Zchlüchtemer Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbsilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. v». Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «s.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
M 17. Samstag, den 26. Februar 1916. 67. Jahrgang.
Bci Frau von Voith in Schwarzenfels steht eine junge reinrassige Simmentaler Kuh zum Verkauf. (Herdbuchtier, gut im Geschirr,)
Simmentaler Rinderzuchtgenossenschaft Schlüchtern.
I. V.: Schaefer.
3u I A I 3358.
Maßregeln gegen die KnochenörüchigkeiL der Kaustiere.
Veröffentlichungen des Preußischen Landwirtschaftsministeriums.
Nach ausnahmsweise trockenen Sommern treten regelmäßig die Zeichen mangelhafter Ernährung unter den Viehbeständen auf, in der Hauptsache auf den ungenügenden Gehalt der in der eigenen Wirtschaft gewonnenen Futtermittel, namentlich des Rauhfutters, iön aufnahmefähigen Aschebestandteilen beruhen. Am augenfälligsten find diese Anzeichen bezüglich der Entwicklung der Knochen wachsender Tiere, aber auch bei -volljährigen, namentlich bei tragenden Tieren und bei Milchvieh können infolge mangelhaften Stoffersotzes die Schäden auftreten. In beiden Fällen fehlt den Knochen die erforderliche Widerstandsfähigkeit, so daß Knochenbrüche und die sonstigen Erscheinungen )er wanoelbaften Rilduna _h»r Suochsnst bsts-7^ reten. IndMen können sich die Mängel auch auf die fehlerhafte Bildung der übrigen Gewebsarten erstrecken, nur fallen sie hier weniger in die Augen.
Die Erscheinungen zeigen sich der Regel nach erst >ei der Winterfütterung, einmal wohl deshalb, weil küh Grünsutler die Verdaulichkeit auch der Aschebestandteile eine bessere ist als beim Trockenfutter, sodann aber auch aus dem Grunde, weil die mangelnde Stoff- Wfuhr, namentlich beim erwachsenen Vieh erst einige Zeit angedauert haben muß, ehe die Folgen hervor« treten. So war es in dem trockenen Jahr 1893, in frischer Erinnerung sind diese Vorgänge aber aus dem ebenfalls sehr trockenen Jahr 1911.
Das Jahr 1915 hat beide Jahre an Ungunst der Witterung und namentlich bezüglich der ungenügenden Niederschläge im Vorsommer im ganzen Norden und Osten des Reiches noch übertroffen. Es ist daher nicht überraschend, wenn auch jetzt wieder Knochen-
Araumlleöe.
Roman von Clara Anlepp-Stubs. 48
Bis zum heutigen Tage war der Kommerzienrat aus Lager gefesselt gewesen, heute zum ersten Male hatte man ihn auf einen Lehnstuhl gebettet. ,
1 Giovanni wollte eben zu ihm. Er war im Schlafzimmer mit seiner Toilette beschäftigt, als Lotti eintrat. ■ „Du gehst zum Vater! Willst Du Mutti diese Zel« MN von mir mitnehmen?"
„Gewiß, gern! Liebesbriefe?" lächelte er.
„Ja, selbstredend, was beutst Du denn? Mutter Und Tochter —" erwiderte sie drollig ernst.
E „Haben sich furchtbar viel wichtige Dinge zu schrei- Uen, erkenne ich stets an. Frauchen, das weißt Du!"
„Ja, aber Gio, mal Scherz beiseite jetzt, siehst Du, Nia meint auch, ein paar Wochen in Italien wurden
so gut tun, der Arzt hat Dich schon im Februar ivtthaben wollen — geh doch jetzt mit!"
„Nun und Du?"
„Ich bleibe hier und helfe!"
«Nein, Herzlieb I Das wird nicht gehen I Entweder Du mit oder gar nicht! Aber ich muß offen gestehen, Wran gedacht habe ich auch — dieser gräßliche Husten I Ich will doch Herrn Vogt einmal telephonieren, und War gleich. Man sollte doch meinen, die Leute könn-
einmal ein paar Wochen allein fertig werden!"
E Da erzählte nun Lotti das von Ria soeben Gehörte, nickte mehrmals amüsiert mit dem Kopfe.
Schließlich meinte er: „Deine Freundin hat ganz cht! So geht es faktisch zu in der Welt! Wer heut- äage Geld hat, der versteht es auch durchzubrmgen!
lernt sich leichter, als das Verdienen!"
Lotti seufzte; ihre Augen wurden groß und starr, sie ^chle an die dnnklen Morgenwanderungen durch Schnee Kälte, dachte an die ihr damals begegnenden
Men Kinder — an Life Larsens Heimarbeit und sagte
ld Kälte, dachte an
brüchigkeit auftritt, zumal wenn man berücksichtigt, daß in normalen Zeiten der beim Rauhfutter bestehende Mangel an mineralischen Nahrungsstoffen durch entsprechende Beigabe von Kraftfutter ersetzt werden konnte, was in dem laufenden Jahr aus bekannten Gründen nicht möglich ist. Dazu kommt, daß es z. Z. dem verfügbaren Futter auch an dem nötigen Eiweiß fehlt. Das letztere spielt aber bei der Verdauung eine bedeutsame Rolle. Fehlt es an Eiweiß, so ist auch die Ausnahme der in dem Futter enthaltenen Aschebestandteile eine mangelhafte.
