Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 6S Vochenbeilags: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «s.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 20 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
M 31. Samstag, den 15. April 1916. 67. Jahrgang.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Der allwöchentliche Amtstag am Montag-Vormittag wird auf Anordnung der Königlichen Regierung bis auf weiteres aufgehoben.
Rücksprachen mit dem Amtsvorstand sind einzelsällig vorher nachzusuchen. Schlüchtern, den 16. März 1916.
Königliches Katasteramt
| A. 513. gez. Momsen.
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Den Konfirmanden von 19X6.
—-*—- Die Aonfirmanden vom eisernen Zahr, Sie traten vor Jahresfrist an den Altar, Der Lenz war da; doch des Herren Hand "ag eisern auf unserem Vaterland.
Ind im alten Gleis ging das Weltenrad, 1nd wieder sprosset die junge Saat, lnd f ieder tritt hin vor Gottes Altar Eine junge, hoffnungsfreudige Schar.
Dod? das Eisen der Zeit ward gehämmert zu Erz lnd der schwere Schlag traf manch armes Herz, Der Lenz ist da; doch des Herren Hand liegt ehern auf unserem Vaterland.
Ehr Aonfirmanden vom ehernen Jahr, 'fasset den Ernst, und machet Euch klar, Aon Euch auch fordert der Herr der Welt, 3m Aampfe zu streiten tapfer als Held.
Im eigenen Herz, im eigenen Land
Kämpfet für Euer Vaterland,
Setb Euch des Namens Ehristen bewußt, dämpft mit den Feinden der eigenen Brust.
Ehr Aonfirmanden vom ehernen Jahr, o tretet mit Gott denn an den Altar! Gott segne Euch alle! es sei Euch beschieden, Zu sehen die goldene Zeit im Frieden.
Marie Hoffmann.
*) Aus der zu Ostern erscheinenden Nummer des Gund- Helm-Huttener Heimatblattes.
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Dom Kriegsschauplatz.
Amtlicher Tagesbericht.
WTB. Großes Hauptquartier, 13. April.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Im allgemeinen konnte sich bei den ungünstigen Be- vbachtungsverhältnissen des gestrigen Tages keine bedeutendere Gesechtstätigkeit entwickeln. Jedoch blieben beiderseits der Maas, in der Woevre-Ebene und auf der Eote südöstlich von Verdun die Artillerien lebhaft tätig.
Südöstlich von Albert nahm eine deutsche Patrouille im englischen Graben siebzehn Mann gefangen.
Ein französischer Gasangriff in Gegend von Puiseleine (nordöstlich von Compiegne) blieb ergebnislos.
Oestlicher Kriegsschauplatz:
Südlich des Narocz-Sees verstärkte sich das russische Artilleriefeuer gestern nachmittag merklich.
Oestlich von Baranowitschi wurden Vorstöße feindlicher Abteilungen von unseren Vorposten zurückgewiesen.
Balkan-Kriegsschauplatz:
Keine wesentlichen Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
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Schwedische Kommission nach Deutschland.
Der Chef der Kommandoexedition des KriegSde- Partements hat in einem Schreiben dem Kriegsminister den Vorschlag gemacht, es einer schwedischen Kommission bon sechs Offizieren zu ermöglichen, .die Organisation des Ersatzwesens in Deutschland drei bis vier Wochen lang zu studieren, nachdem von deutscher Seite die Erlaubnis dazu erteilt worden ist. Der Leiter der Commission dürfte Kavallerieinspektor Generalmajor Runck werden.
Asquith beim Papst.
Der Besuch Asquiths beim japste hat, wie von eingeweih er Stelle berichtet wird, im Vatikan keinen guten Eindruck hinterlassen. Asquith hat während der halbstündigen Audienz u. a. der Meinung Ausdruck gegeben, der Krieg werde zum mindesten noch fünf Jahre dauern. Diese entsetzlichen Worte sind freilich weniger aus subjektiver Ueberzeugung, als vielmehr zwecks Einschüchterung gesprochen worden. So wurden sie wenigstens im Vatikan beurteilt. Also nicht bloß im englischen Parlament wird in wahnwitzigem Tyrannenzorn der Stab über die Völker Europas gebrochen, sondern ein Vertreter jener Nation wagt sogar diesen blutrünstigen Entschluß vor dem Vertreter des Friedensfürsten kalt und trotzig auszusprechen. „Der Heilige Vater wirft sich wie ein wahrer Vater zwischen die streitenden Söhne; nun muß er die Ankündigung eines endlosen Zwistes und Krieges bis zur Vernichtung an- hören«, schließt der Artikel, der sich mit dem Besuch des Briten im Vatikan beschäftigt.
