SWchffrnerZeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. vs. Ivochsnbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
M 20.
Mittwoch, den 8. März 1916.
67. Jahrgang.
Baut Gemüse! Die Zeit, da unsere Lieblinge im Garten und Feld den Ruf erschallen lassen: „Spitz die Schar" ist wieder herange»ückt, die Ausräumungs- arbeiten im Garten und Feld werden in Argriff genommen. Mehr noch als in jedem anderen Jahre ist im Kriegsjahr 1916 nötig, daß jedes Eckchen freies Land bestellt wird insbesondere dem Anbau von Gemüse größter Wert beigelegt wird. Deshalb ergeht die Mahnung: „Noch mehr Kriegsgeumse im Sommer 1916! Grundbesitzer ! Gebt auch das letzte Stück geeignetes Brachland her zum Kartoffel- und Gemüsebau! Im Kriegsjahr 1916 ist das Durchhalten schwieriger als iu 1914 und 1915. Ihr Städter laßt Euch von Sachverständigen beraten und anleiten, vergeutet nicht Mühe und Geld aus ungeeignetem, schlechten oder toten Boden. Beschränkt Euch auf Kriegsgemuse, die satt machen und Erfolg versprechen und überlaßt feinere Gemüse dem Berufsgärtner. Seit sparsam, und verständig, braucht nicht mehr Samen als unbedingt nöiig.
Dom Kriegsschauplatz.
948 Aranzosen gefangen.
Amtlicher Tagesbericht.
WTB. Großes Hauptquartier, 6. März.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Lebhafte Minenkämpfe nordöstlich von Vermelles.
Angriffen ansetzte, wurde durch Feuer abgewiesen.
Auf dem östlichen Maasufer verlief der Tag im allgemeinen ruhiger als bisher. Immerhin wurden bei kleineren Kampfhandlungen gestern und vorgestern an Gefangenen vierzehn Offiziere, neunhundcrtvierund- dreißig Mann eingebracht.
Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz: Keine besonderen Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
Neuer Luftschiffangriff auf England.
Deutsche Marinelustschiffe üöer Kutl.
Erfolgreiche Bombenwürfe. Gute Heimkehr.
WTB. Berlin, 6, März. (Amtlich.)
Ein Teil unserer Marinelustschiffe hat in der Nacht vom 5. zum 6. März den Marinestützpunkt Hull am Humber und die dortigen Dockanlagrn ausgiebig mit Bomben beworfcn. Gute Wirkung beobachtet. Die Luftschiffe wurden heftig, aber ohne Erfolg beschossen. Sie sind sämtlich znrückgekehrt.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
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Das amerikanische Molk will den Irieden.
Aus dem Haag, 6. März. (zb.)
Wie die „Boss. Ztg." berichtet, zeigen die letzten englischen Meldungen, daß Wilson seinen bedingten Sieg nach der Drohung mit seinem Rücktritt nur dem Umstand verdanke, daß es ihm gelungen sei, den Senat zu der Ueberzeugung zu bringen, die Unterstützung seiner Politik werde nicht zum Kriege führen, sondern den Frieden ganz sicher stellen. Gerade die Ereignisse der letzten Tage bezeugen, wie stark im amerikanischen Volk der Wunsch nach Erhaltung des Friedens ist. Die englische Presse sucht allerdings die Abstimmung als einen glänzenden Triumph hinzustellen und durch ihre Bemerkungen dazu möglichst verhetzend zu wirken.
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Deutschland und Mortugat.
Berlin, 6. März. (zb.)
Eine Antwort von Portugal auf unsere Note wegen der Beschlagnahme der deutschen Schiffe ist, wie der „Berl. Lokalanz." erfährt, noch nicht eingetroffen. Wenn die portugiesische Regierung etwa glaubt, sie könne die Sache beliebig lange hinzichen, so dürste sie sich in einem schweren Irrtum befinden. Sie erreicht damit nur, daß sich die Lage noch mehr zuspitzt, denn darüber kann kein Zweifel herrschen, daß wir uns das Vorgehen Portugals unter keinen Umständen gefallen lassen können.
Die Deute der „Möwe".
13 englische Schiffe, 1 französisches und
1 belgisches Schiff. — 1 Million Mark in Koldöarren. — „Eduard VII.“ als
Minenopfer.
