Mannes — also lassen wir das — ich werde selbst die Taufe vollziehen."
Herr Direktor Vogt strich sich draußen im Vestibül Mit der weißen, krästigen Hand über die Stirn, das Frösteln war verschwunden, ihm war jetzt heiß geworden.—O, diese Frau, diese Frau.
14. Kapitel.
„Glauben Sie es doch, gnädige Frau! Der Herr Kommerzienrat wird es gewahr und freut sich darUoer, sagte Klaus voll Ueberzeugung und sah Frau LoUt erwartungsvoll an, „es beobachtet ihn doch keiner so wie ich, der ich den ganzen Tag um ihn bin."
„Ja, ja, Klaus, das weiß ich rvohl. Aber es ist zu gefahrvoll, den Kranken einer Aufregung auszusetzen. Bedenken Sie —" Frau Lotti wandte das erblaßte Ge- ficht ab. . . ,
„Der Herr Kommerzienrat ist doch jetzt nicht mehr sso trank wiedamals," wagte der treue Alte leise ein-
Neuville besonders lebhaft. Nordwestlich von Lens scheiterte ein im Anschluß an Sprengungen versuchter englischer Vorstoß.
Im Maas-Gebiet erreichte das beiderseitige Artilleriefeuer am Tage zeitweise große Heftigkeit, zu der es auch nachts mehrfach anschwoll. Ein französischer Angriff gegen unsere Stellungen auf dem von der Höhe „Toter Mann" nach Westen abfallenden Rücken wurde abgewiesen.' Am südwestlichen Abhänge dieses Rückens hat der Feind in einer vorgeschobenen Postenstellung Fuß gefaßt.
Von mehreren feindlichen Flugzeugen, die heute in der Frühe auf Ostende Bomben abwarfen aber nur den Garten des königlichen Schlosses getroffen haben, ist eines im Lustkampse bei Middelkerke abgeschoffen worden. Der Insasse, ein französischer Offizier ist tot. Westlich von Lievin stürzten zwei feindliche Flugzeuge im Feuer unserer Abwehrgeschütze und Maschinengewehre ab. In der Gegend der Feste Vaux wurden zwei französische Doppeldecker durch unsere Flieger außer Gefecht gesetzt.
Oestlicher Kriegsschauplatz:
An der Front ist die Lage im allgemeinen unverändert.
*
Unsere Luftschiffe haben die Bahnanlagen an der Strecke Molodeczo—Minsk und den Bahnkreuzungspunkt Luniniee nordwestlich von Pinsk mit beobachtetem Erfolge angegriffen.
Balkan-Kriegsschauplatz:
Keine wesentlichen Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
* *
Die Verhandlungen mit den kürzlich aus Berlin in Wien eingetroffenen Vertretern der deutschen Regierung über einige Zoll- und wirtschaftspolitische Fragen haben in den letzten Tagen im Ministerium des Aeußern unter Teilnahme österreichischer und ungarischer Amtspersonen stattgefunden und einen durchaus befriedigenden Verlauf genommen. Die technischen Einzelfragen werden von der nächsten Woche an in Berlin von Fachleuten beider Staaten beraten werden.
Zum -erlisch türkische« Bü«d«is
In Besprechung der bevorstehenden Ratifizierung des deutsch-türkischen Bündnisvertrages schreibt die „Kölnische Zeitung" : Möge der neue Dreibund nach der siegreichen Beendigung des Krieges ein wertvolles Unterpfand für den Weltfrieden werden, eine Sicherung für das Gedeihen wirklicher Kultur, nicht einer Zivili- sationstünche, wie sie von London und Paris aus namentlich den Neutralen so dick auf das tägliche Brot zuwenden, „und führt ein so trauriges Leben. Ach, seine Augen wandern so oft über das Wasser und es liegt so was brinn baun— es könnte einem wahrhaftig auch noch das Wasser in die Augen treiben."
„MitdemDoktor haben Sie gesprochen?" fragte Lotti finnenb. , c
„Ja! Er meinte, für alle Fälle sei er ;a auch dort."
„Nun — dann wollen-wir es tun. Und ein gütiges Schicksal mag geben, daß es gut abläuft. — Ich will jetzt hinein zu ihm."
Der Kommerzienrat lehnte wie schlafend m den seidenen Kissen seines Fahrstuhls. Als er Lottis leichten Schritt vernahm, wandte er ein klein wenig den Kops und öffnete die Augen. .
Die junge Frau neigte sich über ihn und ruckte die ver- schobenen Kissen bequem. Ach — sie konnte es nicht ändern, daß der Anblick ihres Schwiegervaters ihr gren- zenlosesLeid ihr stets so tief zum Bewußtsein brächte und daß sie ein fast an Haß grenzendes Gefühl für ihn emp- fand. Sie schämte sich dessen und doch war es so echt menschlich, denn wir sind allzumal Sünder.
So groß ist wohl selten ein Mensch, daß er die Hand küßt, die ihm das Beste geraubt.
Gewöhnlich blieb ihr Mund herb geschlossen, der Kranke merkte das wohl kaum. Aber hente, als ihre Hand die Decke glättete, suchten seine kalten, zitternden Finger die ihren und ganz leise, in abgebrochenen Worten, rang eS sich mühsam von seinen Lippen: „Vergib — ich — tötete sie Dir — die Mutter!"
Dabei blickten seine Augen sie so seltsam an, starr und doch mit einer so hilflosen Erkenntnis im Ausdruck, als ob das Gehirn dieselbe noch nicht zu fassen vermochte.
