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SchlüchternerMung

mit amtlichem Amtsblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratael^r

^ «-- wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. ' X«

____^^"^ Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. - Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg. '

Mittwoch, den 12. April 1916

67. Jahrgang

Das Ausland und die Kanzlerrede.

Die Rede des Reichskanzlers vom 5. April ist in den neutralen Staaten, der Schweiz, Holland, Dänemark, Schweden, im allgemeinen freundlich und verständi isvoll ausgenommen worden. Was der Kanzler über die Kriegsziele ausgeführt hatte, konnte an keiner wirklich neutralen Stelle unangenehm berühren. In der Rede war Achtung, ehrliche Achtung vor den Rechten der Neutralen, war ferner der Wunsch und die Absicht, unterjochte Völkerstämme im Osten nicht wieder in die alte Knechtschaft zurückfallen zu lassen, war endlich die deutliche Abneigung, das belgische Problem durch Unter­jochung eines Volkes zu lösen, das uns wesensfremd ist und bisher ein selbständiges Dasein geführt hat.

Aber es besteht noch ein anderer Grund, warum sich bei der Würdigung der Rede in den kleinen europä­ischen Staaten eine objftive Tendenz bemerkbar macht. Das ist, daß man in diesen Ländern die Krieslage so sieht, wie sie wirklich ist. Die unbesiegte und unbesieg­bare deutsche Nation, die in ihrer natürlichen Entwickelung gehemmt werden sollte und der die feindlichen Mächte die Vernichtung ihrer politischen und wirtschaftlichen Kraft andrehen, steht klarer vor den Augen nüchterner Beurteiler.

Umgekehrt mußte erwartet werden, daß die kraft- und zugleich maßvollen Darlegungen des Kanzlers in der Pariser und Londoner Presse zunächst auf gröbliche Entstellungen ihres Sinnes und Wertes stoßen würden, weil sie zu dem bisher von den Staatslenkern konse­quent befolgten System der Täuschung der eigenen Völker über den militärischen Stand der Dinge ganz und gar nicht passen. So behauptet z. B. derTemps", daß die Schicksale Polens und Belgiens betreffenden will derPetit Parisien" in der Rede den Beweis finden, daß sich Deutschland stark erschüttert suhle. Aehnlich äußern sich dieTimes" dahin, daß die Rede vor allem dem deutschen Volke in seinem leidensvollen Zustande Mut zusprechen wollte, und wenn Herr von Bethmann'Hollweg so tue, als ob die deutsche Kriegsführung vor Vervun mit voraussehendem Blick und sicherer Planmäßigkeit eingeleitet und von Erfolg zu Erfolg gegangen sei, so wisse die Welt doch, daß diese Kriegführung keinen nennenswerten Gewinn erzielt habe.

Ist dies auch glatter Unsinn, hat es doch Methode. Gegen dieses fortgesetzte Blendwerk von Selbstbetrug und Entstellung gibt es für uns nur ein Mittel, aus- zuharren und neue Schläge auszuteilen. , Jedenfalls warten wir ab, wie lange der erste künstlich von der Panser und Londoner Presse genährte Eindruck vor­halten wird. Die Wahrheit muß doch endlich einmal

Irauentieöe.

Roman von Clara Aulepp-Stübs.

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Fehlerlos kann ich das nicht gleich so vom Blatt -bsvielen, Gio," erwiderte sie etwas zaghaft.

Schade!" Gio drehte sich wieder um. ,

Erlauben Sie mal, Herr Arnheun, vielleicht bin ich in der Lägest Plötzlich sta.id Maud Mertens neben Lotti und nahm ihr die Noten, die sie eben ivieder zu- rücklegen wollte, aus der Hand.

Und wie sie verbindlich sagte:Aber gewiß, das werde ich können," und Gio aufsprang und rhr erfreut den Stuhl hinschob, da erwachte in der Frau wieder das sonderbare Gefühl der Angst vor einer fremden, ihr nahenden Macht.

Am besten - sie sah das gar nicht, sie ging weg. Sie schützte Kopfweh vor, wechselte ein paar konventionelle Worte mit Frau von der Menge und guig hinaus ms ^Als sie draußen in der frischen Luft war, da hätte sie am liebsten laut ausgefallen vor Angst und Weh, und mußte nun auch noch von neuem erschrecken, als Frau von der Menge hinter ihr Herkam "^ ^ wir für heute genug Musik, mein Kopf kann nicht viel ver­tragen," und sich bei ihr vertraulich einßatte.

So! Also waren die beiden ja nun glücklich allein! Und zwischen ihnen spann sich ein Band die Musik und sie stand draußen rote einst vor der lchw^e eisernen Pforte der Mertensschen Villa die dröhnend vor ihr ins Schloß fiel - und ging allem ihres WegeS.

Aber nein, sie war entschlossen, sich nicht von Maud Mertens verdrängen zu lassen; sie g'Ngst"och eigent­lich gar nichts an! Worum ließ sie sich nur durch sie aus ihrer Arglosigkeit und Ruhe herausreißen?