Amtlich. Berlin, 4, März. S. M. S. „Möwe", Kommandant Korvettenkapitän Burggraf und Graf zu Dohna-Schlodien, ist heute nach mehrmonatiger erfolgreicher Kreuzfahrt mit 4 englischen Offizieren, 29 englischen Seesoldaten und Matrosen, 166 Köpfen feindlicher Dampserbesatzungen — darunter 103 Indern — als Gefangenen, sowie 1 Million Mark in Goldbarren in einem heimischen Hafen eingelaufen.
Das Schiff hat folgende feindlich? Dampfer aufgebracht und zum größten Teil versenkt, zum kleineren als Prisen nach neutralen Häfen gesandt: „Corbridge", 3687 Brutto Register-Tonnen engl-, „Author", 3496 Br. Reg.-To. engl., „Trader", 3608 Br.-Reg. To. engl., „Ariadne", 3035 Br.-Reg.-To. engl. „Dromonby", 3627 Br.-Reg -To. engl., „Farringford" |3146 Br.- Reg.-To. engl. „Clan Macwish", 5816 Br.-Reg.-To., engl., „Appam", 778lBr.-Reg.-To. engl., „Westburn", 3300 Br.-Reg.-To. engl., „Horace",3335 Br.-Reg.-To. engl., „Flamenco", 4629 Br.-Reg.-To. engl., „Edinburgh" (Segelschiff), 1473 Br.-Reg.-To. engl., „Saxon Prince", 3471 Br.-Reg.-To. engl., „Maroni", 3109 Br.-Reg.-To. fran-zösisch, „Luxemburg", 4322 Br.-Reg.- To. belgisch.
S. M. S. „Möwe" hat ferner an mehreren Stellen der feindlichen Küste Minen gelegt, denen u. a> das englische Schlachtschiff „Eduard VII.“ zum Opfer ge-
Der Chef des Admiralstabes der^Maruse)
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Arommetfeuer und Infanteriestürme.
Berlin, 4, März.
Aus einem von der „Kreuzzeitung" veröffentlichten vom 29. Februar datierten Briefe eines Mitgliedes ihrer Redaktion, der an den Kämpfen bei Verdun beteiligt ist, sei folgendes wiedergegeben:
In aller Eile zogen die Franzosen Verstärkungen heran und griffen fünfmal nach schwerer Artilleriebe- reirung die unverzagten Stürmer des Forts Douau- mont an. Mit blutigen Verlusten wurden sie abgeschmettert, und weiterer Geländegewinn zu beiden Seiten vergrößerte unseren Erfolg. Was deutsches Trommelfeuer ist, das haben die Franzosen wieder einmal schwer gespürt. Nach Aussagen der Gefangenen — bis jetzt 15 000 — ist es eine Hölle gewesen, und alle waren froh, ihm entronnen zu sein. Wir hatten in der Champagne am eigenen Leibe gemerkt, was deutsche schwere Haubitzen leisten können, denn von allen englischen und französischen Geschützen waren die Krupp-Haubitzen am unerträglichsten. Haubitzen, die unser alter, falscher Verbündeter, Italien, aus seinen von uns ihm früher gelieferten Beständen den Franzosen geliehen hatte.
Unsichtiges Wetter, schwere Stürme mit Hagel, hatten den Beginn des Kampfes um einige Tage verzögert und schon steckten dreiste Franzosen in den Schützengräben Plakate aus: „Na, wann geht's los?" weil sie irgendwie doch Wind von unseren Absichten be- kommen hatten. Die Plakate sind weg, die Schützengräben sind weg, und moderne Forts mit Stahlpanzern und Betonbauten aber auch. Und ein unübersehbarer Zug von zermürbten Gefangenen wälzt sich nach Deutschland hinein.
Unsere prächtige Infanterie, die seit vielen Monaten ungeduldig in den Schützengräben mehr im Kampf mit Ratten und Wasser als mit französischer Infanterie das Zeichen zum Sturm erwartete, sie ging los wie ein Hagelsturm über zerschmetterte Hindernisse hinweg brausend begleitet von den über sie sausenden deutschen Granaieu, die fliehender und auch tapfer kämpfender feindlicher Infanterie mit Sperrfeuer den Rückweg verlegten. Was dort an herioschem Mut wieder geleistet wurde, ist eines hohen Liedes würdig von deutschem Mannesmut. Ungeschwächt ist der vorwärtsstürmende Geist^unscres Heeres. Die jungen Soldaten der stürmenden Truppenteile sind ebenbürtig den Helden, die im Siegeszuge bis dicht vor Paris gelangt waren, und denen, die die russische Uebermacht in Stücke schlugen.
