Einzelbild herunterladen
 

SchlüchternerMung

mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. <rs.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die klein? Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 26. . Mittwoch, den 29. März 1916. 67. Jahrgang.

Die im 67. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeit««g mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbretteste Zeitung im Kreise Schlucht ern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

W* n nL v» a m daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

PlilP I I b wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen

j 11ii | 1| |1111 Postabonnenten, welche bis spätestens 31. März unsere Zeitung wieder bestellt) haben, können verlangen,

^d ihnen unsere Zeitung vom 1. April 1916 ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen.Jede Post- Anstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreiche« Bestelluugeu auf das mit dem 1. April 1916 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Dom Rriegsschauplatz.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 27. März

Westlicher Kriegsschauplatz:

Heute früh beschädigten die Engländer durch eine umfangreiche Sprengung unsere Stellung bei St. Eloi (südlich von Apern) in einer Ausdehnung von über 100 Meter und fügten der dort stehenden Kompagnie Verluste zu.

In der Gegend nordöstlich und östlich von Vermelles hatten wir im Minenkampf Erfolge und machten Ge­fangene. Weiter südlich bei La Boisselles (nordöstlich von Albert) hinderten wir schwächere englische Ab­teilungen durch Feuer am Vorgehen gegen unsere Stellung.

Di^ Engländer beschossen in den letzten Tagen wieder die Stadt Lens.

In den Argonnen und im Maasgebiet erfuhren die Feuerkämpfe nur vorübergehende Abschwächung.

Oestlicher Kriegsschauplatz:

Gegen die Front unter dem Befehl des General- feldmarschalls von Hindenburg erneuerten di- Nufftn gestern die Angriffe mit besonderer Heftigkeit. So stießen sie mit im Osten bisher unerhörtem Einsatz an Menschen und Munition gegen die deutschen Linien nordwestlich von Jakobstadt vor; sie erlitten dement- sprechende Verluste, ohne irgendwelche Erfolge zu er­ringen. Bei Welikoje-Selo (südlich von Widsy) nahmen unsere Vortruppen in einem glücklichen Gefecht den Russen siebenundfünfzig Gefangene ab und erbeuteten zwei Maschinengewehre.

Wiederholte Bemühungen des Feindes gegen unsere Stellungen nordwestlich von Postawy scheiterten völlig.

Nachdem südlich des Narocz-Sees mehrfach starke Angriffe von Teilen dreier russischer Armeekorps ab­geschlagen waren, traten westpreußische Regimenter bei Mokrzyke zum Gegenstoß an, um Artillerie-Be­obachtungsstellen, die beim Zurückbiegen unserer Front am 20. Mgrz verloren gegangen waren, zurückzu- nehmen. Die tapfere Truppe löste ihre Aufgabe in

Irauensieöe.

Roman von Clara Anlepp-Stübs. 55

Ja, Herzenskind, wir betrachten die Welt nun ein­mal durch unsere eigene Brille und meistens schafft sich unsere Phantasie ein Bild dazu, das nicht immer der Wirklichkeit entspricht!" belehrte er sie gütig.--

Das Brautpaar saß mit dein Geheimrat Forster und dem Arnheimschen Ehepaar, Giovanni und Lotti, in einem Hotel zu Kairo. Man besprach soeben einen Aus­flug nach Gizeh zu den Pyramiden, welchen man am nächsten Tage unternehmen wollte.

Es war schon spät am Abend und so trennte man sich denn und bestellte sich beim Auseinandergehen noch cherzend gutes Wetter für den folgenden Tag, von wel­chem man sich viel versprach. .

Und wie man es gewünscht, so stellte es sich auch ein. Ein wundervoller Tag brach an. Die ägyptische Land- chaft war Dom hellsten Sonnenschein durchflutet, shue üaß die Straßen allzu brennend waren und die Aus­flügler belästigten. , .

Man hatte sich beim Frühstück herzlich begrüßt und brach bald auf nach Gizeh, Bei den Pyramiden an­gelangt, bemächtigte sich der Ausflügler eine weiche, andächtige Stimmung. Und wie es jedem Sterblichen ergeht beim Anblick dieser uralten, großartigen Grab- denkmäler einer grauen Vorzeit, so erging es auch hier denen, die getammen waren, diese Wunderbauten zu sehen. Sie empfanden die eigene Kleinheit und Nichtig­keit mit einem an Bedrücktheit grenzenden Gefühl

Die beide»! Paare standen Arm in Arm, dicht ait= einandergeschmiegt, während der Geheimratihnen in fes­selnder Weise erzählte, wie diese Denkmäler entstanden.