Sie würde einfach jeden Verkehr mit ihr abbrechen und Gio würde es auch tun, mochte er sehen, wer ihm eine Komposition vorspieltes Das war seine Sache. Un

an dm 2.ag kommen, und allmählich wird den getäuschten Völkern ein Licht darüber aufgehen, daß die in der Kanzlerrede erneut ausgedrückte Bereitschaft über einen Frieden zu reden, der auf Grund der wirklichen Kriegs­lage die Stellung Deutschlands in Europa und der Welt für lange Zeit vor neuen Angriffen schützt, auf fester Siegeszuversicht und unbeugsamem Willen beruht.

Dom Kriegsschauplatz.

1180 Franzose« gefangen.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 10. April.

Westlicher Kriegsschauplatz:

In den gewonnenen Trichterstellungen südlich von St. Eloi wiesen unsere Truppen Wiedereroberungsver, suche feindlicher Handgranaten-Abteilungen restlos ab.

Die Minenkämpfe zwischen dem Kanal von La- Baffee und Arras haben in den letzten Tagen wieder größere Lebhaftigkeit angenommen.

Auf dem Westufer der Maas wurden Bethincourt und die ebenso stark ausgebou^en StützpunkteAlsace" u.Lorraine" südwestl. davon abgeschnürt. Der Gegner suchte sich der Gefahr durch schleunigen Rückzug zu ent­ziehen, wurde von den Schlesiern aber noch gefaßt und büßte neben schweren blutigen Verlusten hier vierzehn Offiziere und rund siebenhundert Mann an unver- wundeten Gefangenen, zwei Geschütze und dreizehn Maschinengewehre ein. Gleichzeitig räumten wir uns unbequeme feindliche Anlagen, Blockhäuser und Unter­stände an verschiedenen Stellen der Front aus, so dicht nördlich des Dorfes Avocourt und südlich des Raben­waldes. Auch bei diesen Einzelunternehmumien aelano verloren sie Mfierdem mehrere Offiziere, zwechunderi- sechsundsiebzig Mann.

Rechts der Maas wurde in ähnlicher Weise eine Schlucht am Südwestrande des Pfefferrückens gesäubert. Vier Offiziere einhundertvierundachtzig Mann und Material blieben in unseren Händen. Weiter östlich und in der Woevre fanden lediglich Artilleriekämpfe statt.

Im Luftkampf wurde südöstlich von Damloup und nordöstlich von Chaleau-Salins je ein französisches Flugzeug abgeschosscn. Die Insassen des ersteren sind tot. Je ein feindliches Flugzeug wurde im Absturz in das Dorf Loos und in den Caillette-Wald beobachtet.

Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz:

Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

*

Die Sommerzeit

Der Bundesrat hat beschlossen, daß in der Zeit vom 1 Mai bis 30. September 1916 anstelle der mutel-

gütiges Eescmcr i

Ruhe wiederfinden.

Als sie endlich, ganz müde von Frau von Wenges unaufhörlichem Geplapper, in das Hotel zurückkam, war sie innerlich fast heiter.

Gio trat ihr entgegen. Er schob ferne Hand unter ihren Arm durch und führte sie in ihr Schlafzimmer.

Dort zog er sie auf die Knie und machte rhr scher­zend Vorwürfe über ihr Weglaufen.

Sein Benehmen war herzlich und unbe fangendem Ton echter, innerer Zärtlichkeit klang wie eine Liebko­sung dnrch. Er küßte sie leidenschaftlich.

Da bog sie hastig den Kopf zur Seite, legte »ihre Hände auf seine Schultern, hielt ihn zurück und sah ihm ernst in die Angen. Dann meinte sie nachdenklich aus ihrem inneren Jdeengang heraus:Und Leben ist doch Kampf!

Närrchen, wie kommst Du jetzt darauf?

Und da erzählte die Frau ihm alles.

Und der Mann verstand sie und dachte in zornigem Groll: Wie recht sie hat, wie recht!

Da war eben ein Geheimnis da war eben ein Band ein Band! Aber es sollte ihn nicht fesseln-

"^ und «'riß die Frau an sich und küßte sie. Wie ein Fieber kam es über ihn. . . _

Aus dem Frühjahr war Sommer geworden und aus dem Sommer ein ungewöhnlich schöner, warmer somit* ^ Untstdennoch spürte man das große Sterben in der Natur. Durch die Sonnenwärme empfand man das Frösteln, erst leise, dann stärker werdend Schauer des Todes. .