Lotti war tief erschüttert. Sie sank neben dem Kranken nieder und umschloß seine Hände fest mit den ihrigen: ,Vater, auch ich bin nicht ohne Schuld!"
Die Tränen floffen ihr über die Wangen; jetzt unter
gestrichen wird. Der Artikel gedenkt schließlich auch Bulgariens, das in treuer Waffenbrüderschaft an der Seite des neuen Dreibundes kämpft, und sagt: „Vielleicht wird aus dem vertieften neuen Dreibund noch ein besiegelter Vierbund. In dieser Hoffnung begrüßen wir heute auch die Waffenbrüder in Bulgarien".
Die Ala«dsfrage.
Die in der letzten Zeit beschleunigte Befestigung der Alandsinsel durch Rußland, auf die „Astonbladet" in einer Reihe von Aufsehen erregenden Aufsätzen hingewiesen hat, beschäftigt die schwedische Presse immer mehr. „Stockholms Dagblad" schreibt: Wer diese Inselgruppe beherrscht, beherrscht tatsächlich das Bott- Nische Meer. Ein befestigtes Aland bedeutet eine scharfe Drohung gegen Norrland. „Svenska Dagbladet" wendet sich gegen eine Aeußerung von „Dagens Nyheter", daß Schweden ein von den Großmächten garantiertes Versprechen habe, daß Rußland keine dauernden Befestigungen auf Aland anlegen dürfe, und sagt: Erstens hat Schweden kein Versprechen, sondern dieses ist den Großmächten gegeben worden; zweitens gelobt dieses Versprechen ganz allgemein, daß die Alandsinseln nicht befestigt werden sollen. Die sogenannten auffälligen Anlagen jetzt während des Krieges verstoßen also genau so gegen das Versprechen wie etwaige dauernde. „Nya Dagligi Allehanda" schlägt angesichts der drohenden Gefahr eine innere Einigung der Parteien vor. — Die Alandsfrage ist bisher, außer von „Astonbladet", von der schwedischen Presse nicht berührt worden; es ist daher von Bedeutung, daß sich jetzt die wichtigsten Zeitungen alle eingehend damit beschäftigen.
Lokaler und Provinzielles.
Schlüchterv, den 5. Mai 1916.
Nachricht, daß der Roman „Frau nliebe", mit &er heutigen Nummer sein Ende erreicht hat und beginnen zugleich mit dem spannenden Roman „Im Schatten der Peterpaulsfestung" von Hermann Gerhardt.
—* Zur Bekämpfung der Lebensmittelteuerung werden durch einen Erlaß des preußischen Ministers des Innern die Polizeibehörden darauf hingewiesen, daß sie verpflichtet sind, das Publikum gegen Ausbeutung und Übervorteilung beim Einkauf von Lebens- Mitteln wirksam zu schützen, namentlich hinsichtlich solcher Artikel, für die keine Höchstpreise bestehen. Diegesetz- geberischen Handhaben sind für ein derartiges Vor- gehen gegeben und bei verständnisvoller Zusammenarbeit der Gemeindevorstände und Polizeiverwaltung dürfte ein gutes Ergebnis sicherlich zu erzielen sein.
—* Die Fleischversorgung. Man schreibt aus Berlin : Das Verbot der Hausschlachtungen findet vielfach eine grundfalsche Auslegung, indem man der drückte sie dieselben nicht, sondern neigte das Haupt und ließ sie über die kranken Hände des Greises strömen.
Fühlte er die heißen Tropfen? Mühsam rang er die gesunde Linke los und legte sie auf Lottis bloitden Scherte!, wie segnend. _
Sie konnte nicht verstehen, was er sagte. Deshalb hob sie den Blick wieder und war überwältigt von dem verklärenden Schein nie gesehener Milde, der ihr auS dem sonst so harten Antlitz entgegenstrahlte.
Ueber dem Abgrund von Schuld baute versöhnende Liebe die Brücke, und sie vergab, vergab! — Doch feine Augen baten noch um mehr. Seine Hände krampften lieg um die ihren, die Lippen vermochten die Worte nur schwer zu formen, doch Lotti verstand jetzt; sie richtete den Blick nach oben: „Und vergib uns unsere Schuld!
Wenige Tage später schien die Sonne des Frühlings auf ein bewegtes Bild. Sie schien auf eine hübsche, blaffe, Frau, die mit kleiner, fester Hand die Champagnerflasche am Bug eines stattlichen Schiffes zerschellen ließ; sie schien wärmend und strahlend auf einen weißhaarigen Greis und auf ein blühendes Kind, das jauchzend die Aermchen der Sonne entgegenstreckte, nicht ahnend, was seiner Mutter Seele erbeben machte und was sie dennoch in ihrem Innern erstarken ließ zu mutigem Aus harren in voller Erkenntnis der Schwere der Worte: Und Leben ist Kampf! /
— Ende!—
Lilly: „Leutnant X. sagte mir gestern, ich ser das hübscheste Mädchen, das er je gesehen hat." — Milly: „Pah, dasselbe hat er mir vor einem halben Jahre auch gesagt." — Lilly: „Nun, seither kann sein Geschmack sich, ja wohl gebessert haben."
Lehrer: „Warum hast Du eben gelacht, Müller?" — Müller: „Ich — ich — ich dachte bloß au was." — Lehrer: „In der Schulstunde hast Du an nichts zu denken, Laß Dir das ein für allemal gesagt sein? 219,18^