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, den 7. März 1916.
—* Unsere beiden Rotekreuzvereine konnten in den letzten Tagen wiederum 170 Paar wollene Strümpfe und 205 Paar wollene Stauchen den braven Kriegern zuführen.
—* Am Mittwoch, den 8. d. Mts. abends 8 Uhr findet eine Stadtverordnetenversammlung statt. Tagesordnung ! 1. Ergänzungswahl für die infolge Ablaufs der Wahlperiode ausscheidenden Magistratsmitglieder Leipold und Siemon II. und 2. Erstattung des Verwaltungsberichtes durch den Magistrat. 3. Vorlage des Haushaltplanes für 1916. 4. Festsetzung des Kommunalsteuerzuschlages für 1916. 5. Genehmigung eines Kaufvertrages mit dem Eisenbahnfiskus über Abtretung von städt. Gelände auf der Rothe und vom Acisbrunnen. 6. Uebernahme von Kosten der Kaisersgeburtstagsfeier 1914. 7. Erh9hu.>s des Gehaltes für den städt. Schuldiener. 8. Verschiedenes.
- * Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist findet vom 11. bis 24. März ab auf dem hiesigen Felsenkeller ein großer Emollieverkauf statt.
* Sterbsritz. Ein abgängiger Gemeindebulle erzielte ein Schlachtgewicht von über 22 Zentner und brächte einen Erlös von rund 2500 Mark. Ein solches Ergebnis kann nur in einem Gemeiudebullenstall gezeitigt werden.
* Fulda. (Schadenfeuer). Dieser Tage brach abends spät in dem Rauchschlot des Metzgermeisters Jos. Koch, Ablstor, ein verheerendes Schadenfeuer aus. Es vernichtete 150 Pfund Speck, 70 Pfund Schwarten- magen, 50 Pfd. Blutwurst, 20 Pfd. Schinkenspeck und eine größere Anzahl sog. Bauchstücke. Der Gesamt- j^^^^ Räucherwaren belauft
* Frankfurt a. M. Der frühere Kommandeur des 18. Armeekorps, Generaloberst von Eichhorn, feiert am 1. April sein goldenes Militärdienstjubiläum. Der hier im Korpsbezirk noch in besten Andenken stehende verdiente General trat am 1. April 1866 als Fahnenjunker in das 2. Garderegiment z. F. ein.
* Kirchhain. Die Familie Wagner hier erhielt vor einigen Tagen die Nachricht von einem Freund ihres an der Front kämpfenden Sohnes, daß derselbe durch einen Granatsplitter an der Brust schwer ver- wundet sei. Kurze Zeit darauf traf die Nachricht ein vom selben Freunde, sein Kamerad sei bald nach der Verwundung gestorben, er hätte solches nicht gleich schreiben wollen. Den Eltern teilte ein Feldgeistlicher aus einem Feldlazarett hinter der Front mit, daß ihr Sohn zwar schwer verwundet, aber nicht hoffnungslos im Lazarett liege. Dieser Fall beweist wieder, tote leicht sich der kämpfende Soldat über seinen fallenden Kameraden täuschen kann.
Kirchlicher Anzeiger für Achlüchtern. Evangelische Gemeinde.
Mittwoch, den 8. März 1916 abends 8 Uhr.
Bittgottesdienst
Amtlicher.
Kreis-Pferde Berstcherurrgs Anstalt
Alle Pferde, welche bei uns versichert sind oder vom 1. Aprild.Js. ab neu versichert werden sollen müssen in der Zeit vom 9. bis 25. März er. unseren Vorstandsmitgliedern zur Begutachtung und Festsetzung des Versicherungswerts vorgeführt werden.
Bekanntgabe der Ortstermine erfolgt einige Tage vorher, durch die betreffenden Vorstandsmitglieder.
Bei der Vorführung sind die älteren Versicherungsscheine nebst Zugangs-Anzeigen oder neue VersicherungsAnträge auf den vorgeschriebenen Formularen abzugeben.
Unterbleibt die Vorführung der Pferde, so erfolgt Streichung der Versicherung am 31. März d. Js.
Schlüchtern, den 2. März 1916.
Der Vorstand der Kreis-Pferde Versicherungs-Anstalt. Pfalzgraf.