Obwohl das keinem etwas Neues war, so unterbrach doch niemand die begeisterte Schilderung des alten Herrn, dessen kundiger Führung sich Giovanni und Lotti nur zu gern überließen, wie auch Heinz Holm ja oorlänsig tei»

vollem Umfange. Hierbei, sowie bei der Abweh: der feindlichen Angriffe wurden einundzwanzig Offiziere, zweitausendeinhundertundvierzig Mann gefangen und eine Anzahl Maschinengewehre erbeutet.

Unsere Flieger belegten die Bahnhöfe von Düna- burg, Wilejka und die Bahnanlagen an der Straße BaranowitjchiMinsk mit Bomben.

Balkan-Kriegsschauplatz:

Die Lage ist unverändert.

Oberste Meresleitung.

* *

Unserm Vaterlande zur Ehre!

Zehn und eine halbe Milliarde hat die vierte deutsche Kriegsanleihe gezeitigt; das deutsche Volk hat damit in 20 schweren Kriegsmonaten 36 7a Milliarden dem Vater­lands zu treuen Händen gegeben. DieNeue Freie Presse" schreibt zu diesem glänzenden Erfolg, er bedeute eine der größten Kraftleistungen, von denen jemals die Geschichte berichtet hat.Deutschland und die öster­reichisch-ungarische Monarchie sind unbesiegbar. Das Er­gebnis wird einen starken Eindruck in den feindlichen Ländern machen, wo beständig aus eine EcschöpfiMg ge­lauert wird."

Wahrhaftig, die neue Kriegsanleihe bedeutet eine neue gewonnene Schlacht. Zum viertenmal hat Deutschland gezeigt, daß seine Goldrüstung fest und sturmerprobt ist und gegen alle Angriffe gefeit, würdig und gleich stark wie der eiserne Ring, der die Feinde von unseren Grenzen fernhält, vor dem sie zurückweichen mußten, bis tief in die eigenen Lande hinein. Staatssekretär Dr. Helfferich. hatte recht, als er nach der Kundgebung des glänzenden Ergebnisses sagte:Damit ist Deutschland wiederum der einzige kriegführende Staat, der seine sämtlichen Kriegsausgaben durch langfristige Anleihen gedeckt und übergedeckt hat. Ebenso wie ich im September sagen konnte, daß die Führung des Krieges für ein weiteres halbes Jahr gesichert sei, ebenso kann ich dies auch heute erklären. Was es bedeutet, daß ein Volk von nahezu 70 Millionen, durch völkerrechtswidrige Gewaltakte von der Außenwelt abgeschnitten, ganz auf seine eigene

f neu anderen Wunsch kannte, als sich im wohligen Aus- J ; ruhen, los und ledig aller Pflichten, ganz feiner lieblichen i Braut widmen zn sönnen.

In zarter Aufmerksamkeit für den Gegenstand ihrer ! Liebe stand der Ehemann Gio dein Bräutigam Heinz in s ' keiner Beziehung nach.

Ein so sonniges Miteinanderleben wie auf dieser i Reise war ihnen daheim nicht vergönnt. Dort drängte i sie das Alltagsleben mit seinen Anforderungen und ! Pflichten oft auseinander. Doch auf der Reise gab es keine Pflichten; man durfte einmal ganz sich selbst leben.

Auch die Stunden, die Giovanni der Musik wid­mete, waren ja nicht verloren, denn dann saß Lotti in seiner Nähe und gab sich willig dein »nachtvollen Zauber der Melodien hin, die Gio den Tasten entlockte.

Singen konnte er nicht mehr; die Heiserkeit des Organs wollte durchaus nicht weichen. Doch er vermißtedieStimme jetzt nicht in dem Maße, wie früher beides zusammen.

Er sagte wohl mit etwas müder Resignation:Alles kann der Mensch nicht haben," quälte sich aber weiter nicht mit Experimenten ab, die schließlich doch erfolglos sein würden, sondern wandte sich der Komposition zu.

Mit leidenschaftlicher Inbrunst war in ihm der kühne Wunsch erwacht, eine Oper zu komponieren. Die jahre­lange, ungestillte Liebe zur Kunst hatte eine unermeß­liche Fülle von Sehnsucht in ihm aufgespeichert, die ihn jetzt, nun sie entfesselt war, zu stürmischem Vorwärts­drängen förmlich veitschte. Erfand kein Genug und hätte wohl am liebsten ganze Tage am Flügel Angebracht, wenn nicht seine Liebe zu Lotti ihm ein gebietendesHalt" zugerufen hätte.

