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Inner Mung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr.«s.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

3» 25.

Samstag, den 25. März 1916.

67. Jahrgang

Wer eiie Merkte

Die im 67. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitttttg mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

n T4-nuLunrtn daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der UIU | || | UPHPUP In || wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen llll Postabonnenten, welche bis spätestens 31. März unsere Zeitung wieder bestellt? haben, können verlangen,

daß ihnen unsere Zeitung vom 1. April 1916 ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Psg. bezahlen. Jede Post- Anstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. April 1916 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung"

Amtliches.

J. Nr. 3415. Ich mache die Herren Bürger­meister und Gutsvorsteher wiederholt darauf aufmerk­sam, daß über alle aus dem feindlichen Ausland zu­ziehende Personen (deutsche Rückwanderer) mir Anzeige zu elstatten ist.

Schlüchtern, den 23. März 1916.

Der comm. Königliche Landrat. von Trott zu Solz.

Nr. 1580 K. A. Infolge des durch den Krieg stark erhöhten Bedarf an Nußbaumhölzern sind mehr Nußbäume gefällt worden als im Interesse der Er­haltung der Nußbaumbestände erwünscht ist. Es ist notwendig so rasch als tunlich und im weitgehensten Maße Ersatz zu schaffen.

Da sowohl Gemeinden wie Privaten nennenswerte Staatsbeihilsen zu fraglichem Zweck gewährt werden, kann wohl erwartet werden, daß auch im Kreise Schlüchtern geeignete Grundstücke alsbald mit jungen Nußbäumen bepflanzt werden. Die Kreisverwaltung wird bei der Sortenauswahl wie bei der Beschaffung der jungen Stämmchen gern behilflich sein, auch können bei-^k-biv -ucch«!««-H«-»ng«mgrn stur tu «moUprung- der Staatsbeihülsen eingesehen werden.

Anmeldungen für die Frühjahrspflanzung müssen bis spätestens 5. April, für die Herbstpflanzung bis zum L Septimber beim Kreisausschuß eingehen.

Schlüchtern, den 23. März 1916.

Der comm. Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 3305. Die Fleischbeschauer und Trichinen' schauer werden an die pünktliche Entsendung der Vierteljahrsnachweise erinnert. Die Karten sind an den Herrn Kreistierarzt Dr. Knauff in Gelnhausen einzusenden.

Schlüchtern, den 21. März 1916.

Der komm. Königl. Landrot. I. V.: Schultheis.

J.-Nr. 3502. In der Gemeinde Lanzingen, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Schlüchtern, den 23. März 1916.

Der komm. Königl. Landrat. J. V.: Schultheis.

Zirauenkieöe.

Roman von Clara Anlepp-Stübs.

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Ihm war, als müsse er baun wahnsinnig werden, als könne er es nicht überleben, sein geliebtes Weib ster­ben sehen sterben durch seine Schuld weil sie der Mntter nachging, die sein Vater im ausbrechenden Wahn­sinn getötet hatte auch durch seine Schuld! Ach, der Schmerz, der seine Seele zerriß, ward unerträglich und durch seine Selbstanklagen so folternd, so martervoll, wie heftige, körperliche Pein.

Er bettete Lotti sacht und sorgsam aufs Sofa, dann schellte er. Wie er gedacht, so geschah es; der Arzt öff­nete leise die Tür nnd trat nach einem forschenden Blick ins Gemach rasch ein. Die beiden Männer wechselten ernste Worte. In leidvoller Teilnahme blickte der Dok­tor in das totenblasse Antlitz der jungen Frau.

Als Lotti aus ihrer tiefen Ohnmacht erwachte, fand sie llch in ihrem Bett liegend mit einer seltsamen Er­schöpfung in den Gliedern und stechendem Schmerz in Kopf und Brust. Eine Weile lag sie stumm und regnngs- los in den weißen Kissen, wie nachdenkend, dann verzerrte sich ihr Gesicht und ein lanter Schrei brach von ihren Lippen. .

Sie warf die Arme in die Luft, als wollte sie et­was greifen, richtete sich empor, sank aber gleich darauf matt wieder zurück.

Giovanni eilte an ihr Lager, schob sanft den Arm unter ihr Kissen und richtete sie auf. Er zitterte, denn er wußte, nun kam der ganze Jammer ihres Herzens »um Ausbruch. , .