Um das Direktorhaus an der Kieler Fohrde wehte leiser Herbstwind. Er spielte mit den Ranken des wil­den Weines und trieb eine derselben neckend durch em offenstehendes Fenster ins Zimmer Hmem. Lose sttzende Blätter lösten sich, flackerten hierhin Ulid^ dorthin, und eins blich liegen, gerade auf d« weißen Hand, die dort

europäischen Zeit, die in Deutschland durch das Reichs­gesetz vom 12. März 1893 eingeführt ist, als gesetzliche Zeit die mittlere Sonnenzeit des 30. Längengrades oft« lich von Greenwich gelten soll. Das bedeutet, daß die Uhren für diese Zeitspanne um eine Stunde vorzustellen sind. Demgemäß wird der 1. Mai 1916 bereits am 30. April 1916 nachmittags 11 Uhr beginnen, der 30. September 1916 aber um eine Stunde verlängert werden, damit am 1. Oktober 1916 die mitteleuropä­ische Zeit wieder in kraft treten kann. Der oft er- örterte Zweck der Maßnahme ist die bessere Aus­nutzung des Tageslichts und die gerade im Kriege er­wünschte Ersparnis an Rohstoffen und Erzeugnissen für Beleuchlungszwecke. Da sich die geschäftlichen sowohl wie die privaten Lebensgewohnheiten der Bevölkerung nicht nach dem wechselnden Eintritt des Sonnenauf- und -Untergangs richten, sondern ganz überwiegend an feste Tagesstunden gebunden sind, läßt sich jenes Er- sparungsziel nur durch die Umstellung der Uhr in der vollkommensten und allgemein wirksamsten Weise er­reichen. Insbesondere wird sich der städtische Verkehr weniger lange in den dunklen Abendstunden abspielen. Die Schwierigkeiten, die sich aus der Zeitverschiebung für das internationale Verkehrswesen ergeben, haben zumal während des Krieges keine entscheidende Be» deutung ; vielleicht darf man auch hoffen, daß verbündete und neutrale Staaten sich zu gleichem Vorgehen ent­schließen.

* *

Gegen Wilson

Die Stimmung in Amerika ist keineswegs überall für Wilsons Politik. So erhielt der bekannte Vor-

50 000 Stimmen und schlug damit Senawr Smith, der für Wilsons auswärtige Politik eingetreten war. In politischen Kreisen ist man über dieses Ergebnis er­staunt, weil Smith eine energische Wahlkampagne be- trieben hatte und bedeutende Zeitungen ihn mit der Bemerkung unterstützt hatten, daß eine Abgabe der Stimmen für Smith Wilsons Hand stärken werde. Ford hatte durchaus abgelehnt, seine Kandidatur ernst­haft in Betracht zu ziehen. Er hatte weder Geld ge­spendet noch Wahlreden gehalten.

Feldgrau und blauweitz

Durch eine Königliche Entschließung ist eine Neu- Uniformierung des bayerischen Heeres angeordnet worden. Die Hauptbestimmung der Entschließung ist die, daß das Grundtuch des Waffenrockes, her Hose und der Schirmmütze ebenso wie jetzt im Kriege auch nach diesem feldgrau bleiben wird. Ein besonderes

zurück und schloß die Augen. . .

Vom Hafen herüber drang das Brüllen eines ein- fahrenden Panzers, dazwischen dünnes, kurzes Aufheulen kleinerer Fahrzeuge; von der Werft der durch die Ent­fernung gedämpfte Alltagslärm.

.Wenn sie doch nur käme," dachte Giovanni unge­duldig,sie hat es mir doch versprochen!"

DerAbend graute allmählich. In den Ecken und Win­keln des großen Zimmers hockte geheimnisvolle Däm- merunq, doch in der Mitte auf dem glänzenden Parkett ivar es licht. Da lagen die Weinblätter auf dein Boden und wenn der Wind durch das Fenster strich, da hoben sie sich und tanzten, immer in der Runde, drehten sie sich und leuchteten, bald golden, bald dunkel, bald rot wie Blut. . t

Und wieder dachte Giovanm:Wenn sie doch bald käme, sie hat es mir doch versprochen!" /

Da läutete es draußen.

Er öffnete die Angen und reckte sich. Sein Atem stockte. Jetzt kam Maud Mertens! Er schaute gespannt nachher Tür, denn im Rahmen derselben erschien nach leisem Klopfen eine dunkel gekleidete, schlanke Gestalt.

Er stand auf, ging ihr entgegen und grüßte:Sie kommen sehr spät!"

Fa. ich konnte leider nicht eher!

Ihre Stimme klang gedämpft, fast leise, sie schaute, sich um.Ist Lotti nicht hier?"

Rein I Meine Frau ist noch nicht von einem Be­suche bei meinem Vater zurück. Ich begreife nicht, wo sie bleibt." Er trat aus Fenster, bog den dunkellockigen Kopf in den Stimmer des Herbstabends hinaus und spähte, aufmerksam über das Wasser, dessen kleine Wellenkämme von der scheidenden Sonne ein goldenes Gewand zum

Abschiedstanz erhalten. ~ _

Das Boot kommt noch nicht!" Er schloß das Fenster >

mp trat zurück, . . _ . - ^ .819^