Armer Giovanni! Die Kunst ist eine tyrannische Göt­tin! Eine gebietende Königin, die Dir zum Zeichen ihrer Macht den Fuß auf den Nacken setzt. Und beugst Du Dich ihr nicht, ergibst Dn Dich ihr nicht ganz mit jeder Faser Deines inneren Seins, zollst Du ihr nicht willig Gehor­sam, allein ihr dienend zn jeder Stunde, dann stößt Dich ihr Fuß hohnlachend in die großen Massengräber

Kraft gestellt, daß ein Volk, das seit zwanzig Monaten die harten Lasten des Krieges trägt, nunmehr im zwan­zigsten Monat abermals dem Vaterlande den Riesen» betrag von mehr als 10 Milliarden darbringt kein Wort kann an die Größe dieser Leistung heranreichen. Das bedeutet, daß allen Feinden zum Trotz unsere Kraft ungebrochen ist, daß das Vertrauen in unsere gute Sache und in unseren Sieg nicht erschüttert werden kann. Das bedeutet, daß das deutsche Volk, wenn es gilt den Feind zu schlagen, keinen Zwiespalt kennt, daß es einmütig zusammensteht wie ein Mann".

Allen denen aber, die mitgeholfen haben zu dem überwältigend wunderbaren Riesenerfolg sagte Staats­sekretär Helfferich den wärmsten Dank des Vaterlandes. Vor allem der Reichsbank und ihrem verdienten Prä­sidenten, ferner allen den Tausenden, die sich in der Organisation und der Werbearbeit betätigt haben, die draußen durch Amt und Ansehen für die Anleihe ge­wirkt haben, auch der Presse, die für die gute Sache getan hat, was sie irgendwie leisten konnte, schließlich, und vor allem den Millionen von Zeichnern, die auch dieses Mal wieder die Kriegsanleihe zu einer wahren Volks­anleihe gemacht haben, sich selbst und unserm Vater­lands zur Ehre". Alldeutschland aber schaut fest und siegessicher in die Zukunft, vertrauend auf sein gutes Recht und seine starke Kraft. Millionen stehen draußen abwehr- und angriffbereit, Millionen haben daheim nur den einen Gedanken, wie dienst du mit deiner ganzen Kraft dem Vaterlands. Gold gaben sie dem Eisen, und das Eisen wird ihnen den Sieg bringen, aus dem der herrliche Frieden kommen wird, der der deutsche Frieden heißen muß. Daß wir friedensstark sind und waren, beweist der Ausfall unserer Kriegsanleihen, daß wir kriegsstark sind beweist der herrliche Erfolg unserer Heere. Dem Volk aber, das friedens- und kriegsstark zu gleicher Zeit ist, dem gehört die Zukunft. Unter dieser festen Hoffnung trägt Deutschland erhobenen Hauptes die Schwere unserer Zeit.

Dämmernde Erkenntnis.

Die Engländer scheinen doch mehr und mehr ein« zusehen, daß es ihnen nie gelingen wird, uns wirtschaft.

derer, die ebenso wie Du sich vermaßen, zweien Götter» dienen zu wollen, und deren Verzweiflungsschrei unge- hört aus der Tiefe dringt, im Weltall verhallt.

Armer Giovanni!

Auf wieviel tausendund abertausend Menschenkinder mögen die Pyramiden wohl schon herabgesehen haben?

Menschenfreude fund Menschenleid wie kurz istdaS!

Eine winzige Spanne Zeit und solch zuckendes Herz­lein schlägt nicht mehr und hat doch Wunder gedacht, wie groß sein Leid, wie jubelnd die Freude und wie wich­tig sein armes, kleines Leben sei!

Törichte Menschenkinder.

Der Geheimrat Förster hatte seine interessanten Er­klärungen beendet und war zu Lotti getreten.

Sehen Sie dort! Wir sind trotz der frühen Stunde nicht die einzigen Besucher," sagte er, auf drei Damen und zwei Herren deutend, welche denselben Weg kamen.

Lotti sah den Ankommenden entgegen und plötzlich verloren ihre Züge den Ausdruck von Ergriffenheit; e3 breitete sich ein Zug von Spannung aus, ein staunendes Zweifeln, dann sagte sie lebhafter, als es sonst ihre Art war:Das ist ja Käte von der Menge mit ihren Eltern und ihrem Bräutigam und Maud Mertens!"

Eine leise Unbehaglichkeit lag im Ton ihres Aus- rufes, der ihrem Manne nicht entging.

Er drückte wie beruhigend ihren Sinn am sich und meinte etwas ungeniert:Na, die brauchten uns hier auch nicht über den Weg zu laufen!" Alles lachte und Lotti sagte nur mahnend:Aber Gio!"

Mit ganz besonders eigenen Gefühlen erfüllte sie der Anblick der blaß und in sich gekehrt erscheinenden einstigen Jugendfreundin Maud Mertens.

Von dem Fallissement des Hauses Mertens und dem jähen Tod des Inhabers hatte sie gehört, wohl auch seinerzeit in heiß aufwallendem Mitgefühl des stolzen Mädchens gedacht, dessen Lebensverhältnisse durch die­sen Schicksalsschlag eine vollständige Umwälzung er­fuhren. Wie sie es wohl ertragen würde? 219,18*