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Die wühlenden Engländer.
Die Engländer bemühen sich, in Holland die Stim- mung zu vertreten, die Gerüchte über einen bevorstehenden englischen Landungs- oder Durchbruchsversuch seien von Deutschland in die Welt gesetzt worden, um sich einen Vorwand zu verschaffen, in Holland als Beschützer der holländischen Neutralität einzurücken. Die Kölnische Zeitung bemerkt dazu. Eigentlich lohnt es sich gar nicht, auf derartige, aus der Luft gegriffene Erörterungen einzugehen, es finden sich aber immer Leute, die alles glauben. Wir möchten demgegenüber aufs bestimmteste feststellen, daß es sich hier wieder um eine der beliebten englischen Brunnenvergifrangen handvtr? Deutschland weiß ganz genau, daß Holland in der Lage und gewillt ist, auch ohne unsere Hilfe Neutralität zu verteidigen.. Deutschland hat gar kein Interesse daran, seine Truppen von der Front abzuziehen, um sie in Holland einrücken zu lassen. Infolgedessen hat es auch kein Interesse daran, wie die Engländer die Holländer glauben machen wollen, derartige Gerüchte auszu- sprengen. Der englische Versuch kennzeichnet sich also als ein weiteres Bestreben, in Holland Miß rauen gegen die deutschen Absichten zu säen und so eine Mißstimmung zwischen Deutschland und Holland zu erregen.
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Se. Majestät der Kaiser und König richtete an Generalfeldmarschall v. Hinsenburg ein in herzlichen Worten abgefaßtes Glückwunschtelegramm zu seinem 50jährigen Militärdienstjubiläum und verlieh ihm als außerordentliches Zeichen seiner Anerkennung sein Bild in Oel.
Ucberaus zahlreich waren die Ehrungen, die Hin- denburg anläßlich seines 50jährigen Dienstjubiläums zuteil geworden sind.
Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses hat an den Generalfeldmarschall von Hindenburg folgendes Telegramm gerichtet: „Euer Exzellenz, dem großen, geliebten Nationalhelden Deutschlands, dem Retter Preußens aus schwerer Gefahr, sendet zu dem heutigen Erinnerungötage an eine ruhmvolle, echt preußische Soldatenlausbahn, das preußische Abgeordnetenhaus die allerherzlichsten Glück- und Segenswünsche des dankbaren preußischen Volkes.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 14. April 1916.
—* Hier in unserer evgl. Kirche werden bis Sonntag 26 Mädchen, 40 Jungen konfiermiert.
—* Den Lieben in der Heimat, für die er sein Blut vergossen hat, gilt der letzte Gedanke des sterbenden Kriegers. Wie beruhigend ist es für ihn, zu wissen, daß, obgleich er nicht mehr heimkehren wird, seine Angehörigen doch nicht verlassen sind, sondern daß ihnen die liebende, dankbare. Fürsorge des ganzen deutschen Volkes sicher ist. „Der edle Zweck", so schrieb ein Soldat aus der Feldstellung, „den der Vaterlandsdank verfolgt, hat Tausende von Kameraden freudig gestimmt und ihnen Mut zu neuen Taten gegeben". Suche deshalb jeder in seiner Wohnung nach entbehrlichem Gold und Silber, um es einer Sammel- stelle des „Vaterlandsdankes" zu bringen. Annahmestellen für Postsendungen: Berlin SW. H, Prinz- Albrecht-Straße 7 und Grefeld, Ostwall 56. Jeder Spender hat Anspruch auf einen Erinnerungsring aus dem platinähnlichen glänzenden, nicht rostenden Eisen,
das die Firma Krupp für diesen Zweck gespendet hat. Das eingesandte Gold verkauft der Vaterlandsdank der Reichsbank, und stärkt damit unsern Goldschatz, der uns hilft, anch auf wirtschaftiichem Gebiete Sieger zu bleiben. Jetzt muß es für jeden Deutschen eine Ehrensache sein, nicht nur das gemünzte Gold, sondern alles Gold, das er entbehren kann, dem Vaterlands zu geben.