Und anfangs schien es auch so. Ein paar konvul­sivische, heftige Bewegungen ängstigten ihn aufs äußerste, doch dann lag bie junge Frau ganz still; sie hatte das Gesicht in die Kissen gepreßt, um die Schreie zu unter­drücken, die sich mit Gewalt über ihre Lippen ringen

J.-Nr. 3272. Gemäß § 5 der Schiedsmannsord- nung vom 29. März 1879, ist der Nikolaus Latz in Gundhelm als Schiedsmannsstellvertreter für den Schiedsmannsbezirk Gundhelm gewählt und verpflichtet worden.

Schlüchtern, den 21. März 1916.

Der komm. Königliche Landrat. I. V.: Schultheis.

Dom Kriegsschauplatz.

Me nutzlosen Wussenangriffe.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 23. März.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Der Erfolg beim Walde von Avocourt wurde durch Inbesitznahme der französischen Stützpunkte auf den Höhenrücken südwestlich von Haucourt vervollständigt. Es wurden etwa vierhundertundfünfzig Gefangene ««gebracht.

Im übnaen hat das Gesamtbild feineJBeröiibmiaÄ. erfahren.------

Oestlicher Kriegsschauplatz:

Ihre Hauptangriffstätigkeit verlegten die Russen auf die gestrigen Abend- und auf die Nachtstunden' Mehrfach brachen sie mit starken K ästen gegen unsere Stellungen im Brückenkopf von Jakobstadt beiderseits der Bahn Mitau-Jakobstadt, viermal gegen unsere Linien nördlich von Widsy vor. Während sie auf der Front nordwestlich von Postawy, wo die Zahl der eingebrachten Gefangenen auf vierzehn Offiziere acht- hundertundneunundachtzig Mann gestiegen ist, wohl infolge der übermäßig blutigen Verlusten von größeren Angriffsversuchen Abstand nahmen, stürzten sie wieder­holt mit neuer Gewalt zwischen Narocz- und Wiszniew- See an. Der hohe Einsatz an Menschenleben und Munition hat auch in diesem Angriff und in mehr­fachen einzelnen Unternehmungen an anderen Stellen den Russen nicht den kleinsten Vorteil gegenüber der unerschütterlichen deutschen Verteidigung bringen können.

Und wie sie so krampfhaft das znckende Antlitz vor dem Gatten verbarg und ihrer Seele Sehnen immer wieder in wildem Schmerz der Mutter nachging, da dachte sie auf einmal daran, wie lange ihr Mann, der in verzehrender Angst an ihrem Lager saß, die Liebe einer Mutter entbehrt und wie er die ihrige dann ge­liebt hatte.

Und aus diesem Gefühl wuchs das Erbarmen mit seinem Leid, seiner doppelten Qual nun so übermäch­tig empor, daß sie das Köpfchen hob und ihm mit ihrem liebevollsten Blick ins Ange sah. Der krampfhaft znckende Mund versuchte jetzt sogar ein Lächeln, aber es blieb doch nur ein herzzerreißender Ausdruck rüh­renden Bemühens, der Giovanni tief in die Seele schnitt.--

Mit bewunderungswürdiger Stärke ertrug Lotti auch die Aufregung der nächsten Tage.

Im Salon der Villa Arnheim stand der Sara mit der lieben, stillen Schläferitt. Was Liebe und Reichtum vermochten, war geschehen, um den Raum würdig und pietätvoll zu schmücken, in welchem Lottis Mutter auf- gebahrt war, und wo die kurze, aber tief ergreifende Leichenfeier stattfand. *

Ehe die Teilnehmer an derselben eintrafen, hatte die Tochter lange allein bei der Leiche geweilt.

Mutti, meine Herzliebe, teure Mntti"

Ach, all die fitzen Kosenamen, wie sie nur stammeln­der Kindermund erfinden kann und Lotti so gern noch in späteren Jahren, als sie längst erwachsen war, ge­brauchte, brachen in dieser bangen Abschiedsstunde mit schmerzerfüllter Innigkeit von ihren Lippen.

Sie streichelte mit ihren bebenden Händen sacht die kalten Wangen, küßte leise nnd sanft die blassen Lippen und legte endlich ihr heißes, tränenüberströmtes Ge­sicht neben das leblose der Toten.