Es fragt sich, welche Mittel zur Verfügung stehen, um dem Uebelstand abzuhelfen. Das nächstliegende Mittel, die Verabreichung reichlicher Mengen von Futtermitteln, die sowohl Eiweiß als Aschebestandteile in einer für den Tierkörper aufnahmefähigen Form und in reichlicher Menge enthalten, z. B. Hülsenfrüchte, Hafer, Kleeheu, Oelkuchensamen, Bohnen- und Erbsen- stroh versagt, da diese Futtermittel nicht zu beschaffen sind. Es bleibt also nur übrig, die fehlenden Aschebestandteile in geeigneter Form dem Futter unmittelbar zuzumischen.
In erster Linie handelt es sich dabei um die Beigabe von phosphorsaurem Kalk für die Knochenbildung, in zweiter Linie aber auch darum, den Tieren eine angemessene Menge von Kochsalz (Viehsalz) zu verabreichen. Das letztere trägt bekanntlich wesentlich dazu bei, die Bekömmlichkeit des Futters zu erhöhen. Wenn schon unter normalen Fütterungsverhältnissen die Verabreichung von Salz und gegebenenfalls auch von phosphorsaurem Kalk von Vorteil ist, so sollte diesem Gesichtspunkt in Zeiten, in denen die Futterrationen nach mancher Richtung hin zu wünschen übrig fgfTov, 2T2L ZL^z Ssfcw^crc Ä^smia,tfuuitvH tz jchrult werden. Natürlich ist dabei die Art und Zusammensetzung des verabreichten Futters zu berücksichtigen. Schon in früheren Veröffentlichungen (vgl. das Rundschreiben, betreffend die Fütterung von Zuckerrüben und von Zucker, vom 13. Januar 1915 — I.A.IIe 123 —) ist darauf hingewiesen worden, daß bei reichlicher Verabreichung der Rückstände der Zuckerfabrikation eine entsprechende Beifütterung von phosphorsaurem Kalk besonders zu empfehlen ist; dagegen ist in diesem Fall, namentlich bei reichlicher Fütterung der an sich salzreichen Melasse mit den Viehsalzgaben sparsamer zu verfahren. Es lassen sich daher für alle Verhältnisse passende Regeln nicht aufstellen, die nachfolgend gegebenen Zahlen sind demgemäß nicht als allgemein gültige Rezepte, sondern nur als Anhaltspunkte aufzn- fassen, um an ihrer Hand die zu verabreichenden Gaben den besonderen Fütterungsverhältnissen entsprechend zu bemessen. Angemessene Gaben sind 50 g kohlensaurer
beklommen: „Ja, Gio, ich weiß! O, da sei Gott vor, daß wir Geld durchbringen! Nein, nein, nur — Du mußt jetzt hier aus den wechselnden Witterungsverhältnissen heraus. Du tönnteft doch mit dem Vater einmal sprechen!"
Giovanni nickte. „Kann ich machen! Und übrigens — hat Mutti dem Papa wohl einmal eine Andeutung gemacht, daß wir einen Flügel getauft haben?"
Lotti zuckte die Achseln. „Das kann ich nicht sagen, man mußte doch bisher noch die kleinste Aufregung vermeiden, da muß Mutti vorsichtig sein; sie wagte es schwerlich schon!"
„Dann will ich es ihm heute sagen; er ist ja wieder außer Bett!"
„Beides zusammen? Jtalienreise und dieses? Ich glaube, das darfst Du nicht wagen, Gio l" Lottis Gesicht sah ängstlich aus.
Er strich ihr kosend über die Wangen. „Lieb, nur nicht gleich Angst haben! Ich werde schon vorsichtig sein!" _ r r
„Versprich es mir!" bat sie und hielt seine Hand fest.
„Aber gern, wenn Dich das beruhigt! Also, mein Manneswort! Ist das genug?" lächelte er.
„O, scherze nicht darüber; mir ist so angst!"
„Ach, die kommt nicht daher!" Er flüsterte ihr ein paar Worte ins Ohr, da wurde sie rot, wandte sich mit einem reizenden Schmollen ab.
Er lachte leise auf, ging nach der Tür, warf ihr einen Kußfinger zu und rief: „Komm doch dann einmal in mein Zimmer, wenn Vogt da ist, ja? Da wirst Du ja gleich hören, was er sagt!"
„Gut, ich komme!"
Herr Vogt gab vollständig günstigen Bescheid. Dem erfahrenen, kenntnisreichen Mann war es gewissermaßen eine Wohltat, seine Tätigkeit ansdehnen zu können, sozusagen die Verantwortlichkeit auf seine Schultern zu nehmen.