—* Förderung der Kaninchenzucht. Das preußische Landwirtschaftsministerium hat an sämtliche Landwirtschaftskammern und Vereine einen Erlaß gerichtet, in dem es heißt: Mit Rücksicht auf die Knappheit an Fetten und insbesondere an Fleisch, die sich während des Krieges noch weiter steigern dürfte und auch noch längere Zeit nach dem Kriege andäuern wird, erscheint es geboten, den Zweig der Kleintierzucht, für den die Futterfrage verhältnismäßig am günstigsten liegt, die Kaninchenzucht nach Kräften zu fördern. Sie ermöglicht es gerade demjenigen Teile der Bevölkerung, der unter den hohen Fleischpreisen mit am meisten leidet, den Arbeitern und kleinen Beamten, sich durch Verwertung seiner Haus- und Wirtschaftsabfälle einen großen Teil seines Fleischbedarfs billig selbst zu erzeugen.
—* (Hederichbekämpfung.) Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist der feingemahlene Kainit (Sondermarke 1 ohne Zusatz, Sondermarke 2 mit Zusatz von Kieselgur zur Verhütung des Zusammenballens) gegenwärtig das beste und billigste Hederichbekämpfungsmittel. Er muß in Mengen von 4—5 Zentner pro Morgen auf noch möglichst jungen Hederich (2—4 Blätter) morgen i > T^u aus es!reut werden. Wenn dann kein Regen folgt und die Sonne scheint, verschwindet der Hederich vollständig, und die Saat gedeiht infolge der düngenden Wirkung des Kainits üppig: iww|BL:Äst^'-rgsart lohnt sich wie keine andere.
—* In der Freitag-Vormittagsziehung der 7. preuß« süddeutschen Klaffenlotterie fiel der zweite Haupttreffer von 60 0.00 Mark auf die Nummer 68 346.
—* In Cassel wurde die Hundesteuer von 25 auf 35 Mk. erhöht. Jeder weitere Hund kostet 50 Mark Steuer.
* Michelsrombach. In einer von Herrn Bürgermeister Hohmann einberufenen Versammlung wurde beschlossen, den seit einigen Jahrzehnten nicht mehr betriebenen Flachsbau wieder aufzunehmen.
* Cassel. Der Vorstand der Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Cassel beschloß, einem Antrag der Sattler-Innungen von Hanau, Cassel, Fulda, Eschwege und Hersfeld zuzustimmen und einen Sattlermeisterverband für den Regierungsbezirk Cassel und das Fürstentum Waldeck zum Zweck der Uebernahme von Heereslieferungen zu begründen. Es soll verhindert werden, daß immer wieder Satilerarbeiten an Großunternehmer, in der Hauptsache Großkaufleute, vergeben und erst von diesen wieder dem Handwerk zugewiesen werden, das dann unter entsprechenden Abzügen für diese Lieferer zu arbeiten hat, während so dem Handwerk bet Zwischengewinn selbst verbleiben könnte. Der Vorstand der Handwerkskammer beauftragte das Verdingungsamt der Handwerkskammer, die näheren Vorbedingungen für die Schaffung eines Sattlermeisterverbandes für den Kammerbezirk auszu- arbcien; das Verdingungsamt der Kammer wird dann auch die Aufträge der ^Heeresverwaltung für den Sattlermeisterverband des Kammerbezirkes annehmen und an die Jnnungsmeister im Kammerbezirk weitergeben. Ferner beschäftigte sich der Vorstand der Kammer mit einigen Eingaben der Fleischerinnungen in Fulda, Cassel, Hanau, Marburg und Fritzlar. Diese hatten die Kammer um ihre Unterstützung gebeten, um einige Ungleichheiten in betreff des Kaufes von Vieh von den Landwirten aus dem Wege zu räumen; jetzt ist es überhaupt nicht mehr möglich, unmittelbar vom Landwirt zu kaufen; es muß in jedem Einzelfalle der Händler in Anspruch genommen werden. Außerdem bestehen viele Ungleichheiten in den einzelnen Regierungsbezirken hinsichtlich der Giltigkeit und der Handhabung von Ausweiskarten; auch hier wäre eine Einheitlichkeit von großem Vorteil. Der Vorstand beschloß, die Geschäftsstelle der Kammer zu beauftragen, einen entsprechenden Antrag nebst Begründung an den Herrn Regierungspräsidenten auszuarbeiten, weiterhin auch Eingaben an den Bundesrat und an den Minister für Handel und Gewerbe zu machen.
♦ Kassel. Sein 50jähriges Dienstjubiläum feierte am Samstag der im Zentralbureau der Königlichen Eisenbahndirektion beschäftigte Rechnungsrat Friedrich Kämpf,