Ach, ihr Mütterlein wachte nicht auf, um ihren Lieb­ling, wie sie es früher so oft getan, auf den Kissen dicht

Balkan-Kriegsschauplatz:

Keine besonderen Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

* *

Die Goldbeute, die dieMöwe"

von ihrer Heldenfahrt mitgebracht hat, ist nicht dem» Bestände der Reichsbank zugeschlagen worden. Dieses Gold soll vielmehr bis auf weiteres, d. h. bis nach Ab­schluß des Prisenverfahrens bei der Reichsbank nur in Aufbewahrung bleiben w d erst später dem sonstigen Vorrat an G:W zugezählt werden. Von Interesse dürfte es sein, zu hören, daß dieMöve" insgesamt 16 Kisten mitgebracht hat, von denen 14 Goldbarren und zwei Staubgold enthalten.

Unruhe unter den holländischen Seeleuten.

Haag, 22 März. (WTB.) Dienstag nachmittag wurde im Ministerium des Innern eine Besprechung abgehalten, an der verschiedene Minister und Vertreter des niederländischen Seemannsbundes, Volharding, tcilnahmen, die die Regierung ersuchten, Maßregeln zu rr«!eir, um vu Auiroi|Uyu gu starrn, des gestrigen Abends fand in Rotterdam eine start besuchte Seemannsversammlung statt, auf der das Er» gchnis der Besprechung bekannt gegeben worden ist. Rotterdam, 22. März. (WTB.) Gestern abend fuhr kein einziges Schiff aus Rotterdam aus.

Deutsches Reich.

DerReichsanzeiger" gibt bekannt: Der Kaiser enthob den Großadmiral v. Tirpitz unter Verleihung des Sterns der Großkomture des königlichen Haus­ordens von Hohenzollern mit Schwertern in Ge­nehmigung seines Abschiedsgesuches von seinen Aemtern als Staatsminister und Staatssekretär des Reichs­marineamts und ernannte den Admiral z. D. v. Capelle unter Wiedereinreihung in das aktive See- offizierkorpS zum Staatssekretär des Reichsmarineamts. In einem herzlichen Handschreiben verleiht der Kaiser den Verdiensten v. Tirpitz höchste Anerkennung.

dann hingeschmiegt und eingehnschelt hatte dicht am Mutterherzen, dessen leisen Schlag sie durch das Nachtgewand fühlen konnte. Nun schlug es nicht mehr nun war alles still und kalt unb tot.

Und nach all der jammernden Verzweiflung dieses Abschieds bemächtigte sich Lottis eine dumpfe Betäu­bung. Ihre Gedanken kreisten immer rundum, immer ruiibum sie wollte ihnen wehren, wollte sie halten, sie zurückdämmen, doch sie war ohnmächtig der gewal­tigen Macht gegenüber, mit welcher ihre Seele sich auf* bäumte in der einzigen Frage:Warum?"

Niemand gab Antwort darauf, die Tote nicht und das Schicksal nicht, das erbarmungslos über Leichen schreitet, kalt lächelnd, hier nehmend und versagend dort gewährend, mit vollen Händen seine Gunst aus» streuend I

Und Lotti hob ben Blick, den todesmutigen, tränen­schweren, und dieser traf ein wunderschönes, durch schwar­zen Flor verschleiertes Bildnis. Und die Augen dieses Bildnisses sahen sie an, so groß, so dunkel und so tief Lotti erschauerte und der rote, süße Mund hatte ein Lächeln für sie, ein Lächeln, hinter dein ein Weh verborgen lag ein großes, leidvolles Weh und eine große, ungelöste Frage.

Da fant Lotti lautlos zusammen.--

Wenn Giovanni geglaubt, sein junges Weib werde unter der Last ihres Kummers in schwere Krankheit verfallen, so wurde er bald mit Staunen gewahr, welche Elastizität Lottis zarte Natur besaß.

Da war kein schmerzvolles Hindämmern, kein apa» thisches Sichgehenlassen in leidooller Zurückgezogenheit, keine heftigen Schmerzansbrüche, sondern ein mutoolleS Sümpfen, ein tapferes Znsammenraffen aller Willens­kraft, ein zielbewußtes Festhalten an dein einen Wunsch, durch ihr Leid nicht Giovannis Summer zu vermehren. Wenn er sich in reueooHen Selbstauklagen erging, so JW LM « M<ZM, - , ' M&lSi