Kalk (Schlemmkreide) und gleichzeitig 50 g ,präzipitierter, („präparierter") phosphorsaurer Kalk auf den Tag und Kopf (bei einem Lebendgewicht von etwa 10 Ztr.) Diese Zahlen können als Anhalt für alle Viehgattungen gelten. An Kochsalz gibt man bei Rindvieh und Schafen 20—50 g für 10 Ztr. Lebendgewicht. Bei Pferden genügt eine Gabe von 15—20 g auf den Kopf.
Unter allen Umständen verdient also die Beigabe von mineralischen Nährstoffen zum Futter unter den gegenwärtigen Verhältnissen ganz besondere Beachtung. Berlin, den 16. Februar 1916.
vom Kriegsschauplatz.
Deutscher Durchstoß an der Maas.
In 10 km Mette und 3 km Tiefe durchgestoßen.
Amtlicher Tagesbericht.
WTB. Großes Hauptquartier, 23. Februar.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Durch eine Sprengung in der Nähe der von uns am 21. Februar eroberten Gräben östlich von Souchez wurden die feindlichen Stellungen erheblich beschädigt. Die Gefangenenzahl erhöhte sich hier auf elf (11) Offiziere, dreihundertachtundvierzig (348) Mann, die Beute beträgt drei (3) Maschinengewehre.
Auf den Maashöhen dauerten die Artilleriekämpfe mit unverminderter Stärke fort.
Oestlich des Flusses griffen wir die Stellungen an, die der Feind etwa in Höhe der Dörfer Consenvoye— AzanneS seit anderthalb Jahren mit allen Mitteln der Befestigungskunst ausgebaut hatte, um eine für uns unbequeme Einwirkung auf unsere Verbindungen im -W'tM^n Toila d»» Woe^r» zu behalten---D»» Angriff stieß in der Breite von reichlich zehn (10) Kilometer, in der ec angesetzt war, bis zu drei (3) Kilometer Tiefe durch. Neben sehr erheblichen blutigen V erluften büßte der Feind mehr als dreitausend (3000) an Gefangenen und zahlreiches noch unübersehbares Material ein.
Im Oberelsaß führte der Angriff westlich Heidweiler zur Fortnahme der feindlichen Stellungen in einer Breite von siebenhundert (700) und einer Tiefe von vierhundert (400) Metern, wobei etwa achtzig (80) Gefangene in unserer Hand blieben.
In zahlreichen Luftkämpfen jenseits der feindlichen Linien behielten unsere Flieger die Oberhand.
Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz: Unverändert. Oberste Heeresleitung.
♦ *
$k Westburn versenkt.
WTB. London, 24. Febr. (Nichtamtl.) Lloyds meldet aus Teueriffa: Der britische Dampfer
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Vor ihm stand der zukünftige Herr!,Seine Brust hob sich förmlich im stolzen Bewußtsein, diesem jetzt seine Leistungsfähigkeit beweisen zu können.
Bisher hatte die strenge, aber auch kleinliche Ueber- wachung, das fortwährende Nörgeln und Kritisieren des Kommerzienrats ihm manche trübe Stunde bereitet, doch seitdem der fern, begann er aufzuatmen, denn mit dem jungen Herrn ließ sich besser arbeiten.
Herr Vogt war dem Hause Arnheim treu ergeben; das wußte Giovanni und hatte nie begreifen können, daß sein Vater ihm so wellig Freiheit ließ.
Herr Vogt besaß eine jener reckenhaften Gestalten au8 dem alten Friesengeschlecht, wie man sie in Schleswig-Holstein vielfach antrifft, ein blonder Hüne, neben welchem Giovannis schmale, schlanke Figur, fast beängstigend ausstel.
Dies mochte Lotti nicht entgehen, denn fast angstvoll umklammerte sie plötzlich mit ihren beiden kleinen Händen Herrn Vogts wohlgepflegte, doch große, kraftvolle Männerhand.
„Also Sie meinen auch, mein Mann kann abkommen, es geht?" Und nochmals versicherte Herr Vogt ihr, daß einige Wochen Abwesenheit geschäftlich keinen Schaden bringen würden; da könnte er jede Verantwortung übernehmen.
„Aber mein Schwiegervater?" Es kam etwas zaghaft heraus: „Wird er wohl derselben Meinung sein?"
Da freilich zog Herr Vogt die Schultern hoch. 8118 er jedoch Lottis Blick voll (Spannung auf sich gerichtet sah, äußerte er vorsichtigerweise nur: „Ich denke dochl Es gilt doch das Wohl seines Sohnes?"
11. Kapitel. 219,18*
In weiche Kissen gebettet ruhte die kraftlose Gestalt des Kommerzienrats Arnheim in dem Lehnstuhl, welchen man zu diesen» Zweck in das Arbeitszimmer gestellt hatte, denn in dieses hatte der Kommerzienrat verlangt, ,